Geld anlegen heißt nicht Steuern sparen
Steuervorteile sind das beste Narkotikum fürs Hirn. Der Spruch ist nicht neu, aber immer wieder zutreffend. Der Steuerspartrieb hatte früher bei manchen Anlegern anscheinend wirklich das Gehirn etwas "vernebelt". Ab und zu scheint es auch heute noch der Fall zu sein. Anders ist es im Nachhinein kaum zu erklären, wie naiv manche Anleger vorgegangen sind. Man legt Geld an, um möglichst sicher Einkünfte zu erzielen. Und doch sind in den letzen Jahrzehnten (zumindest bis vor dem Jahr 2006) insbesondere auf dem so genannten grauen Kapitalmarkt Anlegern in betrügerischer und in nicht betrügerischer Form Schrottprodukte als Steuersparmodell angedreht worden.
Denken wir nur an die Bauherrenmodelle und die Erwerbermodelle. Bei den Erwerbermodellen kam schnell das Schlagwort "Schrottimmobilien" dazu. Zu Anfang verdienten die Medien an den Anzeigen für die steuersparenden Kapitalanlagen. Später kamen Print- und Onlinedienste hinzu, um den Geldanleger mit Rat und Informationen aus der Patsche zu "helfen".
Natürlich gibt es immer noch viele Betrüger, windige Verkäufer und Finanzberater, die nur an ihre Provision denken. Aber es ist schon mal wichtig, dass ihnen das Steuersparargument entrissen wurde. An dieser Stelle nur ein paar Links, wie Anleger mit Steuersparmotiven plötzlich auf der Verliererseite stehen. Und bedenken Sie: Zum Verlust kommt manchmal auch noch der Spott.
Die Konstruktion bei Leasingfonds sollte schon auf ihre steuerlichen Risiken genau geprüft werden. Der Arikel Steuerliche Risiken bei Flugzeugfonds beschreibt wie ein Flugzeugleasingfonds "pötzlich" als gewerblich eingestuft wird und als Folge die Anleger nachträglich Gewerbesteuer zahlen müssen.Ärger mit Medienfonds: Die jahrelangen Prozesse um VIP-Medienfonds haben viele Anleger Geld, Zeit und Nerven gekostet. Anleger verloren nicht nur Teile ihres eingesetzten Kapitals, sondern mussten teilweise auch damit rechnen, bereits erhaltene "Steuerersparnisse" zurückzahlen, weil die Vorausssetzungen für die sofortige steuerliche Absetzbarkeit nicht vorlagen. Medienberichten zufolge, liegen die Steuerrückzahlungen im Bereich zwischen 35 und 100 Prozent. Siehe hierzu auch Schadensersatz bei Medienfonds.
Wie hoch war überhaupt die in Aussicht gestellte Steuerersparnis?
Das frühere Verkaufsargument "Steuerersparnis durch Kapitalanlage" wurde im Verkaufsgespräch (oder höflich Beratungsgespräch) durch einen festen Prozentsatz untermauert. Abgesehen davon, dass dieser Prozentsatz gern etwas aufgerundet wurde, ist die reine Anwendung zur Berechnung der weniger zu zahlenden Einkommensteuer auf das Gesamteinkommen nicht korrekt.
Wer sich intensiv für die Berechnung der Einkommensteuer interessiert, kommt nicht umhin, sich mit Begriffen wie Steuerprogression und Grenzsteuersatz oder Spitzensteuersatz und Durchschnittssteuersatz zu befassen.
Nicht selten wurden bei steuersparenden Kapaitalanlagen auch Begriffe wie "Steuerersparnis" und "Steuerstundung" verwechselt. Genau genommen muss man zwischen einem Steuerstundungsmodell und einer echten Steuerersparnis unterscheiden. Beim Steuerstundungsmodell wurde die Ermittlung der Steuerlast in die Zukunft verschoben. Mit der Einführung des § 15b EStG (Verluste im Zusammenhang mit Steuerstundungsmodellen) sind diese Modelle vom Markt verschwunden.
Seit dem 01.01.2009 ist für viele Kapitalanlagen nur noch die Abgeltungsteuer anwendbar. Geschlossene Fonds unterliegen aber bei einer unternehmerischen Konzeption (Einkünfte aus Gewerbebetrieb) bzw. der Einkunftsart "Vermietung und Verpachtung" zumeist nicht der Abgeltungsteuer. Ausnahmen wie entsprechend konzipierte "Private-Equity-Fonds" bestätigen die Regel.
Fazit: Es ist gut, dass die Steuergesetze nur noch wenig Einfluss auf die Wahl der Geldanlage haben. Denn: Geld anlegen heißt nicht Steuern sparen. Es geht vorrangig um die möglichst sichere Erzielung von Einkünften. Lassen Sie sich daher nicht von eventuellen Steuervorteilen blenden. Prüfen Sie zunächst immer, ob das unternehmerische Konzept tragfähig ist. Bei einem Verlust Ihrer Einlage nützt Ihnen die schönste Steuerersparnis nichts.
| Verwandt: Grundlagen der Einkommensteuer und Grundlagen - Geschlossene Fonds |
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