Basel II – Checkliste für Bankgespräch / Kreditlinie
Die Diskussion um Basel II hat in der Vergangenheit hohe Wellen geschlagen. Von wilden Spekulationen vom Tod des deutschen Mittelstandes bis hin zu tatsächlichen Aufkündigungen von seit Jahren etablierten Kreditlinien Selbstständiger reichte die Bandbreite. Seit dem 01.01.2007 gelten die Regelungen nach Basel II. Selbstständige müssen sich mithin auf die Kreditvergabebedingungen einstellen. Die Bankenkrise aus 2008 und 2009 verschlimmert die Bedingungen für Unternehmer, um Kredite zu erlangen.
Kurz gesagt bedeutet Basel II, dass zur Hinterlegung eines Kreditrisikos verschärfte Bestimmungen für die Eigenkapitalanforderungen von Kreditinstituten in Kraft treten. Früher nach den Bestimmungen von Basel I, mussten unabhängig von der Einschätzung des Risikopotenzials des Kreditnehmers acht Prozent der Kreditsumme als Eigenkapital hinterlegt werden.
Nach den Bestimmungen von Basel II hängt die Höhe des zu hinterlegenden Eigenkapitals von dem Risiko der entsprechenden Kredite ab. Es gilt mithin kein fixer Prozentsatz. Damit sind die Beurteilungskriterien zur Kreditvergabe mehr in Richtung qualitativer Faktoren verschoben worden.
Folgende Punkte sollte der Unternehmer fürs Bankgespräch kritisch überprüfen:
- die eigene Branchen-, Markt- und Wettbewerbssituation: Hier zählen insbesondere die Stärke des Wettbewerbs innerhalb der Branche, eventuelle Wettbewerbsvorteile durch Nischenbildung oder den Aufbau einer Marke, die wirtschaftliche Ist-Situation und langfristige Wachstumspotenziale. Nicht zuletzt spielt die Konjunkturabhängigkeit der Branche eine Rolle.
- die Managementqualität seines Unternehmens: Hier stellen sich Fragen nach dem Durchschnittsalter der Geschäftsleitung und dessen Angemessenheit ebenso wie nach evtl. Ausfallregelungen für Geschäftsführer und andere Schlüsselpersonen. Weitere Punkte sind: eine angemessene Nachfolgeregelung, das betriebswirtschaftliche Know-how des Managements, das Branchen-Know-how der Geschäftsleitung, die Zuverlässigkeit der Aussagen des Managements sowie die allgemeine Zusagen- und Termineinhaltung.
- die Qualität der Mitarbeiter des Unternehmens: Hier tauchen nicht nur Fragen nach kooperativem Führungsstil und einer effizienten Personalbedarfs- und -einsatzplanung auf, sondern auch die nach der Fachkompetenz der Mitarbeiter im Hinblick auf zukünftige Anforderungen sind entscheidend.
- die Qualität und den Stellenwert des Controllings, der Planung und der Steuerung: Wichtig ist, ob die Jahresabschlüsse zeitnah und richtig aufgestellt werden, und ob die Planungs- und Steuerungsinstrumente funktionieren. Auch die Aktualität entscheidet: Liefert das Controlling laufend die erforderlichen Informationen? Sind die Außenstände jederzeit zu ermitteln? Auch das Mahnwesen, Deckungsbeiträge, Kenntnis über Kunden und Kundengruppen, Kalkulationen und regelmäßige Kostenkontrolle dürfen nicht vernachlässigt werden.
- die Erfolgspotenziale des Unternehmens: Hier ist interessant, ob im Gesamtüberblick vom Qualitätsmanagement über die Vertriebsstärke bis hin zu Strategie und Planung Erfolgspotenziale existieren.
- die Risikoklassen des Unternehmens: Im Gegensatz dazu spielen auch Risikofaktoren eine gewichtige Rolle. Der Unternehmer sollte gerüstet sein, von konjunkturbedingten Umsatzschwankungen über technische Risiken bis hin zu Vertrags- und Kalkulationsrisiken alles zu berücksichtigen, was sich nachteilig auf den Unternehmenserfolg auswirken könnte.
- die Qualität der bisherigen Geschäftsbeziehungen und des eigenen Zahlungsverhaltens: Die Bank überprüft insbesondere die Zuverlässigkeit gegenüber Finanzinstituten. Der Unternehmer muss Fragen zur Abstimmung von etwaigen Überziehungen genauso beantworten wie die nach der Überziehungsdauer und der Häufigkeit neuer Bankverbindungen.
- die privaten Vermögensverhältnisse: Sensibelster Punkt sind die eigenen Vermögensverhältnisse, die man gegenüber der Bank offen legt. Vom eigenen Willen, auch Risiken zu übernehmen, z. B. in Form einer Bürgschaft für den Unternehmenskredit, über die adäquate Absicherung des/der Unternehmer(s) für die Altersvorsorge und allgemeine Lebensrisiken, bis hin zu privaten Reserven, muss alles offen gelegt werden.
Diese einzelnen Punkte werden dann jeder für sich einer Durchschnittswertung unterzogen. Daraus wird eine Gesamtbewertung der weichen, also qualitativen Faktoren des Unternehmens generiert. Diese bestimmt in Zusammenhang mit den harten Fakten das Gesamtrating und damit das Kreditrisiko.
Die harten Fakten setzen sich zusammen aus einem kostenrechnerischen Teil, also der BWA und der Kostenstellenrechnung, und den Umsatzauswertungen in den Punkten Kapital- und Vermögensstruktur, Rentabilität, Liquidität und Personal. Auch offene Posten, also Debitoren und Kreditoren, spielen eine maßgebliche Rolle.
Tendenziell lässt dieses neue Bewertungsvorgehen eine durchschnittliche Verteuerung der Kredite vermuten, so sie denn gewährt werden. Allerdings birgt Basel II auch eine Chance für Unternehmer: man bekommt ein adäquates und ehrliches Gesamtbild seines Unternehmens und ist so in der Lage, Verbesserungspunkte und Stärken noch schärfer zu definieren.
Artikel per Zufallswahl:
Software ist ohne Handbuch wertlos
Abmahnung Abmahnkosten eigene Rechtsabteilung
Kapitalerhöhung Einlagepflicht Voreinzahlungen
Rechtsberatung Mietwagenunternehmer
Arzneimittelwerbung, Gewinnspiel
GmbH-Gründung, Stammeinlage, Haftung
Heim-AGB: kein Erstattungsanspruch bei Abwesenheit
Urheberrechtsverstoß Fotos fremde Produkte
Unvollständige Preisanalyse von Krankenversicherungen
Marke, Klammeraffe
|
|