Lohnsteuerjahresausgleich

Nicht zu verwechseln mit der Steuererklärung

Das Wichtigste in Kürze

  • Früher hieß die freiwillige Steuererklärung Lohnsteuerjahresausgleich.
  • Egal, ob ein Arbeitnehmer eine Steuererklärung abgeben muss oder dies freiwillig macht: Es handelt sich dabei immer um eine Einkommensteuererklärung.
  • Tatsächlich gibt es auch heute noch einen Lohnsteuerjahresausgleich. Dabei handelt es sich um eine Korrektur des Lohnsteuerabzugs durch den Arbeitgeber – in der Dezember-Lohnabrechnung.
  • Allerdings gibt es zahlreiche Ausschlüsse, sodass der Lohnsteuerjahresausgleich häufig nur bei Arbeitnehmern mit Steuerklasse 1 erfolgt.
  • Meistens schwankte bei diesen Mitarbeitern das Gehalt im Laufe des Jahres oder sie haben Sonderzahlungen wie das Weihnachts- oder Urlaubsgeld erhalten.

„Ich muss noch bis Ende Mai meinen Lohnsteuerjahresausgleich machen“ – das ist öfter mal von Arbeitnehmern zu hören. Doch Achtung, in diesem kleinen Satz stecken in den meisten Fällen drei Steuer-Fehler.

Der offensichtlichste: Einen Lohnsteuerjahresausgleich machen können nur noch Arbeitgeber. Früher war das mal anders, da wurde die freiwillige Steuererklärung „Lohnsteuerjahresausgleich“ genannt. Dieser veraltete Begriff ist immer noch in manchen Köpfen präsent. Heute heißt sie auf dem Mantelbogen, der ans Finanzamt geht, „Einkommensteuererklärung“ – und zwar einheitlich für alle Steuerzahler, egal, ob sie die Erklärung freiwillig einreichen oder zur Abgabe verpflichtet sind.

Zweitens: Bei der Mehrheit der Arbeitnehmer behält der Arbeitgeber am Monatsende die Lohnsteuer ein und führt sie ans Finanzamt ab, sodass diese Steuerzahler gar nicht verpflichtet sind, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Diese Pflicht besteht bei Arbeitnehmern und Rentnern nur unter bestimmten Voraussetzungen. Zusammengefasst sind diese im Ratgeber Abgabepflicht Steuererklärung und für Rentner im Ratgeber Anlage R

Der dritte Irrtum liegt im Datum, weil jeder für eine freiwillige Steuererklärung vier Jahre Zeit hat. Beispiel: für das Jahr 2016 bis zum 31. Dezember 2020. 

Lohnsteuerjahresausgleich als Pflicht ab zehn Mitarbeitern

Von dem Begriff Lohnsteuerjahresausgleich in Bezug auf Ihre Steuererklärung sollten Sie sich also trennen. Der Lohnsteuerjahresausgleich von heute funktioniert ganz anders: Arbeitgeber, die mindestens zehn Mitarbeiter haben, müssen am Jahresende eine Korrektur der tatsächlich abgeführten Lohnsteuer vornehmen. Dies erfolgt in der Lohnabrechnung für Dezember. Das Steuermodernisierungsgesetz schreibt vor, dass der Lohnsteuerjahresausgleich spätestens bis Ende Februar des Folgejahres erfolgen muss. Noch 2016 hatten die Arbeitgeber einen Monat mehr Zeit.

Arbeitgeber behalten mit der monatlichen Lohnabrechnung die Lohnsteuer, den Solidaritätszuschlag sowie gegebenenfalls die Kirchensteuer ihrer Beschäftigten ein und führen diese zusammen mit den Sozialversicherungsbeiträgen ab. Kommt es innerhalb des Jahres zu Gehaltsveränderungen oder werden Einmalzahlungen wie das Weihnachts- und Urlaubsgeld gezahlt, dann ergibt ein Vergleich der Jahreslohnsteuer mit den unterjährig tatsächlich abgeführten Steuerbeträgen am Jahresende, dass der Arbeitgeber etwas zu viel einbehalten hat. Dies muss er mit dem Lohnsteuerjahresausgleich korrigieren. Folglich fällt in solchen Fällen der Steuerabzug im Dezember etwas geringer aus.

Wann der Lohnsteuerjahresausgleich nicht erfolgen darf

Allerdings gibt es eine ganze Reihe von Ausnahmen. Gemeint sind damit Konstellationen, in denen der Arbeitgeber keinen Lohnsteuerjahresausgleich für einen bestimmten Mitarbeiter im Ausgleichsjahr vornehmen darf, beispielsweise wenn

  • der Mitarbeiter nicht unbeschränkt steuerpflichtig ist; dies zielt auf Steuerausländer, also Menschen, die mehr als die Hälfte des Jahres im Ausland wohnten;
  • er nicht ganzjährig beim Arbeitgeber beschäftigt war;
  • im Lohnkonto des Ausgleichjahres für eine Unterbrechung „U“ ausgewiesen wurde;
  • er im betreffenden Jahr – zumindest zeitweilig – nach der Steuerklasse 2, 3 oder 4 besteuert wurde;
  • er die Steuerklasse 4 mit Faktor, 5 oder 6 hatte;
  • er beantragt hat, dass bei ihm kein Lohnsteuerjahresausgleich erfolgen soll;
  • bei der Berechnung der Lohnsteuer ein individueller Freibetrag berücksichtigt wurde oder
  • er (Saison-)Kurzarbeiter-, Schlechtwetter-, Winterausfallgeld- oder einen Zuschuss zum Mutterschaftsgeld oder einem anderen Beschäftigungsverbot erhalten hat.

Betroffen sind vor allem Arbeitnehmer mit Steuerklasse 1

Der häufigste Fall, in denen es zum Lohnsteuerjahresausgleich kommt, ist der eines Arbeitnehmers mit Steuerklasse 1, der innerhalb des Jahres schwankende Löhne gehabt oder eine Sonderzahlung wie das Weihnachtsgeld bekommen hat.

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter [email protected].