Billigstrom

Lassen Sie sich nicht von unwirtschaftlichen Tarifen locken

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Stromtarife in Deutschland gehen deutlich auseinander: Um 30 bis 35 Prozent können Tarife an einem Ort voneinander abweichen.
  • Manche der billigsten Stromtarife können aber nicht die Kosten der Versorger decken. Das belegt eine Untersuchung von Finanztip in neun deutschen Städten und einer Landgemeinde.
  • Besonders günstig sind viele Tarife durch Bonuszahlungen. Fallen diese weg, rechnen sich die Tarife für die Anbieter auf jeden Fall. Die Kunden zahlen nach unserer Untersuchung dann im zweiten Vertragsjahr bis zu 45 Prozent mehr als im ersten Vertragsjahr.
  • In Regionen mit hohen Netzentgelten gibt es mehr Tarife, mit denen Anbieter offensichtlich Verlust machen. Darunter finden sich Tarife mit Bonuszahlungen.

So gehen Sie vor

  • Wenn Sie einen dauerhaft günstigen Stromtarif suchen, nutzen Sie den Finanztip-Stromrechner. Er ist so voreingestellt, dass er kaum Tarife anzeigt, die für den Anbieter höchstwahrscheinlich unwirtschaftlich sind.
  • Durch den Wegfall von Boni sind Tarife, die im ersten Vertragsjahr am günstigsten sind, im zweiten Vertragsjahr um bis zu 31 Prozent teurer als die günstigsten Tarife ohne Bonus (vorausgesetzt, die Preise ändern sich nicht).
  • Wollen Sie von Boni profitieren, können Sie eine Einstellung an unserem Rechner ändern. Berechnen Sie dann aber auch, wie teuer der Tarif im zweiten Vertragsjahr sein wird.
  • Kündigen Sie einen Tarif mit Bonus rechtzeitig gemäß den Vertragsbedingungen. Der Versorger muss Sie nicht auf den Wegfall von Boni hinweisen, sondern Sie zahlen automatisch mehr.
  • Erhöht der Versorger dagegen seine Preise, muss er Ihnen das mitteilen. Dann steht Ihnen das Sonderkündigungsrecht zu.
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Günstig Strom zu beziehen, liegt im Interesse jeden Verbrauchers. Wer zu niedrigen Preisen einkauft, muss dabei nicht mit qualitativen Einbußen rechnen: Die Qualität von Strom, der über das öffentliche Stromnetz fließt, ist überall in Deutschland gleich hoch.

Dass Stromtarife in einer Stadt unterschiedlich hoch sind, liegt einmal an der Art des Liefervertrags. Kunden in der Grundversorgung zahlen die höchsten Tarife. Ein Tarifwechsel zahlt sich in jedem Fall aus. Wenn Sie bereits einen Sondervertrag abgeschlossen haben, kann sich auch ein Vergleich von Stromtarifen lohnen. Stromversorger wetteifern um Kunden und machen günstige Angebote. Um 30 bis 35 Prozent weichen Sondertarife in vielen Orten voneinander ab.

Nicht jeder Tarif rechnet sich für den Billigstromanbieter

Dabei ist der Einfluss des Versorgers auf den berechneten Strompreis verhältnismäßig klein. Er beschafft Strom, liefert ihn und kalkuliert eine Gewinnspanne ein. Diese Posten belaufen sich nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft im Schnitt auf 5,67 Cent pro Kilowattstunde (bei 3.500 Kilowattstunden Verbrauch, das entspricht dem Jahresverbrauch eines bundesdeutschen Durchschnittshalts). Das macht gerade einmal einen Anteil von 19 Prozent am Strompreis. Der Rest geht an den Fiskus und die Netzbetreiber.

Wie sind die starken Unterschiede dann zu erklären? Bei den teuren Tarifen könnten die Versorger stattliche Gewinne erwirtschaften. Und bei den günstigen Tarifen könnten sie unrentabel arbeiten. Dank Vergleichsrechnern lassen sich teure Tarife sofort erkennen. Ob aber ein Tarif unwirtschaftlich ist, lässt sich an seiner Höhe nicht pauschal ablesen.

Finanztip hat daher sehr günstige Stromtarife in neun Städten und einer Landgemeinde auf ihre Wirtschaftlichkeit geprüft. Dazu haben wir plausible Minimum-Kosten für jede Stadt errechnet und mit den Stromkosten aus Vergleichsrechner-Angeboten verglichen.

Ergebnis: In allen zehn Orten gibt es Tarife, die unserer Einschätzung nach nicht die Kosten des Anbieters decken können. Die Zahl der vermutlich unwirtschaftlichen Tarife schwankt dabei je nach Ort zwischen 4 und 53 Angeboten.

Bonuszahlungen machen Tarife günstig – oft aber nur im ersten Jahr

Günstig sind viele Tarife vor allem aufgrund von Boni, die der Versorger dem Kunden nach Abschluss des Liefervertrags gewährt. Ohne diese Bonuszahlungen wären die Tarife rund 25 bis 45 Prozent teurer. Denn die Grund- und Arbeitspreise sind vergleichsweise hoch. Fallen dann die Boni im zweiten Vertragsjahr weg, gehören diese Tarife nicht mehr zu den günstigen. Im Gegenteil: Sie sind dann gegenüber niedrigen Tarifen ohne einen Bonus deutlich teurer. Wir gehen davon aus, dass sich diese Tarife für den Versorger rechnen, wenn ein Kunde mindestens zwei Jahre treu bleibt.

Darüber hinaus gibt es einige wenige Tarife, die auch ohne Bonuszahlungen so niedrig sind, dass der Versorger unserer Ansicht nach mit ihnen ein Minus machen muss. Diese Tarife haben wir in zwei Städten gefunden, Fürstenwalde (Brandenburg) und Baienfurt (Baden-Württemberg). Dabei handelt es sich um Städte, in denen hohe Netzentgelte anfallen. In diesen Fällen erwarten wir, dass der Versorger die Tarife nach Ablauf einer Preisgarantie stark erhöht.

Im Strommarkt immer wieder zu beobachten ist beispielsweise, dass Versorger ihren Grundpreis verdoppeln oder verdreifachen oder den Arbeitspreis um 20 bis 30 Prozent anheben, ohne dass dies allein steigenden Umlagen oder Netzentgelten zu rechtfertigen wäre.

Das sollten Sie bei sehr billigen Stromtarifen beachten

Wenn Sie einen sehr günstigen Stromtarif wählen, der Bonuszahlungen von mehreren Hundert Euro beinhaltet, können Sie Ihre Stromkosten natürlich senken. Aber vermutlich nur im ersten Vertragsjahr – denn fallen die Boni ab dem zweiten Vertragsjahr weg, zahlen Sie automatisch mehr.

Wenn Sie dem entgehen wollen, sollten Sie zum einen darauf achten, dass die Vertragslaufzeit bei höchstens einem Jahr liegt. Zum anderen müssen Sie den Liefervertrag vor Ablauf dieses Jahres kündigen. Es gilt dabei die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist. Maximal darf sie drei Monate betragen. Verpassen Sie die Frist, verlängert sich der Vertrag. Ein Sonderkündigungsrecht steht Ihnen beim Wegfall von Boni nicht zu – der Versorger ändert schließlich nichts an den Lieferbedingungen.

Nur wenn er seine Preise erhöht, steht Ihnen das Sonderkündigungsrecht offen. Über Preissteigerungen muss Sie der Versorger rechtzeitig informieren. Bis zum Tag, bevor neue Preise gelten, können Sie Ihren Vertrag schriftlich kündigen. Auf den letzten Drücker sollten Sie jedoch nicht handeln. Sonst bleibt Ihnen nur wenig Zeit, einen neuen Liefervertrag zu schließen. Und der neue Versorger hat nicht genug Zeit, die Belieferung rechtzeitig zu starten. Der teure Grundversorger springt in einem solchen Fall ein, um Ihre Stromversorgung zu sichern.

Wie Sie einen dauerhaft günstigen Tarif finden

Unser Rat daher: Wollen Sie nicht das Risiko eingehen, im zweiten Vertragsjahr deutlich mehr zu zahlen, verzichten Sie auf Tarife mit Bonuszahlung. Suchen Sie sich einen Tarif, der eher dauerhaft günstig ist. Das gelingt über den Finanztip-Stromrechner.

Unsere Untersuchung hat unter anderem gezeigt, dass die Vergleichsrechner unwirtschaftliche Tarife aussortieren, wenn unsere verbraucherfreundlichen Einstellungen wirken. Lediglich in einer der zehn Städte erschienen zwei Tarife, die für den Anbieter eher nicht kostendeckend sein können. Ein Abschluss dieser Tarife war nur auf der Seite des Anbieters möglich. Dort lagen die Preise dann aber ein wenig höher und waren damit vermutlich rentabel.

Darüber hinaus hat unsere Untersuchung gezeigt, dass die nach Finanztip-Kriterien angezeigten Angebote länger günstig sind. Angenommen, alle Versorger ändern im zweiten Vertragsjahr nichts an den Preisen, dann sind Tarife mit Finanztip-Kriterien im zweiten Jahr 10 bis 23 Prozent billiger als die Tarife, die aufgrund von Bonuszahlungen im ersten Vertragsjahr die günstigsten waren.

Wie oft wollen Sie den Tarif wechseln?
Ihre Postleitzahl
Anzahl Personen im Haushalt
oder kWh/Jahr:
Hinweis: Bei Auswahl der Option „Jedes Jahr“ empfehlen wir Ihnen auch Tarife mit Neukundenbonus, die im zweiten Vertragsjahr deutlich teurer werden können. Wechseln Sie rechtzeitig erneut den Anbieter, sonst ist Ihre Ersparnis wahrscheinlich dahin.

So haben wir die minimalen Strompreise berechnet

Für unsere Untersuchung haben wir für zehn Orte in Deutschland einen minimalen Strompreis ausgerechnet. Minimal bedeutet dabei, dass der Versorger die Kosten zur Strombeschaffung decken kann, nicht aber seine laufenden Betriebskosten etwa für Personal, Büro oder ausgelagerte Dienstleistungen. Er arbeitete damit nicht nur kostenlos für den Kunden, sondern machte sogar Verlust.

Für den Minimum-Preis rechnen wir alle staatlichen Umlagen, Abgaben und Steuern, den Strompreis an der Strombörse sowie die vom Netzbetreiber erhobenen Entgelte für den Transport und das Messen des bezogenen Stroms zusammen. Bei der Konzessionsabgabe sind wir vom gesetzlich festgelegten Höchstsatz von 0,11 Cent pro Kilowattstunde (kWh) für Sonderverträge ausgegangen.

So setzt sich der Strompreis zusammen

Bestandteile Strompreis   in Cent/kWh
Stromsteuer   2,05
Konzessionsabgabe   0,11
EEG-Umlage   6,88
§19-StromNEV-Umlage   0,388
KWK-Aufschlag   0,438
Umlage für abschaltbare Lasten   0,006
Offshore-Haftungsumlage   -0,028
Strom-Beschaffung   2,9
Mehrwertsteuer   2,421
Summe   15,165
+ Netzentgelt brutto   je nach Netzbetreiber
+ Messentgelt inkl. Abrechnung brutto   je nach Netzbetreiber
= Minimum-Preis je nach Verteilnetzgebiet    

Die Höhe der staatlich festgelegten Umlagen, Abgaben und Steuern gilt für 2017. Die Höhe der durchschnittlichen Beschaffungskosten für Strom ist für 2017 mit 2,9 Cent pro Kilowattstunde aufgrund der Preise an den Strombörsen angenommen. Beim Messstellenentgelt wird angenommen, dass der Netzbetreiber auch der Messstellenbetreiber ist.

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 25. Juli 2017)

Beschaffungskosten für Strom an den Börsen
Für den Stromeinkauf haben wir – wie in der Tabelle oben zu sehen – 2,9 Cent pro Kilowattstunde zugrunde gelegt. Dies entspricht dem durchschnittlichen Preis für kurzfristige Geschäfte an der Strombörse Epex Spot im Jahr 2016. Dieser Preis erscheint auch für 2017 angemessen.

Beständig zu niedrigeren Preisen Strom an der Börse zu beschaffen, dürfte in den ersten sieben Monaten des Jahres 2017 schwer gewesen sein. Zwischen März und Juli lag der Preis am Spotmarkt im Monatsmittel bei mindestens 3 Cent pro Kilowattstunde; im Januar und Februar war er deutlich höher.

Versorger kaufen natürlich nicht nur von einem Tag zum nächsten oder noch am Tag der Lieferung Strom ein, sondern sie sichern sich auch langfristig Liefermengen zu festen Preisen. Bei diesen Termingeschäften an der Strombörse EEX lagen die Preise für Kontrakte, die sich Händler 2016 für 2017 sichern konnten, im Schnitt bei rund 2,7 Cent pro Kilowattstunde.

Die Preise der Terminlieferungen für 2018 sind höher: Eine Kilowattstunde kostete seit Januar 2017 mindestens 2,8 Cent an der EEX. Da Versorger häufig eine Preisgarantie von sechs oder auch zwölf Monaten geben, spielen diese Preise für neu geschlossene Lieferverträge bereits eine Rolle.

Netzentgelte an zehn unterschiedlichen Orten
Wir haben neun Städte und eine Gemeinde gewählt, in denen ein jeweils anderer Netzbetreiber tätig ist. Dabei handelt es sich um:

  • Baienfurt (Baden-Württemberg)
  • Berlin
  • Bremen
  • Essen
  • Fürstenwalde (Brandenburg)
  • Hamburg
  • München
  • Oldenburg (Niedersachsen)
  • Penzberg (Bayern)
  • Weiden (Bayern)


Anderer Netzbetreiber bedeutet, dass die Minium-Preise für jeden Ort unterschiedlich hoch sind – abhängig vom jeweils gültigen Netzentgelt. Die Preise für das Netzentgelt und das Messstellenentgelt (also die Kosten für den Betrieb eines Stromzählers) haben wir den Preisblättern des jeweiligen Netzbetreibers entnommen.

Netzentgelte in den untersuchten Orten

Ort   Netzbetreiber   Grundpreis in Euro/Jahr (netto)   Arbeitspreis in Cent/kWh (netto)
Baienfurt   Netze BW   -   7,49
Berlin   Stromnetz Berlin   33,36   5,35
Bremen   Wesernetz Bremen   58   3,59
Essen   Westnetz   51,1   5
Fürstenwalde   Edis Netz   58,4   9,88
Hamburg   Stromnetz Hamburg   36   5,73
München   SWM Infrastruktur   42,18   5,92
Oldenburg   EWE Netz   70   6,36
Penzberg   Bayernwerk Netz   60   6,22
Weiden   Stromnetz Weiden i.d.OPf.   42   3,99

Quelle: Finanztip-Recherche in Preisblättern der genannten Netzbetreiber (Stand: 8. Juli 2017)

Wie zu erkennen ist, variiert die Höhe der Netzentgelte deutlich. In dichter besiedelten Regionen sind sie zumeist niedriger als in Verteilnetzgebieten mit eher wenigen Bewohnern. Je größer ein Verteilnetz ist und je mehr ländliche Gebiete es abdeckt, desto höher fällt häufig das Entgelt für die Kunden aus, die dort in größeren Städten leben.

Geht ein Teil eines Stromnetzes an einen neuen Betreiber über, der es aus einem größeren Verbund herauslöst, können die Entgelte für eine einzelne Stadt sinken. Dies ist zum Beispiel in Weiden passiert. Seit Jahresbeginn betreibt die Stadt das Stromnetz über ein eigenes Unternehmen selbst. Die Netzentgelte sind für die Einwohner stark gefallen – bis 2016 zahlten sie die Entgelte, die der vorhergehende Netzbetreiber Bayernwerk berechnet hat.

Beim Messstellenentgelt haben wir vorausgesetzt, dass der Netzbetreiber zugleich der Messstellenbetreiber ist. Der Messstellenbetreiber ist dasjenige Unternehmen, dass für den Einbau und den Betrieb der Stromzähler zuständig ist. Außerdem gehen wir davon aus, dass es sich bei den entsprechenden Zählern nicht um moderne Messeinrichtungen handelt, sondern um herkömmliche Geräte für Haushalte.

Es ergeben sich für die zehn Orte folgende plausible Minimum-Preise:

Von Finanztip errechnete Minimum-Preise

Ort   Cent/kWh   Preis bei 3.500 kWh Jahresverbrauch in Euro
Baienfurt   25,36   887,6
Berlin   22,95   803,25
Bremen   21,81   763,35
Essen   23,25   813,75
Fürstenwalde   29,3   1025,5
Hamburg   22,37   782,95
München   24   840
Oldenburg   24,41   854,35
Penzberg   24,93   872,55
Weiden   21,66   758,1

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 8. Juli 2017)

So haben wir getestet: Preisabfrage auf Vergleichsportalen

Für die Musterhaushalte in den zehn gewählten Orten haben wir auf den Vergleichsportalen Verivox und Check24 jeweils drei Tarifvergleiche vorgenommen. Bei jedem Vergleich galten andere Einstellungen des Vergleichsrechners. Wir wollten sehen, ob sich dann die Höhe der günstigsten Tarife verändert. Die Abfragen erfolgten zwischen dem 12. und 25. Juli 2017. Wir haben alle Angebote für einen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden anzeigen lassen. Das entspricht dem Jahresverbrauch eines bundesdeutschen Durchschnittshaushalts.

Bei allen drei Abfragen waren folgende Punkte einheitlich: Pakettarife und Tarife mit Vorkasse und Kaution schlossen wir aus. Wir legten fest, dass alle Tarife erscheinen, auch unabhängig davon, ob es sich um Ökostrom oder konventionellen Strom handelt.

1. Stromvergleich ohne Preisgarantie
Die erste Abfrage war die offenste. Neben den bereits erwähnten Einstellungen gab es keine weitere Einschränkung. Die maximal möglichen Laufzeiten und Kündigungsfristen entsprechen damit den gesetzlich festgelegten.

Konkret sahen die Einstellungen so aus:

  • Boni: alle anzeigen
  • Laufzeit: maximal 24 Monate
  • Kündigungsfrist: maximal 3 Monate oder egal
  • Vertragsverlängerung: maximal 12 Monate
  • Preisgarantie: egal


2. Stromvergleich mit Preisgarantie
Bei der zweiten Abfrage änderten wir lediglich eine Einstellung: Wir legten fest, dass die Preisbestandteile, die der Versorger selbst bestimmt, mindestens zwölf Monate stabil bleiben:

  • Boni: alle anzeigen
  • Laufzeit: maximal 24 Monate
  • Kündigungsfrist: maximal 3 Monate
  • Vertragsverlängerung: maximal 12 Monate
  • Preisgarantie: mindestens Preisfixierung über 12 Monate


3. Stromvergleich mit Finanztip-Kriterien
Für die dritte Abfrage galten unsere verbraucherfreundlichen Finanztip-Kriterien:

  • Boni: nicht anzeigen
  • Laufzeit: maximal 12 Monate
  • Kündigungsfrist: maximal 6 Wochen
  • Vertragsverlängerung: maximal 1 Monat
  • Preisgarantie: mindestens Preisfixierung über 12 Monate

Erste Erkenntnis: In allen Orten liegen Billiganbieter unter Minimum-Preis

Bei den ersten beiden Abfragen erhielten wir für jeden der zehn Orte Tarife, deren Preis unter den berechneten Minimum-Kosten lag. Die billigsten Tarife lagen dabei bis zu 15 Prozent unter dem jeweiligen Minimum-Preis eines Orts. Die von beiden Portalen angezeigten günstigsten Tarife waren dabei entweder identisch oder wichen kaum voneinander ab.

Die kleinste Zahl unrentabler Tarife gab es in Weiden und Hamburg mit vier und sechs Angeboten. Mehr als 40 fanden wir jeweils in Baienfurt, Penzberg und Fürstenwalde. Dabei handelt es sich um die Orte, in denen vergleichsweise hohe Netzentgelte bestehen.

Zu erkennen war bei den ersten beiden Abfragen auch, dass die meisten Angebote aufgrund von Bonuszahlungen unserer Einschätzung nach nicht kostendeckend sein können. In allen Orten enthielten die günstigsten Angebote Boni in Höhe von mehr als 200 bis 415 Euro. Die sich ergebenen Stromkosten sind bei den günstigsten Angeboten in Fürstenwalde, Penzberg und Baienfurt sogar so niedrig, dass der Versorger auch die Kosten der Strombeschaffung nicht aus den Einnahmen des Stromliefervertrags decken kann. Die Versorger können damit nur die Ausgaben für Steuern, Umlagen und Abgaben sowie die Entgelte an den Netzbetreiber bezahlen.

Ohne diese Boni werden fast alle Angebote in den zehn Orten wirtschaftlich, haben wir errechnet. Dazu haben wir die angegebenen Arbeitspreise auf einen Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden angewendet und die monatlichen Grundpreise dazu gezählt. Ergebnis: Ohne Bonus liegen die Stromgebühren um 25 bis 45 Prozent über den jeweiligen Minimum-Kosten. Die Grund- und Arbeitspreise sind in diesen Tarifen eher hoch.

Das führt dazu, dass diese sehr preiswerten Angebote zumeist nicht mehr günstig sind, wenn die Boni wegfallen. Bleiben die Preise im zweiten Vertragsjahr stabil, zahlen Kunden 12 bis 37 Prozent mehr für Strom als im ersten Vertragsjahr – weil Bonuszahlungen nicht mehr wirken.

Lediglich in Fürstenwalde und Baienfurt blieben fünf beziehungsweise vier Tarife nach dem Herausrechnen der Boni übrig, die weiterhin unter dem Minimum-Preis lagen. In Fürstenwalde lag die Unterschreitung bei 8 Prozent, in Baienfurt bei 4 Prozent.

Günstigste Strom-Angebote und der Einfluss von Bonuszahlungen

Ort   plausibler Minimum-Preis in Euro   günstigstes Angebot mit Boni in Euro   Stromkosten nach Herausrechnen der Boni in Euro
Baienfurt   854,35   727,52   1.089,89
Berlin   802,97   743,11   1.110,84
Biberach   766,15   718,8   958,8
Bremen   763,35   700,68   965,61
Essen   813,75   751,06   1.121,34
Fürstenwalde   1.025,50   884,9   1.299,96
Hamburg   782,6   759,61   1.132,83
München   839,9   770,7   1.147,72
Oldenburg   887,25   793,83   1.178,63
Penzberg   872,2   741,22   1.108,20
Weiden   758,1   713,15   953,15

Die Ergebnisse waren auf beiden Portalen in allen Orten bis auf Bremen identisch. In Bremen lag der günstigste Preis eines Anbieters auf einem Portal geringfügig unter dem Preis, den das andere Portal anzeigte.

Quelle: Finanztip-Erhebung auf den Vergleichsportalen Check24 und Verivox (Stand: Juli 2017)

Zweite Erkenntnis: Preisgarantie beeinflusst Tarifhöhe kaum

In Fürstenwalde und Baienfurt ging die Zahl der in unseren Augen unrentablen Angebote leicht zurück, nachdem wir eine Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten auf die Entgelte des Versorgers eingestellt hatten. Die Preise der günstigsten Angebote blieben bis auf einen Ort unverändert. In dem Ort war der Preis des günstigsten Lieferanten geringfügig höher.

Nach Herausrechnen der Boni blieben wiederum in Fürstenwalde und Baienfurt Tarife übrig, die unter dem jeweiligen Minimum-Preis lagen. Bei dieser zweiten Abfrage waren es aber nur noch ein beziehungsweise drei Angebote.

Dritte Erkenntnis: Mit Finanztip-Kriterien keine unwirtschaftlichen Tarife

Bei der Abfrage unter Finanztip-Kriterien gab es nur in einem Ort einen Tarif, der unter dem errechneten Minimum-Preis lag. Dieser Tarif ließ sich aber weder über Check24 noch über Verivox abschließen. Auf der Seite des Anbieters selbst waren die Konditionen höher und lagen damit nicht mehr unter dem Minimum.

Unsere Schlussfolgerung ist daher: Mit unseren Kriterien für die Einstellung von Vergleichsrechnern filtern diese Tarife heraus, mit denen der Versorger zunächst Verlust macht. Ist ein Tarif von Anfang an für einen Versorger wirtschaftlich, steht er weniger unter Druck, die Preise zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu erhöhen oder Verträge so zu gestalten, damit er bald Gewinn erwirtschaftet.

Die günstigsten Angebote mit Finanztip-Kriterien waren dabei 16 bis 20 Prozent teurer gegenüber den günstigsten Angeboten mit Boni, die bei den ersten beiden Abfragen erschienen. Fallen die Boni im zweiten Vertragsjahr weg, ändert sich das Bild: Dann sind die Tarife nach Finanztip-Kriterien 12 bis 20 Prozent günstiger, vorausgesetzt natürlich, dass alle Preise unverändert bleiben.

Preisunterschiede bei Tarifen mit Boni und nach Finanztip-Kriterien

Ort   plausibler Minimum-Preis in Euro   günstigstes Angebot mit Boni in Euro   günstigstes Angebot nach Finanztip-Kriterien in Euro
Baienfurt   854,35   727,52   835,01*
Berlin   802,97   743,11   922,2
Biberach   766,15   718,8   858,5
Bremen   763,35   700,68   865,42
Essen   813,75   751,06   929,61
Fürstenwalde   1.025,50   884,9   1.075,97
Hamburg   782,6   759,61   944,25
München   839,9   770,7   954,93
Oldenburg   887,25   793,83   985,48
Penzberg   872,2   741,22   941,57
Weiden   758,1   713,15   850,8

Die Ergebnisse waren auf beiden Portalen in allen Orten bis auf Bremen identisch. In Bremen lag der günstigste Preis eines Anbieters auf einem Portal geringfügig unter dem Preis, den das andere Portal anzeigte. Das Angebot für Baienfurt war auf den Seiten der Vergleichsportale nicht abzuschließen, und beim Stromanbieter selbst lag der Preis höher.

Quelle: Finanztip-Erhebung auf den Vergleichsportalen Check24 und Verivox (Stand: Juli 2017)

Vierte Erkenntnis: Anbieter liefern keine Erklärungen für unrentable Tarife

Wir haben die Anbieter mit den günstigsten Tarifen aus den ersten beiden Abfragen angeschrieben und sie gebeten, uns zu erklären, inwieweit sich diese Tarife für sie lohnen. Die billigsten Tarife an den zehn untersuchten Orten stammen dabei von nur drei Unternehmen, die mit hohen Boni arbeiten. Durch sehr günstige Grund- und Arbeitspreise fielen vier weitere Unternehmen auf. Von diesen insgesamt sieben angeschriebenen Stromversorgern reagierten vier auf die Anfrage. Keines davon lieferte aber eine schlüssige Erklärung.

Ein Unternehmen teilte mit, dass das sehr günstige Angebot zum 31. Juli 2017 endet. Das Folgeprodukt ist teurer. Ein anderes Unternehmen erklärte, dass es sehr günstig Strom einkaufe, ohne dies genauer anzugeben. Dabei handelte es sich um einen Anbieter, der lediglich mit einem Tarif an einem Ort aufgefallen war. Dieser Tarif lag um rund 20 Euro unter dem Minimum-Preis. Es ist möglich, dass das Unternehmen geringere Kosten beim Strombezug hat, als wir angenommen haben. Dennoch sind über den Minimum-Preis noch nicht die Kosten für den Vertrieb gedeckt, geschweige denn eine Marge enthalten.

Ein drittes Unternehmen versprach eine Erklärung, die bis Redaktionsschluss nicht vorlag. Das vierte Unternehmen versuchte, die Redaktion telefonisch zu erreichen. Unsere Rückrufe blieben jedoch ebenso erfolglos.

Unser Fazit: Seien Sie skeptisch bei Billigstrom

Verspricht Ihnen ein Stromversorger einen besonders günstigen Stromtarif mit hohem Bonus, ist Skepsis angebracht. Denn viele Bonuszahlungen gibt es nur im ersten Jahr. Ihre Stromrechnung fällt im zweiten Jahr ohne Bonus deutlich höher aus. Nur so rechnen sich die Tarife für die Anbieter, die offenbar auf wechselfaule Kunden setzen.

Falls Sie nicht rechtzeitig kündigen, sind Sie in dem vermeintlich günstigen Tarif erst einmal gefangen. Und zwar so lange, wie sich der Vertrag nach der ersten Laufzeit stets verlängert - häufig über zwölf Monate. Eher dauerhaft günstige Tarife finden Sie mit dem Finanztip-Stromrechner. Er sortiert Angebote mit Boni und längerer Vertragsbindung aus.

  • Tipp: Sollen wir Sie rund um das Thema Strom und Energie sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

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Finanztip-Redaktion

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Artikel verfasst von

Ines Rutschmann

Finanztip-Expertin für Energie

Als Expertin für Energie widmet sich Ines Rutschmann allen Fragen, die sich Verbrauchern rund um Strom und Heizen stellen. Über den Strommarkt berichtete sie erstmals 2005 für die Leipziger Volkszeitung, wo sie auch ihre journalistische Grundausbildung absolvierte. Danach war sie unter anderem für den Deutschlandfunk und das Solarstrom-Magazin Photon tätig. Ines Rutschmann ist Diplom-Ingenieurin (FH) und hat einen Abschluss als Master of Science in Energiemanagement.