Bonitätsprüfung via Auskunfteien

Wie Schufa und Co. mit unseren Daten handeln

Das Wichtigste in Kürze

  • Neben der Schufa gibt es in Deutschland vier weitere große Auskunfteien: Bürgel, Creditreform Boniversum, Deltavista und Infoscore Consumer Data.
  • Die Auskunfteien beziehen ihre Daten aus unterschiedlichen Quellen, errechnen jedoch alle Bonitätsscores.
  • Es ist sinnvoll, von allen Auskunfteien jährlich eine kostenlose Selbstauskunft anzufordern, da Unternehmen und Banken mit unterschiedlichen Anbietern zusammenarbeiten.
  • Um nicht versehentlich eine kostenpflichtige Auskunft zu bestellen, können Sie unseren Musterbrief nutzen.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zum Thema Kredit und Schufa immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Beim Online-Shopping wird Ihnen immer der Kauf auf Rechnung verweigert? Sie bekommen keine günstigen Konditionen für einen Kredit oder eine Baufinanzierung? Das kann an einem negativen Eintrag bei der Schufa liegen. Muss es aber nicht. Denn neben der Schufa gibt es noch weitere Firmen, die Daten über das Zahlungsverhalten von Privatpersonen sammeln, die sogenannten Auskunfteien. Die vier größten nach der Schufa sind Bürgel, Creditreform Boniversum, Deltavista und Infoscore Consumer Data.

Was ist der Score?

Auskunfteien handeln mit Daten. Ihren Kunden verkaufen sie allerdings nicht einfach die zusammengetragenen Datensätze, sondern berechnen sogenannte Score-Werte. Diese drücken aus, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Mensch nach Einschätzung der Auskunftei seine Rechnungen bezahlen wird.

Dabei bewerten sie die betreffende Person nicht individuell, sondern ordnen sie mit statistischen Verfahren einer Vergleichsgruppe mit ähnlichen Merkmalen zu. Die Zahlungsmoral, die diese Vergleichsgruppe in der Vergangenheit gezeigt hat, wird dann auch für die jeweilige Person angenommen. Wie die Unternehmen im Detail beim Scoring vorgehen, müssen sie allerdings nicht offenlegen, denn das gilt nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs als Geschäftsgeheimnis (BGH, Urteil vom 28. Januar 2014, Az. VI ZR 156/13).

Wie viele Menschen sind erfasst?

Man kann davon ausgehen, dass fast alle erwachsenen Bundesbürger inzwischen von irgendeiner Auskunftei erfasst sind. Vor allem Bürgel, Deltavista und eben die Schufa haben inzwischen umfassende Datenmengen gesammelt. Ein Überblick:  

Schufa – Der Marktführer aus Wiesbaden arbeitet derzeit mit Daten von etwa 66 Millionen Menschen.

Deltavista – Die Münchner Auskunftei verfügt über Datensätze zu etwa 45 Millionen Menschen.

Bürgel - Die in Hamburg ansässige Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG. erfasst Einträge zu 39 Millionen Personen.

Infoscore - Das zum Bertelsmann-Konzern gehörende Unternehmen mit Sitz in Baden-Baden hat Informationen zu rund 8 Millionen Menschen gespeichert.

Boniversum - Das Unternehmen mit Hauptsitz in Neuss verfügt über 108 Millionen Datensätze. Dazu, wie viele Menschen diese Datensätze betreffen, macht das Unternehmen keine Angaben.

Welche Daten sammeln die Firmen?

Alle Auskunfteien sammeln persönliche Daten wie Name, Alter, Geschlecht sowie die aktuelle und frühere Adressen. So können sie Verbraucher nicht nur identifizieren, sondern auch Rückschlüsse über deren Wohnumfeld ziehen und darüber, wie lange sie an einem Ort gewohnt haben. Informationen über Familienstand, Arbeitgeber, Einkommen, Guthaben und Wertpapierdepots dürfen hingegen nicht gespeichert werden.

Die wichtigste Grundlage für die Bonitätsprüfungen der Auskunfteien sind jedoch Angaben zu schlechtem Zahlungsverhalten von Verbrauchern. Das können Daten aus Mahn- und Inkassoverfahren sein, aber auch öffentlich verfügbare Informationen über Insolvenzen, eidesstattliche Versicherungen und Haftanordnungen.

Boniversum und die Schufa sind die einzigen großen Auskunfteien, die nach eigenen Angaben neben diesen sogenannten Negativmerkmalen auch Positivdaten speichern. Dazu gehören beispielsweise Informationen zu vertragsgemäßem Verhalten wie das regelmäßige Begleichen von Krediten, ein hoher Kreditrahmen oder langfristig bestehende Girokonto-Verbindungen.

Pikant ist: Alle Auskunfteien errechnen auch dann einen Score, wenn keine Daten zum Zahlungsverhalten der betreffenden Person vorliegen. In Ermangelung aussagekräftigerer Daten nutzen sie dann Informationen wie Alter und Geschlecht, die Häufigkeit von Umzügen und die Anschriftendaten. So kann es passieren, dass einem gut verdienenden und schuldenfreien Menschen eine ungünstige Zahlungsmoral unterstellt wird, nur weil er jung ist und in einer Gegend wohnt, in der andere in der Vergangenheit ihre Rechnungen nicht bezahlt haben.

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Woher stammen die Daten?

Schufa – Den Großteil der Daten, den die Schufa für Bonitätsprüfungen verwendet, erhält sie von ihren 9.000 Vertragspartnern aus dem Handel sowie Banken- und Telekommunikationswesen. Wie die anderen Auskunfteien nutzt die Wiesbadener Firma zusätzlich öffentliche Verzeichnisse zur Informationsgewinnung.

Deltavista – Um vergangene Zahlungserfahrungen zu beurteilen, nutzt Deltavista Daten aus Inkasso- und Insolvenzverfahren sowie Schuldnerverzeichniseinträge. Auch Telefon- und Adressbücher oder Handelsregister dienen als Informationsquellen.

Bürgel - Das Unternehmen beschafft sich Daten aus öffentlichen Registern und Verzeichnissen und lässt eigene Rechercheure Nachforschungen anstellen. Bürgel ist eine Tochterfirma zweier Unternehmen, die zur Allianz und zur Otto Group gehören. Die Auskunftei kann daher auf die Inkassodaten dieser Unternehmensgruppen sowie weiterer Kooperationspartner zugreifen. Um Informationen über Firmen zu sammeln, befragen die Bürgel-Mitarbeiter auch Lieferanten und werten Geschäftsberichte, Bilanzen sowie Presseveröffentlichungen aus.

Infoscore - Die gespeicherten Informationen stammen einerseits aus Registern, beispielsweise Schuldnerverzeichnissen der Amtsgerichte, oder Veröffentlichungen zu Insolvenzverfahren. Zum anderen verarbeitet Infoscore Daten, die Geschäftspartner wie Banken, Versandhändler oder Inkassounternehmen übermitteln. Dass Verbraucher in diese Datenübermittlung einwilligen, ist Teil der Allgemeinen Geschäftsbedingungen vieler Konzerne. Infoscore betreibt außerdem Inkassoverfahren für Firmenkunden wie die Deutsche Bahn und Nahverkehrsunternehmen.

Boniversum - Grundlage des Datenpools bilden öffentliche Schuldnerlisten, Inkassoverzeichnisse und gerichtlichen Haftanordnungen. Die Creditreform AG, zu der Boniversum gehört, bietet Dienstleistungen in den Bereichen Inkasso, Marketing und Beratung an. Die Auskunftei kann daher auch auf Informationen der 70.000 Inkasso-Kunden der Unternehmensgruppe zurückgreifen.

Wer darf Bonitätsinformationen abfragen?

Unternehmen dürfen Daten bei Auskunfteien nur abfragen, wenn sie ein sogenanntes berechtigtes Interesse haben. Das fordert das Bundesdatenschutzgesetz. Ein solches Interesse besteht etwa, wenn sie ein finanzielles Ausfallrisiko haben, beispielsweise bei einer Lieferung auf Rechnung oder einem Kreditantrag. Gegenüber der Auskunftei muss der Abfragende angeben, welches Interesse er an der Abfrage hat, er muss es aber nicht nachweisen.

Fordern Sie regelmäßig eine Selbstauskunft an

Tipp

Jedes Unternehmen muss Auskunft geben

Unabhängig von den Auskunfteien haben Verbraucher auch gegen jedes andere Unternehmen einen Anspruch auf Auskunft darüber, welche Daten über sie gespeichert sind.

Fehler bei Auskunfteien und deren Informationslieferanten kommen öfter vor. Hin und wieder werden zum Beispiel beendete Handyverträge nicht gelöscht oder Schreibfehler in den Adressdaten der Unternehmen als zusätzliche Anschrift gespeichert, wie ein Nutzer in unserer Community berichtet.

Angesichts der gravierenden Folgen, die negative Bewertungen von Auskunfteien haben können, sollten Sie deshalb regelmäßig überprüfen, welche Daten über Sie gespeichert sind. So fallen Ihnen Ungereimtheiten nicht erst auf, wenn Sie bereits einen Kredit beantragen oder einen neuen Mietvertrag abschließen wollen.

Fordern Sie dazu regelmäßig von allen großen Auskunfteien eine Selbstauskunft an. Diese müssen die Auskunfteien Ihnen einmal pro Kalenderjahr kostenlos zur Verfügung zu stellen. Am einfachsten ist es, der Auskunftei dazu einen Brief mit einem Verweis auf Paragraph 34 des Bundesdatenschutzgesetzes zu schicken. Ein entsprechendes Musterschreiben können Sie hier herunterladen. So besteht nicht die Gefahr, dass Sie aus Versehen eine kostenpflichtige Auskunft bestellen.

Große Kunden von Auskunfteien (Beispiele)

  Schufa Deltavista Bürgel Infoscore Boniversum
Versandhandel          
Amazon       x  
Otto Group x   x    
Mobilfunkanbieter          
Telefónica x     x x
T-Mobile     x x x
Banken          
Deutsche Bank x        
Postbank x x   x  

Quelle: eigene Recherche (Stand: 2. Juni 2015)

So gehen Sie gegen falsche Einträge vor

Falls die Selbstauskunft ergibt, dass unrichtige oder bestrittene Daten gespeichert sind, können Sie deren Löschung, Sperrung oder Berichtigung verlangen. Lässt sich die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der Informationen nicht abschließend klären, muss die Auskunftei die Daten gemäß Paragraf 35 Absatz 4 Bundesdatenschutzgesetz sperren. Gesperrte Daten und die Tatsache, dass Daten gesperrt sind, dürfen nicht an Dritte übermittelt werden.

Über Fehler in Ihren persönlichen Daten oder unrichtige Forderungen informieren Sie die Auskunftei am besten direkt. Finden sich bereits erledigte Forderungen in der Selbstauskunft, ist es sinnvoll, sich an das angegebene Unternehmen zu wenden. Bitten Sie um einen sogenannten Erledigungsvermerk. Mehr darüber, wie Sie gegen falsche Einträge vorgehen, erfahren Sie hier.

Wenn es Ihnen nicht gelingt, Ihre Ansprüche durchzusetzen, können Sie sich auch an den Datenschutzbeauftragen des Bundeslandes wenden, in dem die Auskunftei ihren Sitz hat.

Kontaktadressen der Auskunfteien

    Schufa   Deltavista   Bürgel
Kontakt für Selbstauskunft   SCHUFA Holding AG, Postfach 10 25 66, 44725 Bochum   Deltavista GmbH, Datenschutz, Kaiserstraße 217, 76133 Karlsruhe   Bürgel Wirtschaftsinformationen GmbH & Co. KG, Abt. Datenschutz, Gasstraße 18, 22761 Hamburg
Kosten ab der 2. Auskunft   24,95 Euro   bisher keine   7,80 Euro
  Boniversum Infoscore
Kontakt für Selbstauskunft Creditreform Boniversum GmbH, Hellersbergstr. 11, 41460 Neuss infoscore Consumer Data GmbH, Abteilung Datenschutz, Rheinstraße 99, 76532 Baden-Baden
Kosten ab der 2. Auskunft 19,90 Euro 10 Euro

Quelle: eigene Recherche (Stand: 2. Juni 2015)

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.