Rechtsschutzversicherung

Kosten übernimmt die Versicherung nur nach Deckungszusage

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Rechtsschutzversicherung zahlt nur, wenn sie vorher eine sogenannte Deckungszusage gegeben hat.
  • Damit bestätigt die Versicherung, dass sie die Kosten für einen Rechtsstreit übernimmt.
  • Die Versicherung prüft jeden Einzelfall zum Beispiel darauf, ob die streitige Rechtsfrage überhaupt unter den Versicherungsschutz fällt und ob das Verfahren Erfolgsaussichten hat.

So gehen Sie vor

  • Beantragen Sie die Deckungszusage, bevor Ihr Anwalt weitere Schritte unternimmt, damit Sie nicht auf den Kosten sitzen bleiben.
  • Viele Anwälte übernehmen die Anfrage bei der Rechtsschutzversicherung als Service-Dienstleistung. Sie können aber auch selbst beim Versicherer anrufen.
  • Lehnt die Versicherung die Kostenübernahme ab, können Sie sich an den Ombudsmann für Versicherungen wenden.
  • Sieht der Vertrag auch einen Stichentscheid oder ein Schiedsgutachten vor, sollten Versicherte immer den Stichentscheid wählen. Die Versicherung übernimmt die Kosten dafür.
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Wer Ärger mit dem Vermieter oder seinem Arbeitgeber hat, fühlt sich mit einer Rechtsschutzversicherung  auf der sichereren Seite. Ohne Versicherung geben viele angesichts der hohen Gerichts- und Anwaltskosten klein bei, obwohl sie sich mit guten rechtlichen Argumenten durchaus wehren könnten. Aber auch mit Versicherung ist nicht gesagt, dass diese immer alle Kosten übernimmt.  Das zeigt schon der Jahresbericht des Ombudsmanns für Versicherungen: Mit 3.800 Beschwerden war die Rechtsschutzversicherung im Jahr 2016 die Sparte, über die sich Verbraucher am häufigsten beschwerten. Meist wollten die Versicherer bestimmte Kosten nicht oder nur teilweise übernehmen.

Immer erst Deckungszusage einholen

Voraussetzung dafür, dass die Rechtsschutzversicherung die Anwalts- und Gerichtskosten in einem Rechtsstreit übernimmt, ist die vorherige sogenannte Deckungszusage. Das bedeutet: Die Versicherung bestätigt, in welchem Umfang für den aktuellen Fall Versicherungsschutz besteht. Der Kunde muss dann nichts von den Kosten des Rechtsstreits selbst tragen. Sofern der Rechtsschutz-Anbieter feststellt, dass ein Versicherungsfall vorliegt, wird allerdings die eventuell vereinbarte Selbstbeteiligung fällig.

Wer nur eine erste Einschätzung zu einer eher allgemeinen Rechtsfrage braucht, kann sich auch zunächst an die anwaltliche Telefonberatung seines Versicherers wenden. Diese ist in der Regel kostenfrei, und es fällt keine Selbstbeteiligung an.

Achtung

Kostenrisiko

Wenn Sie keine Deckungszusage erhalten haben, besteht die Gefahr, dass Sie auf Ihren Kosten sitzen bleiben.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Deckungszusage zu bekommen: Entweder Sie kümmern sich selbst darum oder Sie überlassen das Ihrem Anwalt. Kümmert sich der Anwalt, ist das eine zusätzliche Leistung, die er auch zusätzlich abrechnen kann. Diese Kosten übernimmt Ihre Rechtsschutzversicherung dann nicht. Viele Anwälte erheben allerdings kein Entgelt dafür.

Grundsätzlich kann es ratsam sein, selbst zu klären, ob die Versicherung eintritt. Das geht in der Regel telefonisch oder online. Mandanten berichten von Fällen, in denen zunächst der Rechtsanwalt Deckungsschutz beantragt hatte und eine ablehnende Antwort der Versicherung erhielt. Nachdem die Versicherungsnehmer selbst noch einmal nachhakten, gab es auf einmal die Deckungszusage. Manchmal ist es aber auch sinnvoll, dass der Rechtsanwalt aktiv wird. Er kann in komplizierten Fällen die Erfolgsaussichten möglicherweise besser darstellen als der Versicherungskunde.

Sagt der Anbieter die Übernahme der Kosten zu, müssen Sie kein Geld vorstrecken – weder einen Kostenvorschuss an den Anwalt noch eventuelle Gerichtskosten. Oft erteilt die Versicherung allerdings erst eine Deckungszusage für außergerichtliche Tätigkeiten des Anwalts. Wollen Sie danach vor Gericht ziehen, müssen Sie das nochmals mit der Rechtsschutzversicherung abstimmen.

Das prüft die Rechtsschutzversicherung

Bevor die Versicherung eine Deckungszusage abgibt, prüft sie sämtliche Unterlagen und folgende Kriterien:

1. Fällt der Sachverhalt unter die versicherten Rechtsgebiete?
Entscheidend ist, aus welchen Rechtsschutz-Komponenten der Vertrag besteht. Haben Sie zum Beispiel ein arbeitsrechtliches Problem, benötigen Sie eine Privat- und Berufsrechtsschutzversicherung.

2. Greift ein besonderer Risikoausschluss ein?
Es gibt viele Rechtsfragen, bei denen die Versicherung in der Regel nicht zahlt. Dazu zählen insbesondere:

  • Abwehr von Schadenersatzansprüchen, wenn sie nicht auf einer Vertragsverletzung beruhen (das übernimmt eventuell die Kfz-Haftpflicht oder die Privathaftpflicht);
  • Auseinandersetzungen im Bereich Bauen und Baufinanzierung sowie Haus-, Wohnungs- und Grundstückseigentum (etwa Planung, Bau oder Umbau einer Immobilie, Kauf oder Verkauf eines Baugrundstücks) – wegen dieser Klausel bekommen viele Kreditnehmer, die in ihren Baufinanzierungsverträgen eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung haben, keine Deckungszusage von der Rechtsschutzversicherung;
  • Urheber-, Marken- und Patentrecht;
  • Streitigkeiten im Zusammenhang mit selbstständigen, freiberuflichen oder gewerblichen Tätigkeiten – dafür gibt es spezielle Gewerbe-Rechtsschutzversicherungen.
Tipp

Rechtsschutz bei Kapitalanlagen

Geschädigte Kapitalanleger mit Rechtsschutzversicherung haben oft keine Chance, Anwalts- und Gerichtskosten von der Versicherung ersetzt zu bekommen. Viele Versicherer haben dazu besondere Ausschlussklauseln in den Verträgen. Aber: Der Bundesgerichtshof hat zwei dieser Klauseln kassiert (Urteile vom 8. Mai 2013, Az. IV ZR 84/12, IV ZR 174/12). Versicherer, die diese Klauseln verwendet haben, dürfen eine Deckungszusage aus diesem Grund nicht mehr ablehnen. Einige Anbieter zahlen aber auch so für Kapitalanlagestreitigkeiten – wenigstens bis zu einer bestimmten Summe.

3. Gilt noch eine Wartezeit oder greift der Versicherungsschutz schon?
Nachdem Sie eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen haben, müssen Sie in den meisten Fällen drei Monate warten, bis Sie Ihre Police in Anspruch nehmen können. Ausnahme ist oft der Verkehrsrechtsschutz, dieser ist meist sofort abgedeckt.

Versicherer lehnen es häufig ab, die Kosten zu übernehmen, mit der Begründung, der Versicherungsfall habe sich schon vor Beginn des Versicherungsschutzes ereignet. In Fällen fehlerhafter Widerrufsbelehrungen stellten die Versicherer beispielsweise auf den Zeitpunkt des fehlerhaften Vertragsabschlusses ab. Das ist aber nicht zulässig. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass nicht die fehlerhafte Belehrung beim Abschluss einer Lebensversicherung entscheidend ist. Erst mit Weigerung der Lebensversicherung, das Widerrufsrecht anzuerkennen, liegt der Versicherungsfall vor (Urteil vom 24. April 2013, Az. IV ZR 23/12). Dieses Urteil gilt auch bei Baufinanzierungen mit fehlerhaften Widerrufsbelehrungen.

In neueren Verträgen haben einige Versicherungen allerdings eine Klausel ergänzt, der zufolge der erste Versicherungsfall entscheidend ist, wenn mehrere davon ursächlich für den Anspruch auf Rechtsschutz sind. Das bedeutet, falls der erste Anlass für den Rechtsstreit vor Versicherungsbeginn oder in der Wartezeit liegt, kann die Versicherung sich weigern, zu zahlen. Die Frage, wann der Versicherungsschutz greift, birgt also auch weiterhin Streitpotenzial.

4. Hat der Rechtsstreit hinreichende Aussicht auf Erfolg?
Das ist eine Wertungsfrage. Die Versicherung schätzt anhand der eingereichten Unterlagen ein, ob Ihr Rechtsfall vor Gericht Erfolg haben könnte. Beurteilt sie den Fall als nicht erfolgsversprechend, muss sie Gründe angeben.

Eine einmal erteilte Deckungszusage kann der Anbieter in der Regel nicht mehr zurückziehen. Unabhängig davon, ob Sie den Prozess gewinnen oder verlieren, muss er die Kosten tragen (Oberlandesgericht Celle, Urteil vom 5. Juli 2010, Az. 3 U 83/19). Mit einer Ausnahme: Stellt sich nachträglich heraus, dass Sie bestimmte Informationen falsch oder nicht weitergegeben haben, kann der Rechtsschutz-Anbieter eine zunächst erteilte Deckungszusage zurückziehen oder einschränken.

5. Will der Kunde seine Interessen mutwillig wahrnehmen?
Auch das ist eine Wertungsfrage. Der Versicherer geht von Mutwilligkeit aus, falls die voraussichtlich entstehenden Kosten in einem groben Missverhältnis zum angestrebten Erfolg ihres Kunden stehen. Auch in solchen Fällen muss die Gesellschaft begründen, warum sie die Kosten nicht übernehmen will.

Von Versicherern kommt der Einwand meist dann, wenn die Summe eher klein ist, um die es geht. Aber das Argument zieht in vielen Fällen nicht. Allein die Tatsache, dass ein Rechtsschutzkunde sich mit jemandem um einen kleinen Betrag streitet, rechtfertigt noch nicht, den Fall wegen Mutwilligkeit abzulehnen (Amtsgericht Stuttgart, Urteil vom 27. Januar 2003, Az. 13 C 4703/02).

Wenn die Versicherung die Deckungszusage verweigert

Falls der Versicherer es ablehnt, die Kosten zu übernehmen, sollten Sie nachhaken und sich näher erläutern lassen, warum er ablehnt. Bewegt sich die Versicherung dann immer noch nicht, können Sie die Entscheidung überprüfen lassen. Dafür haben Sie mehrere Möglichkeiten:

Stichentscheid - Will die Versicherung keine Deckungszusage erteilen, können Sie einen sogenannten Stichentscheid fordern. Voraussetzung: Ihr Vertrag sieht diese Möglichkeit vor. Ihr Anwalt muss dann in einer Stellungnahme begründen, warum er gute Erfolgsaussichten sieht oder warum die Kosten in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Erfolg stehen. Die Rechnung Ihres Anwalts für diese Stellungnahme übernimmt die Versicherung. Die Entscheidung des Anwalts ist für beide Seiten bindend. Nach dem Stichentscheid durch den Rechtsanwalt kann die Versicherung keine weiteren Ablehnungsgründe nachschieben (Oberlandesgericht Hamm, Urteil vom 14. Oktober 2015, Az. I-20 U 92/10).

Schiedsgutachten - Sie können auch ein Schiedsgutachten erstellen lassen (§ 128 VVG). Den Gutachter in einem solchen Verfahren bestimmt die Rechtsanwaltskammer. Fällt die Entscheidung zu Ihren Gunsten aus, ist die Versicherung daran gebunden und muss die Kosten für den Gutachter übernehmen. Bestätigt der Gutachter allerdings, dass die Versicherung die Deckungszusage zu Recht abgelehnt hat, müssen Sie den Gutachter zahlen. Deshalb sollten Sie als Versicherungskunde den Stichentscheid vorziehen, sofern Sie zwischen beiden Verfahren wählen können.

Versicherungsombudsmann - Es gibt auch die Möglichkeit, sich an den Ombudsmann für Versicherungen zu wenden. Er überprüft, ob die Versicherung zu Recht die Kosten nicht übernimmt. Das Verfahren kostet nichts. Sollte der Ombudsmann gegen Sie entscheiden, können Sie immer noch klagen. Bis zu einem Beschwerdewert von 10.000 Euro ist die Entscheidung des Ombudsmanns für den Versicherer bindend.

Achtung

Fristen beachten

Achten Sie darauf, dass Sie bei Bescheiden und Strafbefehlen die Einspruchs- beziehungsweise Widerspruchsfrist einhalten, während Sie auf die Zusage durch Ihre Rechtsschutzversicherung warten. Ansonsten werden die Bescheide rechtskräftig. Auch bei einer Kündigungsschutzklage gegen Ihren Arbeitgeber müssen Sie grundsätzlich innerhalb von drei Wochen nach Zugang des Kündigungsschreibens Klage erheben.

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Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Ein Rechtsstreit kann teuer werden

  • Rechtsschutz ist sinnvoll, aber kein Muss.
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.