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Krankenkasse zahlt ggf. nicht für Amalgamfüllung

Alle halbe Jahre machen wir uns ja bekanntlich begeistert auf den Weg zum Zahnarzt. Na ja - vielleicht nicht immer begeistert. Und vielleicht auch nicht jedes halbe Jahr. Aber irgendwann muss es jedenfalls sein - und dann geht's auch gleich los. Links oben sieben, rechts unten drei - einige sensible Stellen machen Bekanntschaft mit einem lästigen spitzen Gerät - und dann legt der Mann sein Gesicht in sorgenvolle Falten und meint nur noch, es tue gleich gar nicht weh, bevor es dann gleich sehr wohl weh tut. Woher wollen die Zahnärzte eigentlich so genau wissen, dass es uns nicht weh tut.

Wir werden ja schließlich angebohrt und nicht der Doktor. Aber diskutieren darüber geht leider nicht. Die Aussprache ist mit Bohrer im Mund einfach zu undeutlich. Na ja - anschließend sind wir dann um eine dicke Backe, eine unangenehme Erfahrung und um ein paar Zahnfüllungen reicher.

Tja- die Zahnfüllungen. Die waren früher aus Amalgam, aber davon ist heute niemand mehr begeistert. Amalgam vergiftet den Körper, heißt es. Alle Zahnärzte raten inzwischen davon ab. Man solle lieber Plastik- oder Goldfüllungen reinmachen lassen. Auch die Umweltbehörden sind inzwischen Amalgam gegenüber äußerst misstrauisch geworden. Sie verlangen, dass in Zahnarztpraxen Amalgamabscheider eingebaut werden, damit das Zeug nicht ins Grundwasser gerät. Also Goldfüllungen. Aber mit Goldfüllungen geht der Ärger erst richtig los. Wer von Früher her Amalgam im Mund hat und jetzt Gold dazu installieren lässt, der kann sein blaues Wunder erleben. Die beiden verschiedenen Metalle bauen im Mund Spannungsfelder auf, und plötzlich schmeckt jedes Essen säuerlich.

In extremen Fällen konnten Leute mit ihren elektrisierten Zähnen sogar Radioprogramme empfangen. Das ist zwar einerseits sehr praktisch, weil dafür keine Rundfunkgebühren anfallen, andererseits aber auch sehr unpraktisch, weil sich das Programm nachts nicht abschalten lässt. Also empfiehlt der Zahnarzt, alle alten Amalgamfüllungen durch Goldfüllungen zu ersetzen, damit das mit den lästigen Spannungsfeldern aufhört. Ist ja auch viel gesünder.

Halt! Sagen da die gesetzlichen Krankenkassen. Nach ihrer Ansicht ist es wissenschaftlich nicht erwiesen, dass Amalgam Schäden verursachen kann. Und deshalb zahlen sie den Austausch einer Amalgamfüllung gegen eine solche aus Gold nur, wenn die Aktion ansonsten zahnmedizinisch angezeigt ist, aber nicht, wenns nur darum geht, die zweierlei Sorten Metall im Mund abzuschaffen. Das haben sich natürlich eine Menge Patienten nicht gefallen lassen und sind dagegen vor das Sozialgericht gezogen. Aber die Sozialrichter haben sich bisher - vermutlich mit Blick auf die leeren Kassen - der Meinung der Krankenkassen angeschlossen. Ende 1999 hat das Sozialgericht einmal die Entscheidung gefällt: Solange wissenschaftlich nicht erwiesen ist, dass Amalgam schädlich ist, wird der Austausch nicht bezahlt.

Es bleibt also dabei, Amalgam hat zwar im Grundwasser nichts zu suchen, aber für unseren Mund ist es allemal gut genug. Und die AOK wundert sich, warum so viele Versicherte zu den privaten Krankenversicherungen abwandern.

Der Leitsatz des Urteils lautet:

Ein Zusammenhang zwischen Zahn-Füllungen aus Amalgam und Folgeerkrankungen ist wissenschaftlich nicht für ausreichend bewiesen. Daher steht einem Versicherten kein Anspruch darauf zu, seine Amalgam-Zahnfüllungen wegen gesundheitlicher Beschwerden auf Kosten der Krankenkasse austauschen zu lassen.
Urteil des BSG vom 06.10.1999 B 1 KR 13/97, R ZAP EN-Nr. 766/99

RA G. Kaßing bei Finanztip.de  © Alle Rechte vorbehalten.
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