Rabattschutz Kfz-Versicherung

Trotz Unfall Schadenfreiheitsrabatt behalten

Das Wichtigste in Kürze

  • Bezahlt die Kfz-Versicherung einen Haftpflicht- oder Vollkaskoschaden, stuft sie den Versicherten im nächsten Jahr etliche Schadenfreiheitsklassen zurück. Das kostet über die Jahre meist mehr als 1.000 Euro.
  • Die Tarifoption Rabattschutz schützt gegen Aufpreis vor einer schlechteren Einstufung. Wer diese Option wählt, hat pro Jahr mindestens einen Schaden frei.
  • Der Rabattschutz ist nicht billig, macht sich aber oft bezahlt. Statistisch lohnt er sich bis zu einem Aufpreis von 105 Euro in der Haftpflicht und 206 Euro in der Vollkasko.
  • Bei einem Versicherungswechsel geht der Rabattschutz allerdings verloren. Die neue Kfz-Versicherung stuft die Schadenfreiheitsklasse dann so ein, als hätte es keinen Rabattschutz gegeben.
  • Der Schutz eignet sich für Fahrer, die häufig kleinere Unfälle haben und bereits in einem günstigen Tarif bei einem Direktversicherer sind.
  • Machen Sie immer zwei Vergleiche. Nutzen Sie dafür mindestens ein Vergleichsportal. Auch der Vergleich mit dem Preis eines Direktversicherers kann sinnvoll sein.
  • Wir empfehlen die Vergleichsportale Check24 und Verivox. Nicht ganz so gut, aber immer noch empfehlenswert ist autoversicherung.de.
  • Die günstigen Direktversicherer, die nicht auf den Portalen vertreten sind und bei denen sich der Vergleich auch lohnt, sind vor allem Hannoversche Direkt und Huk24.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zu Kfz-Versicherung immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Das enge Parkhaus ist nicht gerade der Freund vieler Autofahrer. Zu schnell zerkratzt der Kotflügel bei der Fahrt in das nächste Stockwerk oder haut beim Aussteigen in der engen Parklücke die Tür ins Nachbarauto. Wem das häufiger passiert, der kann über einen Rabattschutz in der Kfz-Versicherung nachdenken. Denn viele Autofahrer unterschätzen, wie teuer es ist, wenn die Versicherung einen Unfallschaden für sie übernimmt. Die meisten wissen zwar, dass sie dadurch in der Schadensfreiheitsklasse (SF) abrutschen und höhere Beiträge zahlen.

Beispiel: Rückstufung nach Schaden

Schadenfreiheitsklasse vor Schaden Beitragssatz vor Schaden Rückstufung nach Schaden in Klasse Beitragssatz nach Schaden Beitragserhöhung nach Schaden in Prozentpunkten Relative Beitragserhöhung nach Schaden
10 36% 4 48% 12 33%

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: September 2016)

Aber was vielen nicht bewusst ist: Diese Rückstufung wirkt sich über Jahre auf die Höhe des Beitrags aus. Der Versicherte zahlt nach dem Unfall so lange eine höhere Prämie, bis er mit der höchsten SF-Klasse (meistens SF 35) den ursprünglichen Rabattverlauf wieder eingeholt hat.

Schäden selbst zahlen oder melden?

Um einer schlechteren Einstufung in der Kfz-Versicherung zu entgehen, zahlen viele Fahrer kleinere Beträge selbst. Nach Finanztip-Berechnungen lohnt es sich in der Haftpflichtversicherung normalerweise einen Schaden bis 1.500 Euro selbst zu zahlen, in der Vollkaskoversicherung bis 1.300 Euro.

Doch nicht jeder hat das Geld, um Unfallschäden dieser Größe aus der Portokasse zu begleichen. Hier bietet der Rabattschutz eine sinnvolle Alternative: Dabei handelt es sich um eine Zusatzoption, die man bei vielen Versicherern zur Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung dazubuchen kann. In der Teilkaskoversicherung gibt es ihn nicht, da es hier auch keine Schadensfreiheitsklassen gibt.

Wer mit Rabattschutz fährt, hat mindestens einen Schaden pro Jahr frei, ohne für diesen herabgestuft zu werden und den Rabatt zu verlieren. In einigen Tarifen ist sogar mehr als ein gemeldeter Schaden pro Jahr erlaubt. Wer in einem Jahr einen Unfall meldet, verliert zwar seinen Rabatt nicht, im kommenden Jahr steigt er aber auch nicht in eine höhere Schadenfreiheitsklasse auf. In der Regel wird der Rabattschutz erst ab vier unfallfreien Jahren (SF 4) und nur für Fahrer über 25 Jahren angeboten.

Mehr zur Kfz-Versicherung in unserem Ratgeber

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Mindestens zwei Internetportale nutzen

  • Vollkasko kann billiger als Teilkasko sein.
  • Versichern Sie grobe Fahrlässigkeit und Mallorca-Police.
  • Werkstattbindung ist sinnvoll und spart Geld.

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Empfohlene Vergleichsportale und Anbieter:

Was kostet der Rabattschutz?

Der Rabattschutz wird als pauschaler Aufschlag auf die Versicherungsprämie gezahlt. Im Finanztip-Vergleich 2014 verteuerte das die Police im Mittel um 17,7 Prozent. Das sind 42 Euro im Jahr bei einer durchschnittlichen Haftpflichtversicherung und 94 Euro bei einer Standard-Vollkaskoversicherung inklusive Haftpflicht.

Der Rabattschutz lohnt sich bei einem Mittelklassewagen, wenn Sie dafür nicht mehr als 106 Euro in der Haftpflicht zahlen und nicht mehr als 207 Euro in der Vollkasko (inklusive Haftpflicht). Liegt der Aufpreis darüber, ist es billiger, kleinere Schäden selbst zu begleichen, um eine Hochstufung zu verhindern.

Vor allem wer öfter mal eine Schramme oder Beule an seinem oder einem anderen Fahrzeug verursacht, ist ein Kandidat für den Rabattschutz. Für Fahrer, die bereits die höchste SF-Klasse 35 erreicht haben, lohnt sich die Option in der Regel nicht. Denn dann wird der Beitrag auch nach einem Schaden nicht viel teurer.

Achtung

Wer ein günstiges Auto fährt oder ein eher vorsichtiger Fahrer ist, für den lohnt sich ein Rabattschutz nur, wenn dieser sehr billig zu haben ist. Waghalsigere Fahrer mit teuren Autos können auch mehr dafür ausgeben.

Lohnt sich Rabattschutz für mich?

Der Rabattschutz kostet je nach Versicherung unterschiedlich viel: manche Anbieter verlangen nur 15 Prozent mehr, andere erheben bis zu 30 Prozent Aufpreis. Ein Vergleich lohnt sich also.

Gehen Sie auf eines der von uns empfohlenen Vergleichsportale. Suchen Sie dort mithilfe unseres Ratgebers einen guten und günstigen Versicherungstarif. Klicken Sie die Option „Rabattschutz“ an und vergleichen Sie die Differenz zum besten Preis ohne Rabattschutz. Liegt die Differenz deutlich unter 106 Euro bei einer Haftpflichtversicherung beziehungsweise unter 207 Euro bei der Vollkasko mit Haftpflicht, lohnt sich der Rabattschutz in der Regel.

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Wechsel in anderen Tarif erschwert

Der Rabattschutz ist für die Versicherung ein Mittel, um Kunden zu binden. Denn der Rabattschutz lässt sich nicht mitnehmen. Beim Wechsel fragt der neue Anbieter immer nach Schäden in den letzten Jahren und ruft diese auch bei der bisherigen Versicherung ab. Bei Vertragsschluss stuft die neue Versicherung den Schadenfreiheitsrabatt dann so ein, als hätte es den Rabattschutz nicht gegeben. Dadurch wird es teurer, den Anbieter zu wechseln.

Was kann ich dagegen machen?

Sie sollten einen Rabattschutz erst abschließen, nachdem Sie einen Vergleich Ihrer Autoversicherung durchgeführt haben und zu einem günstigen Tarif mit guten Leistungen gewechselt sind. Denn dann trifft Sie eine Beitragserhöhung nicht so hart. Außerdem können Sie immer noch mit Kündigung drohen und versuchen, mit Ihrem Versicherer zu verhandeln. In manchen Fällen bekommen Sie dann den günstigeren Preis, der sonst nur für Neukunden gilt.

Und natürlich können Sie jährlich die Versicherung wechseln, solange Sie keinen Schaden verursacht haben. Denn dann verlieren Sie trotz Rabattschutz keine Schadensfreiheitsklassen bei einem Wechsel.

Was ist der Unterschied zu einem Rabattretter?

Ältere Kfz-Verträge enthalten noch einen sogenannten Rabattretter. Dieser springt automatisch ein, sobald man die Schadenfreiheitsklasse 25 oder höher erreicht. Bei einem Schaden wird der Versicherte nur soweit zurückgestuft, dass sich der Beitrag nicht erhöht. Denn bei den höheren Schadenfreiheitsklassen ist der Rabatt in einigen Klassen immer gleich. In neuen Verträgen gibt es so gut wie keine Rabattretter mehr.

Wer noch einen alten Vertrag hat, sollte prüfen, ob ein Rabattretter enthalten ist. Wenn ja, vergleichen Sie den Tarif mit neuen Angeboten. Überlegen Sie dabei jedoch gut, ob die Beitragsersparnis es wert ist, den Rabattretter zu verlieren.

Ihr Weg zur günstigsten Autoversicherung

Um die günstigste Autoversicherung zu finden, sollten Sie sich nicht auf einen Anbieter allein verlassen. Unser großer Portaltest hat ergeben, dass Sie am besten mehrere Vergleiche kombinieren. Denn Vergleichsportale listen nicht alle Versicherungen. Und günstige Direktversicherer ziehen sich zunehmend von den Portalen zurück.

Vergleichen Sie am besten auf zweien der empfohlenen Portale: Verivox, Check24 oder autoversicherung.de. Zusätzlich können Sie auch bei der Hannoverschen Direkt oder bei der Huk24 Preise abfragen. Damit erhalten Sie in allen Fällen ein sehr gutes Ergebnis und können auch direkt eine Police abschließen. Wie Sie die Vergleichsportale richtig einstellen, erklären wir in unserem Ratgeber zum Wechsel der Kfz-Versicherung.

Check24
Vergleich Kfz-Versicherungen

  • geringe durchschnittliche Abweichung im Test
  • laut eigener Angabe 60 Versicherer im Angebot
  • Abschlussmöglichkeit direkt auf Portal
  • deckt nicht den gesamten Markt ab
  • ganz oben angezeigtes Ergebnis ist „Maklerempfehlung“

Verivox
Vergleich Kfz-Versicherungen

  • geringe durchschnittliche Abweichung im Test
  • laut eigener Angabe 54 Versicherer im Angebot
  • Abschluss direkt auf dem Portal möglich
  • bietet nur Tarife mit erhöhter Deckungssumme an
  • deckt nicht den gesamten Markt ab
  • oberster angezeigter Tarif ist Werbung

autoversicherung.de
Vergleich Kfz-Versicherungen

  • Abschlussmöglichkeit direkt beim Anbieter
  • aufwendige Dateneingabe
  • hohe maximale Abweichung im Test
  • keine Support-Hotline
  • laut eigener Angabe 12 Versicherer abschließbar
autoversicherung.de

Die Hannoversche und Huk24 bieten sowohl günstige als auch gute Tarife an. Bei ihnen erfüllen alle Voreinstellungen des Tarifrechners die Finanztip-Mindestanforderungen an einen guten Tarif. Wer weniger Schutz will, muss dies aktiv anwählen.

Hannoversche Direkt
Kfz-Versicherung

  • günstige Tarife
  • Abschlussmöglichkeit direkt beim Anbieter
  • einfache Preisabfrage
  • alle Voreinstellungen erfüllen die Finanztip-Mindestanforderungen
  • nicht mehr auf den empfohlenen Vergleichsportalen vertreten
  • zusätzlicher Vergleich auf Vergleichsportal sinnvoll
Hannoversche Direkt

Huk24
Kfz-Versicherung

  • günstige Tarife
  • Abschlussmöglichkeit direkt beim Anbieter
  • einfache Preisabfrage
  • alle Voreinstellungen erfüllen die Finanztip-Mindestanforderungen
  • nicht mehr auf Vergleichsportalen vertreten
  • zusätzlicher Vergleich auf Vergleichsportal sinnvoll
  • keine Support-Hotline

So haben wir gerechnet

Im Oktober 2014 berechneten wir Durchschnittswerte für den Rabattschutz. Von diesen Werten des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gingen wir aus:

  • Jährlich tritt bei 15,8 Prozent aller vollkaskoversicherten Autos ein Schaden auf.
  • Jährlich tritt bei 6,9 Prozent aller haftpflichtversicherten Autos ein Schaden auf.
  • 2013 kostete eine Haftpflichtversicherung durchschnittlich 237 Euro und eine Vollkasko durchschnittlich 292 Euro im Jahr (Gesamtprämie 529 Euro).

Unsere Berechnung, bis zu welcher Höhe es sich lohnt, einen Schaden selbst zu bezahlen, beruht auf:

  • den zehn häufigsten Automarken (Quelle: GDV),
  • den zehn größten Kfz-Versicherungen, gemessen an der Anzahl der Verträge (Quelle: Statistik der BaFin vom 13. Mai 2014),
  • der Häufigkeitsverteilung der SF-Klassen über alle Kfz-Versicherungsverträge in Deutschland (Quelle: GDV)
  • sowie folgendem Standardfall: Versicherungsnehmer männlich, geboren am 1. Januar 1970, verheiratet, ein Kind, angestellt, Fahrleistung 15.000 Kilometer im Jahr, Garage, nur Ehepartner fährt noch, Selbstbeteiligung Vollkasko 300 Euro, Teilkasko150 Euro beziehungsweise nur Haftpflichtversicherung.
  • Berechnung mit dem Tool der Stiftung Warentest, das eine Rückstufung im Schadensfall und den finanziellen Nachteil bis zur SF 35 berechnet.

Die durchschnittlichen Kosten für den Rabattschutz haben wir berechnet anhand von

  • zehn Musterprofilen, die wir auf den Vergleichsportalen Check24 und Verivox eingegeben haben,
  • sowie insgesamt 49 Tarifberechnungen.

Hohe oder niedrige SF-Klassen machen laut Rechentool von Finanztest zwischen SF 5 und SF 34 kaum einen Unterschied in der Rückstufung aus. Dies gilt für Haftpflicht und Vollkasko. Für SF unter 4 wird der Rabattschutz ohnehin meistens nicht angeboten, für SF 35 lohnt er sich kaum noch.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Finanztip-Redaktion

Die Experten für Verbraucherfinanzen

Die Finanztip-Redaktion besteht aus einem Team von Experten, die völlig unabhängig für Sie recherchieren, damit Sie die beste Entscheidung treffen können. Die Experten arbeiten in den Teams Bank & Geldanlage, Versicherung & Vorsorge, Recht & Steuern sowie Energie/Reise/ Mobilität & Medien. Bei der Wahl der Zeitschrift „Wirtschaftsjournalist“ zur Wirtschaftsredaktion des Jahres belegte die Redaktion 2015 den zweiten Platz.

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.