Senioren in der Kfz-Versicherung

Durch Wechsel 30 Prozent Beitragserhöhung umgehen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Autoversicherung wird mit steigendem Lebensalter des Fahrers teurer.
  • Besonders Menschen, die die Schadenfreiheitsklasse (SF) 35 erreicht haben, bekommen dies zu spüren, da sie keine weiteren Rabatte aufgrund ihrer SF bekommen.
  • Bereits ab dem 60. Lebensjahr kostet die Kfz-Versicherung bei einigen Anbietern mehr.
  • Ab dem 70. Lebensjahr verlangen Versicherer einen Aufschlag von bis zu 20 Prozent im Vergleich zu einem 55-jährigen Fahrer.
  • Deshalb sollten auch Senioren ihre Autoversicherung vergleichen und gegebenenfalls wechseln.
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Senioren sind heutzutage aktiver denn je, besonders was das Autofahren angeht: Rund 13 Millionen Bundesbürger über 65 Jahre haben laut Kraftfahrt-Bundesamt eine Fahrerlaubnis; das ist etwa jeder vierte der 54 Millionen Führerscheinbesitzer in Deutschland.

Zugleich sind viele ältere Menschen aber auch unsicherer beim Autofahren. Die Sehkraft lässt nach, ebenso die Reaktionsgeschwindigkeit. Obwohl Senioren laut Statistischem Bundesamt im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil seltener in Verkehrsunfälle verwickelt sind, werden die meisten Kfz-Versicherungen mit dem Alter immer teurer. Offenbar halten viele Versicherer ältere Fahrer für ein Sicherheitsrisiko.

Tipp

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Wir haben alle wichtigen Informationen und Tipps zum Kfz-Versicherungswechsel 2015 für Sie in einem kostenlosen E-Book zusammengestellt.

Download KFZ-Ratgeber 2015

Sobald ein Fahrer 35 Jahre lang unfallfrei mit dem Auto unterwegs war und damit die höchste Schadenfreiheitsklasse (SF 35) erreicht hat, steigen die Beiträge bei den meisten Versicherern kontinuierlich. Dadurch, dass sich der SF-Rabatt nicht mehr verändert, wird besonders deutlich, dass der Beitrag aufgrund des Alters steigt. Unsere Recherchen haben ergeben, dass 70-Jährige bei manchen Anbietern rund 20 Prozent mehr für ihre Autoversicherung zahlen als 55-Jährige im selben Tarif. Ab 75 Jahre wird es richtig teuer: Hier verlangen manche Anbieter mehr als 30 Prozent Aufschlag. Und auch schon 65-Jährige zahlen je nach Versicherer bis zu 12 Prozent drauf.

Senioren sollten jährlich ihre Kfz-Versicherung prüfen

Unser Rat an alle Senioren lautet deshalb: Überprüfen Sie Ihre Auto-Versicherung am besten jährlich und wechseln Sie gegebenenfalls zu einem günstigeren Anbieter mit gleich guten Konditionen. Unsere Berechnungen haben ergeben, dass bis zu 400 Euro Ersparnis drin sein können, wenn Sie von einem teuren Anbieter wie der Allianz auf einen günstigen wie Europa umsteigen. Dabei kann nichts schiefgehen. Alle Details dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber „Kfz-Versicherung wechseln“.

Wer nicht wechseln möchte, sollte wenigstens die gefahrenen Kilometer pro Jahr anpassen. Damit lassen sich zumindest ein paar Euro sparen, falls Sie jünger als 75 Jahre sind.

Wir empfehlen Ihnen diese Anbieter, wenn Sie Tarife vergleichen möchten:

Check24
Zeitbedarf für ein Angebot und Preisvergleich: etwa 30 Minuten

laut eigener Angabe 56 Versicherer insgesamt im Angebot
  • Abschlussmöglichkeit direkt auf Portal
  • hervorragende Benutzerfreundlichkeit
  • deckt nicht den gesamten Markt ab
  • ganz oben angezeigtes Ergebnis ist Werbung

HUK24
Günstiger Direktanbieter

Seit September 2015 nicht mehr auf Vergleichsportalen vertreten

Verivox
Zeitbedarf für ein Angebot und Preisvergleich: etwa 30 Minuten

Laut eigener Angabe 54 Versicherer insgesamt im Angebot
  • übersichtlicher Preis- und Leistungsvergleich
  • Abschluss direkt auf dem Portal möglich
  • bietet nur Tarife mit erhöhter Deckungssumme an
  • nach einem Zwischenergebnis müssen Eingaben teilweise wiederholt werden
  • Detailvergleich notwendig

Nafi-Auto
deckt laut eigener Angabe 76 Versicherer ab

  • kein Vergleichsportal erfasst mehr Anbieter
  • Preise nicht höher als auf Versicherer-Webseite
  • kaum Abschlussmöglichkeiten
  • aufwendige Dateneingabe
  • keine Support-Hotline
Nafi-Auto

Weniger Jahreskilometer wiegen ab 75 Jahren den Effekt nicht auf

Der Effekt, dass die Kfz-Versicherung mit höherem Lebensalter immer mehr kostet, bleibt aber im Prinzip auch dann bestehen, wenn Senioren ihre jährlich gefahrenen Kilometer bei der Versicherung herabsetzen. In unserem Test haben wir einen 70- und einen 75-Jährigen jeweils 20.000 Kilometer beziehungsweise 10.000 Kilometer auf dem Vergleichsportal Check24.de „fahren“ lassen. Bis auf die Kilometerstände blieben alle anderen Eingaben konstant. Ergebnis: Mit dem Herabsetzen der Kilometer lässt sich der Alters-Effekt kaum aushebeln. Zwar sparen Wenigfahrer Beiträge, dennoch wiegt diese Ersparnis die Erhöhung der Kfz-Versicherung in der Regel nicht auf.

Die folgenden Tabellen zeigen, wie die Preise einiger Anbieter mit zunehmendem Alter des Versicherten steigen. Als Bezugswert für die prozentuale Erhöhung haben wir jeweils die Preise für 55-Jährige herangezogen.

Beiträge zur Kfz-Versicherung in Abhängigkeit vom Alter des Fahrers (20.000 Kilometer pro Jahr)

Alter billigster Anbieter R+V24 WGV Direct Line Allianz Huk-Coburg
55 340 € (R+V24) 340 € +0 % 403 € 354 € 675 € 379 €
60 340 € (R+V24) +0 % 340 € +0 % 403 € +0 % 372 € +5 % 683 € +2 % 379 € +0 %
65 340 € (R+V24) +0 % 340 € +0 % 428 € +6 % 405 € +12 % 709 € +5 % 423 € +11 %
70 375 € (R+V24) +9 % 375 € +9 % 461 € +13 % 444 € +20 % 756 € +11 % 493 € +21 %
75 498 € (Europa) +32 % 540 € +37 % 594 € +32 % 504 € +30 % 893 € +24 % 565 € +33 %

Annahmen: Golf VI, 100 PS, SF 35, Halter des Fahrzeugs: Versicherungsnehmer, sonstige Fahrer: Ehepartner, Wohnort: München (Stadt), Erstzulassung 2. August 2012, Versicherungsbeginn: 3. August 2015, ausschließlich private Nutzung, Vollkasko (Selbstbeteiligung 300 €), keine Kinder, jährliche Zahlweise.
Tarife: R+V24 Basis Schutz, Europa Basis Kasko Clever, Direct Line Basis Kasko Clever, WGV Basis Select, Allianz Meinauto Komfort-Paket, Huk-Coburg Basis Select. Preise gerundet.
Quellen: Check24.de, Verivox.de, Allianz.de (Stand: 5./11. August 2015)

Beiträge zur Kfz-Versicherung in Abhängigkeit vom Alter des Fahrers (10.000 Kilometer pro Jahr)

Alter billigster Anbieter R+V24 WGV Direct Line Allianz Huk-Coburg
70 305 € (R+V24) -10 % 319 € -6 % 350 € +13 % 379 € +7 % 611 € -10 % 428 € +12 %
75 426 € (Europa) +20 % 432 € +21 % 452 +11 % 430 € +18 % 704 € +4 % 491 € +23 %

Annahmen: Golf VI, 100 PS, SF 35, Halter des Fahrzeugs: Versicherungsnehmer, sonstige Fahrer: Ehepartner, Wohnort: München (Stadt), Erstzulassung 2. August 2012, Versicherungsbeginn: 3. August 2015, ausschließlich private Nutzung, Vollkasko (Selbstbeteiligung 300 €), keine Kinder, jährliche Zahlweise.
Tarife: R+V24 Basis Schutz, Europa Basis Spar-Kasko, Direct Line Basis Kasko Clever, WGV Basis Select, Allianz Meinauto Komfort-Paket, Huk-Coburg Basis Select. Preise gerundet.
Quellen: Check24.de, Verivox.de, Allianz.de (Stand: 5./11. August 2015)

So haben wir getestet

Für unseren Test im August 2015 haben wir einen fiktiven Fahrer festgelegt, bei dem alle Eingaben konstant blieben bis auf das Alter, das wir von 55 Jahren in Fünferschritten bis 75 Jahre hochgezählt haben. Der Halter des Wagens ist der Versicherungsnehmer; als sonstige Fahrer haben wir seine Ehepartnerin angenommen. Das Paar hat keine Kinder, die den Wagen fahren. Das Auto wird ausschließlich privat genutzt und ist vollkaskoversichert mit einer Selbstbeteiligung von 300 Euro. Der Fahrer sowie seine Frau haben die Schadenfreiheitsklasse 35 aufgrund ihres Alters und ihres jahrelangen, unfallfreien Fahrens.

Neben dem im der obigen Tabelle „Beiträge zur Kfz-Versicherung in Abhängigkeit vom Alter des Fahrers“ erwähnten Golf VI haben wir noch einen Mercedes-Benz C160 mit demselben Fahrerprofil getestet, um eine zweite Stichprobe zu haben. Sowohl der Golf VI als auch der Mercedes C160 gelten als typische Seniorenautos, wobei der Golf beim Kauf etwas preiswerter ist als der Mercedes. Unser Beispiel-Golf ist in München zugelassen und der Beispiel-Mercedes in Hannover

Dass Kfz-Versicherungen im Alter immer teurer werden, bestätigte sich sowohl beim Testdurchlauf mit dem Golf als auch mit dem Mercedes.

Auf Check24.de haben wir aus der Gesamtheit aller Anbieter diejenigen miteinander verglichen, deren Tarife in allen Altersklassen zu finden waren. Das waren:

  • R+V24
  • Hannoversche
  • Directline
  • Allsecur
  • Europa
  • WGV

Da die Huk-Coburg nicht auf Check24.de vertreten ist, haben wir für das Unternehmen Preise auf Verivox.de verglichen. Die Preise von der Allianz stammen direkt von der Website der Allianz, weil für diesen Anbieter über die Vergleichsportale oftmals keine Preisauskunft möglich war. Die Tabellen oben geben folglich nur einen Auszug unseres Tests wider.

Um herauszufinden, inwiefern die jährliche Fahrleistung den Altersaufschlag aufwiegt, haben wir die Fahrleistung bei den 70- und 75-Jährigen variiert. Wir haben den Preis für die Kfz-Versicherung mit 20.000 Jahreskilometern berechnet sowie mit 10.000 Jahreskilometern. Die Ergebnisse sieht man in der zweiten Tabelle oben.

Die Pressestelle eines namhaften Versicherers hat uns übrigens schriftlich bestätigt, dass Autoversicherungen im Alter teurer werden.

Community
Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Vielen Dank Trumpet für Ihre Recherche.
Gerne habe ich für alle anderen den von der Versicherung an trumpet angezogenen Paragrafen beim Bundesjustizministerium herausgesucht:
"Allgemeines ...
26. August 2015 zum Beitrag
Hallo easydoor,
habe mit einem Versicherer darüber gesprochen.
Unterschiedliche Prämien wegen Alters sind erlaubt.
Geregelt ist dies in § 20 Abs2,Satz 2 des AGG.
trumpet
25. August 2015 zum Beitrag
Hallo,
dies sollte man aufgreifen,denn m.E.ist dies ein Verstoß gegen §19 des
"Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz"( AGG).
Guter Hinweis.Danke.
trumpet
22. August 2015 zum Beitrag
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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.

Anika Schulz

ehemalige freie Finanztip-Mitarbeiterin

Anika Schulz ist ausgebildete Journalistin. Sie arbeitete bereits beim Peoplemagazin InTouch und bei verschiedenen Publikationen aus der BILD-Gruppe. Ihr Volontariat schloss sie erfolgreich beim Berliner Kurier ab. Für Finanztip schrieb sie bis zum 1. Juli 2016 im Bereich Versicherungen.

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