Methoden der Kursanalyse: Chartanalyse, Fundamentanalyse

Welchen Stellenwert hat die Aussage: "Bei der Aktie XYZ ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) günstig und auch charttechnisch ist die Zeit zum Kauf ideal." Läßt sich die mögliche Kursentwicklung wirklich fundamental oder charttechnisch bestimmen? Oder werden durch chartbedingte Anlageentscheidungen Trends und Kurse gemacht? Was zählt mehr: Analysemethoden oder überraschende Entwicklungen (Krieg, Katastrophen, Erfindungen usw.) Zwei Methoden beherrschen den Glaubenskrieg.

Fundamentanalyse:
Unternehmensdaten, Gewinnentwicklung, Cash Flow, Dividendenrendite und zukünftige Aussichten werden untersucht. Die Fundamentalanalyse soll den inneren Wert der Aktie feststellen und ermitteln, ob eine Aktie - im Vergleich zu ähnlichen Titeln - billig oder teuer ist. Das größte Manko der Fundamentalanalyse ist das Informationsdefizit, dem der Anleger ausgesetzt ist. Die veröffentlichten Zahlen sind außerdem auf die Vergangenheit bezogen und veraltet.

Chartanalyse:
Die Chartanalyse geht davon aus, daß bestimmte Unternehmensentwicklungen in den auf geringste Signale reagierenden Börsenkursen enthalten (eskomptiert) sind und daher allein das Betrachten und Interpretieren des Kursverlaufs ausreicht, um die künftige Entwicklung zu prognostizieren. Herbei werden unterschiedliche charttechnische Methoden verwendet. Weit verbreitet sind die "gleitenden Durchschnitte" für 38 (kurzfristig), 100 (mittelfristig) oder 200 (langfristig) Tage. Die Kurskurve wird hierbei mit einer gleitenden Durchschnittslinie unterlegt.

Beispiel: In einer grafischen Analyse wird an Zwischentiefs oder Zwischenhochs eine Linie (Trendlinie) gezogen. Schneidet die Kurskurve eine Trendlinie nicht, hält der bisherige Trend an. Wird sie vom Kurs durchbrochen, ist dies ein Signal für eine Veränderung. Widerstandslinien sind Kursmarken, die nur schwer durchbrochen werden (z.B. frühere Höchstkurse).

Zu der Chartanalyse gehört auch die Interpretation des bisherigen Kursverlaufs nach einem Standardmuster. V- oder W-Formationen gelten zum Beispiel als Kaufsignal; M-Formationen als Verkaufssignal. Auch Körperteile und Haushaltsgegenstände gehören zu der Aktienchartsprache (Kopf-Schulter-Formation, Untertasse). Durch Verbinden der Höchst- und Tiefstwerte einer Kurskurve werden Trendlinien ermittelt.

Nachteile der Chartanalyse: Politsche und psychologische Einflüsse brechen die klassischen Chartregeln. Oder stellen Sie sich vor, viele Anleger würden ihre Kauf- und Verkaufentscheidungen nach der Chartanalyse treffen. Dann gibt es wieder das Dilemma mit den Computerprogrammen und die vorprogrammierte Finanzkatastrophe.

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Am besten scheint der Anleger dran zu sein, der Sachverstand und die Entscheidung aus dem "Bauch" zu kombinieren weiß. Beispiel: Wer nach dem Fall der Mauer auf Berliner Unternehmen (vielleicht sogar auf die Bau- und Immobilienbranche) gesetzt hat, wußte Sachverstand und Vision richtig zu handhaben. Sowohl Fundamental- als auch Chartanalyse hätten nicht geholfen.

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