In der früheren großen Koalition gab es im September 2008 einen Richtungsstreit über die steuerliche Entlastung von Familien. Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hatte einen "Kindergrundfreibetrag" vorgeschlagen. Die CDU beharrte jedoch auf einer Erhöhung des Kindergeldes. Die so genannte "Herdprämie" ist in der neuen Regierungskoalition ein Streitpunkt zwischen CSU und FDP.
Familienförderung und damit insbesondere die Kinderförderung wird wohl dauerhaft ein "Streit"-Thema bleiben. Es ist auch ein Gebiet, das die Medien gern aufgreifen und so mancher Politker sieht hier anscheinend eine gute Chance medienwirksam aktiv zu sein.
Mit einer Einführung eines Kindergrundfreibetrages würde ein Systemwechsel in der Familienförderung erfolgen. Nach Ansicht des Ex-Finanzministers Steinbrück würde ein Kindergrundfreibetrag mit der Ungerechtigkeit aufräumen, dass Familien mit höheren Einkommen über den steuerlichen Kinderfreibetrag mehr Geld bekommen können als Familien aus unteren Einkommensgruppen, die nur Kindergeld erhalten. Rechnerisch hat der Finanzminister zwar Recht. Andererseits würden Familien mit mehreren Kindern hierdurch benachteiligt.
Noch im Jahre 1999 hatte das damals SPD-geführte Justizministerium eine solche Steuerumstellung noch als verfassungswidrig eingestuft. Die Umgestaltung des Familienlastenausgleichs steht jetzt im Parteiprogramm der SPD. Der Streit kann daher auch ein Teil der neuen Profilierungstrategie der SPD in der Koalition sein.
Die Einführung eines Kindergrundfreibetrages würde das Leistungsfähigkeitsprinzips nicht ausreichend berücksichtigen, so dass eine Neuregelung, die hierauf beruht, wahrscheinlich als nicht verfassungskonform anzusehen ist.
Das Finanzamt prüft nach Abgabe der Steuererklärung, ob Kindergeld oder Kinderfreibetrag für den Steuerzahler günstiger ist. Siehe hierzu Günstigerprüfung.
Fazit: Die Argumente für bzw. gegen einen Kindergrundfreibetrag als Alternative zum Kindergeld überzeugen jeweils nur teilweise. Es ist damit zu rechnen, dass bei passender Gelegenheit bzw. bei einem (erneuten) Wechsel der Regierungsparteien das Thema wieder neu diskutiert wird.
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