Rechtsschutzversicherung

Damit können Sie einem Rechtsstreit gelassen entgegensehen

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Streit vor Gericht kann mehrere Tausend Euro kosten.
  • Mit einer Rechtsschutzversicherung müssen Sie nicht aus Angst vor den Kosten davor zurückschrecken, Ihr Recht durchzusetzen.
  • Ob sich eine solche Police für Sie lohnt, hängt von Ihrer persönlichen Risikoeinschätzung und Ihrem Budget ab.
  • Rechtsschutzpolicen decken Privat-, Berufs-, Wohn- und Verkehrsrechtsschutz ab. Dafür haben wir Tarife mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis herausgesucht.
  • Beachten Sie, dass viele rechtliche Fälle nicht versichert sind, insbesondere bei Hausbau, Scheidung, Unterhaltsstreit und Kapitalanlagen.
  • Haben Sie nach Ansicht der Versicherung keine Chance, einen Rechtsstreit zu gewinnen, kann sie sich weigern zu zahlen.

So gehen Sie vor

  • Prüfen Sie, ob Sie durch eine Mitgliedschaft in einem Verein oder einer Gewerkschaft bereits in Teilbereichen versichert sind.
  • In einigen Bereichen haben die Versicherer ihre Leistungen in den vergangenen Jahren verschlechtert. Bevor Sie einen alten Vertrag kündigen, sollten Sie vergleichen, ob die neue Police tatsächlich mehr abdeckt.
  • Wir empfehlen die Tarife Arag Aktiv Komfort, Auxilia Jurprivat und Huk24 PBV Plus. Der Arag-Tarif bietet rundum solide Leistungen, der Auxilia-Tarif deckt umfassend Strafrechts-Schutz ab, der Huk24-Tarif auch Rechtsstreitigkeiten um Kapitalanlagen.
  • Falls Sie nur bestimmte Lebensbereiche absichern möchten, können Sie auch Einzelbausteine des Arag-Aktiv-Komfort- und Auxilia-Tarifs abschließen. Beim Tarif Huk24 PBV Plus lässt sich der Wohnrechtsschutz abwählen.
  • Brauchen Sie nur Verkehrsrechtsschutz, bieten sich andere Anbieter an.
  • Tipp: Sollen wir Sie zum Thema Rechtsschutzversicherung sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

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Recht haben und Recht bekommen ist zweierlei. In diesem Sprichwort steckt viel Wahrheit, denn wer Ärger mit dem Arbeitgeber oder Vermieter hat und sein Recht vor Gericht durchsetzen will, sieht sich schnell mit Kosten von mehreren Tausend Euro konfrontiert. Mit begrenzten finanziellen Möglichkeiten ist es deshalb nicht immer leicht, auf sein Recht zu pochen. Wohl deshalb hat statistisch gesehen die Hälfte aller Haushalte in Deutschland eine Rechtsschutzversicherung. Doch wie sinnvoll ist eine solche Police tatsächlich? Und worauf sollten Kunden beim Abschluss achten?

Für wen Rechtsschutz sinnvoll ist

Eine Rechtsschutzversicherung kann durchaus sinnvoll sein. Wer sonst angesichts des Kostenrisikos davor zurückschrecken würde, sein Recht auch vor Gericht durchzusetzen, muss sich mit der Police weniger Gedanken machen. Allerdings zahlen Rechtsschutzversicherungen nur für bestimmte Streitigkeiten und sind auch nicht gerade günstig. Eine Privathaftplicht und Berufsunfähigkeitsversicherung sollten deshalb Priorität haben. Gibt es nach deren Abschluss noch finanziellen Spielraum, können Sie über eine Rechtsschutz-Police nachdenken.

Tipp

Schon anderweitig abgesichert?

Wer Mitglied in einer Gewerkschaft, einem Berufsverband, einem Mieterverein oder einem Automobilklub ist, sollte zunächst prüfen, ob er bereits über diese Organisationen zumindest in Teilbereichen versichert ist oder er einen vergünstigten Tarif bekommt. In der Regel sind dann allerdings nur bestimmte Lebensbereiche abgedeckt, beispielsweise Mietsachen oder Arbeitsrecht. Für alle anderen Rechtsgebiete ist ein separater Schutz notwendig.

Ob und in welchem Umfang sich eine Rechtsschutzversicherung lohnt, ist auch von Ihren Lebensumständen abhängig. Deshalb sollten Sie sich fragen, in welchen Lebensbereichen rechtlicher Ärger auf Sie zukommen könnte. Pendeln Sie jeden Tag mit dem Auto zur Arbeit oder befürchten Sie Ärger im Job? Dann könnte es sich lohnen, einen Verkehrs- oder Arbeitsrechtsschutz abzuschließen. Ein Rentner ohne eigenes Auto braucht in diesen Bereichen hingegen keinen Schutz. Auch als Mieter schlafen Sie mit Rechtsschutz vielleicht besser, schließlich gibt es um Schönheitsreparaturen, Nebenkostenabrechnungen, Mieterhöhungen und Kündigungen immer wieder Streit. Wer im eigenen Haus wohnt, kann hingegen auch auf Wohnrechtsschutz verzichten.

Hinzu kommt die Frage, wie stark Ihre Neigung zu rechtlichen Auseinandersetzungen ist. Ist es Ihnen wichtig, stets alle Möglichkeiten auszuschöpfen? Schreckt Sie der zeitliche und nervliche Aufwand eines Rechtsstreits nicht? Dann kann eine Rechtsschutzversicherung hilfreich sein. Denn durch den Schutz vor hohen Kosten sorgt sie dafür, dass Sie Ihr Recht auch gegenüber finanzkräftigen Streitgegnern, wie großen Unternehmen, durchsetzen können.

Familien und zusammenlebende Paare brauchen übrigens nur eine Police. In Familientarifen sind auch erwachsene Kinder mitversichert, solange sie unverheiratet sind und sich noch in Ausbildung oder Studium befinden. Einige Angebote schließen auch andere im Haushalt lebende Familienmitglieder wie die Großeltern mit ein. Alleinstehende kommen mit einem Singletarif etwas günstiger weg.

Das deckt die Rechtsschutzversicherung ab

Achtung

Nicht jede Baustein-Kombi möglich

Der Beruf lässt sich nur zusammen mit Privatrechtsschutz absichern. Gleiches gilt häufig auch für den Wohnrechtsschutz.

Rechtsschutzversicherungen funktionieren in der Regel nach einem Baukastenprinzip. Kunden können sich aus einzelnen Bausteinen den für sie passenden Schutz zusammenstellen. Dabei lassen sich in der Regel folgende Lebensbereiche absichern: Privat, Beruf, Verkehr sowie Miete und Immobilien.

Der Vorteil an diesem Modell: Versicherte müssen nicht für Leistungen bezahlen, die sie nicht brauchen. Der Nachteil: Was nicht im Vertrag eingeschlossen ist, wird auch nicht bezahlt. Gibt es etwa Streit mit dem Chef um den Arbeitsvertrag und der Kunde hat ausschließlich Verkehrsrechtsschutz vereinbart, springt die Versicherung nicht ein.

Finanztip hat deshalb nur Paketlösungen untersucht, die Privat-, Berufs-, Verkehrs- und Wohnrechtsschutz enthalten und so möglichst viele Rechtsfragen abdecken. Diese Baustein-Kombination bietet Absicherung in folgenden Bereichen:

Verträge - Streit rund um Reise-, Kauf-, Dienstleistungs- und Versicherungsverträge, etwa wenn der Handwerker gepfuscht hat oder Sie wegen Reisemängeln Geld zurückverlangen.

Schadensersatz - Unterstützung beim Durchsetzen von Schadensersatzansprüchen, beispielsweise nach einem Unfall mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuß.

Beruf - Wird der Lohn nicht gezahlt, kein Urlaub gewährt oder ein schlechtes Arbeitszeugnis ausgestellt, können Arbeitnehmer mit Hilfe der Rechtsschutzversicherung dagegen vorgehen. Auch Auseinandersetzungen rund um eine Abmahnung, Kündigung oder Abfindung sind gedeckt.

Steuer - Gerichtlicher Streit mit dem Finanzamt, etwa um die Anerkennung von Sonderausgaben, Werbungskosten oder außergewöhnlichen Belastungen.

Soziales - Wollen Sie die Anerkennung einer Erwerbsminderung oder Berufskrankheit erstreiten oder liegen Sie im Clinch mit Ihrer Krankenkasse, übernimmt die Rechtsschutz-Police die Kosten eines Verfahrens.

Verwaltung - Ärger mit einer Behörde in Verkehrssachen, beispielsweise weil Ihnen der Führerschein entzogen wurde und Sie ihn nicht zurückbekommen sollen.

Strafrecht - Der Versicherungsschutz gilt für Verkehrsdelikte, Ordnungswidrigkeiten und fahrlässige Vergehen. Wird dem Versicherten vorgeworfen, er habe die Tat vorsätzlich begangen, zahlt nicht jede Versicherung.

Erbe und Familie - Beratung rund um Adoption, Unterhaltsfragen, Sorgerecht oder Erbschaft.

Haus und Wohnung - Im Wohnrechtsschutz sind Konflikte um Mieterhöhungen oder die Nebenkostenabrechnung, Kündigungen wegen Eigenbedarfs und Räumungsklagen abgedeckt. Hauseigentümer erhalten Deckung für Streit rund ums Grundstück, etwa Grenzstreitigkeiten mit dem Nachbarn. Wer eine Immobilie vermietet, muss dafür speziellen Vermieterrechtsschutz vereinbaren.

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Diese Rechtsfragen sind vom Schutz ausgeschlossen

Eine Rechtsschutzpolice bietet kein Rundum-sorglos-Paket und ist auch nicht der „Retter in der Not“. Konflikte, die schon vor Abschluss bestanden, sind vom Schutz ausgeschlossen. Außerdem müssen Sie in vielen Fällen drei Monate warten, bis Sie die Police in Anspruch nehmen können. Mit dieser Regelung wollen sich die Anbieter davor schützen, dass Kunden die Versicherung erst abschließen, wenn schon Ärger absehbar ist. Ausnahmen bilden beispielsweise Verkehrsunfälle. Diese sind in der Regel sofort abgedeckt, weil sie unvorhersehbar sind. Darüber hinaus gibt es einige Rechtsfragen, bei denen die Versicherung in der Regel nicht zahlt. Dazu zählen insbesondere:

  • Abwehr von Schadensersatzansprüchen, wenn sie nicht auf einer Vertragsverletzung beruhen (das übernimmt stattdessen die Haftpflichtversicherung),
  • Auseinandersetzungen im Bereich Bauen und Baufinanzierung sowie Haus-, Wohnungs- und Grundstückseigentum (beispielsweise Planung, Bau oder Umbau einer Immobilie und Kauf oder Verkauf eines Baugrundstücks),
  • vorsätzliche Straftaten,
  • Urheber-, Marken- und Patentrecht,
  • spekulative Kapitalanlagen sowie Spiel- und Wettverträge,
  • Ärger in Zusammenhang mit selbstständigen oder gewerblichen Tätigkeiten (hierfür gibt es speziellen Rechtsschutz für Gewerbe oder Selbstständige)
  • Streit zwischen gemeinsam in einer Familienpolice versicherten Personen, etwa Ehepartnern.

Welche Fälle vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind, variiert von Anbieter zu Anbieter. Wer es genau wissen will, kann einen Blick in die Versicherungsbedingungen seines Vertrages werfen. Dort findet sich in Paragraf 3 all das, was nicht versichert ist.

Achtung

Altvertrag nicht leichtfertig kündigen

Bevor Sie einen laufenden Rechtsschutzvertrag kündigen und zu einem neuen Anbieter wechseln, sollten Sie genau vergleichen, welche Leistungen die neue Police bietet. In einigen Bereichen haben die Anbieter den Versicherungsschutz in den vergangenen Jahren nämlich verschlechtert. Das betrifft beispielsweise Streitigkeiten rund um Kapitalanlagen oder fehlerhafte Widerspruchsbelehrungen bei Lebensversicherungen.

Die Rechtsschutzversicherung übernimmt mehr als Anwaltskosten

Eine Erhebung des Versicherungsverbands GDV aus dem Jahr 2013 ergab, dass rund 60 Prozent aller Bundesbürger schon mal eine rechtliche Auseinandersetzung hatten. Die meisten Konflikte im Privatrecht sind finanziell gesehen jedoch Lappalien: Sie bestellen beispielsweise online einen Flachbildschirm, der zerkratzt bei Ihnen ankommt. Daraufhin streiten Sie mit dem Händler um einen Preisnachlass. Nur für solche Fälle eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen, lohnt sich nicht, gerade wenn die Police auch noch eine Selbstbeteiligung vorsieht.

Es gibt aber auch Streitfälle, bei denen es um hohe Summen geht. Verklagen Sie nach einer Falschbehandlung Ihren Arzt, fordern Sie womöglich sehr viel Schmerzensgeld. Neben den Anwaltskosten fallen in solchen Prozessen auch hohe Gutachterkosten an. Auch bei Streitigkeiten um die Berufsunfähigkeitsrente geht es über die Jahre gesehen häufig um mehr als 100.000 Euro. Der Konflikt kann dann schnell Zehntausende Euro kosten. Denn in Zivilprozessen bemessen sich Anwalts- und Gerichtskosten am Streitwert, also der Summe, um die gestritten wird. Je höher der Streitwert, desto höher das Kostenrisiko.

Welche Kosten bei einem typischen Fall im Miet- und Arbeitsrecht auf Sie zukommen können, zeigen die folgenden Beispiele:

Wenn die Versicherung Ihnen zugesagt hat, dass sie für Ihren Rechtsstreit zahlt, übernimmt sie in aller Regel neben den Anwaltskosten auch:

  • Gerichtskosten,
  • Gebühren für Zeugen und Sachverständige,
  • Kosten des Prozessgegners, wenn Sie vor Gericht verlieren,
  • bei Rechtsschutzfällen im Ausland Übersetzungs- und Fahrtkosten,
  • wenn nötig ein zinsloses Darlehen für eine Strafkaution.

In vielen Bereichen kommt die Rechtsschutzversicherung nicht nur für Streitigkeiten vor Gericht auf, sondern auch für die Anwaltskosten, wenn der Rechtsanwalt zunächst außergerichtlich tätig wird. Zahlreiche Anbieter übernehmen zudem die Kosten für einen Mediator, der als neutrale Person einen Streit außergerichtlich schlichtet. Grundsätzlich nicht bezahlt die Versicherung hingegen Geldstrafen oder Bußgelder des Versicherten.

Das zeichnet gute Tarife aus

Lückenlose Rechtsschutzversicherungen, die jeden möglichen Streitfall abdecken, gibt es nicht. In einigen Punkten unterscheiden sich leistungsstarke Tarife jedoch von weniger umfassenden Angeboten. Auf Folgendes sollten Sie vor Vertragsabschluss achten:

Versicherungssumme - Bis zu dieser Höchstgrenze übernimmt die Versicherung im Streitfall die Kosten. Wir halten eine Deckungssumme von 1 Million Euro in Deutschland und Europa sowie 300.000 Euro weltweit für ausreichend.

Ein- und Widerspruchsverfahren - Viele Rechtsschutzpolicen zahlen im Sozial-, Steuer- und Verwaltungsrecht erst, wenn ein Streitfall vor Gericht geht. Genau das lässt sich mit einem gut begründeten Widerspruch gegen den Arbeitslosengeld- oder Steuerbescheid jedoch oft vermeiden. Deshalb übernehmen gute Tarife in diesem Bereich bereits die Anwaltskosten für eine Unterstützung beim Widerspruch – so auch alle Angebote, die wir empfehlen.

Erb- und Familienrecht - Häufig zahlt die Versicherung bei Fragen rund um Erbe, Familie und Partnerschaft nur eine Beratung durch einen Anwalt. Vorteilhafter ist es, wenn sie bis zu einem gewissen Betrag auch Kosten für über die Beratung hinausgehende Tätigkeiten übernimmt, etwa für das Abfassen von Schriftstücken. Rechtsfragen rund um Trennung und Scheidung sind allerdings meist vom Schutz ausgeschlossen.

Strafrecht - Das Strafrecht unterscheidet zwischen Vergehen und Verbrechen. Viele Rechtsschutzversicherer zahlen nur, wenn Ihnen ein Vergehen vorgeworfen wird, etwa Diebstahl, Steuerhinterziehung, unterlassene Hilfeleistung oder unerlaubtes Entfernen vom Unfallort. Manche Anbieter schränken den Schutz sogar auf fahrlässige Taten ein. Ob Sie unschuldig sind oder nicht, ist für die Rechtsschutzversicherung irrelevant. Entscheidend dafür, ob der Anbieter für Ihre Verteidigung zahlt, ist was die Staatsanwaltschaft Ihnen vorwirft und nicht, ob und weswegen Sie letztendlich verurteilt werden. Zwischen Fahrlässigkeit und Vorsatz sowie Vergehen und Verbrechen liegt ein schmaler Grat: Während eine gefährliche Körperverletzung als Vergehen gilt, ist eine schwere Körperverletzung ein Verbrechen. Als schwer gilt die Körperverletzung, wenn das Opfer bleibende Schäden, wie eine Behinderung, davonträgt. Damit Ihr Schutz nicht von solchen Feinheiten des Strafrechts abhängt, ist es sinnvoll, wenn ein Tarif zunächst einmal alle Straftaten abdeckt. Werden Sie wegen einer vorsätzlichen Tat verurteilt, müssen Sie die Versicherungsleistungen jedoch zurückzahlen.

Mediation - Viele Versicherer bezahlen auch Verfahren zur außergerichtlichen Konfliktlösung. Bei der Mediation versucht ein unabhängiger Vermittler eine Lösung zu finden, die für beide Konfliktparteien akzeptabel ist. Gute Tarife bieten Mediation auch für Fälle an, die sonst vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind, wie Trennung und Scheidung. Allerdings kann niemand zu einer Mediation gezwungen werden, beide Seiten müssen freiwillig teilnehmen.

Telefonische Rechtsberatung - In den meisten Tarifen ist eine anwaltliche Telefonberatung zu einfachen Rechtsfragen enthalten. Die Hotlines unserer Empfehlungen decken alle Rechtsgebiete ab, nicht nur die im Vertrag eingeschlossenen. Hat der Kunde etwa nur Privatrechtsschutz, werden trotzdem auch Fragen zum Mietrecht beantwortet. Außerdem sollten Versicherte die Telefonberatung unbegrenzt oft nutzen können.

Verzicht auf Einrede der Vorvertraglichkeit - Diese umständliche Formulierung bedeutet, dass auch Fälle versichert sind, die vor Vertragsbeginn eingetreten sind. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Vertrag seit mindestens fünf Jahren läuft und das entsprechende Thema auch abdeckt. Relevant werden kann diese Klausel etwa bei der Berufsunfähigkeitsversicherung. Häufig weigert sich diese zu zahlen, weil der Versicherte angeblich die Gesundheitsfragen im Antrag falsch beantwortet hat – und das liegt oft lange zurück. Hat der Betroffene erst später eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen, könnte diese die Deckung für einen solchen Streit verweigern, weil der vermutete Rechtsverstoß vor Vertragsbeginn liegt.

Kapitalanlagen - Streitigkeiten rund um Geldanlagen, etwa wenn Anleger falsch beraten wurden, sind in neueren Rechtsschutzverträgen meist vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Gleiches gilt für Ärger rund um fehlerhafte Widerspruchsbelehrungen bei Lebensversicherungen. In einigen Tarifen sind immerhin staatliche geförderte Altersvorsorgeprodukte wie Riesterverträge sowie Sparverträge mitversichert. Wer in Wertpapiere investiert und in diesem Bereich Ärger befürchtet, sollte einen Tarif abschließen, der in solchen Fällen wenigstens einen Teil der Kosten übernimmt.

Wartezeit - Für viele Rechtsfragen gilt eine Wartezeit von drei Monaten nach Versicherungsbeginn, bevor Sie Leistungen in Anspruch nehmen dürfen, etwa im Arbeits- und Wohnrechtsschutz. Damit wollen die Versicherer verhindern, dass Sie eine Police erst abschließen, wenn Ärger mit dem Chef oder dem Vermieter bereits absehbar ist. Im Verkehrsrechtsschutz gibt es oft keine Wartezeit, sodass dort der Schutz sofort greift. Vorteilhaft ist es, wenn der Anbieter auch im Vertrags- und Sachenrecht auf eine Wartezeit verzichtet. Kaufen Sie dann kurz nach Abschluss der Versicherung eine teure Einbauküche und stellen fest, dass die Schränke die falschen Maße haben und der Herd nicht funktioniert, können Sie die Anwaltskosten für den Streit mit dem Händler von der Rechtsschutzversicherung erstattet bekommen. Übrigens: Haben Sie bereits eine Police und wechseln nahtlos zu einem anderen Versicherer, entfällt die Wartezeit bei vielen Anbietern komplett. Dafür dürfen Sie allerdings keinen einzigen Tag ohne Versicherungsschutz gewesen sein.

Tipp

Jährliche Zahlweise wählen

Am günstigsten ist es, den Beitrag einmal im Jahr statt monatlich zu zahlen. Bei den von uns empfohlenen Tarifen können Sie so rund 20 Euro sparen.

Selbstbeteiligung (SB) - Viele Versicherer verlangen eine deutlich niedrigere Prämie, wenn Sie eine Selbstbeteiligung vereinbaren. Wir empfehlen eine Selbstbeteiligung von 150 Euro zu vereinbaren. Wer sich nur gegen hohe Kostenrisiken absichern will, kann auch eine Selbstbeteiligung von 250 Euro wählen. Die von uns empfohlenen Tarife werden so zwischen 10 und 20 Prozent im Jahr günstiger. Grundsätzliche Fragen zu allen Rechtsthemen können Sie in jedem Fall kostenlos über die Telefonberatung der Versicherung klären. Außerdem müssen Sie häufig nichts zahlen, wenn Sie eine Mediation in Anspruch nehmen, sich beim Erstellen einer Vorsorgeverfügung unterstützen lassen oder der Fall mit einer anwaltlichen Erstberatung erledigt ist.

Schadenfreiheitsbonus - Es gibt Versicherer, bei denen die Selbstbeteiligung sinkt, falls Sie mehrere Jahre lang keinen Schaden melden. Ideal ist es, wenn der Anbieter schadenfreie Jahre beim Vorversicherer anrechnet, wenn Sie den Vertrag wechseln. Achten Sie bei solchen Bonussystemen aber darauf, wie stark die Selbstbeteiligung nach einem Schaden wieder ansteigt. Es gibt Tarife, in denen der Eigenanteil im ungünstigsten Fall deutlich über die ursprünglich vereinbarte Summe steigt.

Vorsorgeverfügungen - Wer mit einer Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungs- oder Sorgerechtsverfügung für Krankheit oder Tod vorsorgen will, sollte sich von einem Anwalt beim Aufsetzen der Dokumente helfen lassen. Für eine solche Beratung zahlen einige Rechtsschutzversicherungen eine bestimmte Summe, oft sogar ohne Selbstbeteiligung.

Aufhebungsvertrag im Arbeitsrecht - Sollen sich im Job die Wege von Angestelltem und Arbeitgeber trennen, wird häufig über einen Aufhebungsvertrag verhandelt. Zwar hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass ein Rechtsschutzfall vorliegt, sobald der Chef einen Aufhebungsvertrag vorschlägt und mit der Kündigung droht, falls der Mitarbeiter diesen nicht unterschreibt (Urteil vom 19. November 2008, Az. IV ZR 305/07). Das ist aber nicht immer der Fall. Deshalb übernehmen einige Anbieter die Kosten für anwaltliche Beratung zu einem Aufhebungsvertrag auch, wenn die Kündigung nicht explizit im Raum steht.

Diese Tarife können wir empfehlen

Wer eine Rechtsschutzversicherung abschließt, möchte dass der Vertrag auch greift, wenn er ihn mal braucht. Doch im Detail zu vergleichen, welche Leistungen der Vertrag einschließt und welche nicht, ist nicht nur mühsam, sondern auch kompliziert.

Finanztip hat deshalb im März 2017 online abschließbare Tarife herausgesucht, die die Bereiche Privat-, Berufs-, Verkehrs- und Wohnrechtsschutz abdecken und dabei eine ordentliche Leistung zu einem fairen Preis bieten. Details zu unserem Vorgehen finden Sie in unserem Testartikel.

Wir empfehlen die Tarife Arag Aktiv Komfort, Auxilia Jurprivat und Huk24 PBV Plus. Für Familien kosten diese Tarife bei 150 Euro Selbstbeteiligung weniger als 350 Euro im Jahr, wie unsere Tabelle zeigt:

Preisübersicht

  Jahresprämie bei 150 € SB         Jahresprämie bei 250 € SB        
Tarifname Single Familie       Single Familie      
Arag Aktiv Komfort 288 € 338 €       244 € 288 €      
Auxilia Jurprivat 333 € 333 €       289 € 289 €      
Huk24 PBV Plus 325 € 349 €       260 € 279 €      

Annahmen: 40-jähriger Angestellter, kein öffentlicher Dienst, keine Vorversicherung, keine Vorschäden

Quelle: Anbieterwebsites (Stand: 7. April 2017)

In unserem Leistungsvergleich knapp am besten abgeschnitten hat der Tarif Arag Aktiv Komfort. Er bot in fast allen Kategorien solide Leistungen. Nur bei den außergerichtlichen Tätigkeiten im Erb- und Familienrecht, bei Kapitalanlagestreitigkeiten und beim Strafrechtsschutz deckt der Tarif etwas weniger ab als die Konkurrenz. Wir haben das Komplettpaket aus Privat-, Berufs-, Verkehrs- und Wohnrechtsschutz untersucht, die einzelnen Bausteine lassen sich aber auch separat miteinander kombinieren.

Arag Aktiv Komfort
Umfassendes Leistungspaket

  • erreicht 83 % in unserem Leistungsvergleich
  • keine Wartezeit für Vertragsrechtsschutz
  • Mediation für nicht versicherte Themen
  • Kapitalanlagen mit Wertpapieren nicht versichert
  • Vorwurf eines Verbrechens nicht versichert

Ebenfalls umfassend gut schnitt der Tarif Auxilia Jurprivat ab. Als einziger Tarif im Vergleich enthielt er Strafrechtsschutz, der auch greift, wenn dem Versicherten ein Verbrechen vorgeworfen wird. Etwas weniger umfangreiche Leistungen als bei anderen Tarifen in unserer Untersuchung gab es bei der Beratung zu Vorsorgeverfügungen und Aufhebungsverträgen.

Der Tarif Jurprivat ist nur als Kombipaket abschließbar. Mit dem Tarif Auxilia PBV gibt es allerdings ein Angebot mit identischen Vertragsbedingungen, das auch in einigen Einzelbausteinen kombiniert werden kann. Der erweiterte Strafrechtsschutz lässt sich bei diesem Tarif allerdings online nicht dazuwählen. Wer ihn in den Vertrag integrieren möchte, muss dafür ein Angebot von der Auxilia anfordern, beispielsweise per Mail oder Post. Wichtig zu wissen: Kunden, die Rechtsschutz bei der Auxilia abschließen, werden automatisch auch Mitglied im KS-Automobilklub. Der Klub erstattet beispielsweise maximal 90 Euro für Pannenhilfe oder rund 1.000 Euro für die Autoreparatur nach einem Wildschaden. Die 27 Euro Mitgliedsgebühr sind im Gesamtbeitrag bereits enthalten.

Auxilia Jurprivat
Gute Leistungen

  • erreicht 78 % in unserem Leistungsvergleich
  • Strafrechtsschutz auch beim Vorwurf eines Verbrechens
  • Mediation für nicht versicherte Themen
  • keine günstigeren Beiträge für Singles
  • drei Monate Wartezeit für Vertragsrechtsschutz

Der Tarif Huk24 PBV Plus erreichte in unserem Vergleich den dritten Platz. Er zeigte sich als Tipp für Kunden, die Wert legen auf Deckung bei Ärger rund um Kapitalanlagen mit Wertpapieren und fehlerhafte Widerspruchsbelehrungen bei Lebensversicherungen, denn als einzige unserer drei Empfehlungen übernimmt die Versicherung hier Kosten von bis zu 10.000 Euro.

Insgesamt fallen die Leistungen bereits etwas ab gegenüber den anderen beiden Empfehlungen. Eine detailliertere Übersicht über Stärken und Schwächen aller von uns empfohlenen Tarife finden Sie in unserem Testartikel. Den Tarif der Huk24 gibt es nur als Kombination aus Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz. Den Wohnrechtsschutz können Kunden dazu- oder abwählen.

Huk24 PBV Plus
Tipp für Kapitalanleger

  • erreicht 70 % in unserem Leistungsvergleich
  • 10.000 € Deckung für Ärger rund um Kapitalanlagen
  • Angebot eines Aufhebungsvertrags immer gedeckt
  • die Selbstbeteiligung steigt bei mehreren Schäden auf bis zu 500 €
  • Streitursachen vor Vertragsbeginn nur stark eingeschränkt versichert

Die Versicherung kann Ihren Fall auch ablehnen

Es kann passieren, dass Sie um Leistungen von der Versicherung kämpfen müssen, selbst wenn das Streitthema, um das es geht, von Ihrem Vertrag abgedeckt ist. Denn die Rechtsschutzversicherung kann einen Fall ablehnen, wenn Sie nach Einschätzung des Anbieters keine Chance haben, den Rechtsstreit zu gewinnen.

Um verweigerte Deckungszusagen gibt es immer wieder Streit, jüngst etwa häufig in Zusammenhang mit dem VW-Skandal. Mehrere Versicherer wollten Klagen von VW-Kunden nicht finanzieren, Versicherte von Arag, Huk-Coburg, Örag und WGV mussten den Rechtsschutz vor Gericht erstreiten. Nicht umsonst gingen beim Ombudsmann, der Schlichtungsstelle für Versicherungskunden, 2016 mehr Beschwerden über Rechtsschutzversicherungen ein als über jede andere Versicherungssparte.

Wir können das Leistungsverhalten einzelner Anbieter leider nicht prüfen. Zwar sammelt die Finanzaufsicht Bafin Beschwerden zu Rechtsschutzversicherungen. Die Beschwerdezahlen zu einzelnen Unternehmen sind allerdings so gering, dass sie nur eine sehr begrenzte Aussagekraft haben. Deshalb haben wir diesen Aspekt in unserer Untersuchung nicht berücksichtigt.

Was tun, wenn die Versicherung nicht zahlt

Will die Rechtsschutzversicherung wegen Mutwilligkeit oder mangelnder Erfolgsaussichten nicht zahlen, können Sie diese Entscheidung durch ein Schiedsgutachten oder einen Stichentscheid anfechten. Bei einem Schiedsgutachten beurteilt ein Gutachter des Versicherers den Fall, beim Stichentscheid legt Ihr Anwalt die Erfolgschancen dar. Das Ergebnis beider Verfahren ist für den Versicherer bindend. Für Kunden ist der Stichentscheid vorteilhafter, weil die Versicherung die Kosten übernimmt, unabhängig davon, wie die Entscheidung ausfällt. Das Schiedsgutachten zahlt immer die unterlegene Partei.

Versicherte können außerdem den Versicherungsombudsmann einschalten. Er prüft den Fall kostenlos und kann die Versicherung dazu verpflichten, eine Klage zu finanzieren, falls diese nicht mehr als 10.000 Euro kosten würde.

Streitfreudige erhalten schnell eine Kündigung

Hatten Sie innerhalb von zwölf Monaten zwei oder mehr Rechtsschutzfälle, kann Ihnen der Versicherer vorzeitig kündigen. Einen neuen Vertrag zu bekommen, kann dann möglicherweise schwierig werden. Denn im Antrag beim neuen Versicherer müssen Sie angeben, wer Ihren vorigen Vertrag gekündigt hat und unter Umständen auch wie viele Schäden Sie in der Vergangenheit gemeldet haben. Kündigt Ihr Anbieter aufgrund mehrere Schadensfälle, sollten Sie Ihn deshalb bitten, die Kündigung zurückzunehmen, damit Sie selbst den Vertrag ordentlich kündigen können.

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So haben wir getestet

Test Rechtsschutzversicherung 2017

Im März 2017 haben wir nach gut bewerteten Tarifen gesucht, die als Familienpolice für unter 400 Euro im Jahr online abschließbar waren (bei 150 Euro Selbstbehalt). Dafür haben wir Untersuchungen von Finanztest, Softfair sowie Franke und Bornberg herangezogen, die die Versicherungsbedingungen verschiedener Angebote analysiert haben. Damit blieben vier Tarife übrig, deren Leistungen wir anhand von 13 Kriterien verglichen haben. Am Ende waren drei Tarife empfehlenswert.

Details zu unserem Vorgehen lesen Sie im Testartikel.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.