Standardtarif in der PKV

Günstige Lösung für ältere Privatversicherte

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Standardtarif ist geeignet für langjährig Privatversicherte, denen die Beiträge ihres derzeitigen Tarifs zu hoch sind.
  • Er ist meist recht günstig – besonders für Ehepartner, die beide privat krankenversichert sind.
  • Die Leistungen des Standardtarifs ähneln denen der gesetzlichen Krankenversicherung.
  • Im Vergleich zum Basistarif in der privaten Krankenversicherung ist der Standardtarif meist billiger, bietet in einigen Bereichen aber deutlich weniger Leistungen.
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Der Standardtarif in der privaten Krankenversicherung (PKV) ist eine Möglichkeit für Privatversicherte, ihre Beiträge zu reduzieren, wenn sie sich die monatliche Prämie nicht mehr leisten können. Er ist insbesondere für Versicherte gedacht, die schon seit vielen Jahren privat krankenversichert sind. Beim Wechsel in den Standardtarif gelten dieselben Grundsätze wie bei anderen Tarifwechseln beim gleichen Anbieter: Risikozuschläge bleiben erhalten, und für Mehrleistungen kann der Versicherer eine Gesundheitsprüfung verlangen und ebenfalls Risikozuschläge festsetzen.

Der Standardtarif steht Ihnen nur offen, wenn Sie vor dem 1. Januar 2009 in die private Krankenversicherung eingetreten sind und dort bereits seit mindestens zehn Jahren versichert sind. Außerdem muss einer der drei folgenden Punkte zutreffen:

  • Sie sind mindestens 65 Jahre alt,
  • Sie sind mindestens 55 Jahre alt und Ihr Einkommen liegt unter der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 52.200 Euro (Stand: 2017) oder,
  • Sie beziehen bereits eine gesetzliche Rente, etwa eine Erwerbsminderungsrente, und Ihr Einkommen liegt unter der Beitragsbemessungsgrenze.

Privatversicherte mit Verträgen, die nach dem 1. Januar 2009 geschlossenen wurden, haben nur die Möglichkeit, in den Basistarif der privaten Krankenversicherung zu wechseln.

Beiträge im Standardtarif sind gedeckelt

Der maximale Beitrag im Standardtarif ist begrenzt auf den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), der 2017 bei knapp 635 Euro im Monat lag. Zusätzlich fällt eine Selbstbeteiligung von höchstens 306 Euro an.

Beim Wechsel aus dem ursprünglichen Tarif nehmen Versicherte ihre Altersrückstellungen in voller Höhe mit, so dass der tatsächliche Beitrag im Standardtarif meist deutlich niedriger ist. Den konkreten Beitrag kann nur der jeweilige Krankenversicherer ermitteln, da die Beitragshöhe auch von der Vorversicherungszeit und dem Alter des Versicherten abhängt. Informieren Sie sich deshalb vor einem Wechsel über die Beitragshöhe, damit Sie Ihre Ersparnis kennen.

Wenn Sie und Ihr Ehepartner beide privat versichert sind, zahlen Sie zusammen nicht mehr als 150 Prozent des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung, sofern das Gesamt-Einkommen die Beitragsbemessungsgrenze der GKV nicht übersteigt. Dadurch ist der Standardtarif für privat versicherte Ehepaare finanziell oft sehr attraktiv.

Diese Leistungen bietet der Standardtarif

Der Standardtarif ist an den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung angelehnt und bei allen Krankenversicherungen gleich. In einigen Bereichen bietet der Standardtarif sogar geringere Leistungen als eine gesetzliche Krankenkasse beziehungsweise der Basistarif der PKV. So werden Arzneimittel, Heil- und Hilfsmittel zu 80 Prozent erstattet, bis der Selbstbehalt ausgeschöpft ist. Danach übernimmt die Versicherung die Kosten voll. Bei einer ambulanten Psychotherapie erstattet der Standardtarif bis zu 25 Sitzungen pro Jahr. Kuren, Reha, Soziotherapie oder Haushaltshilfe bezahlt die Versicherung in der Regel nicht.

Anders als der Basistarif lässt sich der Standardtarif nicht mit privaten Zusatzversicherungen ergänzen. Nur die Auslandsreisekrankenversicherung oder Krankentagegeldversicherung können Sie zusätzlich abschließen.

Tipp

Sozialtarife in der PKV

Mehr Informationen über die Sozialtarife in der PKV erhalten Sie in der gleichnamigen Broschüre des PKV-Verbands und in unserem Ratgeber zum Basistarif in der PKV.

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Standard- oder Basistarif – welcher Tarif passt?

Wer in den Standardtarif darf, kann alternativ auch in den Basistarif wechseln. Der Standardtarif ist in den meisten Fällen die deutlich billigere Variante, denn der Beitrag im Basistarif entspricht in der Regel dem Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung plus dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag der Kassen. Außerdem gibt es den reduzierten Tarif für Ehepartner im Basistarif nicht. Dennoch sollte nicht allein der Beitrag entscheiden. Folgende Tabelle hilft bei der Wahl des richtigen Tarifs:

      Standardtarif     Basistarif
Beitrag     meist erheblich niedriger als Höchstbeitrag zur GKV; maximal 150 % des GKV-Höchstbeitrags für privat versicherte Ehepaare     in der Regel GKV-Höchstbeitrag plus durchschnittlicher Zusatzbeitrag pro Person; Hälfte bei Hilfebedürftigkeit nach § 9 SGB II
Leistungen     ähneln Kassenleistungen; freie Wahl bei Fach- und Privatärzten     entsprechen Kassenleistungen; Arzt mit Kassenzulassung ist erste Anlaufstelle; deutlich bessere Leistungen bei Kuren, Haushaltshilfe, Krankentagegeld, Psychotherapie, Soziotherapie, Hilfs- und Heilmitteln, Reha-Leistungen und Palliativversorgung
Zusatzversicherungen     nicht möglich, bis auf Auslandsreise-Krankenversicherung, Krankentagegeld     möglich, Krankentagegeld bereits mitversichert

Behandlung beim Arzt

Theoretisch haben Patienten im Standardtarif freie Arztwahl – sie können sich also auch von Privatärzten behandeln lassen. In der Praxis ist die Auswahl aber oft eingeschränkter, denn die Versicherung erstattet Honorare nur in eingeschränktem Umfang. So ist das Honorar für Ärzte auf den 1,8-fachen Satz der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) beschränkt, bei Zahnärzten auf den 2,0-fachen Satz der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ). Versicherte sollten ihren Arzt vor der Behandlung auf den Standardtarif hinweisen, damit dieser tatsächlich nur abrechnet, was die PKV erstattet. Höhere Kosten trägt der Versicherte allein.

Mehr dazu im Ratgeber interner Tarifwechsel

Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Unbedingt internen Tarifwechsel prüfen

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Peter Neitzsch

freier Finanztip-Mitarbeiter

Als freier Autor arbeitet Peter Neitzsch im Versicherungsressort von Finanztip. Der freiberufliche Journalist schreibt vorwiegend über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Vor der Selbstständigkeit leitete er das Wirtschaftsressort von stern.de. In Dresden und Paris studierte Peter Neitzsch Sozialwissenschaften und absolvierte danach die Berliner Journalisten-Schule. Im Anschluss arbeitete er unter anderem am Newsdesk der Frankfurter Rundschau und von tagesschau.de.

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.