Sozialversicherung für Selbstständige

Günstig abgesichert dank Künstlersozialkasse

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Künstlersozialkasse (KSK) ist für die Sozialversicherung von selbstständigen Künstlern und Publizisten zuständig.
  • Selbstständige Künstler sind gesetzlich verpflichtet, sich über die KSK zu versichern.
  • Wer Mitglied der KSK ist, muss nur 50 Prozent der Beiträge zu Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung selbst bezahlen – ähnlich wie bei Arbeitnehmern.
  • Die Beiträge orientieren sich am vorab geschätzten Jahreseinkommen.
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Freischaffende Journalisten, Fotografen, Musiker und Schauspieler gehören zu den Selbstständigen, die sich in der gesetzlichen Sozialversicherung pflichtversichern müssen. Doch die Künstler und Publizisten genießen in der Bundesrepublik einen europaweit einmaligen Sonderstatus: Nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) müssen sie nur die Hälfte der Beiträge zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung selbst zahlen. Den Arbeitgeberanteil übernimmt die Künstlersozialkasse (KSK). Die Versicherten können so mehrere Hundert Euro im Monat sparen.

Die Künstlersozialkasse verwaltet die Versicherung von Künstlern

Die KSK selbst ist keine Krankenversicherung. Bei welcher gesetzlichen Krankenkasse er sich versichern möchte, kann jeder selbst entscheiden. Die Behörde mit Sitz in Wilhelmshaven prüft nur, ob ein Antragssteller die Kriterien für die Mitgliedschaft in der Künstlersozialversicherung (KSV) erfüllt. Außerdem zieht sie die Versicherungsbeiträge sowie die sogenannte Künstlersozialabgabe ein und gibt die Gelder an die jeweils zuständigen Kranken- und Pflegekassen weiter.

Die Künstlersozialabgabe ist quasi der Arbeitgeberanteil zur Versicherung der Künstler. Sie wird von Unternehmen wie Verlagen, Rundfunkanstalten und Werbeagenturen erhoben, die Honorare an freischaffende Künstler und Publizisten zahlen. Dabei ist es egal, ob diese als Selbständige, Gewerbetreibende, Freiberufler oder sonstige freie Mitarbeiter arbeiten, solange sie für diese Arbeit nicht fest in dem Unternehmen angestellt sind. Zusätzlich zahlt der Staat einen Zuschuss, um die Finanzierung der KSK zu sichern.

Weitere Tipps im Ratgeber gesetzliche Krankenversicherung

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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Wer muss und wer darf sich über die KSK versichern?

Nach dem KSVG können Sie sich über die Künstlersozialkasse versichern lassen, wenn Sie

  • eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit erwerbsmäßig und nicht nur vorübergehend ausüben,
  • nicht mehr als einen Arbeitnehmer beschäftigen (ausgenommen sind Auszubildende und Minijobber) und
  • mindestens 3.901 Euro im Jahr verdienen.

Die Verdienstuntergrenze von 3.901 Euro gilt allerdings in den ersten drei Jahren der Selbstständigkeit nicht. Danach dürfen Versicherte diese Grenze innerhalb von sechs Jahren maximal zwei Jahre unterschreiten, ohne dass sie ihren Versicherungsschutz verlieren.  

Als selbständiger Künstler oder Publizist können Sie sich privat krankenversichern, in den meisten Fällen ist das aber nicht empfehlenswert. Die dafür nötige Befreiung von der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht ist außerdem nur in den ersten drei Jahren der Selbstständigkeit möglich oder wenn das Einkommen drei Jahre lang über der Versicherungspflichtgrenze für die Krankenversicherung (57.600 Euro im Jahr 2017) liegt. Andernfalls ist die Mitgliedschaft in der KSK gesetzlich vorgeschrieben.

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Auch Künstler mit Nebenjob können zur KSK

Für Künstler oder Publizisten mit einem Nebenverdienst gelten etwas komplizierte Sonderregeln. Verdienen sie mit einem freiberuflichen Zweitjob mehr als 450 Euro dazu, können sie sich nicht über die KSK kranken- und pflegeversichern. Die gesetzliche Rentenversicherungspflicht bleibt aber bestehen, solange das Einkommen die Hälfte der Beitragsbemessungsgrenze von 76.200 Euro jährlich in den alten und 68.400 Euro jährlich in den neuen Bundesländern nicht überschreitet. Stammt der Zuverdienst aus einer Festanstellung, richtet sich die Versicherungspflicht danach, mit welcher Tätigkeit der Versicherte mehr verdient.

Der Beitrag richtet sich nach dem geschätzten Einkommen

Die Beiträge zur Sozialversicherung orientieren sich nicht wie bei Arbeitnehmern am tatsächlichen Gehalt, sondern am vorab geschätzten Jahreseinkommen. Dass das tatsächliche Einkommen von der Schätzung abweicht, ist normal und unproblematisch. Die KSK kann Beiträge rückwirkend nicht anpassen. Künstler sollten allerdings beachten, dass sie Zuschüsse zur Rentenversicherung verschenken, wenn sie ihr Einkommen deutlich zu niedrig schätzen. Außerdem bekommen sie weniger Kranken- und Mutterschaftsgeld. Liegt die Schätzung zu hoch, zahlen sie hingegen unnötig hohe Krankenkassenbeiträge.  

Stellt sich heraus, dass das geschätzte Einkommen nicht realistisch war, kann der Versicherte die Meldung an die KSK jederzeit berichtigen. Er zahlt dann ab dem Folgemonat den korrigierten Beitrag.  

Um sicherzugehen, dass die Versicherten auch tatsächlich die Voraussetzungen für die Mitgliedschaft in der KSV erfüllen, führt die KSK stichprobenartige Kontrollen durch. Die davon Betroffenen müssen dann ihre Einkünfte der vergangenen vier Jahre offenlegen.

So funktioniert das Antragsverfahren

Tipp

Bei Fragen zum Aufnahmeantrag oder den dafür nötigen Nachweisen wenden Sie sich am besten direkt an die KSK.

Freischaffende Künstler und Publizisten müssen sich selbst bei der Künstlersozialversicherung anmelden. Der frühestmögliche Versicherungsbeginn ist das Datum, an dem sich ein Antragssteller erstmals bei der KSK gemeldet hat. Ab diesem Zeitpunkt kann er zu viel gezahlte Beiträge bei seiner Krankenkasse zurückfordern, falls er in die KSV aufgenommen wird.  

Wer möchte, dass die Versicherung bald beginnt, sollte deshalb schnellstmöglich mit der KSK Kontakt aufnehmen, denn bis die Behörde den Antrag endgültig bewilligt, vergehen oft Monate. Dazu genügt ein formloses Schreiben oder eine kurze E-Mail. Die Antragsunterlagen können Sie entweder auf dem Postweg anfordern oder von der Website der KSK downloaden.  

Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass die KSK die Tätigkeit als künstlerisch oder publizistisch einstuft.

Die KSK erkennt eine Vielzahl von Berufen an

Im Antragsformular listet die Behörde eine Vielzahl von Berufen auf, die sie anerkennt. Dazu gehören: Komponisten, Dirigenten, Arrangeure, Sänger, Musiker, Bildhauer, Maler, Fotografen, Grafik-Designer, Tänzer, Schauspieler, Regisseure, Autoren, Journalisten, Schriftsteller, Lektoren, wissenschaftliche Autoren sowie Pädagogen und Ausbilder für künstlerische Tätigkeiten.

Achtung

Nur weil ein Beruf eine kreative Komponente enthält, gilt er nicht automatisch als künstlerisch. Die KSK nimmt beispielsweise keine Kunsthandwerker oder Tätowierer auf.

Wer sich nicht in einer dieser Berufsgruppe wiederfindet, muss seine Arbeit im Antrag detailliert beschreiben. Die KSK entscheidet dann im Einzelfall.

Um die angegebene Tätigkeit zu überprüfen, fordert die KSK Belege wie Verträge oder Abrechnungen von Auftraggebern, Nachweise über Veröffentlichungen oder Unterlagen über den künstlerischen oder publizistischen Werdegang ein. Die KSK muss Berufsanfänger, die noch wenige Tätigkeitsnachweise haben, jedoch trotzdem aufnehmen. Sie kann das Mitglied allerdings nach einiger Zeit nochmals überprüfen.

Die KSK versucht außerdem festzustellen, ob der Antragssteller eventuell nur scheinselbstständig ist. Künstler oder Publizisten, die nur einen einzigen Auftraggeber haben, dürfen zwar nicht allein deshalb abgelehnt werden, werden aber oft genauer unter die Lupe genommen.

Kein Panik, falls der Aufnahmeantrag abgelehnt wird

Gegen einen Ablehnungsbescheid von der KSK können Sie innerhalb von vier Wochen Widerspruch einlegen – am besten zusammen mit einer Begründung des Widerspruchs und Belegen, die diese untermauern.  

Falls Sie mit dem Widerspruch scheitern, sollten Sie nicht in Panik verfallen. Da die KSV eine Pflichtversicherung ist, kann jeder, sobald er die Voraussetzungen für die Aufnahme erfüllt, erneut einen Antrag stellen. Es kann sich also lohnen, dran zu bleiben und es mit sorgfältig zusammengestellten Unterlagen erneut zu versuchen.  

Alternativ gibt es die Möglichkeit, vor dem Sozialgericht zu klagen. Berufsverbände und Gewerkschaften für Kunstschaffende und Publizisten unterstützen ihre Mitglieder oft beim Ausfüllen des Antrages, Auseinandersetzungen mit der KSK und einem eventuellen Prozess.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.