Unzulässige Kreditgebühren

Erfahrungen und Urteile zu Santander

Das Wichtigste in Kürze

  • Die von der Santander Consumer Bank (Santander) jahrelang erhobenen Kreditgebühren von bis zu 3,5 Prozent waren unzulässig.
  • Santander zahlt nicht freiwillig zurück. Sie müssen das Kreditinstitut zur Rückzahlung auffordern. Bei Krediten aus den Jahren 2005 bis 2011 verjähren Ihre Ansprüche am 31. Dezember 2014. Die Bank hat uns gegenüber zugesichert, dass sie sich nicht auf die Einrede der Verjährung berufen wird, sofern ihr vom Kunden ein berechtigtes Schreiben bis Ende des Jahres vorliegt.
  • Unsere Leser berichten, dass Santander keine Zinsen erstattet. Darauf haben Sie aber einen Anspruch. Fordern Sie diese mit unserem Musterbrief nach.
  • Ausführliche Informationen zum Thema Unzulässige Kreditbearbeitungsgebühren finden Sie in unserem Ratgeber.
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Mit mehr als 30 Milliarden Euro an vergebenen Krediten gehört die Santander Consumer Bank mit Hauptsitz in Mönchengladbach nach eigenen Angaben zu den Top 5 der privaten Banken in Deutschland. Darunter fallen Privatkredite, Kfz- und Konsumgüterfinanzierungen. Bis Ende 2012 hat das Kreditinstitut Kreditbearbeitungsgebühren bis zu 3,5 Prozent der Darlehenssumme erhoben, die unzulässig waren. Seit 2013 verzichtet die Bank darauf, zusätzliche Entgelte zu erheben – es gibt auch keinen neuen „Individualbeitrag“, wie ihn die Targobank verlangt.

Rückforderung der Kreditgebühren

Sie können die unzulässigen Kreditbearbeitungsgebühren von Santander zurückverlangen. Sie haben auch ein Recht auf Rückzahlung, wenn Ihr Vertrag bereits beendet ist. Aber: Ihre Ansprüche aus den Verträgen ab 2005 bis 2011 drohen am 31. Dezember 2014 zu verjähren. Haben Sie im Jahr 2004 die Gebühren gezahlt, haben Sie nur dann noch eine Chance, wenn das nicht länger als auf den Tag genau zehn Jahre her ist. Welches der gültige Stichtag für Ihre Zahlung ist, hat der Bundesgerichtshof (BGH) kürzlich in seiner schriftlichen Urteilsbegründung erläutert.

Sie müssen also zügig handeln, um die Verjährung zu hemmen. Das gilt auch, falls Santander Ihre Ansprüche bereits einmal abgelehnt hat. Schreiben Sie die Bank mit Hinweis auf die neue Rechtsprechung des BGH erneut an und schicken Sie zeitgleich eine Beschwerde an den Ombudsmann. Zuständig bei der Santander ist der Ombudsmann der privaten Banken. Sie finden das Kontaktformular hier.

Das betrifft Sie auch, wenn Sie einen Kredit bei der GE Money Bank, der SEB AG oder der Royal Bank of Scotland hatten. Die Santander hat die Verträge übernommen und ist jetzt Ihr Ansprechpartner.

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Haben oder hatten Sie bei der Santander Consumer Bank einen Kredit? Haben Sie bereits versucht, die Bearbeitungsgebühren zurückzuholen? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in unserer Finanztip Community und helfen Sie anderen Santander-Kunden!

Außergerichtliche Erfahrungen

Santander gibt selbst an, bei Verträgen, die vom Urteil erfasst sind, die Bearbeitungsgebühr entsprechend zu erstatten. Das ist gut, da Sie den Rechtsweg nicht mehr beschreiten müssen, um an Ihr Geld zu kommen. Einige Anwälte nehmen deshalb gar keine Kreditbearbeitungsverfahren gegen die Santander mehr an. Sie müssen die Bank aber unbedingt zur Rückzahlung auffordern. Von sich aus wird die Bank keine Erstattung anbieten.

Rückzahlung ohne Zinsen – Fast ausnahmslos berichten unsere Leser, die Santander habe die Gebühren mittlerweile zwar zum Teil erstattet, aber ohne die geforderten Zinsen. Es entsteht der Eindruck, dass die Bank ganz bewusst so vorgeht. Wir haben bei Santander nachgefragt, warum sie so handelt.

Als Antwort erhielten wir eine Mail mit nur einem Satz: „Bei berechtigtem Anspruch überweisen wir dem Kunden den entsprechenden Erstattungsbetrag.“

Lassen Sie sich nicht beirren. Sie können unser Musterschreiben verwenden, um die Zinsen nachzufordern. Sie sollten immer den tatsächlichen Euro-Betrag an Zinsen einfordern, den Sie sich ganz leicht vom Zinsrechner der Website basiszinssatz.de berechnen lassen können. Sollten Sie nicht innerhalb der gesetzten Frist den Zahlungseingang der Zinsen feststellen, schicken Sie den Schriftverkehr umgehend zum Ombudsmann. Für Beschwerden gegen die Santander ist der Ombudsmann der privaten Banken zuständig. Sie finden das Kontaktformular hier. Eine Verjährung Ihres Zinsanspruchs müssen Sie übrigens in der Regel nicht befürchten, da die Bank durch die Rückzahlung der Gebühren den Anspruch anerkannt hat (§ 212 BGB).

E-Mail genügt nicht – Leser berichten, dass die Santander auf E-Mails von Kunden nicht reagiert – eine Reaktion kommt erst nach einem Brief oder Fax. Ob das mit dem Serviceversprechen der Bank in Einklang zu bringen ist, steht auf einem anderen Blatt. Für Sie bedeutet das nur: Sie müssen ein Schreiben mit der Post schicken oder faxen.

Auch auf Post keine Reaktion – Sollten Sie die Rückzahlung der Gebühren verlangt haben und hat sich die Santander nicht innerhalb der von Ihnen gesetzten Frist gemeldet, können Sie sich bis zum 31. Dezember 2014 an den Ombudsmann wenden. Mit Eingang der Beschwerde wird die Verjährung gehemmt. Oder Sie beantragen gleich einen Mahnbescheid, um die Verjährung zu hemmen.

Wir haben die Santander gefragt, wie sie sich zum Thema Verjährung verhält und folgende Antwort bekommen:

„Wir prüfen auf Anfrage jeden Einzelfall sorgfältig. Im Interesse einer weiterhin ungestörten Geschäftsbeziehung haben wir uns entschieden, die nicht verjährten Teile der Bearbeitungsgebühr zu erstatten. Wir erstatten jeden geltend gemachten berechtigten Anspruch. Die Erhebung einer Klage zur Unterbrechung der anstehenden Verjährung ist nicht erforderlich, wenn der Anspruch des Kunden bis zum 31.12.2014 bei uns eingegangen ist."

Das bedeutet, dass Sie nur ein Schreiben an die Bank schicken müssen, das spätestens am 31. Dezember 2014 dort eintrifft, ohne dass Sie die Verjährung Ihrer Ansprüche befürchten müssen. Versenden Sie Ihr Schreiben am besten als Einwurfeinschreiben, damit Sie das Zugangsdatum nachweisen können. Eine E-Mail genügt nicht. Wenn Sie sich auf die Aussage der Santander nicht verlassen wollen, schicken Sie Ihr Schreiben an die Bank und eine Kopie davon zugleich an den Ombudsmann. Was Sie dabei beachten müssen, erfahren Sie hier.

Urteile zu Kreditgebühren der Santander

Hier eine Zusammenstellung der wichtigen Urteile zu Bearbeitungsgebühren von Santander:

Gericht     Datum   Aktenzeichen   Anmerkung
BGH     28.10.2014   19 O 384/13   Santander musste Gebühren von insgesamt 1.016 Euro zurückzahlen, zuzüglich Zinsen in Höhe von etwa 330 Euro. Die Ansprüche waren nicht verjährt.
OLG Düsseldorf     27.11.2014   I-6 U 75/14   AGBs der Santander zu Kreditbearbeitungsgebühren sind unzulässig. Klage eines Verbraucherschutzvereins und des Bundesverbands der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände.
LG Düsseldorf     08.10.2014   12 O 280/14   AGBs der Santander zu Kreditbearbeitungsgebühren sind unzulässig. Klage eines Verbraucherschutzvereins.
LG Mönchengladbach     04.09.2013   2 S 48/13   Urteil wurde durch BGH aufgehoben. Richter hielten Rückforderungsansprüche für verjährt. Laut späterem BGH-Urteil zu Unrecht.
Amtsgericht Gießen     16.04.2013   47 C 549/12   Santander musste Gebühr in Höhe von 3,5 Prozent, mithin 577 Euro zurückzahlen.
Amtsgericht Mönchengladbach     12.03.2013   4 C 339/13   Santander musste Gebühr in Höhe von 3,5 Prozent, mithin 557 Euro, zurückzahlen.

Quelle: eigene Recherche (Stand: 3. Dezember 2014)

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Anwälte, die erfolgreich gegen die Santander prozessiert haben

Folgende Kanzleien haben bereits eine Klage gegen Santander auf Rückzahlung unzulässiger Kreditgebühren geführt und konnten Urteile zugunsten der Verbraucher erstreiten.

Ort       Name der Kanzlei
Alsdorf       Ferner
Berlin       Schulte und Kollegen
Düsseldorf       Strube & Fandel. Hinweis: Die Kanzlei vertritt eine Sammelklage über die Firma metaclaims (www.metaclaims.de) von mehr als 300 Kreditnehmern. Bei metaclaims handelt es sich um einen sogenannten Prozessfinanzierer. Das Urteil steht noch aus. Metaclaims nimmt keine neuen Santander-Fälle mehr an.
Eisleben       Bella Ratzka
Frankenberg       Benedikt-Jansen
Leverkusen       Lenné

Quelle: eigene Recherche (Stand: 18. Juni 2015)

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter [email protected].