Negativzins

So schützen Sie Ihr Vermögen

Das Wichtigste in Kürze

  • Dass private Bankkunden künftig „Strafzinsen“ bezahlen müssen, halten wir für unwahrscheinlich.
  • Doch wenn die Zinsen für Bankeinlagen unter der Inflationsrate liegen, schmälert das die Kaufkraft des Ersparten.
  • Davor schützen nur ordentlich verzinste Tages- und Festgeldkonten.
  • Zusätzlich können Sie einen Teil Ihres Geldes in Indexfonds auf den Weltaktienmarkt anlegen.
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Seit Ausbruch der Finanz- und Staatsschuldenkrise in Europa ärgern sich Sparer über immer weiter sinkende Zinsen. Inzwischen wird sogar über mögliche Negativzinsen für private Bankkunden diskutiert. Als erste deutsche Großbank verkündete die Commerzbank, dass künftig institutionelle Kunden wie Unternehmen für die kurzfristige Anlage von Geld bezahlen sollen – verkehrte Welt in der Finanzmetropole Frankfurt.

Zuvor hatte die Deutsche Skatbank bundesweit Empörung ausgelöst, als sie ihre neuen Konditionen für Tagesgeld veröffentlichte. Danach sollten Einlagen von mehr als einer halben Million Euro mit einem negativen Zins von 0,25 Prozent belegt werden. Wenige Tage später ruderte die Onlinebank allerdings ein Stück zurück. „Strafzinsen“ sollen jetzt erst für Beträge von mehr als drei Millionen Euro berechnet werden.

Angesichts der Inflation ist der Zins schon häufig negativ

Unterdessen mühen sich Verbandsfunktionäre und manche Banken, Deutschlands Sparer zu beruhigen. „Negativzinsen auf Spareinlagen wird es bei den Sparkassen nicht geben“, versprach etwa Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Dabei unterschlägt der ehemalige bayerische Finanzminister, dass gerade Sparkassen oft besonders schlechte Konditionen für Tages- und Festgeld bieten. Die Berliner Sparkasse beispielsweise zahlt derzeit nur 0,3 Prozent pro Jahr für Tagesgeld, die Hamburger Sparkasse 0,1 Prozent und die Ostsee-Sparkasse 0,1 Prozent bei Anlagen zwischen 5.000 und 50.000 Euro. Bei der Sparkasse Chemnitz rangieren die Zinsen bereits nahe null: Tagesgeld in Höhe von 2.500 bis 10.000 Euro verzinst sie mit 0,01 Prozent im Jahr.

Wenn Sie also in Chemnitz 5.000 Euro anlegen, haben Sie nach einem Jahr ganze 50 Cent verdient. Berücksichtigen Sie auch die Inflation, ist die Kaufkraft Ihrer Anlage gesunken. Denn Ihr Vermögen verliert von Jahr zu Jahr an Wert, falls die Teuerungsrate höher ist als der Zins, den Sie erhalten. Ökonomen sprechen von einem negativen Realzins, das ist der Zins nach Abzug der Inflation. 2014 betrug die durchschnittliche Inflationsrate hierzulande 0,9 Prozent nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Rechnet man den Zins von 0,01 dagegen, bleibt ein negativer Realzins von 0,89 Prozent. Nach zwölf Monaten haben Sie also 50 Cent mehr auf dem Konto, die Kaufkraft Ihres Geldes ist aber im Vergleich zu heute um gut 44 Euro gesunken, wenn sich die Inflationsrate nicht verändert. 

Wer sein Vermögen erhalten oder gar vermehren will, macht also besser einen großen Bogen um Banken, deren Zinsen auf Tages- und Festgeldkonten niedriger als die Inflationsrate sind. Allerdings: Wie groß das Loch sein wird, das schlechte Zinskonditionen in die Kasse reißen, weiß man immer erst im Nachhinein. Denn wie sich die Inflationsrate entwickelt, ist ungewiss.

Auch wer dem Staat Geld leiht, zahlt in vielen Fällen drauf

Doch wohin mit dem Geld? Auch festverzinsliche Bundeswertpapiere bieten nach Abzug der Inflation kaum noch positive Renditen. Bei Anleihen mit Laufzeiten von bis zu knapp sechs Jahren ist die Rendite sogar schon vor Abzug der Teuerung negativ. Anleger müssen also dafür bezahlen, dass sie dem Staat Geld leihen dürfen. Das ist eine verrückte Folge der Finanz- und Staatsschuldenkrise in Europa.

Die Zinsen sind hierzulande aber nicht nur so niedrig, weil die Europäische Zentralbank (EZB) den Geschäftsbanken fast umsonst Geld leiht. Wegen der nach wie vor schwierigen Wirtschafts- und Finanzlage in einigen europäischen Ländern drängt auch Kapital aus dem Ausland nach Deutschland, da die Bundesrepublik als ein Hort der Stabilität gilt. Dem Staat und den Banken wird das Geld quasi nachgeworfen. Deswegen müssen sie gar keine oder nur sehr niedrige Zinsen bezahlen. Hinzu kommt, dass private Haushalte, Unternehmen und die Regierung sparen, wo es nur geht – eine typische Reaktion auf die Krise.

Ohne Investitionen und Konsum sinkt aber die Nachfrage nach Krediten. Und wenn sich kaum jemand Geld leiht, verdienen Banken keine Zinsen mehr, mit denen sie Sparer für ihre Einlagen entlohnen könnten. Mittlerweile müssen Banken selbst bezahlen, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken. Die nimmt einen Negativzins von 0,2 Prozent. Mit dem Strafzins sollen Geldinstitute animiert werden, mehr Kredite an Unternehmen zu vergeben.

Auf niedrige Gebühren und Zinssatz über der Inflationsrate achten

Trotz allem ist es mehr als unwahrscheinlich, dass Banken in Deutschland dazu übergehen werden, Privatkunden mit kleinem Vermögen Geld für ihre Einlagen abzuknöpfen. Der Wettbewerb spricht dagegen. Schließlich sitzt die Konkurrenz nur wenige Mausklicks entfernt. Falls viele Banken gleichzeitig ein Minuszeichen vor die Zinsen setzten, würden Sparer vermutlich in Scharen ihr Geld abheben und zu Hause bunkern – kaum vorstellbar, dass die Politik tatenlos zusähe, sollte eine solche Entwicklung drohen.

Banken haben außerdem andere Stellschrauben, mit denen sie ihre Kassen durch die Hintertür auffüllen können. Wenig Aufsehen erregen beispielsweise Preiseerhöhungen für Standard-Dienstleistungen. Beispielsweise will die Postbank ab 1. April 0,99 Euro für die Bearbeitung von handschriftlichen Überweisungen auf Papier-Formularen verlangen. Deshalb sollten Sie im Auge behalten, was Sie etwa für Girokonto, Kreditkarten oder Darlehen bezahlen und im Zweifel das Konto oder die Bank wechseln.

Auch für Ihre Spareinlagen sollten Sie Banken wählen, die einen Zins oberhalb der Inflationsrate bezahlen. Welche Institute sicher sind und dazu noch akzeptable Konditionen anbieten, lesen Sie in unseren Ratgebern zu Tages- und Festgeld. Wer sein Geld für längere Zeit nicht braucht und ein Vermögen aufbauen will, kann einen Teil der Summe auch über Indexfonds in den internationalen Aktienmarkt stecken. In den zurückliegenden 44 Jahren hat eine solche Anlage im Durchschnitt 7,4 Prozent Rendite im Jahr gebracht – ein Wert, der deutlich über der Inflation lag.

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Community
Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Abzuwarten bleibt es, ob alle Banken auf Dauer "kostenfreie" Konten anbieten können .... die Niedrigzinsphase und die negativ-Zinsen bei der EZB werden hier sicherlich eine starke Bereinigung im ...
4. April 2016 zum Beitrag
Super Artikel !
4. April 2016 zum Beitrag
Am Wochenende war in der FAZ ein guter Artikel zum Thema "Kostenloses Girokonto". Es gibt also noch genug Alternativen, den steigenden Gebühren zu begegnen Vielleicht heißt das aber auch, man ...
31. März 2016 zum Beitrag
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Hermann-Josef Tenhagen

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