Regional- und Typklassen 2018

Für welche Autos der Versicherungsschutz teurer wird

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Typklasse des Wagens und der Wohnort des Halters haben einen großen Einfluss auf den Preis der Autoversicherung.
  • Immer mehr Kfz-Versicherungen berechnen die Prämie nach der Postleitzahl und nicht mehr nach den viel gröberen Regionalklassen.
  • Die neuen Regionalklassen für 2018 bringen nur geringe Veränderungen.
  • Auch bei den Typklassen ändert sich zum Jahreswechsel eher wenig. Nur bei einzelnen Autos verändern sie sich gleich um mehrere Stufen.

So gehen Sie vor

  • Haben Sie beim Autokauf die Wahl zwischen verschiedenen Modellen, sollten Sie die Typklassen vergleichen. Eine höhere Typklasse macht die Versicherung teurer.
  • Wer in eine andere Region umzieht, muss sein Auto ummelden, auch wenn es dort teuer ist. Mit den Regionalklassen dürfen Sie nicht tricksen.
  • Erhöht sich zum neuen Versicherungsjahr die Typ- oder Regionalklasse, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht.
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Wer im Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg wohnt, kann sein Auto deutlich günstiger versichern als ein Fahrer in Offenbach am Main. Das liegt an der Einstufung der Region in eine günstige oder teure Regionalklasse. 2018 stufen die Versicherungen das Wohngebiet von gut neun Millionen Autobesitzern anders ein. Wird die Versicherung dadurch teurer, haben die Betroffenen ein Sonderkündigungsrecht.

Analog zu den Regionalklassen gibt es außerdem Typklassen, die sich auf einzelne Automodelle beziehen. 2018 wird die Versicherung besonders für Geländewagen und schnelle Oberklasse-Autos teurer.

Hochstufung der Typklasse treibt Prämie

Die Typklassen richten sich nach der Häufigkeit und der Höhe der Schäden, die mit bestimmten Autotypen in den jeweiligen Versicherungsarten wie Haftpflicht oder Vollkasko entstanden sind. In der Haftpflicht reichen die Klassen von 10 bis 25, in der Vollkasko von 10 bis 34 und in der Teilkasko von 10 bis 33. Die Versicherungen gruppieren die Fahrzeuge regelmäßig neu ein. 2018 machen die meisten Autos in den Typklassen nur kleine Sprünge. Nur wenige Modelle steigen oder sinken um mehrere Klassen.

Der Dacia Logan Kombi 0,9 zum Beispiel wird zum Jahresbeginn 2018 in der Haftpflicht um drei Klassen auf 16 herabgestuft. Für den BMW 114i ging es dagegen um drei Typklassen nach oben. Wenn die Anbieter ab Oktober 2017 die Preise für das kommende Jahr veröffentlichen, lässt sich abschätzen, welche Auswirkungen die neuen Einstufungen auf den Preis der Kfz-Versicherung haben.

Wenn Sie ein anderes Auto kaufen oder Ihren jetzigen Wagen mit ähnlichen Fahrzeugen vergleichen wollen, gehen Sie auf die Website autoampel.de. Achten Sie besonders auf die genaue Typbezeichnung Ihres Autos, denn es unterscheiden sich beispielsweise die Typklassen eines Golf IV um bis zu vier Stufen, je nach PS-Zahl und Baujahr.

Elektroautos in der Typklasse eher teuer

Kfz-Versicherungen stufen Elektroautos in der Typklasse relativ hoch ein. So hat der Nissan Leaf in der Haftpflichtversicherung die Typklasse 19, in der Vollkasko die 22 und Teilkasko die 19. Der Renault Fluence Z.E. ist etwas günstiger mit der Klasse 16 in der Haftpflicht. Ebenfalls in dieser Klasse bei der Haftpflicht ist der BMW i3, in der Vollkasko und Teilkasko ist er jeweils in der Typklasse 17. Der Opel Ampera kommt in der Haftpflicht in die Typklasse 17, in den Kaskoversicherungen sogar in die 23, was die Versicherung relativ teuer macht.

Falls Sie ein E-Auto haben oder anschaffen wollen, sollten Sie bei der Kaskoversicherung darauf achten, dass die Police einen Rundumschutz für den Akku enthält. Der ist sehr teuer. Mitversichert sollten auch Schäden sein, die durch Bedienfehler entstehen. Dazu gehören etwa Tiefen-Entladung oder Überladung. Falls Sie Ihr Elektroauto ohne Akku gekauft haben, weil Sie diesen beim Hersteller leasen, sollten Sie den Akku-Schutz aus dem Versicherungsvertrag herausnehmen können.

Leichte Verbesserung bei den Regionalklassen

Analog zu den Typklassen werden die Schadensbilanzen auch für die Regionen festgestellt und in Regionalklassen umgerechnet. In der Haftpflicht gibt es 12 Klassen, in der Vollkasko 9 und in der Teilkaskoversicherung 16. Typ- und Regionalklassen veröffentlicht der Versicherungsverband GDV.

Die Regionalklassen werden für die insgesamt 413 Zulassungsbezirke in Deutschland ermittelt. Diese Einteilung ist aber sehr grob. So werden selbst Millionenstädte wie Berlin oder Hamburg zu einem einzigen Zulassungsbezirk zusammengefasst. Je nach Wohngegend ist das Schadensaufkommen aber sehr unterschiedlich.

In Villenbezirken treten statistisch weniger Fälle von Vandalismus an Autos auf als in Hochhaussiedlungen. Und bei Autofahrern, die im Zentrum einer Stadt wohnen und parken, ist aufgrund der hohen Verkehrsdichte mit mehr Unfällen zu rechnen.

Deshalb stufen immer mehr Kfz-Versicherungen wie Allianz, Axa, Verti (früher: Direct Line), Europa, Huk-Coburg oder Zurich ihre Kunden nach Postleitzahl ein und nicht mehr nach Regionalklasse.

Trotzdem geben die Regionalklassen zumindest noch eine gute Orientierung. So werden 2018 nach Angaben des GDV von Ende August 2017 allein in der Haftpflichtversicherung 5,5 Millionen Fahrer herabgestuft – ihre Versicherung wird also günstiger. Mehr zahlen müssen dagegen 3,6 Millionen Autobesitzer.

Die beste Regionalklasse in der Kfz-Haftpflicht hat 2018 bundesweit der Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg. Dort liegt die Anzahl der Schäden bei 70 Prozent des Bundesdurchschnitts. Am schlechtesten steht erneut Offenbach am Main mit 134 Prozent da.

In der Vollkaskoversicherung schneidet der Zulassungsbezirk Wittmund in Niedersachsen mit 55 Prozent am besten ab. Auch im letzten Jahr lag ein Bezirk in Niedersachsen vorne. Am Ende der Skala steht Garmisch-Partenkirchen mit 142 Prozent. In der Teilkaskoversicherung ist der Unterschied noch krasser: Im Ostallgäu werden mit 214 Prozent des Bundesdurchschnitts die meisten Schäden verzeichnet. Damit verbesserte sich der Bezirk immerhin leicht im Vergleich zu 2017. In Bamberg sind es nur 55 Prozent.

Keine Tricks mit dem Wohnsitz möglich

Wer nun aber mit seinem Auto beispielsweise vom günstigen Münster ins teure Berlin umzieht, sollte nicht auf den Gedanken verfallen, sein Auto nicht umzumelden, um bei der Kfz-Versicherung zu sparen. Der Gesetzgeber verlangt, dass der Halter seinen Wagen „unverzüglich“ beim Straßenverkehrsamt ummeldet.

Diese Frist ist nicht genau definiert. In der Praxis ahndet die Behörde ein Versäumnis von einem Monat nicht. Einige Beamte lassen sogar bis zu drei Monate Nachsicht walten. Danach drohen aber Bußgelder von bis zu 100 Euro, je nach Bundesland.

Es ist auch nicht mehr möglich, das Auto am Zweitwohnsitz anzumelden. Sparen lässt sich nur durch einen Wechsel zu einer günstigeren Versicherung.

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Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Jens Tartler

ehemaliger Finanztip Redakteur für Energie & Reise (bis September 2016)

Jens Tartler schrieb insbesondere über die Themen Energie und Reise. Insgesamt zwanzig Jahre lang arbeitete er zuvor als Redakteur für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland. Zuvor studierte er Volkswirtschaftslehre in Köln und den USA. Vertiefende Einblicke in die Branchen Verkehr und Energie gewann Jens Tartler zwischenzeitlich als Pressesprecher eines Unternehmens sowie eines Dachverbands.

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.