Weil die Vorhersage, ähnlich wie beim Wetter, nur so gut sein kann wie die eingefütterten Daten, sind besondere Ereignisse wie Schulferien oder Wahltermine eingearbeitet. Wächtler: „Wir hatten ein komplettes Programm für den Fall eines vorzeitigen Ausscheidens der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM in der Schublade. Denn wir wussten von früheren WM, dass am Tag nach dem Ausscheiden ein Buchungsboom einsetzt." Dann wären schlagartig einige Sonderangebote geschlossen und wieder Normalpreise verlangt worden. Die Datenbanken stellen inzwischen nicht nur das Reiseverhalten insgesamt, sondern auch in Regionen, Städten, Vororten und Straßen dar: „Wir schauen bis ins einzelne Haus." Das erlaubt regionale und sogar lokale Sonderaktionen. Demnächst kommen sogar Angebote, von denen man weiß, dass bestimmte Kunden an ihnen interessiert sind, per Post ins Haus. Die Informationen sollen verhindern, dass das Unternehmen entweder zu früh nervös wird und zu viele Reisen in den Last-Minute-Verkauf gibt oder zu spät reagiert und auf Reisen sitzen bleibt. Wächtler: „Der Bäcker kann aus nicht verkauften Brötchen noch Paniermehl machen. Aus nicht verkauften Reisen kann man nichts mehr machen."
Der Zeitpunkt, wann Sonderaktionen gegen Ladenhüter zu starten sind, ist bei jedem Reisetyp anders: „Wir wissen, dass Berge früh, Gesundheits- und Shopping-Reisen dagegen sehr spät gebucht werden." Wenn eine Reise zum Weihnachtseinkauf Anfang November noch kaum verkauft ist, muss man also nicht nervös werden.
Die genaue Kenntnis der Nachfrage erlaubt etwa der TUI-Tochter Hapag-Lloyd, einen Flug lange vor dem Termin für 350 Euro anzubieten, sechs Wochen vorher die Nachfrage mit einem Preis von 250 Euro anzuheizen, aber dann drei Tage vor dem Flugtermin wieder auf 400 Euro zu erhöhen. Man weiß eben, dass Kunden „auf den letzten Drücker" fast jeden Preis zahlen.
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