Piloten-Streik

Was Ihnen bei einem Streik bei der Fluggesellschaft zusteht

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn Piloten oder Flugbegleiter streiken, haben Kunden Anspruch auf einen Ersatzflug zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
  • Alternativ muss die Airline die Fahrt mit der Bahn bezahlen.
  • Kosten für andere Verkehrsmittel wie einen Mietwagen übernimmt die Fluggesellschaft eventuell auf Nachfrage.
  • Pauschalreisende wenden sich an den Reiseveranstalter, nicht an die Airline.
  • Wer schon am Flughafen ist, kann kostenlose Getränke und Snacks verlangen.
  • Eine Entschädigungszahlung erhalten Kunden bei einem Streik hingegen nicht.
  • Eine möglicherweise abgesprochene Krankheitswelle unter den Mitarbeitern einer Fluggesellschaft muss nicht als (wilder) Streik bewertet werden und kann zu einer Entschädigung der Passagiere führen.

Falls Ihre Reise von einem Streik betroffen sein könnte (Pilotenstreik oder Streik der Flugbegleiter), prüfen Sie auf der Website der Airline den Status Ihres Flugs. Sollte er annulliert worden sein, können Sie ihn im Normalfall telefonisch oder online stornieren oder umbuchen. Einen Anspruch auf eine Entschädigung von der Fluggesellschaft nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung haben Sie bei einem Streik allerdings nicht.

Eine Krankheitswelle ist kein Streik
Anders kann es aussehen, wenn die Fluggesellschaft Flüge annulliert, weil viele Crew-Mitglieder erkrankt sind und nicht so schnell Ersatz gefunden werden kann. So war es im Herbst 2016 bei Tuifly. Die Airline will keine Entschädigungen zahlen, weil die Krankmeldungen mit einem Streik vergleichbar seien, es lägen außergewöhnliche Umstände vor.

Das sahen die Passagiere anders und klagten daher auf Entschädigung. Viele haben sich an Portale für Fluggastrechte gewandt. Fairplane hat in knapp 50 Fällen Klage eingereicht, der Sofort-Entschädiger EUflight führte 44 Klagen. Im Februar 2017 gab es die ersten Urteile – mit sehr unterschiedlichem Ausgang.

Das Amtsgericht Hannover sprach einer Familie und einem Rentner-Ehepaar eine Entschädigung für den annullierten Hinflug zu (Urteil vom 15. Februar 2017, Az. 538 C 11921/16). Zwei ähnliche Klagen waren zuvor abgewiesen worden (Urteil vom 9. Februar 2017, Az. 509 C 12714/16). Bis zur endgültigen Klärung durch den Bundesgerichtshof (BGH) oder den Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg wird es noch dauern.

Die folgenden Rechte können Sie als Kunde bei einem Streik geltend machen.

Sie haben Anspruch auf einen Ersatzflug

Wenn der Flug gestrichen wird, steht Ihnen eine alternative Beförderung zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu – so regelt es das europäische Fluggastrecht. Besprechen Sie die Möglichkeiten eines Ersatzflugs oder einer anderen Beförderung am besten direkt mit Ihrer Fluggesellschaft. 

Sollten Sie Ihren Flug über einen Veranstalter oder ein Reisebüro gebucht haben, müssen Sie sich für eine Umbuchung oder Stornierung an diesen Anbieter wenden.

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Sie können Bahn fahren statt fliegen

Wenn Sie innerhalb Deutschlands fliegen, können Sie ohne weitere Kosten die Bahn nutzen. Dafür sollten Sie über die Buchungsseite das Flugticket in eine Fahrkarte umwandeln. Sie erhalten die Bahnfahrkarte auch am Ticketschalter der Fluggesellschaft.

Wenn Sie sich selbst ein Bahnticket kaufen, können Sie später versuchen, es sich erstatten zu lassen. Es kann aber sein, dass Sie nur den Preis für Ihr Flugticket zurückbekommen. Sollte die Bahnfahrt teurer sein, müssen Sie die Differenz unter Umständen selbst tragen. Tauschen Sie Ihr Flugticket daher besser vor der Fahrt bei der Airline in eine Bahnfahrkarte um.

Mietwagen und Co. nur auf Anfrage

Fragen Sie bei der Airline nach, ob Ihnen auch andere Verkehrsmittel erstattet werden können – zum Beispiel ein Mietwagen. Was möglich ist, ist letztlich Verhandlungssache. Lassen Sie sich Zusagen unbedingt per E-Mail bestätigen.

Pauschalreisende wenden sich an Reiseveranstalter

Falls Ihr Flug Teil einer Pauschalreise ist, sollten Sie sich an Ihren Reiseveranstalter wenden. Dieser muss einen Ersatzflug für Sie organisieren. Wenn Sie Ihren Urlaub erst Tage später beginnen, können Sie nachträglich den Reisepreis mindern. Falls Ihr Urlaub erheblich beeinträchtigt wird, können Sie die Reise auch kostenfrei stornieren – zum Beispiel, wenn Sie Ihren einwöchigen Urlaub erst vier Tage später antreten können. Falls der Rückflug ausfällt, muss der Veranstalter für Ihre Unterkunft am Urlaubsort sorgen.

Manchmal haben Sie Anrecht auf Verpflegung und Unterbringung

Sind Sie bereits am Flughafen und erfahren dort, dass Ihr Flug ausfallen wird, dann muss die Airline Sie verpflegen. Vermutlich gibt man Getränke, Snacks oder Gutscheine aus. Wenn nichts angeboten wird, können Sie sich selbst Essen und Getränke kaufen und sich die Verpflegung später von der Fluggesellschaft erstatten lassen. Aber Achtung: Menge und Art muss in einem angemessenen Verhältnis zu Ihrer Wartezeit stehen.

Sind Sie am Urlaubsort gestrandet und der Ersatzflug geht erst am nächsten Tag, dann muss die Airline Übernachtung und Transfer zahlen. Besprechen Sie die Details am besten telefonisch mit dem Kundendienst. Möglicherweise hat die Fluggesellschaft die Übernachtung bereits für Sie organisiert. Buchen Sie ein Hotel auf eigene Faust nur dann, wenn Sie eine schriftliche Zusage haben, dass die Kosten erstattet werden.

Mehr dazu im Ratgeber Fluggasthelfer

Dr. Britta Schön
Finanztip-Rechtsexpertin

Fluggastrechte nach EU-Verordnung

  • Bei Flugverspätung von mehr als 3 Stunden können Sie Entschädigung verlangen.
  • Bis zu 600 Euro sind möglich.
  • Fluggasthelfer-Portale setzen Ihre Rechte durch.
  • .

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Artikel verfasst von

Daniel Pöhler

Finanztip-Experte für Mobilität & Digitales

Daniel Pöhler ist bei Finanztip für Mobilität und digitale Themen verantwortlich. Wie die Telekommunikations-Branche tickt, hat er durch seine Arbeit bei der Fachzeitung Telecom Handel gelernt. Davor sammelte er Erfahrungen bei der Software-Schmiede SAP und beim TV-Hersteller Loewe. Daniel Pöhler hat ein Diplom in Betriebswirtschaft von der Universität Bayreuth.

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter [email protected].