Lebensversicherung versteuern

So müssen Sie Ihre Lebensversicherung versteuern

Das Wichtigste in Kürze

  • Wie Sie Ihre Kapitallebensversicherung versteuern müssen, hängt vor allem vom Zeitpunkt des Abschlusses ab. Das entscheidende Datum ist dabei der 1. Januar 2005.
  • Auch die Frage, ob Sie sich die Versicherungssumme auf einen Schlag oder monatlich als Leibrente auszahlen lassen, spielt eine wichtige Rolle.
  • Wichtig ist zudem, wie lange Sie in Ihren Versicherungsvertrag eingezahlt haben und wie alt Sie beim Renteneintritt sind.
  • Um Steuervorteile zu nutzen, können Sie Ihre Kapitallebensversicherungspolice möglicherweise auf einen engen Verwandten übertragen.
  • Für Kapitallebensversicherungen, die als Leibrente ausgezahlt werden, wird Einkommensteuer auf den Ertragsteil fällig. Sie müssen also nicht nachträglich versteuern, was Sie eingezahlt haben, wohl aber das, was die Anlage der Sparsumme an Gewinn abgeworfen hat.
  • Die Auszahlung einer Risikolebensversicherung unterliegt nicht der Einkommensteuer.
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Die Kapitallebensversicherung ist noch immer eine der beliebtesten Formen der Altersvorsorge in Deutschland: Insgesamt gibt es hierzulande mehr als 90 Millionen laufende Policen. Die Zahl der Neuabschlüsse sinkt allerdings, seit die Steuervorteile nicht mehr gewährt werden, mit denen Kapitallebensversicherungen früher stets angepriesen wurden. Angesichts der derzeitigen Niedrigzinsphase werfen viele Verträge zudem kaum noch etwas ab, sodass viele versuchen, ihre Police zu verkaufen oder zu beleihen.

Wer die Einzahlungen bis zum Ende durchgehalten hat, erhält die sogenannte Ablaufleistung. Sie setzt sich aus der angesparten Versicherungssumme, den Überschussanteilen und eventuell einem Schlussbonus zusammen. Ob und wie viel Steuern Sie auf diese Zahlung aus einer Kapitallebensversicherung, einer Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht oder einer fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherung zahlen müssen, hängt entscheidend davon ab, wann Sie den Vertrag abgeschlossen haben.

Abschluss vor dem 1. Januar 2005

Haben Sie Ihre Kapitallebensversicherung, Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht oder fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherung vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen, ist die Ablaufleistung unter folgenden Voraussetzungen komplett steuerfrei:

  • Der Betrag der Ablaufleistung wird vollständig auf einmal ausbezahlt.
  • Die Versicherungsgesellschaft hat die Police bis zum 31. Dezember 2004 ausgestellt.
  • Der erste Beitrag wurde spätestens bis zum 31. März 2005 eingezahlt.
  • Der Vertrag hat eine Laufzeit von mindestens zwölf Jahren.
  • Sie müssen mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt haben. Das bedeutet, dass Sie eine Versicherung mit zwölf Jahren Laufzeit höchstens sieben Jahre beitragsfrei stellen können.

Wird Ihnen die Ablaufleistung als monatliche Rente, also als sogenannte Leibrente ausbezahlt, müssen Sie den Ertragsanteil versteuern. Er hängt vom Alter ab, mit dem Sie sich die Kapitallebensversicherung auszahlen lassen: Je früher Sie in den Ruhestand gehen, desto höher ist der steuerpflichtige Ertragsanteil. Bei einem 65-Jährigen beläuft er sich auf 18 Prozent. Gehen Sie mit 55 in Rente, beträgt er 26 Prozent.

Die genaue Höhe des zu versteuernden Ertragsanteils berechnet Ihr Versicherer für Sie. Die Einnahmen müssen Sie dem zu versteuernden Einkommen hinzurechnen, das Sie in Ihrer Steuererklärung angeben.

Abschluss nach dem 31. Dezember 2004

Haben Sie Ihre Kapitallebensversicherung, Ihre Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht oder Ihre fondsgebundene Lebens- oder Rentenversicherung nach dem 31. Dezember 2004 abgeschlossen, gilt für die steuerliche Behandlung das Alterseinkünftegesetz (AltEinkG, hier als PDF). Es ordnet Kapitalanlageprodukte wie private Renten- oder Kapitallebensversicherungen der sogenannten 3. Schicht zu, deren Erträge generell voll steuerpflichtig sind.

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Wann Sie nur die Hälfte versteuern müssen

Ausnahmsweise nur die Hälfte der Erträge Ihrer Kapitallebensversicherung müssen Sie versteuern, wenn,

  • die Ablaufleistung in einem Betrag ausgezahlt wird,
  • der Vertrag eine Mindestlaufzeit von zwölf Jahren hat,
  • die Auszahlung nach Vollendung des 60. Lebensjahrs erfolgt (für Neuverträge seit dem Jahr 2012 dem vollendeten 62. Lebensjahr) und
  • der Todesfallschutz mindestens 50 Prozent der Beitragssumme umfasst (für Verträge, die nach dem 31. März 2009 abgeschlossen wurden).

Für alle Versicherungsverträge, die nach dem 31. März 2009 abgeschlossenen wurden, setzt § 20 Abs. 1 Nr. 6 S. 6 EStG steuerliche Mindeststandards für die Anforderungen an die Risikoleistung aus einer Kapitallebensversicherung, die sogenannte 50-Prozent-Regel. Das heißt:

  • Die Risikoleistung muss sich bis zum Ende der Laufzeit des Vertrags auf mindestens 50 Prozent der für die gesamte Laufzeit zu zahlenden Beträge summieren.
  • Die vereinbarte Leistung muss im Todesfall des Versicherten das Deckungskapital oder den Zeitwert der Versicherung spätestens fünf Jahre nach Vertragsabschluss um mindestens zehn Prozent des Deckungskapitals, des Zeitwerts oder der Summe der gezahlten Beiträge übersteigen.
Achtung

Teilauszahlung und Todesfallschutz

Haben sie eine Kapitallebensversicherung mit mehreren Erlebensfallzahlungen während der Versicherungsdauer abgeschlossen, ermäßigt sich nach jeder Teilauszahlung der Mindesttodesfallschutz in dem Verhältnis, in dem die Teilauszahlungssumme zum aktuellen Rückkaufswert vor Abzug von Kosten steht.

Sind diese detaillierten Regelungen nicht erfüllt, entfällt die Vergünstigung, dass Sie nur die Hälfte der Erträge versteuern müssen.

Beispiel: Die vertraglich vereinbarte Beitragssumme beträgt 140.000 Euro und die garantierte Erlebensfallleistung 200.000 Euro. Der Mindesttodesfallschutz beträgt gemäß 50-Prozent-Regel demnach 70.000 Euro. Nach 20 Jahren Laufzeit beträgt der Rückkaufswert 180.000 Euro und es erfolgt eine Teilauszahlung von 60.000 Euro. Der Mindesttodesfallschutz ermäßigt sich im Verhältnis 60.000 Euro zu 180.000 Euro, also um ein Drittel. Nach der Teilauszahlung beträgt der Mindesttodesfallschutz somit zwei Drittel von 70.000 Euro, also rund 46.667 Euro.

Wird Ihnen die Ablaufleistung als Leibrente ausgezahlt, hat sich an der Besteuerung im Vergleich zur Rechtslage vor dem 1. Januar 2005 nichts geändert. Das heißt: Bekommen Sie eine monatliche Rente aus Ihrer Versicherung, müssen Sie in Ihrer Steuererklärung den Ertragsanteil Ihrem zu versteuernden Einkommen hinzurechnen.

Steuern sparen durch Wechsel des Versicherungsnehmers

Bei einer nach dem 31. Dezember 2004 abgeschlossenen Versicherung lässt sich gegebenenfalls durch den Wechsel des Versicherungsnehmers Einkommensteuer sparen. Beispiel: Eltern übertragen den Versicherungsvertrag auf Sohn oder Tochter oder ein Kind überträgt den Vertrag auf die Eltern.

Das kann sich zum Beispiel lohnen, wenn Eltern ihre Police auf den studierenden Sohn übertragen, der vorerst kein eigenes Einkommen hat und auch dann voraussichtlich eine geringere Steuerlast zu tragen hat, wenn er nach seinem Abschluss in den Beruf einsteigt. Solange der Sohn also kein oder ein deutlich geringeres Einkommen hat als seine Eltern, kann die Familie so insgesamt Steuern sparen.

Der Wechsel des Versicherungsnehmers bewirkt nicht, dass die Mindestvertragsdauer von zwölf Jahren für Zwecke der Einkommensteuer neu beginnt. Das hat der Bundesfinanzhof in seinem Beschluss vom 23. April 2010 (Az. VIII B 48/08) bestätigt. Dort heißt es, dass „der mit Zustimmung des Versicherers erfolgende Eintritt des Steuerpflichtigen in einen von einem anderen abgeschlossenen Lebensversicherungsvertrag gegen laufende Beitragszahlung nicht als Abschluss eines neuen Vertrags anzusehen ist“ (BFH-Urteil vom 9. Mai 1974 VI R 137/72, BFHE 112, 484, BStBl II 1974, 633).

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So versteuern Sie eine Berufsunfähigkeitsrente

Beziehen Sie eine Berufsunfähigkeitsrente, die während einer befristeten Dauer gezahlt wird, müssen Sie diese als zeitlich begrenzte Leibrente mit dem Ertragsanteil gemäß § 55 EStDV versteuern.

Die Höhe des Ertragsanteils hängt von der Dauer der Rentenzahlungen ab: Je kürzer die Berufsunfähigkeitsrente gezahlt wird, desto niedriger ist generell der Ertragsanteil. Lassen Sie sich von Ihrem Versicherer die Höhe des Ertragsanteils bestätigen und rechnen Sie diese Summe zu Ihrem restlichen zu versteuernden Einkommen hinzu.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Finanztip-Redaktion

Die Experten für Verbraucherfinanzen

Die Finanztip-Redaktion besteht aus einem Team von Experten, die völlig unabhängig für Sie recherchieren, damit Sie die beste Entscheidung treffen können. Die Experten arbeiten in den Teams Bank & Geldanlage, Versicherung & Vorsorge, Recht & Steuern sowie Energie/Reise/ Mobilität & Medien. Bei der Wahl der Zeitschrift „Wirtschaftsjournalist“ zur Wirtschaftsredaktion des Jahres belegte die Redaktion 2015 den zweiten Platz.

Ludwig Heinz

ehemaliger freier Finanztip-Mitarbeiter

Ludwig Heinz hat als freier Finanztip-Redakteur zu Themen rund um Verbraucherfinanzen geschrieben. Zuletzt arbeitete er als Teamleiter Anlagestrategie für Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien in Frankfurt, davor als Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei der Anlegerzeitschrift Börse Online in München. Zudem war er in unterschiedlichen Positionen für mehrere Banken tätig, überwiegend im Research. Ludwig Heinz studierte nach einer Bankausbildung Betriebs- und Volkswirtschaftslehre in München.