Berufliche Reisekosten

Reisekosten als Werbungskosten von der Steuer absetzen

Das Wichtigste in Kürze

  • Waren Sie aus beruflichen Gründen unterwegs, können Sie Ihre Ausgaben als Werbungskosten von der Steuer absetzen.
  • Für Fahrtkosten mit Ihrem privaten Fahrzeug setzen Sie entweder einen Pauschalbetrag oder – nachgewiesene – höhere Kosten je gefahrenen Kilometer an.
  • Auch für Ihren Verpflegungsmehraufwand gelten Pauschalen, die je nach Dauer der Abwesenheit gestaffelt sind. Ihr Arbeitgeber kann alternativ die Verpflegungspauschalen steuerfrei erstatten.
  • Die reinen Übernachtungskosten können Sie ebenfalls steuermindernd geltend machen. Weil es dafür keine Pauschbeträge gibt, müssen Sie aber Belege sammeln.
  • Seit Anfang 2014 gelten neue Regelungen.
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Wenn Sie aus beruflichen Gründen unterwegs waren, können Sie die Kosten, die Ihnen dadurch entstanden sind, als Reisekosten bei den Werbungskosten von der Steuer absetzen. Zu den Reisekosten zählen Fahrtkosten, Übernachtungskosten, Verpflegungsmehraufwand und Reisenebenkosten. Typische Beispiele für beruflich veranlasste Reisen sind Seminar-, Kunden- oder Messebesuche.

Diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein

Reisekosten sind als Werbungskosten abziehbar, wenn sie durch eine so gut wie ausschließlich beruflich veranlasste Auswärtstätigkeit entstanden sind. Eine Auswärtstätigkeit liegt vor, wenn Sie vorübergehend außerhalb Ihrer Wohnung und Ihrer regelmäßigen Arbeitsstätte beruflich tätig geworden sind.

Ob Ihre Auswärtstätigkeit beruflich veranlasst war, müssen Sie nachweisen. Sie sollten daher die Reisedauer und den Reiseweg genau aufzeichnen und anhand geeigneter Unterlagen belegen, beispielsweise durch ein Fahrtenbuch, Tankquittungen, Hotelrechnungen oder Schriftverkehr.

Die gesetzliche Regelung können Sie in § 9 des Einkommensteuergesetzes und in R 9.4. bis R 9.8 der Lohnsteuer-Richtlinien 2011 nachlesen.

Das können Sie absetzen – und das nicht

Fahrtkosten: Sind Sie mit Ihrem eigenen Fahrzeug gefahren, können Sie für Ihre Fahrten – ohne Nachweise – pauschal für jeden gefahrenen Kilometer folgende Beträge ansetzen:

  • beim Pkw 30 Cent
  • beim Motorrad oder Motorroller 13 Cent
  • beim Moped oder Mofa 8 Cent
  • beim Fahrrad 5 Cent

Wenn Sie in Ihrem Auto einen oder mehrere Arbeitskollegen mitgenommen haben, erhöht sich der Betrag von 30 Cent um 2 Cent. Auch die in der Realität vielleicht nicht allzu verbreitete Möglichkeit, dass Sie bei einer beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit mit dem Motorrad oder dem Motorroller einen Arbeitskollegen mitnehmen, ist im Reisekostenrecht abgebildet: In diesem Fall erhöht sich der Betrag von 13 Cent auf 14 Cent.

Achtung

Dienst- und Firmenwagen

Für Fahrstrecken, die Sie mit Ihrem Dienst- oder Firmenwagen oder im Rahmen einer steuerfreien Sammelbeförderung zurückgelegt haben, ist kein Werbungskostenabzug möglich.

Falls Ihre Kosten mit dem eigenen Auto 30 Cent pro Kilometer überstiegen haben, können Sie auch höhere Kilometerkosten angeben, sofern Sie sie im Einzelnen durch Nachweise belegen können. Dazu müssen Sie Ihre jährlichen Gesamtkosten für Ihr Fahrzeug ermitteln und können dann den Teilbetrag ansetzen, der dem Anteil der zu berücksichtigenden Fahrten an der Jahresfahrleistung entspricht. Wenn Sie für Ihre beruflich veranlassten Reisen öffentliche Verkehrsmittel genutzt haben, brauchen Sie zum Nachweis jeweils Einzelbelege für Bus-, Bahn- oder Taxifahrten.

Verpflegungsmehraufwand: Weil der Gesetzgeber davon ausgeht, dass Sie auf Reisen mehr Geld für Ihre Verpflegung ausgeben müssen als zu Hause, können Sie Mehraufwendungen für Essen und Trinken von der Steuer absetzen. Dafür sind pauschal feste Beträge vorgesehen, je nachdem, wie lange Sie von Ihrer Wohnung und Ihrer regelmäßigen Arbeitsstätte abwesend waren. Seit 2014 gelten hierfür nur noch zwei pauschale Sätze: 24 Euro für jeden Tag, an dem der Arbeitnehmer mindestens 24 Stunden von seiner Wohnung abwesend ist beziehungsweise 12 Euro für den An- und Abreisetag bei mehrtägigen Reisen. Bei Dienstreisen ohne Übernachtung, die nicht länger als 24 Stunden andauert gelten 12 Euro. Diese Pauschalen darf der Arbeitgeber steuer- und sozialversicherungsfrei erstatten. Maßgeblich ist die Abwesenheit von der ersten Tätigkeitsstätte.

Zahlt der Arbeitgeber mehr, muss er die Beträge pauschal versteuern.

Bis 2013 galten noch drei Pauschalsätze:

Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwand bis 2013

Abwesenheit von der Wohnung und der regelmäßigen Arbeitsstätte Pauschbetrag in Euro
mindestens 24 Stunden 24 Euro
weniger als 24, mindestens aber 14 Stunden 12 Euro
weniger als 14 Stunden, mindestens aber 8 Stunden 6 Euro

Diese Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwand sind verbindlich. Selbst wenn Sie also aus Nachweisgründen unterwegs Restaurantrechnungen gesammelt haben, können Sie keine höheren Kosten geltend machen. Anders ist das nur, wenn Sie auf Reisen Geschäftspartner bewirtet haben. Eine Ausnahme ist außerdem für die Bewirtung von (Team-)Kollegen möglich, sofern Ihr Gehalt variable erfolgsabhängige Bestandteile enthält.

Wenn Sie beruflich im Ausland unterwegs waren, gelten je nach Staat unterschiedliche Pauschbeträge, die sogenannten Auslandstagegelder. Diese Beträge passt das Bundesfinanzministerium in regelmäßigen Abständen an die Preisentwicklung in den einzelnen Ländern an, für Auslandsreisen ab dem 1. Januar 2012 mit Schreiben vom 8. Dezember 2011 und für Auslandsreisen ab dem 1. Januar 2013 mit Schreiben vom 17. Dezember 2012 (Az. IV C 5 - S 2353/08/10006 :003).

Tipp

Bei Übernachtung im Doppelzimmer

setzen Sie die Kosten an, die im selben Haus entstanden wären, wenn Sie ein Einzelzimmer genommen hätten. Fragen Sie im Hotel nach, ob Sie eine Rechnung über ein Einzelzimmer bekommen können. Oder Sie errechnen die Differenz zwischen den Preisen für Einzel- und Doppelzimmer selbst und bewahren als Nachweis beispielsweise eine Preisliste des Hotels auf.

Übernachtungskosten: Als Übernachtungskosten gelten die tatsächlichen Kosten, die Ihnen für die persönliche Inanspruchnahme einer Unterkunft entstanden sind. Anders als bei den Verpflegungsmehraufwendungen verlangt das Finanzamt bei den Übernachtungskosten Einzelnachweise. Falls Sie nicht allein gereist sind, lässt sich der Fiskus leider nicht an den Mehrkosten beteiligen, die aufgrund der Mitnutzung etwa eines Hotelzimmers durch eine Begleitperson entstehen. Sofern die an Sie adressierte Hotelrechnung auch den Preis für das Frühstück, Mittag- oder Abendessen enthält, kürzt das Finanzamt den abziehbaren Betrag von sich aus prozentual.

Soweit höhere Übernachtungskosten angefallen sind, weil Sie eine Unterkunft gemeinsam mit Personen genutzt haben, die in keinem Dienstverhältnis zu Ihrem Arbeitgeber stehen, können Sie nur diejenigen Aufwendungen ansetzen, die angefallen wären, wenn Sie die Unterkunft allein genutzt hätten. Nicht abziehbar sind somit Mehrkosten, die aufgrund der Mitnutzung der Übernachtungsmöglichkeit durch eine Begleitperson entstehen, insbesondere wenn die Begleitung privat und nicht beruflich veranlasst ist. Bei Mitnutzung eines Mehrbettzimmers (z. B. Doppelzimmer) können die Aufwendungen angesetzt werden, die bei Inanspruchnahme eines Einzelzimmers im selben Haus entstanden wären.

Tipp

Hierhin in der Steuererklärung

Ihre Angaben zu den Reisekosten machen Sie bei den Werbungskosten auf Seite 2 der Anlage N zur Einkommensteuererklärung 2015 ab Zeile 49. Die Aufwendungen senken Ihr zu versteuerndes Einkommen und sorgen so dafür, dass Ihre Steuerlast geringer ausfällt.

Auch wenn Sie Übernachtungskosten für den Werbungskostenabzug grundsätzlich einzeln nachweisen müssen, kann es passieren, dass Sie keine Übernachtungsbelege (mehr) haben. In diesem Ausnahmefall dürfen Sie Ihre Kosten schätzen, wenn sie Ihnen zweifelsfrei entstanden sind.

Reisenebenkosten: Sie sollten zusätzlich die Kosten ansetzen, die Ihnen für die Beförderung und Aufbewahrung von Gepäck, Telefonate und Schriftverkehr beruflichen Inhalts mit dem Arbeitgeber oder dessen Geschäftspartner, für Straßenbenutzung und Parkplatz sowie eventuelle Schadensersatzleistungen infolge von Verkehrsunfällen entstanden sind. Wenn Sie eine Reisegepäckversicherung abgeschlossen haben, gehören auch diese Kosten zu den Reisenebenkosten, ebenso Wertverluste infolge eines Diebstahls Ihres persönlichen - notwendigen - Reisegepäcks. Geld und Schmuck bleiben dabei außen vor.

Als Privatvergnügen gelten dagegen Ihre Aufwendungen für private Telefonate, Massagen, Minibar oder Pay-TV - an diesen Kosten lässt sich der Fiskus nicht beteiligen. Das Gleiche gilt für Kosten, die Ihnen für die Anschaffung von Bekleidung, Koffern und anderen Reiseausrüstungen entstanden sind.

So können Sie Steuern sparen

Jobwechsel in Planung: Auch Reisen zu Vorstellungsgesprächen zählen zu den beruflich veranlassten Auswärtstätigkeiten. Sie können Ihre Kosten, die Ihnen durch die Reise zu einem Bewerbungsgespräch entstanden sind, daher als Werbungskosten ansetzen.

Berufliches und Privates gemischt: Wenn Sie im Zusammenhang mit Ihrer beruflich veranlassten Auswärtstätigkeit in einem mehr als geringfügigen Umfang auch private Angelegenheiten erledigt haben, muss das nicht heißen, dass Sie auf Ihren Kosten sitzen bleiben. Allerdings müssen Sie die beruflich veranlassten von den privat veranlassten Aufwendungen trennen (können). Ist das nicht – auch nicht durch Schätzung – möglich, gehören Ihre gesamten Aufwendungen zu den nicht abziehbaren Aufwendungen für die Lebensführung. Als Aufteilungsmaßstab kommen in der Praxis meist die zeitlichen Anteile in Frage, die auf den beruflich und privat veranlassten Teil der Reise entfallen.

Beispielrechnung für gemischte Aufwendungen

Sie haben einen Fachkongress in London besucht und sind Samstagfrüh angereist. Die Veranstaltung fand ganztägig von Dienstag bis Donnerstag statt. Am Sonntagabend sind Sie nach Hause zurückgereist.

In diesem Fall können Sie die Kosten für zwei Übernachtungen (von Dienstag bis Donnerstag) und die Kongressgebühren vollständig als Werbungskosten abziehen. Die Flugkosten sind gemischt veranlasst und entsprechend den Veranlassungsbeiträgen aufzuteilen. Sachgerechter Aufteilungsmaßstab ist das Verhältnis der beruflichen und privaten Zeitanteile der Reise (beruflich veranlasst sind drei Neuntel). Ihre Verpflegungskosten können Sie nur in Höhe der Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen für die beruflich veranlassten drei Tage als Werbungskosten abziehen.

Nur eine regelmäßige Arbeitsstätte: Der Bundesfinanzhof hat 2011 entschieden, dass Arbeitnehmer nur eine regelmäßige Arbeitsstätte haben können. Der Fiskus folgt dieser Rechtsprechung (vgl. Bundesfinanzministerium, Schreiben vom 15. Dezember 2011, Az. IV C 5 - S 2353/11/10010). Das hat für Sie den Vorteil, dass Sie die Kosten, die Ihnen für Ihre Fahrten zu anderen Tätigkeitsstätten entstehen, als Reisekosten ansetzen können.

Achtung

Zahlung durch den Arbeitgeber

Als Werbungskosten sind Ihre Reisekosten nur dann abziehbar, wenn Ihr Arbeitgeber sie Ihnen nicht ersetzt hat. Meistens oft zahlt dieser steuer- und sozialversicherungsfrei den Verpflegungsmehraufwand in Höhe der Pauschalen. 

Das Finanzamt geht von einer regelmäßigen Arbeitsstätte aus, wenn Sie dienstrechtlich oder arbeitsvertraglich einer betrieblichen Einrichtung Ihres Arbeitgebers dauerhaft zugeordnet sind oder in einer betrieblichen Einrichtung Ihres Arbeitgebers

  • arbeitstäglich,
  • je Arbeitswoche einen vollen Arbeitstag oder
  • mindestens 20 Prozent Ihrer vereinbarten regelmäßigen Arbeitszeit

tätig werden sollen.

Ein Arbeitnehmer ist grundsätzlich auswärts tätig, wenn er außerhalb einer dem Arbeitgeber zuzuordnenden Betriebsstätte tätig wird. Das ist vor allem bei Leiharbeitnehmern der Fall (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs vom 15. Mai 2013, Az. VI R 18/12). Beispiele für Tätigkeitsstätten außerhalb der regelmäßigen Arbeitsstätte sind auch verschiedene Filialen desselben Arbeitgebers.

Reisekosten in der Steuererklärung

Wie Sie Ihre Reisekosten in der Steuererklärung absetzen, lesen Sie in unserem Ratgeber "So setzen Sie Ihre Reisekosten richtig ab".

Wenn Sie sich über Einzelheiten informieren möchten, können Sie einen Blick in das Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 24. Oktober 2014 (IV C 5 -S 2353/14/10002) werfen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 23. Dezember 2014 (IV C 6 -S 2145/10/10005) zu den Entfernungspauschalen.

Beide Dokumente enthalten zum besseren Verständnis zahlreiche Beispiele.

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Doppelte Haushaltsführung seit 2014: Wenn Sie aus beruflichen Gründen einen doppelten Haushalt führen, können Sie in Ihrer Steuererklärung für das Jahr 2014 weiterhin die Kosten Ihrer Unterkunft angeben, die Ihnen tatsächlich entstanden sind. Während die Wohnungsgröße von höchstens 60 Quadratmetern anders als bis einschließlich 2013 keine Rolle mehr spielt, werden ab 2014 allerdings nur noch Kosten bis zu 1.000 Euro berücksichtigt. Außerdem wird künftig eine finanzielle Beteiligung an den laufenden Kosten der Haushaltsführung am Lebensmittelpunkt verlangt. Wenn Ihre Barleistungen mehr als zehn Prozent der monatlich regelmäßig anfallenden laufenden Kosten der Lebensführung betragen – zum Beispiel Miete, Mietnebenkosten, Kosten für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs –, geht der Fiskus von einer finanziellen Beteiligung aus.Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber "So setzen Sie Kosten der doppelten Haushaltsführung ab".

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.

Sabine Himmelberg

freie Finanztip-Redakteurin

Als freie Redakteurin schreibt Sabine Himmelberg auf Finanztip zum Thema Steuern. Sie blickt auf mehr als zwanzig Jahre Redaktionsarbeit im Steuerrecht zurück. Als spezialisierte Fachjournalistin deckt Sabine Himmelberg ein breites inhaltliches Spektrum für Publikationen namhafter Fachverlage ab. Nach ihrem Magisterabschluss an der Universität zu Köln trat sie in die Redaktion des Deubner Verlags ein, der Informationen für Rechtsanwälte und Steuerberater herausgibt und der WEKA-Gruppe angehört. Sie leitete dort drei Jahre lang die Redaktion Steuern.