Interner Tarifwechsel PKV

Tarif in der privaten Kranken-versicherung wechseln und sparen

Das Wichtigste in Kürze

  • Als Mitglied in der privaten Krankenversicherung (PKV) haben Sie das Recht, bei Ihrem Versicherer kostenlos den Tarif zu wechseln.
  • Dadurch können Sie Ihre Beiträge eventuell deutlich senken, ohne auf wichtige Leistungen zu verzichten.
  • Wechseln Sie nicht den Versicherer, denn dann verlieren Sie einen Großteil Ihrer Altersrückstellungen.
  • Als Faustregel sollten Sie alle fünf bis zehn Jahre Ihren Tarif überprüfen und ihn mit anderen Ihres Versicherers vergleichen lassen. Machen Sie das gegebenenfalls früher, falls die Beiträge stark steigen.
  • Vor allem für ältere, langjährig Versicherte lohnt sich die Kontrolle, weil es mittlerweile günstigere Tarife für sie geben kann.

So gehen Sie vor

  • Fordern Sie Ihre Versicherung auf, Sie zu einem internen Tarifwechsel zu beraten. Dazu können Sie unser Musterschreiben nutzen.
  • Für Laien ist schwer zu beurteilen, ob die Versicherung tatsächlich den optimalen Tarif empfiehlt. Sie können das Angebot deshalb von einem Versicherungsberater prüfen lassen.
  • Der Berater hilft Ihnen, die Leistungen verschiedener Tarife zu vergleichen und kann über Vertragsdetails verhandeln.
  • Wir haben geeignete Versicherungsberater ausgewählt: Ziehen Sie ein erfolgsabhängiges Honorar vor, empfehlen wir Minerva. Zahlen Sie lieber ein Pauschalhonorar, empfehlen wir Verssulting.
  • Tipp: Sollen wir Sie zum Thema private Krankenversicherung sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

    Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

    Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

    Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

    Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
    Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

Jeder, der länger in der privaten Krankenversicherung (PKV) ist, kennt diesen Ärger: In der Zeit vor dem Jahreswechsel flattert ein Schreiben ins Haus mit einer saftigen Beitragserhöhung. Viele Versicherte nehmen das stillschweigend hin – bis ihnen eines Tages die Belastung über den Kopf wächst.

Dabei gibt es eine gute Möglichkeit, einer Beitragsexplosion entgegenzuwirken: Als PKV-Versicherter dürfen Sie bei Ihrem privaten Krankenversicherer kostenlos den Tarif wechseln und können dadurch möglicherweise Beiträge sparen – unabhängig davon, ob die Versicherung gerade die Beiträge erhöht hat oder nicht. Dieses gesetzlich verbriefte Recht nutzen nur Wenige. Erfahrungen spezialisierter Versicherungsberater zeigen, dass in vielen Fällen eine Ersparnis von 200 Euro im Monat möglich ist.

Jeder sollte den Tarifwechsel prüfen

Potenziell lohnt sich der Wechsel des Tarifs für jeden Versicherten. Er muss nur einen Tarif finden, der bei gleich gutem Schutz Beiträge spart. Das Gesetz ist dabei auf der Seite der Kunden. Insbesondere wenn Ihre Beiträge in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind, empfiehlt es sich, einen Vergleich mit anderen Angeboten Ihres Versicherers anzustellen.

Achtung

Nicht den Versicherer wechseln

Wenn Sie in der PKV sind, sollten Sie in aller Regel nur intern den Tarif, aber nicht die Versicherung wechseln. Denn wenn Sie zu einem anderen Anbieter gehen, verlieren Sie einen erheblichen Teil Ihrer Altersrückstellungen. Diese sollen im Alter die höheren Kosten für Behandlungen abfedern. Außerdem müssen Sie sich beim Wechsel des Anbieters einer neuen Gesundheitsprüfung unterziehen, was Risikozuschläge und den Ausschluss von Leistungen zur Folge haben kann. Ein externer Wechsel ist deshalb nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Falls Ihr Vermittler Ihnen eine solche sogenannte Umdeckung vorschlägt, ist er wahrscheinlich auf eine Abschlussprovision aus.

Warum alte Tarife oft teurer sind als neue

Krankenversicherungen werden mit der Zeit immer teurer. Dafür gibt es hauptsächlich zwei Gründe: Zum einen entwickelt sich die Medizin stetig weiter, und modernere Therapien haben eben ihren Preis. Zum anderen steigt die Lebenserwartung, wodurch die Menschen immer länger höhere Gesundheitskosten verursachen.

Zwar bildet jede private Krankenversicherung sogenannte Altersrückstellungen, die verhindern, dass die Beiträge im Alter explodieren. Steigen werden sie dennoch.

Wie sich die Beiträge einzelner Tarife entwickeln, kann aber selbst innerhalb eines Versicherungsunternehmens höchst unterschiedlich sein. Das liegt daran, dass in der privaten Krankenversicherung jeweils alle gleichaltrigen Versicherten in einem Tarif die Gesundheitskosten unter sich ausmachen. So können Tarife mit ähnlichen Leistungen unterschiedlich teuer sein, je nachdem wie gesund die Versicherten dort sind.

Besonders extreme Preisunterschiede gibt es bei Versicherern, die regelmäßig neue, sehr günstige Tarife auf den Markt bringen. So versuchen sie, neue Kunden anzulocken. Doch wenn der Preis zu knapp kalkuliert wurde, müssen die Beiträge später besonders stark angehoben werden. Das führt dazu, dass gesunde Kunden den Tarif verlassen. Diese sind eher bereit, den Tarif zu wechseln als Kranke – obwohl jeder das Recht auf einen Tarifwechsel hat, unabhängig vom Gesundheitszustand. Wenn aber Gesunde einen Tarif verlassen, verbleiben anteilig mehr Kranke, wodurch die Beiträge noch stärker steigen.

Was Versicherte tun können, um ihre Beiträge zu senken, erklären wir kurz zusammengefasst im Video:

Weniger Leistung bekommen Sie immer, mehr nicht unbedingt

Jeder privat Versicherte hat nach Paragraf 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) das Recht, bei seinem Versicherer in einen anderen Tarif zu wechseln, der entweder einen gleich guten oder einen schlechteren Versicherungsschutz bietet. Wenn Sie in einen Tarif mit höheren Leistungen wechseln wollen, kann der Versicherer

  • einen Risikozuschlag verlangen, auch wenn kein erhöhtes Risiko beim Versicherten vorliegt (BGH, Urteil vom 13. April 2016, Az. IV ZR 393/15),
  • eine Wartezeit ansetzen, in der Sie die höheren Leistungen nicht in Anspruch nehmen können,
  • die höheren Leistungen in Ihrem Fall ausschließen.

Mehrleistungen können beispielsweise ein Einbettzimmer statt eines Zweibettzimmers im Krankenhaus sein oder eine höhere Erstattung für Zahnersatz, aber auch ein geringerer Selbstbehalt als vorher.

Lassen Sie sich nicht abschrecken

Wollen Kunden sich über einen internen Tarifwechsel informieren, weisen Versicherungen oft darauf hin, dass eine erneute Gesundheitsprüfung nötig sei. Viele Wechselwillige lassen sich davon abschrecken. Doch die Angst vor der Gesundheitsprüfung ist unnötig. Erhebt der Versicherer für zusätzliche Leistungen im neuen Tarif Risikozuschläge, kann der Kunde abwägen, ob es sich lohnt, den Aufschlag in Kauf zu nehmen. Andernfalls kann er freiwillig auf die Extras verzichten und muss damit keinen Risikozuschlag zahlen.

Grundsätzlich dürfen Versicherte in alle alten und neuen Tarife wechseln. Also in alle, die ihre Versicherung anbietet oder jemals angeboten hat. Dabei behalten sie alle im alten Tarif gebildeten Altersrückstellungen. Diese werden voll auf den neuen Tarif angerechnet. Unter Umständen kann der neue Beitrag dadurch sehr günstig sein.

Die Tarifvielfalt unterscheidet sich je nach Anbieter enorm. Häufig ist die Auswahl mit mehreren Hundert Tarifen sehr groß und schwer zu überblicken. Auch wenn zwei Tarife ähnliche Leistungen bieten – identisch sind sie so gut wie nie. Damit Sie nicht unwissentlich auf für Sie wichtige Leistungen verzichten, ist es sinnvoll, sich von einem guten Versicherungsberater unterstützen zu lassen.

Achtung

Selbstbehalt nur in Maßen erhöhen

Eine simple Möglichkeit, die PKV-Beiträge zu senken, ist ein höherer Selbstbehalt. Der lohnt sich vor allem für Selbstständige; Angestellte müssen die Beitragsersparnis mit ihrem Arbeitgeber teilen. Allerdings sollten Sie sich absolut sicher sein, dass Sie das Geld für den Eigenanteil auch langfristig übrig haben. Den Selbstbehalt wieder zu reduzieren, ist in der Regel nicht möglich. Er kann sogar noch steigen, denn auch der Versicherer darf den Selbstbehalt erhöhen.

Vorsicht beim Wechsel in einen Unisex-Tarif

Bis zum 21. Dezember 2012 richtete sich der Beitrag in der privaten Krankenversicherung auch nach dem Geschlecht. Wer noch in einem solchen alten, sogenannten Bisex-Tarif versichert ist, sollte sich den Wechsel in einen neueren Unisex-Tarif gut überlegen. Einmal in einem Unisex-Tarif, in dem Frauen und Männer den gleichen Beitrag zahlen, gibt es kein Zurück mehr in die alten Tarife. Das kann besonders für Männer nachteilig sein, die von der geschlechtsabhängigen Berechnung profitiert haben.

Wer befürchtet, sich irgendwann nur noch einen minimalen PKV-Schutz leisten zu können, sollte ebenfalls nur innerhalb von Bisex-Tarifen wechseln. So behält er die Möglichkeit, notfalls in den günstigen Standardtarif zu gehen. Aus dem Unisex-Tarif heraus ist nur ein Wechsel in den Basistarif möglich, der teurer ist.

Die Versicherungen mauern

Möchten Sie von Ihrem Wechselrecht Gebrauch machen, sollten Sie zunächst Ihre Versicherung schriftlich dazu auffordern, Sie nach Paragraf 6 VVG zum internen Tarifwechsel zu beraten. Die Versicherung muss Ihnen dann Alternativen zu Ihrem bisherigen Tarif vorschlagen. Dazu können Sie unser Musterschreiben verwenden. Lassen Sie sich nicht telefonisch abwimmeln oder zu einem Besuch von einem Versicherungsvertreter überreden, sondern bestehen Sie auf eine schriftliche Antwort. Die Beratung durch Ihre Versicherung ist kostenlos.

Tipp

Frist setzen

Setzen Sie der Versicherung eine Frist für die Antwort auf Ihr Wechselbegehren. Zieht sich der Tarifwechsel über Monate hin, können Sie verlangen, dass Ihr Tarif und damit auch der Beitrag rückwirkend umgestellt werden. Verzögert der Versicherer Ihr Anliegen bewusst oder gibt er Ihnen falsche Auskünfte, können Sie sich von ihm eventuell sogar das Honorar für einen Versicherungsberater oder Fachanwalt erstatten lassen, der Ihnen beim Wechsel geholfen hat.

Seien Sie sich allerdings über eines im Klaren: Grundsätzlich hat die Versicherung keinen Anreiz, Ihnen beim Tarifwechsel optimal zu helfen: Schließlich bekommt sie dann weniger Geld für dieselbe Leistung. Deshalb ist es sinnvoll, das Angebot der Versicherung von einem fachkundigen Versicherungsberater überprüfen zu lassen. Er kann einschätzen, ob der empfohlene Tarif tatsächlich der beste für Sie ist und Ihnen im Zweifelsfall weitere Wechselmöglichkeiten aufzeigen. Hat die Versicherung Ihnen keinen oder nur absolut unsinnige Tarife empfohlen, kann Ihr Versicherungsberater sich das in späteren Verhandlungen mit dem PKV-Unternehmen zunutze machen.

Einige private Krankenversicherer haben sich Anfang 2016 dazu verpflichtet, Kunden besser beim Tarifwechsel zu helfen. So sollen Anfragen innerhalb von 15 Tagen bearbeitet, Kunden ab 55 Jahren automatisch über ihr Wechselrecht informiert und Vor- und Nachteile verschiedener Tarife gut erklärt werden. 25 Versicherungen haben dazu eine verbindliche Leitlinie unterschrieben.

Dennoch berichten spezialisierte Versicherungsberater, dass viele PKV-Anbieter die Anfragen von Kunden zu einem Tarifwechsel systematisch behindern. Mal werden die Anfragen monatelang nicht bearbeitet und der Kunde hingehalten. Oder der Versicherte gerät am Telefon an schlecht ausgebildete Mitarbeiter, die ihm schlicht nicht weiterhelfen können.

Einem unserer Leser wurde gar erzählt, dass es keine Alternative gebe, obwohl das nicht stimmte. Als er dies von seiner Krankenversicherung schriftlich haben wollte, sah die Situation plötzlich anders aus. Mit nur wenigen Abstrichen bei der Leistung konnte er dann doch in einen günstigen Tarif wechseln. Auf Nachfrage bedauerte die betroffene Versicherung den Fall und sicherte die volle Unterstützung ihrer Kunden bei einem Tarifwechsel zu.

Haben auch Sie schlechte Erfahrungen beim Tarifwechsel gemacht, berichten Sie davon gerne in unserer Community. Die Marktwächter der Verbraucherzentrale Hamburg untersuchen seit Februar 2017 die gängige Praxis der Versicherungen beim Tarifwechsel und rufen Verbraucher ebenfalls dazu auf, Probleme zu melden.

Der Vertreter oder Makler hat wenig Interesse, Ihnen zu helfen

Grundsätzlich können Versicherte auch den Makler, über den sie ihre private Krankenversicherung abgeschlossen haben, um Hilfe beim Tarifwechsel bitten. Allerdings verdienen Versicherungsvertreter und -makler ihr Geld mit Provisionen. Für einen internen Tarifwechsel bekommen sie nichts. Im Gegenteil: Wenn der Kunde weniger Beitrag zahlt, verringert sich auch die Bestandprovision, die der Makler erhält. Daher können sie sich nicht darauf verlassen, dass er sie neutral berät und sich dafür auch Zeit nimmt.

Unterstützung von spezialisiertem Berater holen

Achtung

Keine Spargarantie

Es gibt keine Garantie, dass Sie im neuen Tarif dauerhaft sparen. Auch nach einem Tarifwechsel können die Beiträge wieder deutlich steigen, falls sich die Kosten im neuen Tarif ungünstig entwickeln. Verzichten Sie deshalb zugunsten einer niedrigen Prämie keinesfalls auf wichtige Leistungen.

Hat die Versicherung Ihnen ein Angebot für einen internen Tarifwechsel gemacht, ist es sinnvoll, dieses von einem Experten überprüfen zu lassen. Das gilt erst recht, wenn Ihr Versicherer behauptet, es gebe keinen Tarif, in den Sie wechseln könnten. Für Versicherte sind die Vielzahl der PKV-Tarife und deren Unterschiede kaum zu überblicken. Wer aus Unwissenheit beim Tarifwechsel auf wichtige Leistungen verzichtet, kann das später nur schwer wieder rückgängig machen. Lassen Sie sich deshalb am besten von einem spezialisierten Versicherungsberater unterstützen. Auch einige Verbraucherzentralen bieten Beratung an.

Ein Versicherungsberater bekommt im Gegensatz zu Vertretern oder Maklern keine Provision vom Versicherungsunternehmen, sondern erhält sein Honorar direkt von Ihnen. Dadurch hat er grundsätzlich ein Interesse an Ihrem Anliegen eines Tarifwechsels und steht nicht auf der Seite des PKV-Anbieters. Worauf Sie bei der Suche nach einem guten Honorarberater grundsätzlich achten sollten, erfahren Sie in unserem Artikel Einen Honorarberater finden.

Der Berater hilft Ihnen nicht nur, den für Sie passendsten und günstigsten Tarif zu finden. Er übernimmt auch die weitere Korrespondenz mit der Versicherung. Das spart Zeit und Nerven. Manchmal erhebt die Versicherung Risikozuschläge für bestimmte Mehrleistungen, die entweder zu hoch oder gar nicht gerechtfertigt sind. Über diese kann der Versicherungsberater mit dem Anbieter verhandeln und sie bestenfalls abwenden.

Allerdings kann auch ein Versicherungsberater nicht in jedem Fall einen geeigneten Tarif für den Wechsel finden.

  • Tipp: Sollen wir Sie zum Thema private Krankenversicherung sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

    Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

    Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

    Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

    Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
    Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

Die Frage der Honorargestaltung

Wann ein Honorar fällig wird und wie hoch es ausfällt, unterscheidet sich je nach Berater und ist nicht festgelegt. Grundsätzlich gibt es zwei Konzepte, die beide Vor- und Nachteile haben:

Das erfolgsabhängige Honorar
Bei diesem Modell bezahlen Sie den Berater nur, wenn er Ihnen in einen günstigeren Tarif verhilft: nämlich zwischen 50 und 100 Prozent des Beitrags, den Sie im ersten Jahr sparen. Falls der Berater keinen Tarif findet, in den Sie wechseln wollen, kostet die Beratung nichts.

Bei diesem Modell sollten Sie vor Beginn vertraglich festhalten, dass der neue Tarif in allen Bereichen mindestens gleichwertige Leistungen wie Ihr bisheriger aufweisen muss. Weisen Sie auch gleich zu Beginn der Beratung auf Leistungen hin, die Ihnen besonders wichtig sind und auf die Sie keinesfalls verzichten wollen. Möchten Sie beispielsweise auch weiterhin nur eine geringe Selbstbeteiligung zahlen, erwähnen Sie das ebenfalls. Leistungseinschränkungen können Sie später immer noch zustimmen, sollten sich diese aber grundsätzlich gut überlegen.

Wichtig ist, dass in das Honorar auch einberechnet wird, ob durch den Tarifwechsel der Selbstbehalt steigt, der Zuschuss des Arbeitgebers sinkt oder Sie eine geringere Beitragsrückerstattung bekommen. Denn das schmälert die tatsächliche Ersparnis.

Der Vorteil des Erfolgshonorars liegt ganz klar darin, dass es kein finanzielles Risiko gibt: Sie können Ihren Tarif kostenlos überprüfen lassen.

Der Nachteil besteht in dem hohen Anreiz für den Berater, Sie hinters Licht zu führen: Da die Versicherungsbedingungen so komplex sind, kann er Sie zum Wechsel in einen billigeren, aber für Sie nachteiligen Tarif verführen, ohne dass Sie es merken. Haben Sie einmal auf wichtige Leistungen verzichtet, ist das nur noch schwer rückgängig zu machen. Es gibt Beispiele für unseriöse Anbieter, die mit diesem Modell arbeiten, um ein möglichst hohes Honorar zu erhalten. Lassen Sie sich deshalb keinesfalls dazu drängen, in einen Tarif mit geringeren Leistungen zu wechseln oder den Selbstbehalt drastisch zu erhöhen.

Außerdem wichtig zu wissen: Wer sich gegen einen Tarifwechsel entscheidet, zahlt erstmal nichts. Überlegen Sie es sich jedoch anders und wechseln innerhalb von 24 Monaten nach der Beratung in einen der empfohlenen Tarife, wird das Erfolgshonorar fällig – unabhängig davon, wer sich letztlich darum gekümmert hat, den Vertrag umzustellen. Honorarvereinbarungen die Sie länger als 24 Monate an den Berater binden, sollten Sie nicht akzeptieren.

Ob Versicherungsberater überhaupt ein erfolgsabhängiges Honorar verlangen dürfen, ist umstritten. Verschiedene Gerichte haben sich bereits damit befasst und kamen zu unterschiedlichen Urteilen. Während das Landgericht Münster (Urteil vom 27. Oktober 2015, Az. 03 S 32/15) und das Landgericht Potsdam (Urteil vom 5. August 2015, Az. 6S3/15) Erfolgshonorare für zulässig hielten, befanden das Landgericht Hamburg (Urteil vom 22. März 2013, Az. 315 O 76/12) und das Landgericht Saarbrücken (Urteil vom 17.Mai 2016, Az.14 O 152/15) derartige Honorarvereinbarungen für unzulässig. Höchstrichterlich ist diese Frage bisher nicht geklärt (Stand: Februar 2017).

Der Bund der Versicherten allerdings geht davon aus, dass eine erfolgsabhängige Vergütung nicht erlaubt ist und hat einige Tarifwechsel-Anbieter für ihr Honorarmodell abgemahnt, darunter auch unsere Empfehlung Minerva. Für uns ist die Vergütungsform ohne abschließende rechtliche Klärung kein Ausschlusskriterium für eine Empfehlung. Solange ein Berater das Erfolgshonorar fair berechnet und die Vor- und Nachteile alternativer Tarife transparent darstellt, bietet diese Honorarvariante eine zusätzliche Wahlmöglichkeit für Verbraucher. Für die Inhalte ihrer Beratung haften Versicherungsberater so oder so – unabhängig vom Honorarmodell.

Das pauschale oder zeitbezogene Honorar
Im Gegensatz zum ersten Modell bekommt der Berater in diesem Fall Geld je nach Aufwand. Entweder nennt er vorab einen festen Preis für die Überprüfung Ihres Tarifs oder er rechnet nach Arbeitsstunden ab. Auch wenn er keinen passenden Tarif für Sie findet, müssen Sie ein Honorar zahlen. Lassen Sie sich auf jeden Fall immer genau über den Fortgang seiner Recherche informieren. Oftmals ist relativ früh klar, dass ein Tarifwechsel nicht infrage kommt – dann sollten Sie die Beratung abbrechen.

Der Vorteil dieses Konzepts liegt darin, dass der Berater keinen Anreiz hat, Sie zu hintergehen. Er wird in jedem Fall für seine Arbeit bezahlt und kann Sie neutral und objektiv beraten. Es schadet auch nicht seinem Geldbeutel, wenn er Ihnen von billigen Tarifen mit schlechteren Leistungen abrät oder Sie auch auf Tarife mit geringer Beitragsersparnis, aber deutlich besserem Versicherungsschutz hinweist.

Der Nachteil besteht in Ihrem finanziellen Risiko: Sie müssen auf alle Fälle Geld in die Hand nehmen, ohne zu wissen, ob und wie viel Sie am Ende bei der Krankenversicherung sparen. Deshalb ist es von Vorteil, wenn der Berater kostenlos eine erste Einschätzung dazu anbietet, ob sich ein Tarifwechsel in Ihrer Situation lohnt. Rechnet der Berater nicht nach Arbeitsstunden, sondern pauschal ab, sollten Sie einzelne Arbeitspakete vereinbaren, die Sie jeweils separat bezahlen. So müssen Sie nicht mit dem gesamten Honorar in Vorleistung gehen, sondern können nach jedem Beratungsschritt abwägen, ob Sie weitermachen wollen. Klären Sie in jedem Fall gleich zu Beginn die zu erwartende Honorarspanne.

Darauf sollten Sie bei der Beratung achten

Unabhängig davon, für welches Honorarmodell Sie sich entscheiden, ist es wichtig, dass der Berater Ihnen die Unterschiede zwischen Ihrem bisherigen Tarif und den möglichen Alternativen genau erklärt. Er sollte aufzeigen, welche Leistungen sich bei einem Tarifwechsel verschlechtern oder verbessern würden. Bestehen Sie außerdem auf einer verständlichen, schriftlichen Übersicht über die Leistungen und Unterschiede der Tarife. So können Sie die Vor- und Nachteile eines Wechsels in Ruhe abwägen.

Manchmal wird empfohlen, einen Teil des gesparten Geldes in einen Beitragsentlastungstarif zu investieren. Mit einem solchen Tarif können Privatversicherte zusätzliche Rücklagen bilden, die im Alter die Beiträge zur Krankenversicherung um eine bestimmte Summe reduzieren. Wir halten solche Zusatzversicherungen zur Beitragsentlastung nur in Einzelfällen für sinnvoll – etwa wenn der Arbeitgeber miteinzahlt. Schließen Sie einen solchen Tarif deshalb nicht leichtfertig ab und lassen Sie sich ausführlich zu Vor- und Nachteilen beraten.

Unsere Empfehlungen

Im Internet gibt es zahlreiche Anbieter, die eine Beitragsoptimierung für die private Krankenversicherung anbieten. Wir haben im November und Dezember 2016 in einer Ausschreibung kompetente Versicherungsberater gesucht und nach strengen Kriterien zwei Spezialisten ausgewählt – einen mit einem erfolgsabhängigen und einen mit einem pauschalen Honorarmodell. Bei beiden lässt sich die Beratung problemlos per Telefon und Post abwickeln.

Verssulting
fair abgestufte Pauschalhonorare

  • langjährige Branchenerfahrung und Hintergrundkenntnisse
  • vier Beratungsschritte, die Sie einzeln bezahlen, nach jedem Schritt können Sie abbrechen
  • Gesamthonorar in Höhe von 1.285 Euro für alle Beratungsschritte
  • beim Pauschalhonorar gehen Sie in Vorleistung
  • einige Leser berichten von schlechter Erreichbarkeit

Verssulting

Minerva Kundenrechte GmbH
Berater mit Erfolgshonorar

  • hohe Branchenkompetenz
  • Honorar beträgt 60% der Jahresersparnis plus 19% Mehrwertsteuer
  • in das Honorar einbezogen werden auf Basis des aktuellen Gesundheitszustandes Veränderungen entweder an Selbstbehalt oder an der Beitragsrückerstattung sowie am Arbeitgeberzuschuss
  • erfolgsbezogenes Honorar erfordert Vertrauen in den Berater
  • Honorar wird fällig, wenn Sie innerhalb von 24 Monaten in einen empfohlenen Tarif wechseln
  • übernimmt Betreuung nur ab jährlicher Ersparnis von 480 Euro
  • bietet Beitragsentlastungstarife an, diese sind aber nur im Einzelfall sinnvoll

So haben wir ausgewählt

Untersuchung Tarifwechsel-Berater 2017
Mit einer Online-Ausschreibung haben wir ab dem 17. November 2016 Berater gesucht, die sich auf die Unterstützung beim internen Tarifwechsel spezialisiert haben. Einen ersten Satz potenzieller Kandidaten haben wir per Google-Suche ermittelt und ebenso wie unsere bestehenden Empfehlungen auf die Ausschreibung hingewiesen. Bei der Auswahl haben wir uns auf Versicherungsberater nach Paragraf 34e Gewerbeordnung beschränkt, die sich vornehmlich mit der privaten Krankenversicherung beschäftigen. Versicherungsmakler, die auf Honorarbasis beraten, blieben außen vor. Die Ausschreibung für diese Auswahlrunde endete am 22. Dezember 2016. Spätere Einsendungen können erst in der nächsten Auswahlrunde im Juni 2017 berücksichtigt werden.

Die Bewerber haben wir im Hinblick auf Routine und Erfahrung mit der Beratung zum PKV-Tarifwechsel untersucht. In die engere Wahl kamen Kandidaten, sofern sie in den zwölf Monaten vor der Ausschreibung pro Mitarbeiter mindestens 30 Personen zum internen Tarifwechsel beraten und 25 Tarifwechsel organisiert haben. Zudem mussten alle Mitarbeiter, die im Unternehmen zur privaten Krankenversicherung beraten, mindestens fünf Jahre Erfahrung haben.

Auf Basis dieser Kriterien blieben drei Unternehmen übrig. Von diesen forderten wir exemplarisch alle Unterlagen an, die ein Kunde erhält, darunter die zu unterschreibende Vertretungsvollmacht, die Honorarvereinbarung und die Beratungsdokumentation. Anhand der Unterlagen haben wir analysiert, ob dem Kunden transparent erklärt wird, wie die Beratung abläuft, welche Tätigkeiten die Dienstleistung umfasst und wie sich das Honorar berechnet.

Außerdem haben wir uns angeschaut, wie die Versicherungsberater die Ergebnisse ihrer Beratung für den Kunden aufbereiten. Dabei haben wir ein besonderes Augenmerk auf den Vergleich der vorgeschlagenen Alternativ-Tarife mit dem bisherigen Tarif gerichtet. An diesem Punkt war uns eine übersichtliche Darstellung der Unterschiede zwischen den verschiedenen Tarifen wichtig, ebenso wie eine Einordnung, welche Leistungen sich im Vergleich zum bisherigen Tarif verbessern oder verschlechtern. Lediglich die von uns empfohlenen Anbieter Minerva und Verssulting erfüllten alle genannten Kriterien.

Achtung

Ausschreibung für Versicherungsberater

Finanztip sucht qualifizierte Versicherungsberater, die wir unseren Lesern für die Beratung zum internen Tarifwechsel in der PKV empfehlen können.

Dazu machen wir eine laufende Online-Ausschreibung, über die sich erfahrene Berater bei uns bewerben können. Falls Sie unseren Auswahlkriterien entsprechen, würden wir Sie an dieser Stelle empfehlen. Die nächste Auswertung der Einsendungen beginnen wir am 26. Juni 2017.

Bewerben Sie sich für eine Empfehlung durch Finanztip:

Zur Online-Ausschreibung
Community
Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Gesamte Diskussion anzeigen - Anmelden oder registrieren, um an der Diskussion teilzunehmen.

Sollen wir Sie
zum Thema private Krankenversicherung
sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten?

Einmal pro Woche die wichtigsten Verbraucher-Tipps - kostenlos und werbefrei direkt in Ihr Postfach.

  • Wertvolle Spartipps für Ihr Geld
  • Urteile, die Sie kennen sollten
  • Updates zu unseren beliebten Rechnern und Musterschreiben
  • Unverbindlich und jederzeit kündbar


Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

Vielen Dank für Ihre Anmeldung

Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse

  1. Schauen Sie gleich in Ihrem Postfach nach.
  2. Öffnen Sie die Mail von Finanztip Newsletter.
  3. Klicken Sie auf den Bestätigungslink.

Schauen Sie bitte auch im Spam-Ordner nach.

Finanztip Newsletter

  • Jede Woche die besten Tipps
  • Absolut kostenlos
  • 100% werbefrei

Artikel verfasst von

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.