Fondskauf FAQ
Fondsarten
Gut zu Wissen
ETF - Indexfonds
geschlossene Fonds
Ratgeber Extra ...
Investmentfonds:  Fondsdatenbank - Fonds - Fonds-Ratgeber     bei Finanztip.de
Geldanlage: Investmentfonds - Geschlossene Fonds - Lebensversicherungsfonds

Lebensversicherungsfonds - US-Lebensversicherungen

Ein Lebensversicherungsfonds als geschlossener Fonds ist ein Investmentfonds, der in Lebensversicherungspolicen (Kapital- und Risikolebensversicherungen) investiert, die von den Versicherungsnehmern - aus welchem Grund auch immer - "zurückgegeben" werden wollen. Der Gewinn für die Fondsgesellschaft und die zu werbenden Fondsanleger soll insbesondere in der Nutzung des Unterschiedsbetrages zwischen dem Rückkaufswert beim vorzeitigen Verkauf einer Lebensversicherung und dem rechnerischen Marktwert liegen, wenn die Lebensversicherung bis zum Ende der Laufzeit durchgehalten wird. Das Fondsmanagement bietet verkaufswilligen Versicherungsnehmern einen kleinen Aufschlag auf den Rückkaufswert, den die Versicherungsnehmer sonst bei Kündigung ihrer LV-Police von der Versicherungsgesellschaft erhalten würden.

Das Fondsprinzip klingt gut. Die Risiken sind jedoch deutlich höher als man allgemein denkt. Zum einen sind diese Lebensversicherungsfonds als so genannte "Blind Pools" konstruiert, d.h. der Anleger weiß bei Auflage eines neuen LV-Policenfonds nicht, in welche Policen und ggf. noch nicht mal, in welche Märkte das Kapital investiert wird. Die erwartete Lebenserwartung der Versicherungsnehmer kann zwar geschätzt werden. Es ist aber eine Schätzung und damit auch eine Wette auf den Tod dieser Personen. Abgesehen von der möglichen ethischen Problematik haben die letzten 20 bis 30 Jahre gezeigt, dass die von Experten geschätzte Lebenserwartung jedesmal deutlich unter der tatsächlichen Lebenserwartung lag.

Lebensversicherungsfonds: Ankauf von Lebensversicherungen in den USA
In den letzten Jahren wurden mehrere Investmentfonds aufgelegt, die so genannte Zweitmarkt-Policen mit kurz- bis mittelfristigen Restlaufzeiten mit einem Abschlag gegenüber der Ablaufleistung erwerben. Es handelt sich vorrangig um Lebensversicherungen aus den Vereinigten Staaten, deren Leistung nur im Todesfall des Versicherten entsteht. Die Erträge fließen mithin erst mit dem zeitlich unsicheren Fälligkeitsereignis, also dem Ableben des Versicherungsnehmers, zu. Es ist insoweit eine Wette auf das Leben eines Menschen.

Die US-Lebensversicherungspolicen ähneln mithin sehr stark den deutschen Risikolebensversicherungen. Je länger der Versicherungsnehmer nach dem Verkauf seiner Police an den Lebensversicherungsfonds noch lebt, um so geringer ist die erwartete Marge oder ggf. um so höher der hieraus resultierende Verlust. Daher verlangen die Fonds häufig vor dem Ankauf des Lebensversicherungsvertrages ein ärztliches Gutachten.

  Kredite Vergleichen


Je nachdem, ob der Fonds im Ausland (hier: USA) gewerblich tätig ist, erfolgt die Besteuerung im Ausland oder in Deutschland. Nach dem deutschen Einkommensteuerrecht erzielen diese Fonds Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Erfolgt der Geschäftsbetrieb hingegen in einer ausländischen Betriebsstätte im Sinne des § 12 AO (Abgabenordnung) hat nach allen modernen Doppelbesteuerungsabkommen der ausländische Staat die Besteuerungshoheit.

Angenommene Rendite und weiche Kosten
Die angenommene Rendite wird aus dem Unterschiedsbetrag zwischen dem Kaufpreis einer Lebensversicherungspolice (sowie der zukünftig noch zu zahlenden Prämien) und der vertraglich garantierten Ablaufleistung erzielt. Die Lebensversicherungen werden von der Fondsgesellschaft fortgeführt und bedient. Anleger sollten jedoch berücksichtigen, dass bei diesen Anlagefonds auf mehreren Ebenen "weiche Kosten" anfallen und die Anlagepolitik auch für ihn kaum transparent nachvollziehbar ist.

Wie schnell eine erwartete Rendite in einen Verlust münden kann, zeigt das folgende Beispiel der US-Lebensversicherungsfonds der Deutsche Bank.

Beispiel: db Kompass Life Fonds / US-Lebensversicherungen
Der Ankauf von Lebensversicherungen in den USA sollte nach dem Prospekt des Investmentfonds (Start: 2005) eine attraktive Kapitalanlage darstellen. Es handelt sich um zwei Deutsche-Bank-Fonds (db Kompass Life 1 und 2). Nach dem Prospekt sollten, beginnend im Oktober 2007, vierteljährliche Auszahlungen erfolgen. Doch bis heute (03. November 2009) erfolgten keine Ausschüttungen. Mitte Oktober 2009 wurde bereits der Zweitmarkthandel an der Fondsbörse Hamburg, dem führenden Handelsplatz für geschlossene Fonds, für Anteile an den Fonds db Kompass Life I und II ausgesetzt.

Weil immer mehr Anleger ihren Ärger "lauthals" beklagten, hat die Deutsche Bank Ende Oktober 2009 den Fondsanlegern ein Vergleichsangebot unterbreitet: Für 80 Prozent des ursprünglichen Investments können die Anleger sofort aus dem Fonds aussteigen, in dem die Gelder eigentlich bis 2015 fest geparkt sind. Doch dieses Rückkaufangebot wollen viele Anleger nicht akzeptieren. In der "Schutzvereinigung DB Kompass Life Fonds" haben sich daher viele Anleger organisiert und unterstützen sich gegenseitig. Es bleibt abzuwarten, ob gegen die Deutsche Bank sogar eine Schadensersatzklage eingereicht wird.

Auszug aus Cash Online (Zitat)
Laut dem BVZL Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen werden mehr als die Hälfte aller US-Lebensversicherungen vorzeitig gekündigt. Das Geschäftsmodell sogenannter Zombie-Fonds besteht darin, solche Policen aufzukaufen. Die Beiträge werden weiter gezahlt und bei Ableben des Versicherten die Prämien kassiert. Aufgrund der niedrigen Rückkaufswerte bekommt der Versicherungsnehmer auf diesem Weg oft mehr Geld für seinen Vertrag, als wenn er ihn stornieren würde. Klingt nach einer klassischen Win-Win-Situation.

Das Problem: Die Planrenditen hängen in hohem Maße von medizinischen Gutachten und prognostizierten Restlebenserwartungen in den USA ab. An diesem Punkt geht die Strategie der Deutschen Bank nicht auf. "Im Herbst 2008 hoben zwei bedeutende medizinische Gutachter in den USA ihre Lebenserwartungsprognosen um durchschnittlich rund zehn bis 25 Prozent an", rechtfertigt sich die Fondsemittentin gegenüber ihren Investoren. Im Klartext bedeutet das: Die Menschen in den USA sterben langsamer als im Fondskonzept geplant und das geht zu Lasten der Rendite. So sind laut Angaben des Geldhauses per Ende Juli erst drei von insgesamt 129 Policen im Portfolio fällig geworden. Quelle: Cash Online: Totgeplante leben länger

Verwandt: Britische Lebensversicherung - Zweitmarkt
Finanztip.de   Keine Gewähr für Richtigkeit
Finanztipps