Berechnung von Finanztip

Beratung gegen Honorar meist günstiger als Provision

  • Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2014

München, 31. Juli 2014 – Ab 1. August gibt es in Deutschland erstmals echte Honorarberater im Bereich der Geldanlage. Sie dürfen aufgrund eines neuen Gesetzes keine Provisionen annehmen. Zum Beispiel lohnt sich ein solcher Honorarberater im Durchschnitt für denjenigen, der mehr als 5.500 Euro in Aktienfonds anlegen will. Das haben Berechnungen der Verbraucher-Webseite Finanztip ergeben. „Die Beratung auf Honorarbasis ist nicht nur ehrlicher, sondern in der Regel für die Verbraucher auch viel günstiger als die Provisionsvermittlung“, sagt Finanztip-Experte Saidi Sulilatu. „In vielen Fällen spart die Honorarberatung mehrere tausend Euro.“

Fast jeder, der eine Versicherung braucht oder Geld anlegen möchte, ist auf eine gute Beratung angewiesen. Jedoch wird diese meist von Fachleuten durchgeführt, die davon leben, für Vertragsabschlüsse Provisionen zu erhalten. Verbraucherschützer wie Saidi Sulilatu von Finanztip sehen das sehr kritisch: „Die sogenannten Berater sind eigentlich Verkäufer. Sie verdienen nicht daran, dass sie einen Kunden ehrlich beraten. Sie verdienen nur, wenn sie ein Produkt vermitteln – am besten eines, wofür es eine hohe Provision gibt“, erklärt er. So schaffe das System oft den Anreiz, falsch zu beraten. Sulilatu empfiehlt Verbrauchern daher, sich für wichtige Entscheidungen Rat von einem unabhängigen Experten einzuholen und ihn auf Stundenbasis zu bezahlen. „Wenn ein Honorar bezahlt wird, dann kann der Berater wirklich das empfehlen, was für den Kunden am sinnvollsten ist und schielt nicht heimlich auf seine Provision.“

Laut Finanztip ist eine Honorarberatung für Kunden unterm Strich meist günstiger als eine Provision. Denn was viele nicht bedenken: Die Provision zahlt letztlich auch der Kunde – über Aufschläge und höhere laufende Kosten im Vertrag. Der Preis ist aber für den Verbraucher nicht leicht erkennbar. Außerdem bewahrt der neutrale und fachkundige Berater den Kunden vor teuren Fehlentscheidungen. Die Finanztip-Experten zeigen anhand eines Beispiels aus dem Fondsbereich, dass sich die Honorarberatung auszahlt. „Ein Indexfonds ist für den Kunden eine gute und günstige Anlagemöglichkeit, die keine Provision beinhaltet. Daher würde ein Vermittler stattdessen eher einen teuren Fonds mit Provision empfehlen. Für den Anleger ist das die schlechtere Wahl, aber der Provisionsvermittler kann schließlich auch nicht umsonst arbeiten“, sagt Sulilatu. Wer Geld für die unabhängige Empfehlung in die Hand nimmt, erwirtschaftet durch die bessere Anlageform meist deutlich höhere Gewinne.

Die Finanztip-Experten haben auf Basis der zehn größten Aktienfonds in Deutschland berechnet, wann sich ein Honorar von 600 Euro lohnen würde – das entspricht etwa vier Stunden Beratung. Das Ergebnis: Im Schnitt lohnt sich eine Honorarberatung ab einem Anlagebetrag von mehr als 5.500 Euro, wenn der Honorarberater statt des teuren Fonds mit Provision einen vergleichbaren kostengünstigen Indexfonds empfiehlt. Dabei haben die Analysten Anlagezeiträume von fünf, zehn und 20 Jahren untersucht und eine Rendite von fünf Prozent pro Jahr zu Grunde gelegt. Zudem haben sie angenommen, dass sogar nur die Hälfte der möglichen Abschlussprovision verlangt wird.

Obwohl sie für den Kunden ehrlicher und günstiger ist als die Provisionsvermittlung, fristet die Honorarberatung hierzulande noch ein Schattendasein – im Gegensatz zu Großbritannien oder den Niederlanden. Von den etwa 243.000 registrierten Finanzvermittlern in Deutschland   sind weniger als 2.000 Honorarberater. Bisher ist die allgemeine Bezeichnung „Honorarberater“ nicht geschützt. Jeder kann sich so nennen, ohne besondere Anforderungen oder Regeln zu erfüllen. Geschützt sind ab dem 1. August nur die Bezeichnungen  „Honoraranlageberater“ und „Honorar-Finanzanlageberater“, die sich beide ausschließlich auf den Bereich der Geldanlage beziehen. „Was fehlt, sind klare gesetzliche Regeln für einen Honorarberater, damit er ganzheitlich beraten kann. Konsumenten brauchen dringend einen ehrlichen Ansprechpartner für alle persönlichen Finanzfragen – von Versicherungen, über Altersvorsorge und Geldanlage bis hin zu Kreditthemen“, sagt Saidi Sulilatu von der Verbraucher-Webseite Finanztip.

Weitere Tipps und Informationen finden Sie in unserem Artikel zu Honorarberatung und im Ratgeber Indexfonds.

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