Lohnsteuerhilfevereine

Günstig und gut beraten zur Steuererklärung

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Steuererklärung lohnt sich in den meisten Fällen. Mehr als 900 Euro erhalten Steuerzahler durchschnittlich vom Fiskus zurück.
  • Wer die Erklärung nicht selbst machen will, kann sich Unterstützung beim Lohnsteuerhilfeverein holen.
  • Die Vereine dürfen unter anderem Angestellte, Beamte und Rentner beraten, nicht jedoch Selbstständige und Gewerbetreibende.
  • Nicht beraten dürfen sie auch in den Fällen, in denen Ehepaare mehr als 26.000 Euro im Jahr Mieteinnahmen oder Kapitaleinkünfte haben.

So gehen Sie vor

  • Prüfen Sie zunächst, ob ein Lohnsteuerhilfeverein Sie betreuen darf.
  • Wenn Sie sich beraten lassen wollen, müssen Sie Mitglied werden. Der Jahresbeitrag ist einkommensabhängig und liegt je nach Verein bei ungefähr 50 bis 400 Euro.
  • Besuchen Sie vorab die Homepages mehrerer Lohnsteuerhilfevereine. Haben Sie einen Favoriten ausgewählt, vereinbaren Sie ein Gespräch vor Ort. So können Sie am besten feststellen, ob Sie diesem Verein beitreten möchten.
  • Den Mitgliedsbeitrag können Sie, je nach Höhe, ganz oder teilweise von der Steuer absetzen.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zu wichtigen Steuerfragen immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Auch wenn es sich für die meisten Steuerzahler lohnt: Die jährliche Steuererklärung auszufüllen ist nicht jedermanns Sache. Viele wissen schlichtweg nicht, welche Kosten sie absetzen können, scheuen aber den teuren Gang zum Steuerberater. Doch mit den Lohnsteuerhilfevereinen gibt es eine günstige Alternative.

Wem können Lohnsteuerhilfevereine helfen?

Im Steuerberatungsgesetz ist genau geregelt, wen die Vereine beraten dürfen. Unter anderem Angestellte, Beamte und Rentner können ihre Steuererklärung von einem Lohnsteuerhilfeverein erledigen lassen. Wer die Hilfe in Anspruch nehmen will, muss dem Verein beitreten.

Wenn Sie Mieteinnahmen oder Einnahmen aus Kapitalvermögen haben, dürfen diese nicht mehr als 13.000 Euro im Jahr betragen, bei Ehepaaren nicht mehr als 26.000 Euro.

Selbstständige und Gewerbetreibende sowie Arbeitnehmer mit Einnahmen aus einer selbstständigen Tätigkeit dürfen die Vereine nicht beraten. Für diese Berufsgruppen ist ein Steuerberater der richtige Ansprechpartner.

Tipp

Fristverlängerung

Als gesetzliche Frist zur Abgabe der Einkommensteuererklärung gilt grundsätzlich der 31. Mai des Folgejahres. Wenn Sie Ihre Steuererklärung allerdings durch einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein anfertigen lassen, gibt es eine Fristverlängerung bis zum 31. Dezember ohne Antrag; mit zusätzlichem Antrag auf Verlängerung in vielen Fällen sogar bis zum 28. Februar des darauf folgenden Jahres.

Welche Beratung bietet der Verein?

In welchen Belangen Sie der Lohnsteuerhilfeverein beraten darf, ist ebenfalls gesetzlich geregelt. Diese sogenannte Beratungsbefugnis ist bei allen Vereinen gleich: Grundsätzlich erledigen die Vereine alles für Ihre Steuererklärung, was auch ein Steuerberater macht. Der Verein kann für Sie den gesamten Schriftverkehr mit dem Finanzamt abwickeln. Auch Einspruchs- und Klageverfahren kann er übernehmen.

Darüber hinaus bieten die Vereine ihren Mitgliedern das gesamte Beratungsspektrum ganzjährig – also nicht nur zur „heißen Phase“ der Steuererklärung. Beispielsweise unterstützen sie bei der Wahl der richtigen Steuerklasse. Weiterhin helfen die Vereine beim Antrag auf Lohnsteuerermäßigung, Kindergeld, Riester-Zulagen oder bei den Freistellungsanträgen für Ihr Erspartes.

So finden Sie einen geeigneten Verein

Es gibt in Deutschland geschätzt rund 800 Lohnsteuerhilfevereine. Darunter sind sehr kleine, die nur lokal arbeiten, aber auch sehr große mit Hundertausenden Mitgliedern und bundesweit mehreren Tausend Beratungsstellen.

Die Dachorganisation Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) ist seit dem 1. Januar 2017 aus den bisherigen Verbänden Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine und Neuer Verband der Lohnsteuerhilfevereine hervorgegangen. Der BVL vertritt rund 300 Lohnsteuerhilfevereine mit mehr als 8.000 Beratungsstellen und drei Millionen Mitgliedern.

Allein die Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH), nach eigenen Angaben Deutschlands größter Lohnsteuerhilfeverein, verfügt über 3.000 Beratungsstellen für seine mehr als 900.000 Mitglieder. Ein weiterer großer Verein, die Lohnsteuerhilfe Bayern (Lohi), zählt rund 600.000 Mitglieder und berät bundesweit in mehr als 330 Beratungsstellen.

Von den Kosten her gibt es keine allzu großen Unterschiede, ein Vergleich kann sich aber lohnen, wenn Sie sich zwischen mehreren Vereinen entscheiden müssen. Jedoch sollte der Preis nicht das Zünglein an der Waage sein.

Wenn Sie einen Lohnsteuerhilfeverein in Ihrer Nähe suchen, gehen Sie am besten auf die Website der Dachorganisation BVL. Über deren Homepage oder unter www.beratungsstellensuche.de können Sie eine Beratungsstelle in Ihrer Nähe suchen.

Über die Online-Suche erhalten Sie mehrere Vorschläge für Ihren Stadtteil oder Ihre Region mit Kontaktdaten zum dazugehörigen Verein. Wählen Sie als nächstes mehrere Stellen aus, die für Sie infrage kommen und sehen Sie sich den dazugehörigen Verein genauer an.

Auf der Internetseite des Vereins sollten Sie Ihre voraussichtliche Mitgliedsgebühr berechnen oder aus einer Tabelle ablesen können – ansonsten rufen Sie an und erkundigen sich nach den Kosten. Schauen Sie sich auch die Vereinssatzung sowie Vertragslaufzeit und Kündigungsfrist an: Ist der Vertrag jährlich kündbar, ist die Kündigungsfrist möglichst kurz?

Aus dem Verein wieder austreten können Sie in der Regel zum Ende eines Kalenderjahres, die Fristen variieren je nach Verein. Manche verzichten komplett auf eine Kündigungsfrist, bei anderen beträgt sie bis zu drei Monate.

Bevor Sie sich binden, können Sie einen Termin mit dem Beratungsstellenleiter oder einem anderen Mitarbeiter des Lohnsteuerhilfevereins vereinbaren und sich vor Ort ein eigenes Bild verschaffen.

Das kostet die Mitgliedschaft

Mitglied im Lohnsteuerhilfeverein zu werden, ist ganz einfach. Meist zahlen Sie eine geringe Aufnahmegebühr sowie einen sozial gestaffelten Jahresbeitrag, der sich nach Ihrem Bruttoeinkommen richtet. Die Gebühr gilt für alle Beratungsbelange das ganze Jahr über. Sie müssen also nicht jede Leistung einzeln zahlen, wie es beim Steuerberater üblich ist.

Laut BVL beträgt der Mitgliedsbeitrag je nach Einkommen und Verein in der Regel 50 bis 390 Euro. Dazu kommt jeweils eine Aufnahmegebühr von 10 bis 15 Euro.

Bei einem Jahreseinkommen von 40.000 Euro brutto zahlt ein Mitglied beispielsweise beim Lohnsteuerhilfeverein Steuerring voraussichtlich 125 Euro im Jahr, beim Lohnsteuerhilfeverein Hilo rund 130 Euro; beide Vereine arbeiten bundesweit. Zum Vergleich: Lassen Sie Ihre Steuererklärung von einem Steuerberater erledigen, kostet dies beim selben Jahresgehalt mindestens 330 Euro.

Tipp

Mitgliedsbeitrag von der Steuer absetzen

Beruflich veranlasste Steuerberatungskosten können Sie von der Steuer absetzen. Alles, was zusammen weniger als 100 Euro ausmacht, sind Mischkosten, die Sie ungekürzt absetzen können. Von höheren Mischkosten können Sie ebenfalls 100 Euro oder die Hälfte als Werbungskosten absetzen. Dazu gehört auch der Mitgliedsbeitrag für den Lohnsteuerhilfeverein. Beispiel: Zahlen Sie hierfür 120 Euro, dann können Sie davon 100 Euro als Werbungskosten absetzen. Ab einem Mitgliedsbeitrag von 202 Euro ist die Vereinfachungsregelung des hälftigen Abzugs für Sie günstiger. 

Daran erkennen Sie eine gute Beratung

Das Beratungsangebot der Vereine ist gesetzlich geregelt und sollte bei allen Anbietern gleich sein, lässt sich qualitativ allerdings vom Laien schlecht einschätzen. So sollten Sie sich Ihren Verein nach Ihrem ganz persönlichen Eindruck aussuchen.

Sind Sie unschlüssig, können Sie weitere Fragen auch telefonisch mit einer Beratungsstelle in Ihrer Nähe klären. Vielleicht ist es möglich, den oder die Berater vorab persönlich kennenzulernen – schließlich vertrauen Sie dem Verein auch sehr private Daten an. Fühlen Sie sich von den Beratern ernst genommen, wirken sie kompetent und geben sie sich die Mühe, Ihnen Ihre Fragen verständlich zu beantworten?

Im Gespräch sollte der Berater Sie möglichst genau zu Ihren Lebensverhältnissen befragen. Nur so kann er einschätzen, ob er etwa Kosten für die Kinderbetreuung oder für haushaltsnahe Dienstleistungen ansetzen kann.

So läuft die Beratung ab

Suchen Sie zum Beratungstermin alle Unterlagen zusammen. In der Regel sind das Ihre Lohnbescheinigungen und weitere Einkommensnachweise wie der Rentenbescheid oder Mieteinnahmen. Können Sie eine Weiterbildung als Werbungskosten, Fahrtkosten zur Arbeit oder Ausgaben für Handwerker und Leistungen im Haushalt oder Ausgaben für Ihre Gesundheit geltend machen? Dann sollten Sie die entsprechenden Rechnungen und Quittungen dabeihaben. Oft finden Sie schon auf einer Webseite des Vereins eine Liste der mitzubringenden Unterlagen.

Wenn der Steuerexperte Ihre persönliche Situation mit Ihnen durchgeht, tauchen idealerweise weitere Posten auf, die Sie steuerlich geltend machen können. Außerdem sollte er mit Ihnen besprechen, welche Freibeträge Sie bestmöglich ausschöpfen und wie Sie alle steuerlichen Förderungen erhalten, die Ihnen zustehen: Sind Sie beispielsweise aus beruflichen Gründen umgezogen oder haben Sie Anspruch auf die Arbeitnehmer-Sparzulage? Die Beratung zu einer einfachen Steuererklärung dauert gut eine Stunde.

Im Anschluss an die Beratung sollte Ihnen der Steuerfachmann sagen, ob Sie eine Rückzahlung erwarten können oder ob Sie dem Finanzamt voraussichtlich noch Steuern nachzahlen müssen.

Achtung: Wer seine Steuererklärung freiwillig macht, kann bei einer drohenden Nachzahlung immer noch darauf verzichten, die Erklärung ans Finanzamt weiterzuleiten. Wer eine Steuererklärung abgeben muss und wer diese freiwillig abgeben sollte, lesen Sie in unserem Ratgeber Abgabepflicht zur Steuererklärung.

Ansonsten füllt der Berater Ihre Steuererklärung aus und leitet die von Ihnen unterschriebenen Unterlagen ans Finanzamt weiter. Anschließend prüft er den Bescheid und legt gegebenenfalls Einspruch ein. Im Zweifelsfall klagt der Verein auch in Ihrem Namen vor dem Finanzgericht.

Alternativen: Steuerberater und Steuersoftware

Steuerberater: Selbstständige und Gewerbetreibende sowie Arbeitnehmer mit Einnahmen aus einer selbstständigen Tätigkeit können sich nicht von einem Lohnsteuerhilfeverein beraten lassen. Als Alternative bietet sich der Steuerberater an, den natürlich auch alle anderen Steuerzahler in Anspruch nehmen können. Die Gebühren für den Steuerberater sind allerdings höher als die im Lohnsteuerhilfeverein. Sie sind in der Vergütungsordnung für Steuerberater geregelt. Dabei gilt: Je höher Ihr Einkommen und je aufwendiger der Steuerfall, desto höher die Rechnung.

Steuersoftware: Wer seine Steuererklärung zwar selbst machen will, aber nicht ohne Unterstützung, kann eine Steuersoftware nutzen. Computerprogramme sind eine zumeist kostengünstige Variante, sich bei der Steuererklärung helfen zu lassen. Mit kommerzieller Steuersoftware können Sie Ihre Erklärung schnell und effektiv abarbeiten. Die recht preisgünstigen Programme unterstützen Sie bei der Eingabe Ihrer Daten und liefern Tipps zum Steuersparen dazu. Die meisten Steuerpflichtigen finden hier eine sinnvolle Unterstützung. Zudem sind die geringen Kosten zwischen 15 und 35 Euro komplett steuerlich absetzbar. 

Kostenlos ist das Elsterformular der Finanzverwaltung, das auch Hilfe bei der Dateneingabe bietet. Alternativ können Sie sich auch für Mein Elster registrieren und direkt über das Internet Ihre Steuererklärung erstellen. Dies ist allerdings nur Steuerpflichtigen mit fortgeschrittenen Steuerkenntnissen zu empfehlen.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter [email protected].

Andrea Wekenborg

ehemalige Finanztip-Redakteurin (bis 2015)

Andrea Wekenborg verfasste für Finanztip Artikel im Ressort Recht & Steuern. Ihre Begeisterung für Verbraucherthemen entdeckte sie in der Ombudsredaktion der Berliner Zeitung. Später schrieb sie fünf Jahre für einen Online-Finanzvergleich über Versicherungen, Konten und Steuern. Zudem war sie bereits beim Verbraucherzentrale Bundesverband tätig.