Geldanlage: Timing - Kauf und Verkauf

Timing bei Geldanlagen

Wenn man nur immer den richtigen Zeitpunkt erwischen würde, um in Aktien, Wertpapiere oder Immobilien zu investieren, wären wir alle reich. Viele private Anleger steigen hingegen zum falschen Zeitpunkt ein und aus. Neben den drei wichtigen Kriterien "Rentabilität, Sicherheit und Verfügbarkeit (Liquidität)" ist daher für eine erfolgreiche Geldanlage auch das Timing wichtig. Gemeint ist hierbei das langfristige Timing und kein kurzfristiges Handeln (nicht Day- oder Wochentrading). Ist jetzt, d.h. in diesen Monaten oder in diesem Jahr, ein guter Zeitpunkt, eine bestimmte Form der Geldanlage zu bevorzugen?

Immobilien
Immobilien sollte man kaufen, wenn sie preiswert sind. Im Prinzip eine Binsenweisheit. In der Vergangenheit war jedoch ein prozyklisches Erwerbsverhalten festzustellen. 1980/1981 kam es bei Höchstpreisen und hohen Hypothekenzinsen zum Kaufrausch, weil man auf den "fahrenden Immobilienzug noch aufspringen" wollte. 1985/1986 gab es bei gesunkenen Immobilienpreisen kaum Nachfrage nach Immobilien, obwohl die Hypothekenzinsen sehr niedrig waren. Beim Bauboom in den neuen Bundesländern wollte viele die Sonderabschreibung mitnehmen und schauten kaum auf die Rahmenbedingungen. Sie kauften viel zu teuer.

Von 1995 bis 2008 sind die Preise vornehmlich nur in guten Lagen gestiegen. Auf dem Lande gab es bei Neubauten nur kleinere Preisausschläge. Die Baukosten blieben in diesem Zeitraum weitgehend gleich. Im Jahr 2005 waren die Hypothekenzinsen so niedrig wie noch nie zuvor (unter 4% Hypothenzins, teilweise selbst bei einer Laufzeit von 15 Jahren). Trotzdem kommt es weder zu einem Bauboom noch zu einer starken Nachrage in Deutschland, so dass -nachfragebedingt - kaum Preiseffekte auftreten. Auch noch Anfang 2008 können einige Mieter im Vergleich zu ihren Mietzahlungen preisgünstiger bauen oder Wohneigentum erwerben. Trotzdem ist die Nachfrage nach Wohnbauten sehr gering. Das Timing für Immobilieninvestitionen ist zumindest - retrospektiv gesehen - relativ einfach.

Festverzinsliche Wertpapiere
Nicht so kompliziert ist auch die Beurteilung im Hinblick auf den Erwerb festverzinslicher Wertpapiere. Bei niedrigen Kapitalmarktzinsen sollte man kein Geld langfristig anlegen. Bei höheren oder hohen Zinsen empfiehlt sich eine langfristige Bindung. Dieser Faustregel liegt der Gedanke zugrunde, dass sich das Zinsniveau langfristig zyklisch verhält, d.h. bei boomender Wirtschaft mal über Jahre steigt, um dann anschließend wieder zu sinken.

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Natürlich erwischt man praktisch nie den optimalen Einstiegszeitpunkt. Im Zeitraum 2002 bis 2005 war die Rendite für festverzinsliche Wertpapiere immer mehr gesunken. Wer vorher oder rechtzeitig gekauft hatte, konnte sich daher über hohe Zinsen oder mögliche Kursgewinne freuen. Trotzdem gab es in diesen drei Jahren viele Expertenmeinungen, die vom Kauf langfristiger Rentenpapiere abgeraten haben, weil sonst Kursverluste drohten. Der Rat war zwar nachträglich falsch, weil insbesondere die Annahmen falsch waren. Trotzdem ist der Grundgedanke richtig, dass bei stark gesunkenem Zinsniveau eher ein schlechter Einstiegszeitpunkt für Rentenpapiere gegeben ist. Und manchmal ist die kurzfristige Geldanlage interessanter als eine langfristige Bindung. So war zum Beispiel Anfang 2008 die Festgeldanlage im Vergleich zum Kapitalmarktzins noch sehr attraktiv.

Aktien und Aktienfonds
Für das Timing an der Aktienbörse gibt es keine Regel oder genauer gesagt: Sie können sich auf die Regeln nicht verlassen. Standardregeln wie "Steigende Zinsen sind Gift für den Aktienmarkt" gelten zwar im Prinzip; manchmal und unverhofft geht der Aktienmarkt aber doch in die andere Richtung. Manche Anleger bauen auf antizyklische Aktienkäufe nach dem Motto "Kaufen, wenn die Kanonen donnern". Investment-Manager, die weltweit investieren dürfen, bauen auf "fahrende Züge". Motto: Hat eine Aktienbörse erst einmal genug Schwung, so zieht sie weitere Anleger an. "Die Hausse nährt die Hausse".

Ein Trost bleibt: Niemand kann Ihnen den richtigen Einstiegszeitpunkt nennen, auch wenn täglich in allen Medien Tipps und Prognosen von "Börsen-Experten" abgegeben werden. So haben viele Experten auch Anfang 2009 vor einem Investment in Aktien gewarnt. Diese Warnung ging für nahezu alle großen Standardwerte um 180 Grad daneben. Es gibt nur eine gültige Regel: "Setze nie alles auf eine Karte und lege nicht alle Eier in einen Korb". Stichwort: Risikominimierung durch Diversifikation bei den Geldanlagen.

Und wer ein gutes Händchen mit einem ausreichenden Polster hat: "Greife nicht in ein fallendes Messer" und "Fahrende Züge soll man nicht aufhalten, aber auch "Nicht als letzter das Licht ausmachen". Andererseits haben diese Börsenweisheiten auch schon fast das Niveau der Zentralen Dienstvorschriften (ZDV) der Bundeswehr und hier gilt: "Bei zunehmender Dämmerung ist mit Dunkelheit zu rechnen. Bei Schnee und Frost ist mit Kälte zu rechnen".

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