Steuererklärung 2016

Im Durchschnitt gibt es 900 Euro Rückerstattung

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Steuererklärung lohnt sich für viele Arbeitnehmer, selbst wenn sie gar nicht dazu verpflichtet sind. In neun von zehn Fällen gibt es eine Steuererstattung – durchschnittlich 900 Euro.
  • Allein mit den Fahrtkosten überschreiten viele Steuerpflichtige die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro. Sie können dann noch weitere berufliche Kosten als Werbungskosten absetzen. Absetzbar sind auch Sonderausgaben wie die Kirchensteuer und Vorsorgeaufwendungen sowie beispielsweise Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen.
  • Wer zu Hause Handwerker oder eine Putzhilfe als Minijobber beschäftigt oder Aufwendungen beispielsweise für Hausmeister oder Winterdienst hatte (selbst als Mieter), bekommt 20 Prozent der Arbeits- und Fahrtkosten als Steuererstattung zurück.
  • Rund 4,4 Millionen Rentner müssen ebenfalls eine Steuererklärung abgeben und ihre Rente in die Anlage R eintragen.
  • Alleinerziehende profitieren von einem Entlastungsbetrag. Ab dem zweiten Kind gibt es sogar einen Zuschlag.

So gehen Sie vor

  • Wer eine Steuererklärung für 2016 abgeben muss, hatte bis 31. Mai 2017 Zeit. Die Frist kann bis Ende September verlängert werden, am besten mit einer schriftlichen Begründung.
  • Diejenigen, die freiwillig eine Steuererklärung erstellen, haben sogar vier Jahre dafür Zeit.
  • Sammeln Sie möglichst bereits während des Jahres Ihre Belege und ordnen Sie diese den unterschiedlichen Ausgabekategorien wie den Werbungskosten zu. So müssen Sie während der eigentlichen Steuererklärung nicht suchen und sparen Zeit.
  • Privatleute können statt der Papierformulare das kostenlose Programm Elster-Formular der Finanzverwaltung benutzen. Komfortabler sind spezielle Steuerprogramme.
  • Wird es komplizierter, hilft ein Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater. Dann bekommen Sie auch mehr Zeit für die Abgabe.
  • Tipp: Sollen wir Sie zu wichtigen Steuerfragen sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

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901 Euro bekommen Sie im Schnitt heraus, wenn Sie eine Steuererklärung ausfüllen. So hoch war laut Statistischem Bundesamt die durchschnittliche Erstattung für das Veranlagungsjahr 2012 – das ist die aktuellste Erhebung. Mehr als 87 Prozent der Steuererklärungen haben eine Steuererstattung zur Folge. Das Geld versüßt die als lästige Pflicht empfundene Steuererklärung. Das Ausfüllen lohnt sich somit auch für diejenigen, die gar nicht dazu verpflichtet sind.

Noch höher fällt die durchschnittliche Erstattung wohl für das Jahr 2016 aus. Schließlich wurde in dem Jahr erstmals der Steuertarif so geändert, dass die Inflationsrate ausgeglichen wird. Um die sogenannte kalte Progression zu vermeiden, sollen Arbeitnehmer bei Lohnerhöhungen auf dem Niveau der allgemeinen Preissteigerung nicht automatisch mehr Steuern zahlen müssen. Denn der Steuersatz steigt mit dem Einkommen, was Experten einen „progressiven Steuertarif“ nennen.

Zudem wurden 2016 einige Freibeträge erhöht:

  • Grundfreibetrag (8.652 Euro für Singles beziehungsweise Einzelveranlagte) das sind 180 Euro mehr als 2015; für Paare, die sich zusammen veranlagen lassen, gilt für Grund- und Freibeträge grundsätzlich die doppelte Höhe, also für Verheiratete und eingetragene Lebenspartner 17.304 Euro. Bis dahin ist das gesamte Einkommen für jeden Bürger steuerfrei gestellt;
  • Kinderfreibetrag (2.304 Euro je Elternteil), dazu kommt noch der unveränderte Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf in Höhe von 1.320 Euro;
  • Kindergeld (190 Euro monatlich für das erste und zweite Kind) und
  • Unterhaltshöchstbetrag (8.652 Euro).

Automatisch berücksichtigt das Finanzamt nur Pauschbeträge wie den Grundfreibetrag, die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro oder die sehr niedrige Sonderausgaben-Pauschale von 36 Euro, die fast alle Arbeitnehmer alleine mit ihren Ausgaben für die gesetzliche Sozialversicherung leicht übertreffen. Wer niedrige Einkünfte oder hohe absetzbare Ausgaben hat, der sollte also keinesfalls darauf verzichten, eine Steuererklärung zu erstellen.

Unser Tipp: Die Steuer kommt jedes Jahr auf Sie zu. Machen Sie sich die Mühe und lernen Sie mithilfe dieses Ratgebers einige Fachbegriffe und was sich dahinter verbirgt. Die meisten Arbeitnehmer haben gar nicht so komplizierte Sachverhalte und können daher die Steuererklärung selbst erstellen. Dafür gibt es von der Finanzverwaltung kostenlose Möglichkeiten: auf Papierformularen oder elektronisch mithilfe des Programms Elster-Formular oder im Browser mit Mein Elster.

Die meisten Steuerzahler sind jedoch besser beraten, jedes Jahr die aktuelle Version einer Steuersoftware zu kaufen. Die gibt es bereits ab rund 15 Euro. Diese hat den Vorteil, dass sie viel komfortabler zu bedienen ist als das kostenlose Programm Elster-Formular und zudem viel weniger Fachwissen voraussetzt. Auf www.elster.de müssen Sie sich zuvor registrieren. Wie das geht, haben wir in den Ratgebern Elster und Belegabruf (vorausgefüllte Steuererklärung) beschrieben.

Mehr dazu im Ratgeber Steuersoftware

Udo Reuß
von Finanztip,
Experte für Steuern

Guter Rat ab 15 Euro:

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  • Spezielle Varianten richten sich etwa an Selbstständige, Vermieter oder Rentner.

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Wir zeigen Ihnen in diesem Ratgeber, wie Sie sich die zu viel bezahlten Steuern mit überschaubarem Aufwand zurückholen können.

Wer eine Steuererklärung abgeben muss

Eine Abgabepflicht für die Steuererklärung kann unter mehreren Bedingungen eintreten:

Freibetrag - Sie müssen eine Steuererklärung abgeben, wenn beim Lohnsteuerabzug ein individueller Freibetrag aufgrund eines Lohnsteuerermäßigungsantrags berücksichtigt wurde. Eine sogenannte Pflichtveranlagung führt das Finanzamt auch durch, wenn Sie 2016 Einkünfte ohne Lohnsteuerabzug von mehr als 410 Euro hatten – dazu zählen beispielsweise Arbeitslosen-, Kurzarbeiter- oder Elterngeld. 

Steuerklasse - Die Abgabepflicht gilt auch, wenn Sie 2016 parallel mehrere Arbeitgeber hatten und Ihr Einkommen nach Steuerklasse VI abgerechnet wurde. Auch falls Sie als Ehepartner oder eingetragener Lebenspartner die Kombination der Lohnsteuerklassen III/V oder IV/IV mit Faktor haben, müssen Sie eine Steuererklärung abgeben. Das gilt ebenso, wenn Sie Einnahmen haben als Selbstständiger, Gewerbetreibender, Landwirt, Rentner oder Vermieter, die oberhalb des Grundfreibetrags von 8.652 Euro lagen.

Das sind weitere Fälle, in denen Sie eine Steuererklärung ausfüllen müssen:

  • Einer der Partner beantragt die getrennte Veranlagung.
  • Für Kapitaleinkünfte sind noch Kapitalertragsteuer oder Kirchensteuer offen.
  • Im Steuerbescheid 2015 hat das Finanzamt einen Verlust festgestellt.
  • Sie haben im letzten Jahr eine Abfindung erhalten, bei der die Lohnsteuer nach der Fünftel-Regelung berechnet wurde.


Mehr Rentner müssen Anlage R ausfüllen
Im Juli 2016 stiegen die Renten in Westdeutschland um 4,25 Prozent und in Ostdeutschland sogar um fast 6 Prozent – so stark wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Rentner müssen grundsätzlich eine Steuererklärung abgeben, sobald sie mehr als den Grundfreibetrag von 8.652 Euro einnehmen. Ein alleinstehender Rentner, der erstmals 2016 Altersbezüge erhielt, muss nur 72 Prozent davon versteuern, auch in den Folgejahren. Der steuerfreie Betrag eines solchen Neurentners – 28 Prozent der Rente – wird dauerhaft fixiert, bleibt also auf Dauer konstant. Wichtig für Sie, sofern Sie bereits Rentner sind: Der einmal festgesetzte steuerfreie Rentenanteil bleibt unverändert. Aber: Rentensteigerungen führen ebenfalls dazu, dass Rentner immer schneller in die Steuerpflicht hereinrutschen.

Zudem steigt für jeden neuen Rentnerjahrgang der Anteil der steuerpflichtigen Einkünfte um zwei Prozentpunkte; so müssen die neuen Rentner des Jahres 2017 bereits auf 74 Prozent ihrer Altersbezüge Einkommensteuer entrichten. Konsequenz: Insbesondere Neurentner trifft die Steuerpflicht. Sie müssen dann die Anlage R ausfüllen.

Darauf verzichten könnten Rentner in Mecklenburg-Vorpommern, die sich für das Pilotprojekt „Amtsveranlagungsverfahren für Rentner“ entscheiden. Dazu berechtigt sind Ruhegeldbezieher, die im Vorjahr bis auf ihre gesetzliche Rente keine weiteren zu versteuernden Einnahmen hatten. Indem sie ein einfaches Formular ausfüllen, ersparen sie es sich, selbst eine Steuererklärung abzugeben. Stattdessen erstellt das Finanzamt auf Grundlage vorliegender, elektronisch gemeldeter Daten einen Steuerbescheid.

Es berücksichtigt dabei beispielsweise die gesetzliche Rente auf der Einnahmenseite und die Krankenversicherungsbeiträge auf der Ausgabenseite – aber kaum mehr. Doch viele Rentner haben beispielsweise hohe Krankheits- und Pflegekosten und vieles mehr getragen. In solchen Fällen kann es sich dann doch lohnen, eine Steuererklärung auszufüllen. Mehr Informationen zum Pilotprojekt finden Sie im Ratgeber Anlage R

Wenn Sie jetzt neu in Rente gehen, bleiben rund 1.200 Euro Ihrer Rente steuerfrei, falls Sie keine weiteren Einnahmen haben. Unsere Tabelle im Ratgeber Rentenbesteuerung gibt Personen, die ausschließlich ihre Rente haben, einen Anhaltspunkt, ab welcher Rentenhöhe sie Steuern zahlen müssen. 

Schätzungsweise ist mittlerweile fast jeder vierte Rentenbezieher steuerpflichtig. Das Bundesfinanzministerium (BMF) geht von 4,4 Millionen steuerpflichtigen Rentnern aus. 2015 waren es noch eine halbe Million Rentner weniger.

Ob sie tatsächlich Steuern zahlen müssen, hängt von den abzugsfähigen Kosten ab. Schließlich sind zum Beispiel die zu zahlenden Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge als Sonderausgaben abzugsfähig. Oft fallen zudem erhebliche selbst zu zahlende Krankheitskosten an, die bei Überschreiten der zumutbaren Belastung als außergewöhnliche Belastungen absetzbar sind.

Weitere Situationen, in denen Sie eine Steuererklärung abgeben müssen, sind in unserem Ratgeber Pflicht zur Einkommensteuererklärung dargestellt.

Wer freiwillig eine Steuererklärung abgeben sollte

Die meisten Arbeitnehmer und Rentner müssen – anders als Selbstständige, Gewerbetreibende und Landwirte – tatsächlich gar keine Steuererklärung abgeben. Viele ersparen sich daher die Arbeit – und verschenken oft Geld. Sinnvoll ist die Abgabe einer freiwilligen Steuererklärung auf jeden Fall, wenn ein Arbeitnehmer hohe berufliche Ausgaben, also Werbungskosten, hatte. 1.000 Euro beträgt der Arbeitnehmer-Pauschbetrag. Legt der vollzeitbeschäftigte Mitarbeiter täglich eine einfache Wegstrecke von 15 Kilometern zur Arbeitsstätte zurück, übersteigen bereits seine Fahrtkosten die Werbungskostenpauschale. Und viele weitere abzugsfähige Posten können sein steuerpflichtiges Einkommen weiter drücken. Die Entfernungspauschale von 30 Cent pro Kilometer gilt übrigens unabhängig vom gewählten Verkehrsmittel, – also auch für Fußgänger, Fahrradfahrer, Bahn- und Busnutzer. Letztere haben sogar die Möglichkeit höhere Kosten als die Obergrenze von 4.500 Euro zu belegen. Dies gilt nicht für Autofahrer.

Tipp

Bescheinigung für Rentner

Ruhegeldbezieher können sich bei der Deutschen Rentenversicherung unter der Telefonnummer 0800 10 00 48 00 oder bei ihrem zuständigen regionalen Rententräger kostenlos eine nützliche Bescheinigung bestellen. Für den Antrag benötigen sie ihre Rentenversicherungsnummer. Die jährliche Renten-Bescheinigung enthält die steuerlich relevanten Beträge samt Hinweisen, in welchen Zeilen der Formulare „Anlage R“ und „Anlage Vorsorgeaufwand“ diese einzutragen sind. In den Folgejahren erhalten Sie die einmal beantragte Bescheinigung dann automatisch.

Leiharbeitnehmer - Ein vom Lohnsteuerhilfeverein „Steuerring“ erstrittenes Urteil des Niedersächsischen Finanzgerichts vom 30. November 2016 (Az. 9 K 130/16; Revision beim Bundesfinanzhof = BFH, unter Az. VI R 6/17) eröffnet neue Steuersparmöglichkeiten für Leiharbeiter: Nicht nur die Entfernungspauschale, sondern die Fahrtkosten für jeden gefahrenen Kilometer zum Arbeitsort dürfen Leiharbeitnehmer abrechnen. Es zählt also nicht nur die einfache Wegstrecke, sondern jeder gefahrene Kilometer auf Hin- und Rückfahrt wie bei einer Dienstreise. Dies trifft dann zu, wenn der Arbeitsvertrag vorsieht, dass der Leiharbeitnehmer kurzfristig woanders eingesetzt werden kann, also nicht dauerhaft einem sogenannten Entleiher zugeordnet ist. Im konkreten Fall arbeitete der Leiharbeitnehmer ganzjährig im selben Betrieb, doch im Vertrag stand, dass er „bis auf Weiteres“, also eben nicht dauerhaft, in einer betrieblichen Einrichtung des Entleihers tätig werden soll. Der Betrieb des Entleihers stellt in solchen Fällen keine erste Tätigkeitsstätte dar.

Seit April 2017 haben Leiharbeitnehmer noch bessere Argumente, weil das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz den Einsatz beim selben Entleiher auf höchstens 18 Monate begrenzt hat. Für alle Angestellten, bei denen das Arbeitsverhältnis danach weitergeht, sind von Beginn an Reisekosten zu berücksichtigen. Leiharbeitnehmer sollten deshalb ihre Fahrtkosten aufzeichnen. Autofahrer können 30 Cent je gefahrenen Kilometer absetzen, Bus- und Bahnkunden hingegen die Kosten für ihre gekauften Fahrscheine. Zusätzlich können Leiharbeitnehmer für die ersten drei Monate eines neuen Einsatzes Mehraufwendungen für die Verpflegung geltend machen.

Tipp

Einspruch einlegen

Lehnt der Finanzbeamte Ihre beantragten Reisekosten ab, legen Sie innerhalb eines Monats gegen den Bescheid Einspruch ein und berufen sich auf das Revisionsverfahren. Die abschließende Bearbeitung kann warten, bis der BFH entschieden hat.

Neben einer beeindruckenden Zahl an unterschiedlichen Werbungskosten (siehe Auflistung im Ratgeber Werbungskosten) können Arbeitnehmer und Rentner noch weitere Aufwendungen zusätzlich in ihrer Steuererklärung ansetzen:

Sonderausgaben - Gezahlte Kirchensteuer, Vorsorgeaufwendungen wie die Sozialversicherungsbeiträge und viele Aufwendungen für die Altersvorsorge können Sie zudem als Sonderausgaben absetzen.

Außergewöhnliche Belastungen - Hatten Sie im vergangenen Jahr durch Krankheit, Unfall, Pflege für die Eltern, Hochwasser, Beerdigung oder andere persönliche Katastrophen höhere Ausgaben, können Sie diese als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Allerdings sind bei den allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen (§ 33 Einkommensteuergesetz = EStG) nur dann Kosten absetzbar, wenn die sogenannte zumutbare Belastung überschritten wird. Diese unterscheidet sich von Person zu Person und hängt ab von der Höhe Ihrer Einkünfte, vom Familienstand und der Kinderzahl. Die zumutbare Belastung liegt bei 1 bis 7 Prozent Ihrer gesamten Einnahmen.

Das Urteil des BFH vom 19. Januar 2017 (Az. VI R 75/14) ändert die bisherige Berechnung der zumutbaren Belastung. Diese fällt jetzt generell niedriger aus, sodass diese Schwelle von allen Steuerpflichtigen leichter überwunden werden kann. Denn erst Kosten darüber zahlen sich bei den allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen aus und mindern dann die Steuerlast.

Die Kosten für einen Zivilprozess dürfen Sie seit 2013 grundsätzlich nicht mehr absetzen. Dazu zählen auch Scheidungen. Es gibt nur eine Ausnahme: Wenn Sie die juristische Auseinandersetzung führen müssen, um Ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage nicht zu gefährden. Die Anwalts- und Gerichtskosten müssen also dazu dienen, Ihre lebensnotwendigen Einkünfte zu sichern. Denkbar wäre ein Steuerabzug bei einem zerstrittenen Ehepaar, das von einem gemeinsamen Betrieb lebt.

Bei den besonderen außergewöhnlichen Belastungen (§§ 33a33b EStG) hingegen kommt es nicht auf die zumutbare Belastung an. Besondere außergewöhnliche Belastungen sind ab dem ersten Cent absetzbar. Dafür gibt es Pauschalen oder Höchstbeträge. Beispiele hierfür sind

  • der Unterhaltshöchstbetrag in Höhe des Grundfreibetrags (2016: 8.652 Euro, 2017: 8.820 Euro, 2018: 9.000 Euro) für Unterhaltszahlungen an bedürftige Personen,
  • Behinderten-Pauschbeträge zwischen 310 Euro und 3.700 Euro,
  • der Ausbildungsfreibetrag in Höhe von maximal 924 Euro für volljährige Kinder, die auswärts wohnen,
  • der Pflege-Pauschbetrag von 924 Euro für diejenigen, die unentgeltlich jemanden häuslich pflegen und
  • der Hinterbliebenen-Pauschbetrag von 370 Euro.

Handwerkerkosten, haushaltsnahe Dienstleistungen - Haben Sie 2016 eine Putzhilfe oder einen Handwerker in Ihrem Haushalt beauftragt und die Rechnung überwiesen? Dann können Sie sich über die Steuererklärung 20 Prozent der Arbeits- und Fahrtkosten zurückholen – als Steuererstattung. Falls Sie dies noch mit einer als Minijobber beschäftigten Haushaltshilfe kombinieren, können Sie sich maximal 5.710 Euro an Steuern zurückerstatten lassen.

Generell lohnt sich das Erstellen einer freiwilligen Steuererklärung in folgenden Situationen:

  • Sie waren nicht das gesamte Jahr 2016 beschäftigt, sind vielleicht nach einem Studienabschluss Berufseinsteiger;
  • wenn Sie Ausbildungskosten für ein Erststudium als vorweggenommene Werbungskosten geltend machen wollen statt nur als Sonderausgaben und von einem möglicherweise steuerzahlerfreundlichen Urteil des Bundesverfassungsgerichts profitieren möchten;
  • Zusammenveranlagte, die eine ungünstige Kombination der Steuerklassen gewählt haben;
  • Sie sind alleinerziehend und haben sich nicht die Steuerklasse 2 eintragen lassen;
  • Sie beanspruchen die Arbeitnehmersparzulage;
  • Sie möchten einen verbleibenden Verlustvortrag feststellen lassen oder
  • nachträglich die Kirchensteuer auf Kapitalerträge angeben, die nicht zusammen mit der Abgeltungssteuer einbehalten wurden. Das gilt für kirchensteuerpflichtige Anleger, die dem Datenabruf zur Kirchensteuererhebung widersprochen haben.


Sie wissen nicht, welches Finanzamt für Sie zuständig ist? Hier finden Sie Ihr Finanzamt, an das Sie die Steuererklärung schicken müssen. Noch einfacher: Erstellen Sie eine elektronische Steuererklärung entweder direkt mit Elster-Formular oder mit einer Steuersoftware. Das Steuermodernisierungsgesetz, das Anfang 2017 in Kraft getreten ist, fördert die elektronische Steuererklärung. Privatleute dürfen aber weiterhin auch Papierformulare ausfüllen.

Welche Formulare Sie ausfüllen müssen

Den Mantelbogen („ESt 1 A“) zur Einkommensteuererklärung muss jeder ausfüllen. Dazu können weitere Formulare kommen. Kreuzen Sie im Mantelbogen den entsprechenden Bogen an, wenn Sie ihn beilegen.

Anlage N - Alle Arbeitnehmer müssen hier ihren Lohn und ihre Werbungskosten eintragen. Ab Zeile 11 sind Versorgungsbezüge anzugeben. Dazu gehören Pensionen von früheren Beamten, Betriebs-, Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsrenten für frühere Dienstverhältnisse. Solche Versorgungsbezüge werden nach Paragraf 19 Absatz 2 EStG günstiger besteuert.

Anlage N-AUS - In diesem Formular geben Sie ausländische Einkünfte an sowie Werbungskosten zu steuerfreiem Lohn aus einer Angestelltentätigkeit. Das Besteuerungsrecht für ausländische Einkünfte regeln Doppelbesteuerungsabkommen (DBA), zwischenstaatliche Übereinkommen (ZÜ) und der Auslandstätigkeitserlass (ATE). Diese Regeln legen fest, welcher Staat Steuern einbehalten darf.

Anlage R - Rentner müssen hier ihre Altersbezüge und ihre Werbungskosten angeben. 

Anlage V - Wer Einnahmen aus einer Vermietung erzielt, muss sie dort angeben. In dieses Formular tragen Vermieter und Verpächter auch ihre Werbungskosten ein. Dazu gehört die Abschreibung, Schuldzinsen und weitere Kosten, die mit der vermieteten Immobilie zusammenhängen.

Falls Sie nur ab und zu Ihr selbst genutztes Zimmer oder Ihre Wohnung (unter-)vermieten – zum Beispiel über Airbnb –, dann profitieren Sie von einer Freigrenze von 520 Euro im Jahr. Bis zu dieser Summe sind die Einkünfte gemäß einer Vereinfachungsregel der Finanzämter steuerfrei und müssen nicht angemeldet werden. Sobald die Einkünfte diesen Betrag übersteigen, sind sie komplett steuerpflichtig. Zu den Einnahmen zählen auch die vom Mieter bezahlten Nebenkosten.

Anlage S - Dieses Formular müssen Selbstständige abgeben. Außerdem müssen dort Übungsleiter und Ehrenamtliche ihre Einkünfte eintragen.

Anlage EÜR - Freiberufler müssen eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) nach der vorgegebenen Struktur des Formulars abgeben. Dies ist im Vergleich zur Bilanzierung eine einfachere Form der Gewinnermittlung.

Anlage G - Gewerbliche Einkünfte sind hier einzutragen, dazu zählen auch Einspeisevergütungen von Betreibern einer Photovoltaikanlage. Sind beide Ehepartner Eigentümer der Anlage und beziehen jeweils beispielsweise die Hälfte der Einkünfte, muss jeder eine Anlage G ausfüllen. Gewerbliche Einkünfte führen in aller Regel dazu, dass auch eine Gewerbesteuererklärung abzugeben ist.

Anlage Kind - Wenn Sie Kinder haben, müssen Sie für jedes Kind eine Anlage Kind ausfüllen. Dort tragen Sie die Höhe Ihres Anspruchs auf das Kindergeld ein. 2016 ist das Kindergeld gestiegen: auf 190 Euro monatlich jeweils fürs erste und zweite Kind. Hatten Sie für das ganze Jahr Anspruch darauf, sind das für die ersten beiden Kinder jeweils 2.280 Euro; für das dritte Kind jährlich 2.352 Euro und ab dem vierten Kind jeweils 2.652 Euro jährlich.

Ob für Sie das Kindergeld oder die Anrechnung des Kinderfreibetrags günstiger ist, ermittelt das Finanzamt. Es berücksichtigt auch die kinderbezogenen Freibeträge, wenn es den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer berechnet. In jeder Anlage Kind müssen Sie für jedes Kind die Steuer-Identifikationsnummer eintragen.

Auf diesem Formular können Alleinerziehende, deren Kind bei ihnen wohnt, den Entlastungsbetrag beantragen. Wem die Entlastung zusteht, der kann den Betrag schon vom Arbeitgeber bei der monatlichen Lohnabrechnung berücksichtigen lassen. Dafür sollten sich Alleinerziehende die Steuerklasse 2 als elektronisches Lohnsteuerabzugsmerkmal beim Finanzamt eintragen lassen. Das geht mit einem Antrag auf Lohnsteuerermäßigung. Dann haben sie bereits monatlich ein höheres Nettogehalt und nicht erst nach der Steuererstattung.

Tipp

Kinderfreibetrag zu niedrig?

Das Bundesverfassungsgericht muss darüber entscheiden, ob der Kinderfreibetrag zu niedrig ist. Vorgelegt hat diese Frage das Finanzgericht Niedersachsen, das nicht nur davon überzeugt ist, dass der Kinderfreibetrag 2014 um mindestens 72 Euro zu gering ausgefallen ist, sondern generell die Berechnung als verfassungswidrig betrachtet (Az. 7 K 83/16).

Sollten sich die Verfassungsrichter diesem Urteil anschließen, winkt sehr vielen Familien eine Nachzahlung – möglicherweise zusätzlich 6 Prozent Nachzahlungs-Zinsen im Jahr. Denn obwohl der Kinderfreibetrag nur in rund 5 Prozent der Steuerfälle dem alternativen Kindergeld bei der Berechnung der Steuererklärung zuvorkommt, wirkt er sich bei der Festsetzung der Kirchensteuer und des Solidaritätszuschlags aus.

Tatsächlich lassen bundesweit die Finanzämter die Steuerbescheide wegen des um 72 Euro zu niedrigen Kinderfreibetrags offen. Möglicherweise wird das Bundesverfassungsgericht auch die Berechnung beanstanden, doch Mitte Februar 2017 gibt es noch nicht einmal ein Aktenzeichen für das anhängige Verfahren. Deshalb sollten Eltern bis dahin sicherheitshalber binnen eines Monats Einspruch gegen ihren Steuerbescheid einlegen.

Alleinerziehende können die Anlage Kind nutzen, um sich den Entlastungsbetrag zu sichern in Höhe von 1.908 Euro für das erste Kind und einem Zuschlag von 240 Euro für jedes weitere Kind im Haushalt. Bei drei Kindern sind das immerhin 2.388 Euro. Auch hier sind die Steuer-Identifikationsnummern der Kinder anzugeben. Achtung: Wer beispielsweise mit einem Lebensgefährten in derselben Wohnung zusammenwohnt, schließt den Entlastungsbetrag aus.

Auch die Kosten für eine Kindertagesstätte, Hort, Tagesmutter oder Hausaufgabenbetreuung zu Hause sollten Sie in der Anlage Kind eintragen. Diese können Sie als Sonderausgaben absetzen und so das zu versteuernde Einkommen mindern. Das gilt für zwei Drittel der Betreuungskosten von maximal 6.000 Euro, also bis zu 4.000 Euro, falls die Kinder jünger als 14 Jahre sind. Ansetzen können Sie beispielsweise die Kindergartengebühren oder die Ausgaben für eine Kindertagesstätte, für eine Tagesmutter oder eine Hausaufgabenbetreuung zu Hause (Anlage Kind, Seite 3, Zeilen 67 bis 73).

Tipp

Bei Nachzahlung freiwillige Erklärung zurückziehen

Falls Sie freiwillig eine Steuererklärung abgegeben haben und keine Erstattung bekommen, sondern eine Nachzahlung leisten müssen, sollten Sie innerhalb eines Monats dem Bescheid widersprechen und Ihre freiwillig abgegebene Steuererklärung zurücknehmen; sie gilt dann als nicht abgegeben. Beantragen Sie dazu die „Aussetzung der Vollziehung“, weil Sie ansonsten das Geld zunächst überweisen müssten.

Anlage Vorsorgeaufwand - Für Ihre Kranken-, Pflege-, Renten-, Betriebsrenten-, Rürup-Renten-, Erwerbs-, Berufsunfähigkeits-, Risikolebens-, Kapitallebens-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen sowie weitere Altersvorsorgeaufwendungen benötigen Sie dieses Formular. Bei diesen Versicherungen geht es immer um den Schutz des Lebens.

Anlage AV - Sie ist für jeden Riester-Sparer relevant. Über die Steuererklärung können sie neben den dann anzurechnenden Zulagen einen zusätzlichen Sonderausgabenabzug beantragen. Die Kinderzulagen bekommt in aller Regel die Mutter. Zu den gezahlten Altersvorsorgebeiträgen zählen auch Tilgungsbeträge für einen Wohn-Riester-Vertrag. Landwirte tragen im Feld „Sozialversicherungsnummer“ ihre Mitgliedsnummer in der Alterskasse ein.

Anlage KAP - Hier sind Kapitaleinkünfte wie Zinsen und Dividenden einzutragen. Viele Sparer schöpfen ihren Sparer-Freibetrag von 801 Euro pro Person nicht einmal aus und müssen dann die Anlage KAP in aller Regel nicht ausfüllen. Für die meisten Kapitaleinkünfte ziehen bereits Banken und Versicherungen vor der Ausschüttung 25 Prozent Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ab. Mit dieser pauschalen Steuer ist die Steuerpflicht erfüllt. Wer Kapitalerträge aus dem Ausland bezieht, muss diese hingegen in der Anlage KAP erklären.

Anlage SO - Wer ein Grundstück innerhalb von zehn Jahren nach der Anschaffung verkauft, erzielt möglicherweise einen Gewinn aus einem privaten Veräußerungsgeschäft. Solche sonstigen Einkünfte sind in der Anlage SO zu erklären. Weitere sonstige Einkünfte sind solche aus gelegentlichen Vermittlungen wie beispielsweise die Vermietung eines Wohnmobils, Abgeordnetenbezüge, erhaltene Unterhaltsleistungen sowie Ausgleichsleistungen vom Ex-Partner, um den Versorgungsausgleich zu vermeiden.

Der Leistende muss die Anlage U und der Empfänger zudem die Anlage SO ausfüllen.

Für „Einkünfte aus Leistungen“ wie der gelegentlichen Vermietung eines Autos oder eines anderen beweglichen Gegenstands hat jeder einen Freibetrag von 256 Euro im Jahr (§ 22 Nummer 3 EStG).

Wer ansonsten hin und wieder Dinge mit Gewinn verkauft, wird möglicherweise gewerblich tätig und muss dann die Anlage G ausfüllen. Zudem könnten neben der Einkommensteuer zusätzlich auch Gewerbe- und Umsatzsteuer anfallen.

Tipp

Niedrigverdiener sollten Anlage KAP ausfüllen

Sparer, die mit ihren gesamten zu versteuerndem Einkommen einen Grenzsteuersatz unterhalb von 25 Prozent haben, sollten die Anlage KAP ausfüllen. Dies wäre bei einem Alleinstehenden mit einem zu versteuernden Einkommen bis 16.000 Euro der Fall; bei Zusammenveranlagten bis 32.000 Euro. Dann empfehlen wir, in Zeile 4 eine Günstigerprüfung zu beantragen. Das Finanzamt erstattet infolgedessen zu viel bezahlte Abgeltungssteuer. Auch wer keine oder zu geringe Freistellungsaufträge bei seinen Banken gestellt hat, sollte sich über die Anlage KAP die zu viel bezahlte Steuer zurückholen. Sinnvoll ist die Anlage KAP auch, um Gewinne und Verluste in verschiedenen Bankdepots miteinander saldieren zu können.

Diese Ausgaben mindern die Steuern

Die wichtigste Ausgabenkategorie für Arbeitnehmer sind die Werbungskosten.

Jede Mehrausgabe über der Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro zählt
Ihr zu versteuerndes Einkommen als Arbeitnehmer reduziert das Finanzamt immer um die Arbeitnehmerpauschale. Diese beträgt 1.000 Euro, die Sie nicht versteuern müssen. Doch oft ist noch mehr drin. Wenn Ihre beruflichen Ausgaben diesen Pauschbetrag übersteigen, zählt jeder zusätzliche Euro. Arbeitnehmer etwa, die täglich 15 Kilometer zur Arbeit fahren, kommen allein mit ihren Fahrtkosten meist schon über den Pauschbetrag. Diese werden nach der Entfernungspauschale mit 30 Cent für jeden Kilometer der einfachen Strecke berechnet.

Fahren Sie beispielsweise an 230 Tagen im Jahr 15 Kilometer zur Arbeit, kommen schon 1.035 Euro an Fahrtkosten zusammen. Alle weiteren Ausgaben sind bares Geld wert. Bei einer Fünf-Tage-Woche akzeptieren Finanzämter in aller Regel 220 bis zu 230 Tage für die Entfernungspauschale, bei einer Sechs-Tage-Woche sind es 50 Tage mehr. Einen bundeslandspezifischen Arbeitstagerechner finden Sie hier.

Ihre Daten tragen Sie in Anlage N, Seite 2, Zeile 31 bis 39 ein.

Weitere absetzbare Werbungskosten
In das Feld „Weitere Werbungskosten“ in der Anlage N ab Zeile 45 können Sie alles eintragen, was Sie für Ihren Job oder für die Karriere ausgegeben haben: etwa Fortbildungs- oder Bewerbungskosten. Auch vom Arbeitgeber nicht erstattete Fahrtkosten für Dienstreisen, Schreibzubehör, Fachliteratur, die Sie beruflich benötigen, selbst finanzierte Fortbildungskosten oder die Mitgliedschaft in einem Berufsverband, dürfen Sie angeben, wenn Sie die Ausgaben belegen können. Telefonieren Sie häufig von Ihrem privaten Festnetz- und Mobilfunkanschluss aus für Ihre Firma, ohne dass Sie hierfür etwas erstattet bekommen, dann können Sie auch Telefon- und Internetkosten in der Steuererklärung ansetzen.

Nutzen Sie Ihr Smartphone oder Ihren Laptop teilweise beruflich, so können Sie den beruflichen Anteil absetzen. Arbeitsmittel mit einem Anschaffungspreis bis 487,90 Euro dürfen Sie sofort komplett absetzen, teurere Gegenstände müssen Sie über die Nutzungsdauer abschreiben.

Feierkosten können absetzbar sein, wenn Sie beispielsweise in Ihrer Firma mit Ihren Kollegen ein Betriebsjubiläum oder einen Geburtstag feiern. Sogar Bewirtungsaufwendungen können Sie unter bestimmten Voraussetzungen geltend machen. Kontoführungsgebühren erkennt das Finanzamt bis 16 Euro ohne Nachweis an. 

Großzügiger als der BFH ist die Finanzverwaltung, wenn Sie auf dem Weg zur Arbeit einen Autounfall bauen: Sie dürfen die Kosten, die Ihnen nicht erstattet werden, in der Steuererklärung angeben. Diese sind dann zusätzlich zur Entfernungspauschale absetzbar. Zu den möglichen Kostenpositionen zählen unter anderem: selbst getragene Reparaturkosten, Schäden an Kleidung und Gegenständen, Krankheitskosten, Fahrtkosten zu Ärzten und Werkstätten, Anwalts-, Gerichts- und Sachverständigenkosten, Aufwendungen für Mietwagen sowie Bergungs- und Abschleppkosten.

Falls Sie ein Arbeitszimmer in Ihrer Wohnung nutzen, können Sie diese Kosten mit bis zu 1.250 Euro im Jahr geltend machen. Bedingung: Für die berufliche Tätigkeit steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung. Dies gilt beispielsweise für Lehrer und viele Außendienstmitarbeiter. Nutzen Sie das Arbeitszimmer zu mehr als 10 Prozent privat, ist kein Steuerabzug möglich. Außerdem darf es kein Durchgangszimmer sein und es genügt auch keine Arbeitsecke. Ihre weiteren Werbungskosten tragen Sie in Anlage N, Seite 2, ab Zeile 43 ein.

Mehr dazu finden Sie im Ratgeber Werbungskosten.

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Tipp

Belege sammeln lohnt sich

Auch wenn Sie zunächst annehmen, dass Sie mit Ihren Werbungskosten nicht über die Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro kommen, sollten Sie bereits ab Jahresbeginn alle berufsbedingten Belege sammeln. Denn erst am Jahresende können Sie mit Sicherheit berechnen, wie hoch Ihre Werbungskosten insgesamt ausfallen.

So holen Sie sich einen Teil Ihrer Renovierungskosten zurück
Der Fiskus beteiligt sich an den Sanierungs-, Reparatur- und Montageaufwendungen in Ihrer Wohnung. Ob Tapetenwechsel, neue Fliesen, eine Reparatur des Geschirrspülers oder ein renoviertes Bad – Ausgaben für solche Handwerkerarbeiten sollten Sie in Ihrer Steuererklärung eintragen. 20 Prozent der gezahlten Arbeits- und Fahrtkosten bekommen Sie als Steuerrabatt zurück, maximal 1.200 Euro pro Jahr. So können Sie insgesamt Rechnungen bis 6.000 Euro zu Ihrem Vorteil nutzen. Die Gerätekosten des Handwerkers fallen ebenfalls darunter, nicht jedoch Materialaufwendungen.

Voraussetzung ist, dass Ihnen der Maler oder Fliesenleger eine Rechnung stellt und Sie den Betrag überweisen. Erfreulicherweise beinhaltet das neue Schreiben des BMF vom 9. November 2016 auch bislang umstrittene Leistungen. So müssen Finanzbeamte jetzt auch anerkennen:

  • komplette Schornsteinfegerkosten,
  • etliche gutachterliche Aufwendungen beispielsweise für Messungen für einen Kaminofen, Gastherme oder Ölheizung,
  • TÜV-Kontrolle beim Aufzug,
  • Überprüfung einer Blitzschutzanlage,
  • Dichtheitsprüfung bei Abwasserleitungen,
  • Legionellenprüfung,
  • Abflussrohrreinigung,
  • Wartung der Heizungsanlage und
  • die Hausanschlusskosten an die Versorgungs- und Entsorgungsnetze, wenn sie keine Herstellungskosten darstellen, weil für Neubauten generell keine Handwerkerkosten absetzbar sind.


Das BMF-Schreiben listet ab Seite 25 konkret auf, welche Maßnahmen begünstigt sind und ob es in die Kategorie Handwerkerleistung oder haushaltsnahe Dienstleistung gehört. Grundsätzlich müssen die geförderten Maßnahmen innerhalb des Haushalts durchgeführt werden. Doch auch hier zeigt sich die Finanzverwaltung nach einer Reihe steuerzahlerfreundlicher Urteile großzügiger.

Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen direkt von der Steuer abziehen
Winterdienst auf öffentlichen Gehwegen ist daher eine der begünstigten haushaltsnahen Dienstleistungen. Selbst wenn Sie zur Miete wohnen, können Sie diese Steuervorteile nutzen. Was Ihr Vermieter an Handwerkerleistungen oder haushaltsnahe Dienstleistungen im Mietshaus auf die Nebenkostenrechnung setzt, können Sie komplett in der Steuererklärung eintragen: Ausgaben für den Hausmeister, die Treppenhausreinigung, den Gärtner oder den Winterdienst zum Beispiel können Sie als haushaltsnahe Dienstleistung geltend machen. Legen Sie der Steuererklärung einfach Ihre Betriebskostenabrechnung als Kopie bei (Mantelbogen, Seite 3, ab Zeile 72).

Haben Sie für eine Pflegekraft, Putzhilfe oder für die Betreuung Ihrer Katze oder eines anderen Haustiers Geld ausgegeben und haben Sie sich dafür eine Rechnung ausstellen lassen, können Sie 20 Prozent von insgesamt maximal 20.000 Euro, also höchstens 4.000 Euro, als Steuererstattung zurückholen. Finanzämter müssen dies akzeptieren, nachdem das BMF die Tierbetreuung in dem oben genannten Schreiben neu in den Katalog mitaufgenommen hat.

Außerdem möglich: Sie haben eine Haushaltshilfe als Minijobber beschäftigt – dann sind hierfür maximal 510 Euro Steuerermäßigung drin. Falls Sie alle drei Kategorien an Hilfen im Haushalt kombinieren, können Sie somit über die Steuererklärung insgesamt bis zu 5.710 Euro zurückholen.

Holen Sie sich Geld für den Umzug zurück
Falls Sie 2016 aus beruflichen Gründen umgezogen sind, können Sie auch diese Kosten steuerlich als Werbungskosten geltend machen. Dies gilt beispielsweise, wenn Sie

  • als Berufseinsteiger zum Arbeitsort ziehen,
  • den Job gewechselt haben,
  • vom Arbeitgeber versetzt wurden oder
  • sich durch den Umzug Ihr Arbeitsweg täglich um mindestens eine Stunde verkürzt hat.

Fahrtkosten für Wohnungsbesichtigungen, Maklerkosten, Speditionskosten, doppelte Miete und dergleichen können schnell in die Tausende gehen. Wenn Sie diese Aufwendungen belegen können, ist ein kompletter Abzug als Werbungskosten drin.

Viele Ausgaben wie das Renovieren der alten Wohnung, den Kabelanschluss in der neuen Wohnung und Trinkgelder für die Umzugshelfer müssen Sie nicht einzeln nachweisen. Dafür können Sie eine Umzugskostenpauschale ansetzen. Ehepaare, die ab März 2016 aus beruflichen Gründen umgezogen sind, können in der Steuererklärung pauschal 1.493 Euro geltend machen, Singles 746 Euro; für Umzüge im Januar und Februar 2016: 1.460 Euro (Zusammenveranlagte) beziehungsweise 730 Euro. Für weitere Personen im Haushalt gibt es sogar noch einen Zuschlag; ebenfalls, wenn Sie innerhalb von fünf Jahren bereits das zweite Mal umgezogen sind. Und falls Ihr Kind Nachhilfe benötigte, weil es beispielsweise in einem anderen Bundesland zur Schule gehen musste, sind hierfür umzugsbedingte Unterrichtskosten-Pauschalen ansetzbar. Mehr dazu im Ratgeber Umzugskosten.

Bei einem privaten Umzug können Sie 20 Prozent der Arbeits- und Fahrtkosten für die Umzugshelfer als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen (Mantelbogen, Seite 3, Zeile 72). Müssen Sie aus gesundheitlichen Gründen umziehen, kommt ein Abzug als außergewöhnliche Belastung infrage.

Tipp

Bonuszahlung der Krankenkasse

Haben Sie erfolgreich an einem Gesundheitsprogramm Ihrer Krankenkasse teilgenommen und deshalb einen Bonus erhalten? Auch dann können Sie Ihre ungekürzten Beiträge für die Krankenversicherung angeben. Der Bonus gilt nicht als Beitragsrückerstattung, sondern als Zuschuss der Krankenkasse für gesundheitsbewusstes Verhalten, hat der BFH entschieden (Urteil vom 1. Juni 2016, Az. X R 17/15). Geben Sie also in solchen Fällen die kompletten Krankenversicherungsbeiträge in der Steuererklärung an. Neuerdings müssen dies die Finanzämter akzeptieren (Schreiben des BMF vom 6. Dezember 2016).

Sowohl für Renten als auch Pensionen gilt seit 2005 gleichermaßen die nachgelagerte Besteuerung. Das heißt, dass prinzipiell erst bei der Auszahlung Steuern anfallen. Doch bis zum Jahr 2040 gilt der Übergangszeitraum für den Systemwechsel. Zahlen Sie Beiträge für die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung, dann tragen Sie diese in der Anlage Vorsorgeaufwand ein. Zu den Vorsorgeaufwendungen gehören auch Beiträge für berufsständische Versorgungswerke oder Einzahlungen in Rürup-Verträge. Aktuell können Sie 82 Prozent Ihrer gezahlten Beiträge (2016 bis maximal 22.767 Euro) als Sonderausgaben geltend machen, Alleinstehende folglich höchstens 18.669 Euro, Zusammenveranlagte maximal 37.338 Euro.

Ausgaben wie Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (ohne ergänzende Wahlleistungen) gehören zu den Sonderausgaben, die Sie in voller Höhe absetzen können. Dazu zählen auch die private Krankenversicherung oder weitere Versicherungen wie Pflege-, Arbeitslosen-, Haftpflicht-, Unfall- und die klassische private Lebensversicherung, sofern Sie diese vor 2005 abgeschlossen haben. Diese Beiträge können Sie zusätzlich zu Ihren Aufwendungen für die Altersvorsorge anrechnen. Diese Angaben sind in der Anlage Vorsorgeaufwendungen zu machen.

Achtung: Solche Versicherungsbeiträge wirken sich nur aus, wenn Sie die dafür geltenden jährlichen Höchstbeträge von 1.900 Euro für Arbeitnehmer und 2.800 Euro für Selbstständige nicht schon durch Ihre Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung ausgeschöpft haben. Das ist allerdings bei den meisten Arbeitnehmern der Fall.

Das können Riester-Sparer geltend machen
Wenn Sie Anspruch auf die Riester-Förderung haben und die Zulagen erhalten, profitieren Sie möglicherweise von einem zusätzlichen Sonderausgabenabzug von bis zu 2.100 Euro. Das Finanzamt stellt automatisch fest, was für Sie besser ist: die Riester-Zulagen oder der Sonderausgabenabzug. Sie erhalten die Förderung, die für Sie am günstigsten ist. Dazu müssen Sie aber die einseitige Anlage AV ausfüllen.

Für die Maximalförderung ist ein eigener Mindestbeitrag von 4 Prozent des Bruttogehalts zu leisten, dazu gehören die Grundzulage und die Kinderzulagen. Übrigens: Falls die Günstigerprüfung des Finanzamts ergibt, dass die Steuerersparnis höher ausfällt als die Zulagen, zahlt es die Differenz als Steuererstattung aus. Im Steuerbescheid saldiert es die gewährten Zulagen mit der Steuerlast, die hierdurch reduziert wird.

Sonderausgaben angeben
Bis 36 Euro (72 Euro bei zusammen veranlagten Ehepaaren oder eingetragenen Lebenspartnern) berücksichtigt das Finanzamt Sonderausgaben ohne Nachweise. Zu den Sonderausgaben zählen neben der Kirchensteuer in voller Höhe auch Spenden, Ausgleichsleistungen zur Vermeidung des Versorgungsausgleichs sowie auch Unterhaltszahlungen an den Ex-Partner. Übernehmen Sie für ihn oder sie die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, so sind zumindest die Beiträge für den Basisschutz zusätzlich absetzbar.

Achtung

Steuer-ID beim Unterhalt

Unterhaltsleistungen etwa an den getrennt lebenden oder geschiedenen Ehegatten können Sie im Jahr 2016 bis maximal 13.805 Euro als Sonderausgabe absetzen. Zusätzlich absetzbar sind noch für den Ex-Partner übernommene Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung. Den Zahlungsbetrag tragen Sie im Mantelbogen auf Seite 2 ein und zusätzlich auch in der Anlage U im Abschnitt A. Im Abschnitt B dieses Formulars benötigen Sie die Unterschrift des Zahlungsempfängers und auch dessen Steuer-Identifikationsnummer. Dieses Verfahren heißt Realsplitting. Falls der Unterhaltsempfänger, der die Einnahmen versteuern muss, die Unterschrift verweigert, bleibt alternativ der Abzug als außergewöhnliche Belastung. Hier sind bis zu 8.652 Euro absetzbar. Die Steuer-ID wird immer wichtiger. Sie benötigen diese auch für Freistellungsaufträge und für das Kindergeld.

Haben Sie 2016 beispielsweise für die Unterstützung von Flüchtlingen Geld oder Sachen gespendet? Spenden an eine gemeinnützige Organisation können Sie bis zu 20 Prozent Ihrer Gesamteinkünfte als Sonderausgaben absetzen. Dafür benötigen Sie eine vom Empfänger ausgestellte Zuwendungsbestätigung. Der Fiskus honoriert Spenden an gemeinnützige Vereine, amtlich anerkannte Verbände der freien Wohlfahrtspflege oder juristische Personen des öffentlichen Rechts wie beispielsweise eine Universität.

Jede Spendenquittung zahlt sich aus, weil Sonderausgaben das zu versteuernde Einkommen reduzieren, sobald sie über dem Pauschbetrag von 36 Euro (72 Euro für Zusammenveranlagte) liegen. Bei Spenden und Mitgliedsbeiträgen bis zu 200 Euro je Zahlung reicht als Nachweis in der Regel der Kontoauszug. Dieser vereinfachte Nachweis ist auch bei Beträgen von mehr als 200 Euro möglich, sofern die Zahlung auf ein bestimmtes Sonderkonto geht und innerhalb eines festen Zeitraums gezahlt wird, etwa bei Spenden für Flüchtlinge oder nach einer Naturkatastrophe – konkret für die Unwetter im Mai/Juni 2016 in Deutschland (für Spenden im Zeitraum vom 29. Mai bis 31. Dezember 2016) und für die Erdbebenopfer aus Ecuador (für Spenden im Zeitraum vom 16. April bis 31. Dezember 2016).

Spenden und Mitgliedsbeiträge an politische Parteien können Sie zur Hälfte direkt von Ihrer Steuerschuld abziehen – bis maximal 825 Euro im Jahr, bei zusammen veranlagten Ehepaaren oder Lebenspartnern sind es 1.650 Euro. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber Spenden als Sonderausgaben.

Tipp

Einfacher Nachweis

Bis 100 Euro können die Finanzämter Ihre Spenden auch ohne Belege anerkennen, wenn Sie eine Auflistung der einzelnen Ausgaben und der Empfänger beilegen. Tragen Sie Ihre Aufwendungen im Mantelbogen, Seite 2, ab Zeile 45 ein.

Krankheitskosten von der Steuer absetzen
Eine Behinderung, Krankheit oder Naturkatastrophe sind außerordentliche private Ereignisse, bei denen Sie unter bestimmten Voraussetzungen auf einen Steuernachlass hoffen können. Ob außergewöhnliche Belastungen hierfür infrage kommen, hängt ab von der Höhe Ihrer Einkünfte, vom Familienstand und der Kinderzahl. Generell müssen Sie Ihre zumutbare Belastung überschreiten. 

Häufigster praktischer Anwendungsfall sind hohe Aufwendungen für gesundheitliche Probleme. Brillen, Zahnersatz, Physiotherapie und Akupunktur sind typische Krankheitskosten, die Sie absetzen können, genauso wie selbst getragene Krankenhaus- und Arztkosten, Ausgaben für ärztlich verordnete, aber nicht rezeptpflichtige Arzneimittel und die Rezeptgebühr. Allenfalls als außergewöhnliche Belastungen können privat Krankenversicherte einen Selbstbehalt gelten machen. Damit können sie ihre Prämie für die Versicherung reduzieren, weil sie selbst die Krankheitskosten in der vereinbarten Höhe tragen. Als Sonderausgaben ist ein solcher Selbstbehalt nicht abzugsfähig, entschied der BFH in einem Urteil vom 1. Juni 2016 (Az. X R 43/14).

Stirbt ein Angehöriger und Sie übernehmen hierfür die Beerdigungskosten können diese Kosten abzugsfähig sein, wenn die Kosten das Erbe übersteigen.

Für bedürftige Personen, beispielsweise ein mittelloses Kind, für das es kein Kindergeld (mehr) gibt, ein pflegebedürftiger Angehöriger oder ein Flüchtling, den Sie 2016 unterstützt haben, dürfen Sie bis zu 8.652 Euro absetzen. Haben Sie zudem auch die Beiträge zur Basis-Krankenversicherung und gesetzlichen Pflegeversicherung übernommen, dürfen Sie diese darüber hinaus geltend machen.

Bei Scheidungskosten ist immerhin der Abzug der Anwalts- und Gerichtskosten für die Scheidung selbst und den Versorgungsausgleich möglich.

Ehrenamt: Helfen mit finanziellem Ausgleich
Für eine ehrenamtliche Tätigkeit, beispielsweise als Sporttrainer einer Amateurmannschaft, dürfen Sie bis zu 2.400 Euro jährlich steuerfrei als Übungsleiterpauschale annehmen. Für ein Ehrenamt in einer gemeinnützigen Organisation können Sie bis zu 720 Euro erhalten, ohne dafür Steuern zu entrichten. Sie müssen diese Einnahmen aus einer nebenberuflichen Tätigkeit in der Anlage S eintragen.

Sie können beide Pauschalen nutzen, aber nicht für dieselbe Tätigkeit. Üben Sie verschiedene Ehrenämter aus, die gesondert vergütet werden, können Sie zusätzlich zur Übungsleiterpauschale auch vom Ehrenamtsfreibetrag profitieren. Zum Beispiel, wenn Sie als Trainer für einen Sportverein tätig sind und auch die Vereinskasse hüten (Anlage S, Seite 2, Zeile 46 und 47).

Allgemeine Frist endete am 31. Mai 2017

Die allgemeine gesetzliche Abgabefrist für die Einkommensteuererklärung 2016 endete am 31. Mai 2017. Bis dahin musste sie beim Finanzamt eintreffen. Brauchen Sie mehr Zeit, können Sie eine Fristverlängerung bis zum 30. September beantragen. Sie sollten den Antrag begründen, etwa damit, dass Ihnen noch nicht alle Unterlagen vorliegen oder Sie wegen einer langwierigen Krankheit verhindert sind. In den meisten Fällen genügt hierfür ein Anruf, ansonsten schreiben Sie einen kurzen Brief. Falls das Finanzamt eine E-Mail-Adresse auf Bescheiden bekannt gibt, dann können Sie Ihren Antrag per Mail stellen.

Beauftragen Sie einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein, dann haben Sie sogar bis Silvester 2017 Zeit – ohne dies extra beantragen zu müssen. Eine weitere Fristverlängerung um zwei Monate ist auf Antrag noch zusätzlich drin. In Hessen gilt der 28. Februar 2018 sogar als offizieller Termin für den Fristablauf – aber nur für beratene Steuerpflichtige.

Das Steuermodernisierungsgesetz bringt zahlreiche Änderungen rund um die Steuererklärung. Den späteren Abgabetermin gibt es jedoch erstmals für die Steuererklärung 2018; dann haben alle mindestens zwei Monate mehr Zeit, zahlen aber auch einen automatischen Verspätungszuschlag, wenn dieser Termin nicht eingehalten wird.

Das Steuermodernisierungsgesetz ist am 1. Januar 2017 in Kraft getreten und wird schrittweise bis 2022 umgesetzt. Das Gesetz fördert vor allem die elektronische Steuererklärung. Deren Anteil soll von rund 50 Prozent im Jahr 2016 weiter steigen.

Wer seine Steuererklärung freiwillig abgeben will, hat dafür vier Jahre Zeit. Sie können sich daher 2017 noch Ausgaben aus dem Jahr 2013 zurückholen, falls Sie die Steuererklärung bis zum Jahresende 2017 einreichen. Für das Jahr 2016 haben Freiwillige also bis zum 31. Dezember 2020 Zeit.

Kommt dann der Steuerbescheid, haben Sie einen Monat Zeit, ihn zu prüfen und Einspruch einzulegen, falls Sie mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind oder Fehler in der Berechnung entdecken. Wie Sie am besten vorgehen, lesen Sie in unserem Ratgeber Steuerbescheid ändern.

Tipp

Leichter korrigieren

Das Steuermodernisierungsgesetz bringt seit Jahresanfang 2017 bessere Korrekturmöglichkeiten von Schreib- oder Rechenfehlern. Bei offensichtlichen Unrichtigkeiten muss das Finanzamt den Bescheid ändern, selbst wenn die einmonatige Einspruchsfrist bereits abgelaufen ist. Die Rechtsänderung gilt auch für Fehler auf Papierformularen und für alle ab 2017 erlassenen Bescheide.

Das Steuermodernisierungsgesetz gibt den rechtlichen Rahmen für vollautomatische Prozesse vor. Die Finanzverwaltung baut ein Risikomanagementsystem auf, in dem Steuerpflichtige nach Steuerausfall-Gesichtspunkten klassifiziert werden. Sie will perspektivisch immer mehr Steuererklärungen automatisch bearbeiten und elektronisch gemeldete Daten besser nutzen.

Die massenhaften Standard-Steuererklärungen sollen dann nicht mehr Sachbearbeiter prüfen, sondern sie werden maschinell veranlagt. Wünscht sich ein Steuerpflichtiger, dass sein Fall geprüft wird, oder weicht er steuerrechtlich von der Ansicht der Finanzverwaltung ab, sollte er in einem Freitextfeld etwas eintragen. Das sollte den Fall aus der vollautomatischen Bearbeitung herauswerfen.

In den Finanzämtern von Rheinland-Pfalz beispielsweise werden ab März 2017 alle auf Papier abgegebenen Steuererklärungen zentral gescannt, um sie zu digitalisieren. Steuerpflichtige können sich ihren Bescheid jetzt auch elektronisch zustellen lassen anstatt auf Papier.

Tipp

Einspruch online einlegen

Sie können für Ihre Steuererklärung das kostenlose Programm Elster der Finanzverwaltung nutzen. Als registrierter Nutzer im Elster-Online-Portal loggen Sie sich dort ein. Unter „Formulare“ wählen Sie „Sonstige Formulare“. Dort steht ein Formular zur Verfügung, mit dem Sie elektronisch einen Einspruch einlegen können. Generell können Sie sich gegen den Steuerbescheid mit einem Einspruch innerhalb von einem Monat wehren. Mehr dazu im Ratgeber „Steuerbescheid ändern“.

Kostenlose Hilfe vom Finanzamt

Wenn Ihnen nicht klar ist, was Sie wo eintragen müssen, können Sie kostenlos zunächst die Adressaten Ihrer Steuererklärung befragen: die Finanzbeamten. Finanzämter haben hierfür Servicestellen eingerichtet. Detailfragen können Sie mit Ihrem Sachbearbeiter besprechen.

Elster-Formular, das kostenlose Programm der Finanzverwaltung ist aufgebaut wie die Papierformulare. Auf dem Elster-Online-Portal können Sie sich hierfür registrieren. Im Ratgeber Elster haben wir beschrieben, wie Sie dort vorgehen müssen. Die Finanzverwaltung bietet außerdem einen Belegabruf an, die sogenannte vorausgefüllte Steuererklärung. Dies ist ein kostenloser Service über den Sie viele elektronisch gemeldete Daten (sogenannte E-Daten) für eine elektronische Steuererklärung übernehmen können, ohne dass Sie diese händisch in ein Formular eintragen müssen.

Zu den E-Daten gehören beispielsweise:

Tipp

Pflege-Pauschbetrag

Haben Sie 2016 einen Menschen unentgeltlich häuslich gepflegt, dann steht Ihnen der Pflege-Pauschbetrag von 924 Euro zu. Beantragen können Sie diesen im Mantelbogen auf Seite 3, Zeilen 65 und 66.

  • Name, Adresse, Bankkonto, Geburtsdatum, Steuer- und Identifikationsnummer sowie der Religionsschlüssel;
  • die vom Arbeitgeber übermittelte Lohnsteuerbescheinigung mit den gesamten Daten zu Gehalt, Lohn- und Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag sowie den abgeführten Sozialversicherungsbeiträgen;
  • Mitteilungen über Rentenzahlungen und
  • Lohnersatzleistungen wie Eltern- oder Arbeitslosengeld.

Solche elektronisch gemeldeten Daten können Sie bei der vorausgefüllten Steuererklärung einfach übernehmen, ohne die Angaben selbst eintragen zu müssen. Übertragungsfehler werden so minimiert.

Zudem müssen Sie ab der Steuererklärung 2017 auch keine Belege mehr mitschicken. Es genügt, wenn Sie diese aufbewahren, und zwar bis mindestens ein Jahr nach dem Steuerbescheid. Dem Finanzamt vorlegen müssen Sie dann nur die Belege, die es konkret verlangt. Die Belegvorlagepflicht ersetzt das Steuermodernisierungsgesetz durch die Belegaufbewahrungspflicht.

Selber machen mit Steuersoftware

Haben Sie mehrere Anlagen auszufüllen und wissen nicht so genau, was sich hinter Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen verbirgt, dann ist eine kostenpflichtige Steuersoftware für Sie die richtige Wahl.

Diese unterstützt Sie bei der Eingabe Ihrer Daten und liefert Tipps zum Steuersparen dazu. Die Preisspanne der verschiedenen Angebote reicht von 15 Euro bis über 40 Euro. Es gibt Cloud-Lösungen aus dem Internet und Software, die Sie auf Ihrer Festplatte installieren müssen. Auf jeden Fall benötigen Sie für jedes Jahr die aktuelle Lösung – eine Vorjahresversion können Sie nicht nutzen. Mit den kommerziellen Programmen können Sie am Ende Ihre Steuererklärung schriftlich oder über die amtliche Elster-Schnittstelle ans Finanzamt senden. Was die Programme im Einzelnen können und welches für Sie geeignet ist, lesen Sie in unserem Ratgeber Steuersoftware.

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Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine helfen

Professionelle Unterstützung können Sie sich bei einem Lohnsteuerhilfeverein oder einem Steuerberater holen. Lohnsteuerhilfevereine fertigen die Steuererklärung für Arbeitnehmer, Beamte, Auszubildende, Studenten, Pensionäre, Rentner und Unterhaltsempfänger an (§ 4 Nr. 11 StBerG). Grundsätzlich erledigen die Vereine alles in Bezug auf die Steuererklärung, was auch ein Steuerberater macht. Sie beraten zur Steuerklassenwahl, helfen beim Kindergeld, bei der Riester-Förderung und bei weiteren staatlichen Förderprogrammen. Außerdem können sie den gesamten Schriftverkehr mit dem Finanzamt abwickeln. In den Vereinen müssen Sie Mitglied werden. Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Ratgeber Lohnsteuerhilfevereine.

Steuerberater nicht nur für Selbstständige
Selbstständige und Gewerbetreibende oder Arbeitnehmer mit Einnahmen aus einer selbstständigen Tätigkeit können sich nicht von einem Lohnsteuerhilfeverein beraten lassen. Dasselbe gilt für alle, deren jährliche Miet- oder Kapitaleinnahmen 13.000 Euro übersteigen (bei Zusammenveranlagten 26.000 Euro). Dieser Gruppe bleibt nur der Gang zum Steuerberater. Wie Sie den passenden finden und was ein Steuerberater an Gebühren verlangen darf, haben wir in einem Ratgeber zusammengestellt.

Seit Mitte 2016 haben Sie hinsichtlich des Honorars mehr Verhandlungsspielraum, weil der Steuerberater die in seiner Gebührenverordnung vorgeschriebenen Mindestsätze unterschreiten darf.

Wenn Sie nicht als normaler Angestellter arbeiten, empfiehlt es sich darauf zu achten, ob der Steuerberater sich in Ihrer Branche auskennt. Benötigen Sie einen Experten, um sich zum Beispiel als Kapitalanleger Quellensteuer aus dem Ausland zurückzuholen, dann sollten Sie solche Kenntnisse bei der Erstaufnahme gezielt abfragen. Über die Suche der Bundessteuerberaterkammer oder beim Deutschen Steuerberaterverband können Sie einen Experten in Ihrer Nähe finden und auch das Fachgebiet eingrenzen.

Beruflich veranlasste Steuerberatungskosten können Sie von der Steuer absetzen. Für Arbeitnehmer gilt dies zum Beispiel für das Ausfüllen der Anlage N, für Vermieter das Ausfüllen der Anlage V und für Selbstständige das Ausfüllen der Anlage S. Die Kosten für den privaten Anteil Ihres Steuerfalls können Sie dagegen nicht absetzen.

Allerdings sind alles Mischkosten, was unter 100 Euro anfällt: Diese Ausgaben dürfen Sie in jedem Fall steuerlich geltend machen. Dazu gehören auch Steuerprogramme oder Steuerfachliteratur, die Sie zur Recherche nutzen.

Wann die Steuerklärung bearbeitet wird

So mancher, der sich mit seiner Steuerklärung 2016 beeilt und auf eine schnelle Steuerrückzahlung gehofft hat, muss wissen, dass sich diese verzögern kann. Erst ab Mitte März 2017 konnten die Finanzämter die privaten Erklärungen bearbeiten. Zum einen durften Arbeitgeber, Versicherungen und andere Einrichtungen noch bis Ende Februar Daten für das Jahr 2016 elektronisch an die Finanzverwaltung übermitteln. Zum anderen wurde die bundeseinheitliche Software zur Steuerberechnung erst im Laufe des Februars 2017 an die Finanzämter ausgeliefert.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.