Mischfonds

Hohe Nachfrage,
niedrige Ertrags-Aussichten

Das Wichtigste in Kürze

  • Mischfonds investieren in Aktien und Anleihen.
  • Das Mischungsverhältnis hängt vom jeweiligen Fonds-Typ ab.
  • Wir raten von Mischfonds ab, weil die Renditeaussichten von Anleihen wegen der niedrigen Zinsen gering sind. Gleichzeitig ist die Verlustgefahr gestiegen.
  • Wir raten außerdem ab, weil Manager von Mischfonds häufig ihr Geld nicht wert sind. Die Renditen, die sie erwirtschaften, lagen in der Vergangenheit meistens unter dem Marktdurchschnitt.
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Mischfonds sind der Renner. Allein 2014 steckten deutsche Anleger 22,7 Milliarden Euro in diese Fonds-Kategorie. Damit lagen Mischfonds in der Jahresstatistik des Fondsverbandes BVI weit vor Rentenfonds und Aktienfonds. Aus letzteren zogen Investoren im vergangenen Jahr sogar 10 Milliarden Euro ab, obwohl viele Börsen rund um den Globus boomen. Auch 2013 setzen die Deutschen bevorzugt auf Mischfonds. Insgesamt verwalten diese Fonds nun gut 176 Milliarden Euro.

Sicherheit mit einem Schuss Börse

Mischfonds treffen den Nerv vieler Anleger, weil sie einerseits Sicherheit, aber gleichzeitig auch attraktive Renditen versprechen. Denn sie investieren sowohl in sichere Anleihen als auch in riskantere Aktien, die in der Vergangenheit renditestärker als Anleihen waren. Da Einlagen bei Filialbanken fast keine Zinsen mehr bringen und auch sichere Rentenfonds, die ausschließlich Anleihen enthalten, kaum noch etwas abwerfen, rücken andere Anlagen in den Mittelpunkt, die bessere Erträge versprechen.

Vor Aktienfonds schrecken viele – zu Unrecht – zurück. Die Verlustgefahr erscheint ihnen zu hoch. Mischfonds bieten dagegen einen weniger riskanten Einstieg in die Welt der Börsen. Sichere Anleihen gemischt mit einem Schuss Aktien für eine höhere Rendite – das ist nach Ansicht vieler Anleger das Mittel der Wahl in Zeiten niedriger Zinsen.

Schlechte Rendite-Aussichten

Das Konzept, Vermögen auf unterschiedliche Wertpapier-Typen zu verteilen, war jahrzehntelang erfolgreich und ist grundsätzlich richtig. Anleihen waren der Sicherheitsbaustein, und riskantere Aktien sorgten für höhere Renditen.

Deutsche Staats- und Unternehmensanleihen brachten Anlegern seit den 1960er-Jahren jährlich eine Verzinsung von durchschnittlich gut 6 Prozent ein. Dieser stetige Einnahmefluss sorgte für eine gewisse Stabilität in gemischten Portfolios aus Aktien und Anleihen. Doch inzwischen sind die Renditen für viele Staatsanleihen von wirtschaftlich soliden europäischen Ländern negativ, beispielsweise in Österreich, Deutschland, Belgien, Frankreich und den Niederlanden. Wegen der historisch niedrigen Zinsen sind die Ertrags-Aussichten für Anleihen in den kommenden zehn Jahren schlecht – unabhängig davon, wie sich die Zinsen künftig entwickeln. Das zeigen Modellrechnungen von Finanztip.

Hinzu kommt: Die Gefahr, mit Anleihen künftig Verluste zu erleiden, hat deutlich zugenommen. Sobald die Zinsen wieder steigen, werden Anleger Federn lassen müssen, wenn sie in Anleihen und Rentenfonds investiert haben. Warum das so ist, lesen Sie in unserem Ratgeber Rentenfonds.

Derzeit keine Empfehlung für Mischfonds

Rentenfonds, die ihr Kapital in Staatsanleihen aus Euro-Ländern anlegen, haben wir deswegen vorerst von unserer Empfehlungsliste gestrichen. Und auch Mischfonds können sich dem Zinstief nicht entziehen. Ihre Rendite-Aussichten sind umso schlechter, je höher die Gewichtung von Anleihen ist. Die zum Teil üppigen Erträge der Vergangenheit lassen sich nicht in der Zukunft fortschreiben.

Falls sich internationale Aktien weiterhin mit einem durchschnittlichen Jahresgewinn von 7,5 Prozent entwickeln und mit Anleihen noch 1,2 Prozent Rendite pro Jahr erzielt werden können, erreicht ein konservativer Mischfonds mit einen Anleihe-Anteil von 80 Prozent eine Jahresrendite von 1 Prozent nach Abzug von Verwaltungskosten in Höhe von 1,5 Prozent. Das rechnet das unabhängige Analysehaus Sauren Fonds-Research vor. So viel werfen derzeit auch gute Tagesgeldkonten ab – ohne das Risiko von Verlusten. Festgeld für 36 Monate bringt noch gut 1,5 Prozent pro Jahr – das ist mehr, als von sicheren Staatsanleihen in den nächsten Jahren zu erwarten ist.

Diese Mischfonds-Typen gibt es

Natürlich gibt es auch Mischfonds mit einem deutlich geringeren Anleihe-Anteil. Grundsätzlich unterscheidet die Finanzindustrie vier Kategorien:

Defensiv – Als defensiv oder konservativ werden Mischfonds bezeichnet, deren Aktien-Anteil bei weniger als 35 Prozent liegt. Typisch ist eine Mischung aus 75 Prozent Anleihen und 25 Prozent Aktien.

Ausgewogen – Das Portfolio besteht zu etwa gleichen Anteilen aus Anleihen und Aktien.

Offensiv – Diese Mischung enthält wenigstens 65 Prozent Aktien. Die klassische Gewichtung sind 25 Prozent Anleihen und 75 Prozent Aktien.

Flexibel – Flexible Mischfonds heißen auch vermögensverwaltende Fonds. Im Gegensatz zu den anderen Mischfonds-Kategorien, deren Gewichtung mehr oder weniger festgeschrieben ist, haben die Manager flexibler Fonds vollkommen freie Hand: Sie können die Gewichtung von Anleihen und Aktien frei zwischen 0 und 100 Prozent wählen, also theoretisch ausschließlich auf Aktien oder Anleihen setzen.

Alle Mischfonds-Typen gibt es mit internationaler Ausrichtung oder mit Fokus auf Europa. Dass die Rendite-Aussichten von Fonds mit einem höheren Aktien-Anteil größer sind, liegt auf der Hand. Dennoch werden auch sie von dem jeweiligen Anleihe-Anteil gebremst. Das kann Fondsmanager dazu verführen, im Anleihe-Bereich höhere Risiken einzugehen. Beispielsweise könnten sie Papiere von Herausgebern mit schlechterer Kreditwürdigkeit kaufen. Die bezahlen höhere Zinsen. Doch dafür ist auch die Ausfallwahrscheinlichkeit deutlich größer. Unter dem Strich besteht die Gefahr, dass Mischfonds mehr Risiken eingehen, um höhere Erträge zu erzielen. Auch das spricht zurzeit gegen diese Fonds-Kategorie.

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Flexible Mischfonds haben viel versprochen und wenig gehalten

Deutsche Anleger kauften in den vergangenen Jahren neben defensiven vor allem flexible Mischfonds. An sie ist die Hoffnung geknüpft, dass der Manager den Fonds je nach Marktlage optimal ausrichtet und Anleger damit sowohl in guten als auch in schlechten Zeiten auf der Sonnenseite der Kapitalmärkte stehen. Doch tatsächlich bleiben flexible Mischfonds weit hinter solchen Erwartungen zurück, wie regelmäßige Untersuchungen der Ratingagentur Morningstar zeigen. Danach gelang es kaum einem Manger eines flexiblen Mischfonds, besser abzuschneiden als ein starrer Index, der je zur Hälfte aus Anleihen und Aktien besteht. Zeitweise blieben flexible Mischfonds auch deutlich hinter konservativen zurück. Gleichzeitig erlitten sie phasenweise höhere Verluste.

Das zeigt, dass auch Börsenprofis nicht in der Lage sind, Marktbewegungen vorherzusehen und ihre Aktien- und Anleihe-Quoten entsprechend zu senken oder zu erhöhen. Vielmehr laufen die Manager flexibler Mischfonds dem Markt hinterher. Sie verkaufen Aktien, wenn die Märkte bereits deutlich gefallen sind und erhöhen die Quote wieder, nachdem die Börsen bereits wieder einen Anstieg hinter sich haben, wie aus Morningstar-Analysen hervorgeht. Auf diese Weise verkaufen sie zu niedrigen Preisen und kaufen zu höheren. Das schmälert die Rendite. Die Folge ist eine schlechtere Wertentwicklung als im Marktdurchschnitt ohne Manager möglich gewesen wäre.

Auch klassische Mischfonds tun sich schwer

Doch auch die anderen Mischfonds tun sich laut Morningstar schwer, besser als ihr Vergleichsindex abzuschneiden. Das schaffen nur wenige Fondsmanager und dann in der Regel nicht auf Dauer. Ein Grund dafür sind die relativ hohen Verwaltungskosten, meist 1,5 Prozent, die den Anlegern jährlich von der Rendite abgezogen werden.

Vor diesem Hintergrund ist es naheliegend, direkt auf die Vergleichsindizes zu setzen. Das machen einige wenige ETF-Mischfonds, die Indexfonds enthalten. Sie kommen ohne Manager aus. Der Nachteil dieser Produkte: Einige erscheinen zu teuer, ein anderer enthält auch Rohstoffe, was unter Fachleuten umstritten ist.

Anleger fahren zurzeit besser, wenn sie sich selbst einen eigenen Mischfonds zusammenzubauen. Das ist mit relativ wenig Aufwand verbunden und recht unkompliziert: Dafür reichen normalerweise jeweils ein Aktien- und ein Renten-Indexfonds im gewünschten Mischungsverhältnis. Der Vorteil: niedrige Kosten ab rund 0,2 Prozent pro Jahr und hohe Transparenz. Und auf lange Sicht ist auch die Rendite höher als bei der Mehrheit der Mischfonds, die von Managern verwaltet werden. Einmal im Jahr können Aktien- und Renten-Indexfonds wieder auf ihre Startgewichtung zurückgesetzt werden. Wenn beispielsweise die Aktienkurse stark gestiegen und die Anleihekurse gefallen sind, können Anleger einen Teil der Aktien-Indexfonds verkaufen und dafür Renten-Indexfonds kaufen. „Rebalancing“ nennen Finanzprofis das. Auf diese Weise bleibt das Risikoprofil des selbst zusammengestellten Mischfonds langfristig weitgehend stabil.

Fest- und Tagesgeld statt Rentenfonds ins Portfolio

Wegen der schlechten Ertrags-Perspektiven von Rentenfonds raten wir derzeit, den Anleihe-Anteil im Depot durch sicheres Fest- und Tagesgeld zu ersetzen. Im Gegensatz zu Renten-Indexfonds, die Anleger jederzeit verkaufen können, kommen sie allerdings an Festgeld während der Laufzeit nicht heran. Wie sich dieses Problem weitgehend umgehen lässt, lesen Sie in unserem Ratgeber Festgeld. Unser Ratgeber Geldanlage liefert Ihnen eine Anleitung, wie Sie sich ein einfaches Portfolio aus Aktien-Indexfonds und Bankeinlagen zusammenbauen können. 

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Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Bitte beachten: Ich bin ,habe aber schon lange Zeit unter anderem Mischfonds-Investments (seitdem die Immobilienfonds "abgestürzt" sind). Aufgrund meiner Erfahrung kann ich nur raten, niemals alles ...
29. Januar 2015 zum Beitrag
Indexfonds oder Mischfonds?
Liebe Experten,
nachdem ich mich eigentlich entschieden hatte, ca 50% meines Vermögens (50 Tsd.) im MSCI-World-Index anzulegen, schwanke ich jetzt wieder. Vielleicht sind ja Mischfonds doch die ...
29. Januar 2015 zum Beitrag
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Markus Neumann

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis Oktober 2015)

Markus Neumann schrieb für Finanztip über alle Aspekte der Geldanlage. Der erfahrene Finanzjournalist verfasste bereits zahlreiche Publikationen zum Thema Geldanlage, die im Berliner Fuchsbriefe-Verlag und bei der Stiftung Warentest erschienen sind. Neumann volontierte beim Heinrich Bauer Verlag in Hamburg. Im Anschluss arbeitete er viele Jahre als Redakteur und Reporter.