Scamming (Vorschussbetrug) der Betrüger
Die so genannte Nigeria-Connection ist nach wie vor im Internet mit ihren Betrugs-Machenschaften aktiv. Kein Wunder: Ein vermutlich nicht unerheblicher Teil der Internet-Nutzer kennt einige dieser Machenschaften noch nicht. So werden mit Scamming und Vorschussbetrug immer noch Opfer gefunden. Die Gier der betrogenen Personen erleichtert den Gaunern das Handwerk. [Mehr zur Abzocke an der Börse im Artikel
Tricks der Abzocker bei Aktiengeschäften].
Was ist Scamming?
Der Begriff "Scamming" ist abgeleitet von scam = Betrug und bezeichnet eine Masche, um Personen - zumeist im Wege von Vorleistungen (Vorschuss) - abzuzocken. Die ursprünglich von Nigeria ausgehende Betrugsmasche wird mittlerweile durch organisierte Banden auch aus vielen anderen Ländern betrieben. Wegen des Ursprungs in Nigeria wird diese besondere Form der Abzocke auch als Betrug der Nigeria-Connection bezeichnet.
Was ist Vorschussbetrug?
Wikipedia trifft den Kern: "Der Vorschussbetrug bezeichnet den Betrug (englisch scam) mittels Massen-E-Mails (früher: Fax-Massenversand). Es handelt sich um eine Unterart des in Deutschland strafbewehrten Betrugs (
§ 263 StGB). Die Empfänger werden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen (vgl. Social Engineering) dazu bewegt, an Schneeballsystemen teilzunehmen oder in Erwartung zugesagter Vermittlungsprovisionen gegenüber den Absendern (den Scammern) finanziell in Vorleistung zu treten. Dem Opfer wird zunächst glaubhaft gemacht, ein enormes Vermögen verdienen zu können. Auf diese Gegenleistung des Geschäfts – Geld oder Waren – wartet der Vorschussleistende vergeblich, weil eine Gegenleistung von Anfang an nicht beabsichtigt war.
Die ausgedachten Geschichten sind äußerst variabel und phantasiereich. Manchmal geht es um horrende Summen einer krebskranken Millionärin, die ihr Geld außer Landes schaffen will, um die Auflösung der Konten eines gestürzten Diktators, um Millionengewinne in einer ausländischen Lotterie oder um das Vermögen eines ohne Erben verstorbenen Millionärs. Die Masche ist letztendlich immer die gleiche. Den Opfern werden riesige Geldsummen, die große Liebe, der erhoffte Traumjob, die Traumimmobilie oder das seit langem gesuchte Auto versprochen, doch zuvor werden sie zur Kasse gebeten. Der sogenannte Vorschussbetrug ist dabei keine ausschließliche Erfindung des Internets. Das Internet vereinfacht den Betrügern jedoch ihr Vorgehen, indem sie mit den einfachsten Mitteln falsche Geschichten, Personen, Adressen, Banken oder andere Einrichtungen erschaffen.
Beispiele für Scamming
Auf der Website der
Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes werden mehrere Betrugsmachenschaften beschrieben. Zwei dieser erfolgreichen Machenschaften geben wir hier wieder, weil sie unserer Ansicht nach noch weitgehend unbekannt sind.
Betrug mit Wohnungsangeboten
Eine tolle Wohnung zu einem Schnäppchenpreis – ein Angebot, das zu gut ist, um wahr zu sein. Gerade bei Immobilienbörsen im Internet können Wohnungssuchende auf Betrüger hereinfallen. Die Masche läuft fast immer gleich ab: Die Scammer geben sich als Engländer oder Amerikaner aus, die die zu vermietende Wohnung geerbt hätten. Oder sie erzählen, sie hätten mal in Deutschland gearbeitet und wollten die alte Bleibe nach einem beruflich bedingten Wechsel ins Ausland vermieten. Nach einer Vorauszahlung der ersten Miete und der Kaution per Bargeldtransfer beispielsweise mit Western Union sollten dem neuen Mieter die Schlüssel über den Paketdienst DHL oder eine Agentur geschickt werden. Bei Nichtgefallen könne das Geld ja später wieder erstattet werden. Doch das Geld sehen die Opfer nie wieder, und auch die Wohnung existiert oft gar nicht oder gehört einem anderen Eigentümer, der vom Betrug selbst nichts mitbekommt.
Betrug mit gefälschten Schecks
In Anzeigen in Zeitungen und im Internet suchen die Betrüger Menschen, denen sie ihre gefälschten Schecks auf scheinbar legalem Wege andrehen können: Sie tätigen damit beispielsweise einen Kauf bei Privatpersonen. Meistens sind die Schecks auf einen höheren Betrag ausgestellt, als zunm Beispiel das privat angebotene Auto tatsächlich gekostet hat. Es wird vereinbart, dass das Opfer den Differenzbetrag gleichzeitig vom eigenen Konto per Bargeldtransfer an den Betrüger überweist. Problem ist, dass selbst Bankangestellte einen gefälschten Scheck nur selten erkennen. Das Opfer hat in zweifacher Hinsicht das Nachsehen. Dass der Scheck gefälscht war, stellt sich erst in einigen Tagen heraus – dann ist das überwiesene Geld bereits in undurchsichtigen Kanälen verschwunden. Außerdem kann die Bank wegen Betrugs strafrechtliche Schritte gegen das Opfer einleiten.
Hinweis der ARAG-Versicherung: Eine weitere Masche beim Vorschussbetrug wird auch als Love- oder Romance-Scamming bezeichnet. Die Betrüger versprechen ihren Opfern die große Liebe und versuchen auf diese Weise Zahlungen zu ergaunern, nachdem man über E-Mails – meist über eine Partnersuchseite – eine vertrauensvolle Verbindung aufgebaut hat. Plötzlich wird dann eine mitleiderregende und tränenreiche Geschichte von nur vorübergehender Geldnot, z.B. nach einem Überfall oder Unfall, erzählt und um eine finanzielle Vorleistung gebeten. Oder es werden im Rahmen der Abwicklung von Kfz-Kaufverträgen, der Vermittlung von Arbeitsplätzen, Au-pair-Stellen oder Wohnungen durch die betrügerischen Anbieter Sicherheitszahlungen im Voraus verlangt. Durch neu erfundene plötzlich auftretende Schwierigkeiten sollen immer höhere Beträge von den gutgläubigen Opfern ergaunert werden.
Fazit: Vorsicht bei Vorschüssen! Personen, die man nicht persönlich kennt, sind im Hinblick auf Vorschuss-Forderungen häufig Betrüger. Gerade im Internet tummeln sich viele Betrüger, deren Betrugsmasche auf der Gutgläubigkeit von Nutzern basiert. Seien Sie also immer misstrauisch bei tollen Angeboten. Die verlangten Vorschuss-Zahlungen sollen meist über Western Union oder MoneyGram erfolgen. Wer bereits einem solchen Betrug zum Opfer gefallen ist, sollte bei der Polizei umgehend Strafanzeige erstatten. Viele tun es allerdings nicht. Entweder aus Scham oder weil es sich um Schwarzgeld handelte oder weil schlichtweg kaum eine Chance besteht an das Geld wieder zu kommen.