Restschuldversicherung

Restschuldversicherungen sind teuer und oft überflüssig

Das Wichtigste in Kürze

  • Restschuld- oder Ratenschutzversicherungen, die zusammen mit einem Kredit abgeschlossen werden, sind teuer und zahlen wegen etlicher Ausschlussklauseln in vielen Fällen nicht.
  • Kreditnehmer entrichten die Versicherungsprämie samt Vermittlungskosten als Einmalbetrag sofort bei Vertragsbeginn. Das erhöht die Kreditsumme.
  • Die Kosten sind nicht im Effektivzins angegeben. Dadurch wird der tatsächliche Preis des Darlehens bei Versicherungsabschluss verschleiert. Er kann sich mehr als verdoppeln.
  • Verbraucher können nicht ordentlich kündigen, wenn sie nicht selbst Versicherungsnehmer, sondern „versicherte Person“ sind.
  • Mit Umsetzung der EU-Richtlinie zum Versicherungsvertrieb (IDD) müssen Banken Verbraucher besser über Restschuldversicherungen informieren.

So gehen Sie vor

  • Beim Abschluss eines Ratenkredits sollten Sie auf eine Restschuld- oder Ratenschutzversicherung verzichten. Um Hinterbliebene im Todesfall abzusichern, ist eine Risikolebensversicherung besser geeignet.
  • Haben Sie bereits eine solche Versicherung abgeschlossen, können Sie in der Regel außerordentlich kündigen, wenn Sie umschulden oder vorzeitig zurückzahlen. Die Bank muss den Einmalbetrag teilweise erstatten.
  • Sie können die Versicherung unter Umständen auch ordentlich kündigen, wenn Ihr Vertrag das vorsieht. Der nicht verbrauchte Einmalbetrag wird dann dem Kreditkonto gutgeschrieben.
  • Sie können den Darlehensvertrag auch widerrufen, falls die Widerrufsbelehrung fehlerhaft war. Wenden Sie sich dazu an die Verbraucherzentrale Hamburg, um den Vertrag überprüfen zu lassen.
  • Tipp: Sollen wir Sie zum Thema Ratenkredite sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

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Banken bieten Kreditnehmern meist als Zusatzprodukt zum Kredit auch eine Restschuld- oder Ratenschutzversicherung an. Kann der Kreditnehmer die Rate mal nicht zahlen – etwa weil er seine Arbeit verloren hat oder länger krank ist –, soll die Versicherung einspringen.

Die Idee, die Darlehensraten mit einer Versicherung gegen Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit abzusichern, erscheint auf den ersten Blick sinnvoll, vor allem bei langfristigen Baufinanzierungen und hohen Darlehenssummen. Bei kleineren Ratenkrediten ist eine Restschuldversicherung aber meist überflüssig und teuer.

In Großbritannien sind Restschuldversicherungen die umstrittensten Finanzprodukte. Nach zahlreichen Beschwerden und Urteilen konnten viele Kreditnehmer im Vereinigten Königreich die gesamten Prämien für bestehende Policen zurückverlangen. Nach Schätzung der britischen Aufsichtsbehörde bekamen Verbraucher seit Januar 2011 umgerechnet insgesamt rund 26 Milliarden Pfund (etwa 30 Milliarden Euro) an Entschädigungen zurückgezahlt.

Auch in Deutschland stehen die Versicherungen schon lange in der Kritik. Obwohl die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) wegen der mangelnden Standardisierung zur Vorsicht mahnt, gibt es viele davon: Die Versicherungsunternehmen haben etwa 8,2 Millionen versicherte Personen im Bestand (Bafin-Ergebnisbericht 2017, Seite 31).

Mit der Umsetzung der europäischen Richtlinie zum Versicherungsvertrieb (IDD) müssen künftig Banken über Restschuldversicherungen zumindest besser informieren. Ob sich durch die neuen Regeln tatsächlich für Verbraucher etwas verbessert, bleibt abzuwarten. Das Gesetz soll im Februar 2018 in Kraft treten.

Das kosten Restschuldversicherungen

So plausibel diese Versicherung erscheint: Sie ist im Regelfall zu teuer, auch wenn sich die Kosten nicht pauschal beziffern lassen. Es gibt weder feste Prozentsätze noch Formeln, anhand derer Kunden berechnen könnten, wie teuer oder günstig die Absicherung eines Darlehens wird. Den Banken und Versicherungen zufolge kommt es immer auf den Einzelfall an. Deshalb haben wir nachgefragt und für einen Beispielfall Angebote eingeholt.

Beispielfall: Ein Angestellter, verheiratet, 2 Kinder, 45 Jahre alt, Netto-Einkommen von 2.700 Euro, Miete 850 Euro, braucht einen Ratenkredit über 10.000 Euro, 60 Monate Laufzeit. Er möchte auch eine Restschuldversicherung mit diesem Kredit abschließen. Wir erhielten folgende Angebote:

Versicherung   Leistungen bei   Kosten       Besonderheiten
Creditplus/Axa   Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit, Unfall und Todesfall (Komplettschutz)   1.288 €       Wartezeit von 6 Monaten bei Arbeitslosigkeitsversicherung; Zahlung höchstens 12 Monate lang bei Arbeitslosigkeit; Versicherungsnehmer ist die Bank; keine Zahlung bei Arbeitsunfähigkeit oder Tod aufgrund von verschiedenen Erkrankungen; kein jederzeitiges vertragliches Kündigungsrecht
Postbank/PB Lebensversicherung AG   Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Todesfall (Komplettschutz)   1.390 €       Wartezeit von 6 Monaten bei Arbeitslosigkeitsversicherung; Zahlung höchstens 12 Monate bei Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit, Kündigung jederzeit zum Monatsende möglich; Abschlusskosten von rund 320 €
Targobank/Targo Lebensversicherung AG   Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Todesfall (Komplettschutz)   1.668 €       Wartezeit von 6 Monaten bei Arbeitslosigkeitsversicherung; Kündigung jederzeit zum Monatsende möglich; Abschlusskosten von rund 390 €
Santander/Santander Insurance Life Limited   Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Todesfall (Komplettschutz)   2.047 €       Wartezeit von 3 Monaten bei Arbeitslosigkeitsversicherung; Zahlung höchstens 12 Monate lang bei Arbeitslosigkeit; Versicherungsnehmer ist die Bank; keine Zahlung bei Arbeitsunfähigkeit oder Tod aufgrund von verschiedenen Erkrankungen; Kündigung zum Schluss des dritten Jahres möglich

Quelle: eigene Recherche (Stand: 27. Februar 2015)

Die Prämien für die Versicherung in den uns unterbreiteten Angeboten belaufen sich auf 13 bis 17 Prozent des Auszahlungsbetrags. Das Landgericht Nürnberg hat die Prämie der Restkreditversicherung von 15,6 Prozent des Auszahlungsbetrags als „bedenklich hoch“ bewertet (Urteil vom 7. April 2014, Az. 6 O 754/14).

Für den Kreditgeber hat eine solche Versicherung zwei Vorteile: Erstens erhält er für den Abschluss eine Provision und zweitens sinkt durch die entsprechende Absicherung das Ausfallrisiko des Kredits – bei unverändertem Zinssatz ein gutes Geschäft für die Bank. Die Provisionen belaufen sich in den von uns eingeholten Angeboten auf etwa 30 Prozent der Prämie, die Bafin hat in ihrer Marktuntersuchung noch weit höhere Vertriebskosten festgestellt. Im teuersten Tarif für den Todesfallschutz beliefen sich die abgezinsten Vertriebskosten auf 85 Prozent des Einmalbetrags (Bafin-Marktuntersuchung, Seite 14).

Für den Kreditnehmer sind die Leistungen der meisten Zahlungsausfallversicherungen hingegen überschaubar: Die Anbieter zahlen häufig nur für einen begrenzten Zeitraum und haben umfangreiche Ausschlusskriterien – mit der Folge, dass der Kunde oft leer ausgeht. Das sind Beispiele für Ausschlusskriterien:

  • Bei Arbeitslosigkeit sind nur die ersten zwölf Monate abgedeckt.
  • Bei Arbeitslosigkeit wird erst nach einer Wartezeit von sechs Monaten und zusätzlich einer Karenzzeit von drei Monaten gezahlt.
  • Im Todesfall oder bei Arbeitsunfähigkeit springt die Versicherung nicht ein, wenn eine Krankheit die Ursache dafür ist, die in den Bedingungen aufgelistet ist: Herz- und Kreislauferkrankungen, Erkrankung der Wirbelsäule, der Gelenke, der Verdauungsorgane, bei Krebserkrankungen oder wegen anderer chronischer Krankheiten.

Nicht alle diese Klauseln sind rechtens. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat zum Beispiel eine Ausschlussklausel in den Versicherungsbedingungen von Restschuldversicherungen wegen Intransparenz für unwirksam erklärt (Urteil vom 10. Dezember 2014, Az. IV ZR 289/13): „Der Versicherungsschutz erstreckt sich nicht auf die der versicherten Person bekannten ernstlichen Erkrankungen.“

Laut Bafin haben sich die meisten Versicherer nach Veröffentlichung des Urteils nicht mehr auf die unwirksame Regelung berufen. Aber es gab immer noch rund 1.750 Fälle, in denen Unternehmen diese Klausel weiter anwandten und entsprechende Leistungen ablehnten. Die Bafin hat angekündigt, die betroffenen Unternehmen zur Stellungnahme aufzufordern (Bafin-Marktuntersuchung, Seite 20).

Versicherung im Effektivzins meist nicht berücksichtigt

Verbraucher haben bisweilen den Eindruck, sie bekommen ohne Versicherung keinen Kredit. Doch das ist in aller Regel nicht so – Restkreditversicherungen sind nicht verpflichtend. Die Bafin hat allerdings festgestellt, dass Banken in Einzelfällen Darlehen nur bei gleichzeitigem Abschluss einer Versicherung gewähren, vor allem bei Kunden mit schlechter Bonität (Bafin-Marktuntersuchung 2017, Seite 31). Bei zwingendem Abschluss einer Restschuldversicherung sind die Kosten der Police in den effektiven Jahreszins des Kredites einzubeziehen.

Die Banken, die wir betrachtet haben, weisen aber alle darauf hin, dass der Versicherungsschutz keine Voraussetzung dafür ist, dass ein Kunde einen Kredit erhält. Folge: Die Versicherungskosten werden nicht im Effektivzins berücksichtigt (§ 6 Abs. 3 Nr. 4 Preisangabenverordnung (PAngV)). Für den Kreditnehmer ist es daher relativ schwer, sich ein genaues Bild von den zusätzlichen Ausgaben zu machen. Er finanziert die Versicherung über das Darlehen, so dass er während der gesamten Laufzeit des Darlehens auch die Versicherungssumme mitverzinst. Rechnet man die Versicherungsausgaben in die Kreditkosten ein, treiben sie den Zins des Ratenkredits in die Höhe. Wir nehmen denselben Beispielfall wie oben.

Beispielfall: Ein Angestellter, verheiratet, 2 Kinder, 45 Jahre alt, Netto-Einkommen von 2700 Euro, Miete 850 Euro, braucht einen Ratenkredit über 10.000 Euro, 60 Monate Laufzeit. Er möchte auch eine Restschuldversicherung mit diesem Kredit abschließen. Wie sich bei den uns übermittelten Angeboten der Effektivzins erhöhte, können Sie der folgenden Tabelle entnehmen:

Bank Kosten der Versicherung angegebener Effektivzins tatsächlicher Effektivzins mit Versicherung
Creditplus 1.288 € 3,99 % 9,36 %
Postbank 1.390 € 4,61 % 10,59 %
Targobank 1.668 € 4,29 % 11,57 %
Santander 2.047 € 7,98 % 17,37 %

Quelle: eigene Recherche, FMH-Finanzberatung (Stand. 27. Februar 2015)

Die FMH-Finanzberatung bietet einen Rechner an, mit dem Sie den tatsächlichen effektiven Jahreszins unter Einbeziehung der Versicherung selbst nachrechnen können.

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Risiko der Doppelversicherung

Hat der Kreditnehmer bereits eine Risikolebensversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen, würde er sich mit einer Restschuldversicherung unnötig doppelt und außerdem kostenintensiv absichern. Unsere Empfehlung lautet daher: Schließen Sie bei Ratenkrediten keine Restschuldversicherung ab. Nicht immer nennen die Banken die Restschuldversicherung beim Namen.

Namen für die Restschuldversicherung

Anbieter Name der Versicherung
Postbank PB Ratenschutz
Targobank Kreditlebensversicherung
Easycredit Easycredit-Schutzbrief
Santander Ratenschutzversicherung

Quelle: eigene Recherche (Stand: März 2015)

Achtung - Standardeinstellung bei Vergleichsportalen: Die meisten Vergleichsportale sehen in ihren Standardeinstellungen den zusätzlichen Abschluss einer Restschuldversicherung vor. Sie müssen also die Option „Absicherung durch Versicherung“ abwählen.

Restschuldversicherung kündigen

Haben Sie bereits mit Ihrem Darlehen eine Restschuldversicherung abgeschlossen, können Sie diese kündigen. Das liegt auf der Hand, wenn Sie das Darlehen umschulden oder vorzeitig tilgen. Dann sind die Abschlusskosten und die Prämien für die bisherige Laufzeit zwar weg, Sie können aber die Prämien für den Rest der vereinbarten Laufzeit anteilig zurückverlangen.

Sonderkündigungsrecht - Bei der Umschuldung eines Darlehens entfällt nicht automatisch die Restschuldversicherung. Sie müssen diese gesondert kündigen. Fordern Sie mit der Kündigung die Versicherung auf, Ihnen die anteiligen Prämien zurück zu zahlen. Denn wenn Sie das Darlehen tilgen, entfällt der Versicherungszweck für die Restschuldversicherung. Sie haben dann ein Sonderkündigungsrecht. In vielen Verträgen ist dieser Fall der Kündigung bereits vorgesehen. Sollte die Versicherung Ihre Kündigung nicht akzeptieren und auf die ordentlichen Kündigungsfristen verweisen, sollten Sie das nicht akzeptieren. Sie haben in diesen Fällen ein Kündigungsrecht und einen Anspruch auf Beendigung des Vertrages.

Separate ordentliche Kündigung - Wollen Sie die Versicherung beenden, obwohl der Darlehensvertrag noch besteht, müssen Sie in Ihrem Vertrag nachschauen, ob ein ordentliches Kündigungsrecht vorgesehen ist. Die vertraglichen Kündigungsfristen sind dann zu beachten. Üblicherweise wird eine Kündigungsfrist von zwei Wochen zum Ende eines jeden Monats vereinbart. Auch nach der Kündigung haben Sie Anspruch darauf, dass die Versicherung den nicht verbrauchten Anteil des Risikobeitrags erstattet. Die Abschlussprovision wird allerdings nicht erstattet, einige Anbieter ziehen auch einen sogenannten Stornoeinbehalt von der Rückzahlung ab. Die Verträge sind in diesem Punkt nicht einheitlich. Es kann sein, dass die Bank nach der Kündigung eine anderweitige Sicherheit wie zum Beispiel die Beleihung einer Lebensversicherung verlangt.

Achtung

Versicherungsnehmer oder versicherte Person

Es gibt viele Anbieter, bei denen Sie nicht selbst Versicherungsnehmer sind, sondern nur „versicherte Person“. Die Bank ist dann Vertragspartner der Versicherung, und Sie werden als versicherte Person in den Gruppenversicherungsvertrag einbezogen. Damit sind Sie rechtlich schlechter gestellt. Als versicherte Person können Sie nämlich grundsätzlich nicht ordentlich kündigen.

Widerruf bei Ratenkrediten mit Restschuldversicherung

Wenn der Kreditvertrag schon beendet ist, können Sie nicht mehr kündigen. Unter Umständen können Sie aber einen Widerruf erklären. Es gilt nämlich keine Verjährung. Genau wie bei Baufinanzierungen kann sich auch bei Ratenkrediten ein Widerruf lohnen. Verbraucher können durch einen Widerruf erreichen, dass sie statt eines überteuerten Zinssatzes nur noch einen marktüblichen Zins zahlen müssen und Prämien der Restschuldversicherung zumindest teilweise erstattet bekommen.

Fehlerhafte Widerrufsbelehrung - Wird der Kredit zusammen mit einer Restschuldversicherung abgeschlossen, handelt es sich dabei rechtlich um ein verbundenes Geschäft. Das bedeutet: Die Widerrufsbelehrungen müssen unter anderem auf die Besonderheiten bei einem verbundenen Geschäft hinweisen. Mehr als 80 Prozent aller Kreditverträge mit Restschuldversicherung, die vor Mitte 2010 geschlossen wurden, enthalten unzureichende Widerrufsbelehrungen. Obwohl die Widerrufsfrist bereits abgelaufen ist, können Sie auch noch heute den Darlehensvertrag widerrufen. Der Widerruf führt zugleich dazu, dass Sie nicht mehr an den Restschuldversicherungsvertrag gebunden sind (§ 358 Abs. 2 Satz 1 BGB, BGH, Urteil vom 18. Januar 2011, Az. XI ZR 356/09). Das gilt auch bei Restschuldversicherungen, bei denen der Kreditnehmer nicht zugleich Versicherungsnehmer ist, sondern bloß „versicherte Person“. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Hamm so entschieden (Urteil vom 11. Dezember 2013, Az. 31 U 127/13). Solche Verträge haben unter anderem die Santander Consumer Bank und Creditplus angeboten.

Die Verbraucherzentrale Hamburg bietet gegen eine Gebühr von 100 Euro an, Kreditverträge mit Restschuldversicherungen zu überprüfen. Findet sich ein Fehler, bekommen Verbraucher ein Musterschreiben mit Widerruf, mit dem sie die Rückzahlung verlangen können. Sie müssen allerdings mit einer Wartezeit von etwa drei Monaten rechnen. In unserer Finanztip Community berichten Leser, dass sie mit Hilfe der Verbraucherzentrale erfolgreich ihren Darlehensvertrag widerrufen haben.

Rückabwicklung und marktübliche Zinsen - Ein Widerruf wandelt den Darlehensvertrag in ein sogenanntes Rückabwicklungsverhältnis um (§§ 357 Abs. 1 Satz 1346348 BGB). Läuft Ihr Vertrag noch, müssen Sie der Bank die Darlehenssumme zunächst innerhalb von 30 Tagen zurückzahlen. Deshalb sollten Sie vor dem Widerruf sicherstellen, dass Sie das Darlehen entweder mit eigenen Mitteln oder mit einem neuen Kredit von einer anderen Bank zurückzahlen können. Sie müssen bei fehlerhafter Belehrung nur die Nettokreditsumme mit einer marktüblichen Verzinsung zahlen.

Das Geldinstitut ist verpflichtet, alle von Ihnen bereits erbrachten Zins- und Tilgungsleistungen zurückzuzahlen. Sie darf aber die vereinbarten Zinsen für die Kapitalüberlassung verlangen. Dabei sollten Sie jedoch nachweisen, dass der marktübliche Zinssatz für ein vergleichbares Darlehen zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses geringer gewesen ist (OLG Düsseldorf, Urteil vom 17. Januar 2013, Az. I 6 U 64/12). Ob der vereinbarte Sollzinssatz zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses marktüblich war, können Sie ermitteln durch einen Vergleich mit der Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank für das Neugeschäft der deutschen Banken bei Konsumentenkrediten mit einer Laufzeit von mehr als fünf Jahren. Bei einer Laufzeit unter fünf Jahren ist diese Statistik entscheidend. Der Widerruf kann sich lohnen, wenn Sie einen teuren Kredit haben, dessen Zins höher als marktüblich war.

In einem Verfahren vor dem OLG Hamm musste der Kreditnehmer nach Widerruf statt eines effektiven Jahreszinses von 14,3 Prozent nur noch einen Zinssatz von 8,92 Prozent zahlen, der laut Statistik der Bundesbank im Juni 2007 marktüblich war. Die Differenz musste die Bank erstatten (11. Dezember 2013, Az. 31 U 127/13).

Rückabwicklung und Versicherungsprämien - Anteilige Beiträge zur Versicherung ab Widerruf muss die Bank erstatten. Es ist derzeit noch unklar, ob die Bank bei einer Rückabwicklung die gesamten Prämien für das finanzierte Geschäft, also für die Restschuldversicherung, zurückzahlen muss. Einige Anwälte sind der Auffassung, dass die Bank die gesamten Prämien zurückzahlen muss. Dabei verweisen sie auf ein Urteil des BGH. Danach muss sich ein Kunde aus dem verbundenen Geschäft folgenlos lösen können, also auch unbelastet von Zinsen und Kosten (18. November 2011, Az. XI ZR 356/09).

Andere Juristen sind der Ansicht, dass die Bank für die Zeit bis zum Widerruf des Kreditvertrags nur die Hälfte der Versicherungsprämien erstatten muss. So sieht es zumindest auch das Landgericht Berlin (Urteil vom 23. September 2014, Az. 4 O 65/14). In diesem Fall konnte der Kreditnehmer wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrung bei einem verbundenen Geschäft das Darlehen widerrufen. Er musste aber für den erhaltenen Versicherungsschutz die anteiligen Prämien entrichten, allerdings nur zur Hälfte. Da die Bank durch die Restschuldversicherung auch einen Vorteil habe, hielt das Gericht es für angemessen, den Wertersatz auf die Hälfte der tatsächlich gezahlten Prämie zu reduzieren. Ähnlich urteilte auch das OLG Hamm (11. Dezember 2013, Az. 31 U 127/13).

Beispiel: Ein Angestellter hat einen Ratenkredit über eine Nettokreditsumme von 10.000 Euro mit einer Laufzeit von 60 Monaten abgeschlossen. Die Restschuldversicherung kostete 1.200 Euro. Er zahlte also 20 Euro pro Monat. Widerruft er nach 30 Monaten, erhält er anteilig die für die Zukunft bereits als Vorabzahlung entrichteten Gebühren in Höhe von 600 Euro zurück. Zusätzlich kann er für die Vergangenheit die Hälfte der entrichteten Prämien zurückverlangen (300 Euro). Der Angestellte kann also bei fehlerhafter Widerrufsbelehrung einen Betrag von 900 Euro verlangen. Dieses Geld konnte die Bank nutzen und muss deshalb zusätzlich 5 Prozent Zinsen über Basiszinssatz auf die 900 Euro erstatten. War der Zinssatz für das Darlehen teurer als marktüblich, kann der Kunde zusätzlich noch die zu viel entrichteten Zinsen fordern.

Restschuldversicherung bei Baufinanzierungen

Anders als bei Ratenkrediten ist es bei Baufinanzierungen durchaus sinnvoll, die Restschuld eines Immobilienkredits abzusichern. Dabei geht es vor allem darum, die Hinterbliebenen abzusichern, falls der Darlehensnehmer verstirbt, bevor der Baukredit zurückgezahlt ist. Dazu schließt der Darlehensnehmer am besten eine Risikolebensversicherung ab. Die Versicherungssumme kann in diesem Fall gleichbleibend über die gesamte Laufzeit sein, oder sie kann auch parallel zur Restschuld fallen.

Wer eine Immobilienfinanzierung abschließt, sollte außerdem seine Berufsunfähigkeitsversicherung überprüfen, denn diese sichert das Risiko einer längerfristigen Krankheit ab.

Mehr dazu im Ratgeber Kredit

Sara Zinnecker
Finanztip-Expertin für Kredit

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Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Mein erster Termin (Gütetermin) ist am 16.08. in Düsseldorf.Bin mal gespannt ob die Targo was anbietet,oder wieviel evtl.
28. März 2017 zum Beitrag
Das tut mir leid. Drück dir die Daumen.
Vllt. magst Du berichten, wenn was neues kommt.
13. März 2017 zum Beitrag
Bei mir gibt es noch nichts Neues. Richter nimmt Verwirkung an und hat uns Vergleichsverhandlungen nahegelegt. Ich habe abgelehnt und warte jetzt auf ein Urteil. Hab keine Angst vor der nächsten ...
13. März 2017 zum Beitrag
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.