Senioren in der Kfz-Versicherung

Durch Wechsel können Senioren 30 Prozent Beitragserhöhung umgehen

Das Wichtigste in Kürze

  • Für ältere Fahrer wird die Autoversicherung teurer.
  • Wer bereits die höchste Schadenfreiheitsklasse (SF) 35 erreicht hat, bekommt auch keine weiteren Rabatte durch eine steigende SF.
  • Bei einigen Anbietern kostet die Kfz-Versicherung laut einer Finanztip-Studie bereits ab 65 Jahren mehr.
  • Ab dem 76. Lebensjahr verlangen Versicherer einen Aufschlag von durchschnittlich 52 Prozent im Vergleich zu einem 55-jährigen Fahrer.

So gehen Sie vor

  • Deshalb sollten auch Senioren ihre Autoversicherung vergleichen und gegebenenfalls wechseln.
  • Machen Sie immer zwei Vergleiche. Kombinieren Sie dafür ein Vergleichsportal und einen Direktversicherer miteinander oder zwei Vergleichsportale.
  • Die besten Vergleichsportale sind Verivox und Check24. Etwas schlechter, aber immer noch empfehlenswert, schnitt autoversicherung.de ab.
  • Die günstigen Direktversicherer, die nicht auf den Portalen vertreten sind und bei denen sich der Vergleich auch lohnt, sind vor allem Hannoversche Direkt und Huk24.
  • Die günstigsten Ergebnisse in unseren Tests lieferte die Kombination aus Verivox und Hannoversche.
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Senioren sind heutzutage aktiver denn je, besonders was das Autofahren angeht: Gut 15 Millionen Bundesbürger über 65 Jahre haben laut Kraftfahrt-Bundesamt eine Fahrerlaubnis; das ist etwa jeder Vierte der 58 Millionen Führerscheinbesitzer in Deutschland.

Zugleich sind viele ältere Menschen aber auch unsicherer beim Autofahren. Die Sehkraft lässt nach, ebenso die Reaktionsgeschwindigkeit. Obwohl Senioren laut Statistischem Bundesamt im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil seltener in Verkehrsunfälle verwickelt sind, werden die meisten Kfz-Versicherungen mit dem Alter immer teurer. Offenbar halten viele Versicherer ältere Fahrer für ein Sicherheitsrisiko.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) empfiehlt seinen Mitgliedern Aufschläge für Fahrer ab 68 Jahren. Denn die Statistik der Versicherungswirtschaft spricht eine andere Sprache. Demnach verursachen Senioren zum einen teurere Schäden und zum anderen Schäden, die nicht der Polizei gemeldet und daher nicht vom Statistischen Bundesamt erfasst werden. Über 80-Jährige verursachen beispielsweise die Hälfte mehr an Kosten als ein durchschnittlicher Fahrer. Allerdings steigt die Schadenhäufigkeit laut GDV erst ab 75 Jahren an. Warum er dennoch schon früher Aufschläge empfiehlt, wird nicht deutlich.

Ab 65 Jahren wird es teurer

Wer schon lange unfallfrei fährt, profitiert von steigenden Schadenfreiheitsklassen, die den Beitrag drücken. Durch den stetig steigenden Rabatt merken viele Senioren gar nicht, dass ihr Grundbeitrag wegen des Alters steigt. Erst, wenn man sich die Beiträge mit konstantem Schadenfreiheitsrabatt anschaut, fallen die Aufschläge auf. Wer in der höchsten Schadenfreiheitsklasse angekommen ist, sollte die Unterschiede merken.

Eine Finanztip-Studie hat ergeben, dass schon 65-Jährige im Schnitt 11 Prozent mehr bezahlen als ein 55-jähriger Fahrer. Weitere zehn Lebensjahre verursachen einen noch höheren Aufschlag. Einen 75-Jährigen kostet seine Kfz-Versicherung im Schnitt 52 Prozent mehr als einen Mittfünfziger. Wie vom GDV empfohlen, langen die meisten Versicherer also besonders zu, wenn es auf die 70 zugeht. 

Noch happiger wird es, schaut man sich die Aufschläge einzelner Anbieter an. Bei einem Tarif verlangte die Versicherung von einem 75-Jährigen für den identischen Tarif gut 94 Prozent mehr als von einem Fahrer, der 20 Jahre jünger war.

Senioren sollten jährlich ihre Kfz-Versicherung prüfen

Unser Rat an alle Senioren lautet deshalb: Überprüfen Sie Ihre Auto-Versicherung am besten jährlich und wechseln Sie gegebenenfalls zu einem günstigeren Anbieter mit mindestens gleich guten Konditionen. Dabei kann nichts schiefgehen. Alle Details dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber „Kfz-Versicherung wechseln“.

Wer nicht wechseln möchte, sollte wenigstens – wenn möglich – die gefahrenen Kilometer pro Jahr anpassen. Damit lassen sich zumindest ein paar Euro sparen, falls Sie jünger als 75 Jahre sind.

Wir empfehlen Ihnen diese Anbieter, wenn Sie Tarife vergleichen möchten:

Verivox
Zeitbedarf für ein Angebot und Preisvergleich: etwa 30 Minuten

Laut eigener Angabe 57 Versicherer insgesamt im Angebot
  • hervorragende Benutzerfreundlichkeit
  • Abschluss direkt auf dem Portal möglich
  • bietet nur Tarife mit erhöhter Deckungssumme an
  • zusätzlicher Vergleich sinnvoll
  • deckt nicht den gesamten Markt ab
  • oberster angezeigter Tarif ist Werbung

Hannoversche Direkt
günstiger Direktanbieter

nicht mehr auf den empfohlenen Vergleichsportalen vertreten
  • Abschlussmöglichkeit direkt beim Anbieter
  • einfache Preisabfrage
  • günstige Tarife
  • zusätzlicher Vergleich auf Vergleichsportal sinnvoll
Hannoversche Direkt

Check24
Zeitbedarf für ein Angebot und Preisvergleich: etwa 30 Minuten

laut eigener Angabe 58 Versicherer im Angebot
  • Abschlussmöglichkeit direkt auf Portal
  • hervorragende Benutzerfreundlichkeit
  • zusätzlicher Vergleich sinnvoll
  • deckt nicht den gesamten Markt ab
  • ganz oben angezeigtes Ergebnis ist "Maklerempfehlung"

Huk24
günstiger Direktanbieter

nicht mehr auf Vergleichsportalen vertreten
  • Abschlussmöglichkeit direkt beim Anbieter
  • einfache Preisabfrage
  • günstige Tarife
  • alle Voreinstellungen erfüllen die Finanztip-Mindestanforderungen
  • zusätzlicher Vergleich auf Vergleichsportal sinnvoll
  • keine Support-Hotline

autoversicherung.de
Zeitbedarf für ein Angebot und Preisvergleich: etwa 45 Minuten

laut eigener Angabe 53 Versicherer im Angebot
  • Abschlussmöglichkeit direkt beim Anbieter
  • zusätzlicher Vergleich sinnvoll
  • aufwendige Dateneingabe
  • keine Support-Hotline
  • höchste maximale Abweichung unter den getesteten Vergleichsportalen
autoversicherung.de
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So haben wir gerechnet

In unserer Studie im August 2017 haben wir Profile für zehn Fahrer erstellt und für diese auf dem Vergleichsportal Nafi-Auto Preise abgefragt. Dabei blieben alle Merkmale des Fahrers gleich, nur das Alter variierten wir. Dadurch erhoben wir Preise für einen 55-, 65-, und 75-Jährigen. Die ersten 30 Ergebnisse für jeden Fahrer gingen in unsere Berechnungen ein. Wir errechneten durchschnittliche Abweichungen aller Tarife für die verschiedenen Altersklassen. Außerdem werteten wir den Aufschlag der einzelnen Anbieter aus.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.