Elektroheizung - Heizen mit Strom

Nachtspeicherofen und Wärmepumpe günstig betreiben

Das Wichtigste in Kürze

  • Mehr als zwei Millionen Haushalte in Deutschland heizen mit Strom. Die meisten nutzen Nachtspeicherheizungen oder Wärmepumpen.
  • Für Nachtspeicher und Wärmepumpen gibt es besondere Stromtarife. Diese sind im Schnitt 30 Prozent günstiger als solche für gewöhnlichen Haushaltsstrom. Dennoch ist Strom der teuerste „Brennstoff“ in Deutschland.
  • Betreiber von Stromheizungen können ihren Versorger wechseln. Pro Jahr schließen bislang aber nur rund 3 Prozent der Kunden einen neuen Vertrag ab – obwohl die Preisunterschiede groß sind und sich viel Geld sparen lässt.
  • Zahlreiche Unternehmen knüpfen den Bezug von Wärmestrom an Bedingungen: Die häufigste ist die Installation eines zweiten Stromzählers, der nur den Wärmestrom misst.
  • Ein zweiter Stromzähler ist mit zusätzlichen Kosten verknüpft. Durch die verpflichtende Installation von intelligenten Messsystemen erhöhen sich diese in Zukunft noch.

So gehen Sie vor

  • Wer eine Wärmepumpe oder eine Nachtspeicherheizung betreibt und dafür viel Strom benötigt, ist mit dem Abschluss eines Vertrags für Wärmestrom gut beraten.
  • Wir empfehlen zunächst einen Preisvergleich über die Portale Verivox oder Check24.
  • Die beiden Rechner zeigen sowohl überregionale als auch regionale Tarife an. Manche regionalen Angebote listen die Rechner nicht.
  • Es ist daher ratsam, auch beim lokalen Stadtwerk die Wärmestromtarife abzufragen, wenn das Unternehmen in den Portalen nicht vertreten ist.
  • Benötigen Sie vergleichsweise wenig Strom für Ihre Heizanlage, ermitteln Sie zusätzlich mithilfe des Finanztip-Stromrechners, wie viel das Heizen mit einem normalen Haushaltsstrom-Tarif kosten würde.
  • Wägen Sie die Angebote gegeneinander ab und entscheiden Sie sich dann für oder gegen einen Heizstrom-Tarif.

Als die elektrische Energie vor gut 100 Jahren Zug um Zug die Haushalte in Deutschland erreichte, lag es fern, damit zu heizen. Kohle oder Gas erst verbrennen und dann mit dem erzeugten Strom heizen anstatt die Wohnung direkt mit dem Brennmaterial zu befeuern? Zum Heizen war Strom zu kostbar. Das änderte sich zwar später, aber es ist trotzdem alles andere als effizient. Elektroheizungen etablierten sich erst ab den 1960er-Jahren in Deutschland. Waren es am Anfang Nachtspeicheröfen, lassen Wohnungseigentümer heute stärker Wärmepumpen installieren. Die Zahl der Anlagen ist aber im Vergleich zu Gas- und Ölheizungen immer noch gering. Rund zwei Millionen Verbraucher halten ihre Wohnung mit Strom warm. Es ist zu erwarten, dass künftig immer mehr Haushalte mit Strom heizen werden.

Die Zahlen sind gerundet. Der Anteil von Heizungen auf Basis von Kohle, Koks, Briketts, Solarwärme und Biogas liegt unter 1 Prozent. Angegeben ist jeweils die vorherrschende Energieart zum Heizen in einer Wohnung. Rund 1,6 Prozent der Haushalte heizt ergänzend mit Strom.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Stand 2014)

Den Stromversorger für eine Elektroheizung können Verbraucher frei wählen. Dennoch wechseln nur wenige Kunden bislang den Anbieter, obwohl sich die Tarife deutlich unterscheiden – und sich somit große Einsparmöglichkeiten ergeben. Bis zu 700 Euro zahlen Verbraucher mit einer Wärmepumpe oder eine Nachtspeicherheizung nach einem Vertragswechsel weniger. Wir empfehlen daher einen Preisvergleich über die Portale Verivox oder Check24 und zusätzlich die Nachfrage beim regionalen Stromversorger. Wie wir zu diesem Ergebnis gekommen sind und Sie genau vorgehen, lesen Sie weiter unten.

Zwei Technologien zum Heizen mit Strom verbreitet

Es gibt zwei Gründe, warum sich Stromheizungen in Deutschland bislang etablierten – obwohl sie ineffizient sind. Entweder weil es viel Strom gibt, der billig zu haben ist. Oder weil ein Haushalt vergleichsweise wenig Energie zum Heizen benötigt.

Der erste Grund war ausschlaggebend für die Installation von Nachtspeicheröfen, um überschüssigen Atomstrom in der Nacht zu nutzen. Dieser kostet den Verbraucher weniger als normaler Heizungsstrom. Das ist bis heute so. Die Öfen nehmen vor allem nachts Wärme auf und strahlen die Energie über Stunden wieder ab. Rund 2,4 Millionen Anlagen gab es im Jahr 2000. Im Jahr 2017 sind noch etwa 1,6 Millionen in Betrieb. Neue Stromspeicherheizungen werden nur noch selten eingebaut.

Zuwächse verzeichnet dagegen eine zweite Technologie: strombetriebene Wärmepumpen. Rund 800.000 sind in Deutschland installiert; 50.000 bis 60.000 kommen pro Jahr dazu. Wärmepumpen beziehen die Energie zum Heizen nicht ausschließlich aus elektrischer Energie. Strom dient vielmehr als zusätzliche Energiequelle, um Wärme aus dem Boden, aus dem Grundwasser oder aus der Luft zu nutzen. Der Stromverbrauch ist damit gegenüber einer reinen Stromheizung deutlich kleiner. Auch für Wärmepumpen gibt es besondere Tarife, die günstiger sind als Haushaltsstrom. Im weiteren Verlauf der Energiewende ist davon auszugehen, dass noch mehr Haushalte Wärmepumpen nutzen: Strom soll mehr und mehr zur Wärmeversorgung beitragen und die Ölheizungen in Wohnhäusern verdrängen.

Niedrige Tarife bei Nacht

Ab Ende der 1960er Jahre boomten Nachtspeicheröfen. Die Bundesrepublik förderte die Installation als Alternative zum Verbrennen von Öl und Gas. Für die Energiewirtschaft lösten die Nachtstromheizungen ein Problem, das mit dem Ausbau der Kernkraft einherging: Atomkraftwerke sind schwer regelbar. Ihre Produktion lediglich über Nacht zu drosseln, weil die Stromnachfrage schwach ist, funktioniert nicht. So nahmen Nachtspeicherheizungen einen Teil der Strommengen auf, für die es keinen ausreichenden Bedarf gab.

Dafür zahlen die Haushalte geringere Strompreise für die Elektroheizung als für ihren sogenannten Haushaltsstrom, der Kühlschrank, Waschmaschine und Computer antreibt. Die meisten Stromversorger unterscheiden dabei bis heute zwischen einem Tarif am Tag und einem bei Nacht. Jener bei Nacht heißt Niedertarif (NT), weil er noch einmal günstiger ist als der sogenannte Hochtarif (HT), der am Tage gilt.

Auch den Betreibern von Wärmepumpen bieten viele Versorger Hoch- und Niedertarife an. Bei Wärmepumpen verteilt sich aber der Strombezug wesentlich gleichmäßiger über den gesamten Tag. Nachtspeicherheizungen beziehen etwa zwei Drittel ihres Stroms bei Nacht.

Tipp

Wärmestrom auch für Direktheizungen

Mit niedrigeren Wärmestromtarifen beliefern manche Energieversorger wie die Stadtwerke Bayreuth oder die SÜC in Coburg auch Direktheizungen. Dazu gehören Heizstrahler und Heißluftgeräte, die Nutzer direkt an die Steckdose schließen und die weniger der Beheizung ganzer Räume dienen, als dem Steigern des Wohlbefindens zu bestimmten Zeitpunkten – beispielsweise, damit es ein Baby auf dem Wickeltisch warm hat. Zahlen zur Verbreitung dieser Geräte gibt es nicht. Sie zählen allerdings zu den größten Energiefressern unter allen Elektrogeräten.

Netzbetreiber gewähren reduzierte Netzentgelte

Die niedrigeren Stromtarife basieren nicht einzig darauf, dass Strom nachts weniger kostet. Es gibt einen zweiten Grund, der zudem stärker wirkt: Gewährt der Stromkunde dem Netzbetreiber die Möglichkeit, die Versorgung der Wärmepumpe oder Stromspeicherheizung in bestimmten Stunden an einem Tag zu unterbrechen, stellt der Netzbetreiber ein reduziertes Netzentgelt in Rechnung. Dadurch können die Tarife deutlich günstiger sein als jene für Haushaltsstrom.

Im Schnitt betragen die Netzentgelte 3 bis 4 Cent (netto) weniger gegenüber als bei einer Kilowattstunde Haushaltsstrom. Über Zeitschaltuhren oder Rundsteuertechnik unterbricht der Netzbetreiber die Stromzufuhr zu bestimmten Zeitpunkten. Auf diese Weise kann er in Stunden mit großer Stromnachfrage einen Teil des Verbrauchs in Stunden mit geringerer Nachfrage schieben. Das entlastet das Stromnetz und hilft, Stromproduktion und Stromverbrauch im Gleichgewicht zu halten.

Zu welcher Zeit Netzbetreiber die Versorgung unterbrechen können, machen sie öffentlich. Viele Unternehmen halten sich dazu die Stunden mit hoher Stromnachfrage am Morgen, Mittag und späten Nachmittag offen. Verbraucher sind dadurch beim Heizen in der Regel nicht beeinträchtigt. Stromspeicherheizungen zählen – wie der Name schon sagt – zu den Speichern und können aufgenommene Wärme mehrere Stunden halten. Eine Wärmepumpe ist mit einem thermischen Speicher gekoppelt. Das darin gespeicherte heiße Wasser steht unabhängig von einer Stromunterbrechung zur Verfügung.

Wie hoch das reduzierte Netzentgelt ist, hängt vom jeweiligen Netzbetreiber ab. Das Energiewirtschaftsrecht besagt, dass Netzbetreiber für das Unterbrechen von Anlagen wie Stromheizungen geringere Entgelte berechnen. Zu welchen Zeiten das erfolgen kann und welche Rabatte damit einhergehen, ist bislang nicht festgelegt. Eine Verordnung soll Näheres regeln. Auf ihren Erlass wartet die Energiebranche , auf die die Branche seit mehreren Jahren wartet. Bis dahin prüft die Bundesnetzagentur die reduzierten Entgelte, um Missbrauch auszuschließen.

Wärmestrom kostet weniger als Haushaltsstrom, aber mehr als Gas

Durch niedrigere Entgelte für jede verbrauchte Kilowattstunde und geringere Netzentgelte liegen Wärmestromtarife rund 30 Prozent unter denen für Haushaltsstrom. Bei Nachtspeicherheizungen sind es mehr als 9 Cent pro Kilowattstunde unter jenen für Haushaltsstrom. Bei Wärmepumpen beträgt die Differenz zum Haushaltsstrom mehr als 8 Cent pro Kilowattstunde.

Die Angaben beruhen auf gemittelten Preisen bei einem Verbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr für Haushaltsstrom und je 7.500 Kilowattstunden im Jahr für Nachtstrom und Wärmepumpenstrom.

Quelle: Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand 26.04.2017)

Wer eine Wärmepumpe oder eine Nachtspeicherheizung betreibt und dafür viel Strom benötigt, der ist mit dem Abschluss eines Vertrags für Wärmestrom gut beraten.

Die preiswerten Konditionen für Wärmestrom dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der „Brennstoff Strom“ grundsätzlich teurer ist als Gas, Öl oder Holz. In den vergangenen Jahren ist die Kostenschere zwischen den durchschnittlichen Strom- und Gaspreisen weiter auseinandergegangen. Eine Kilowattstunde Nachtstrom ist heute dreimal so teuer wie eine Kilowattstunde Erdgas. Das liegt an den wachsenden Anteilen von Steuern, Umlagen und Abgaben auf Strom. Zu erwarten ist, dass dieser Anteil weiter wächst, weil beispielsweise die EEG-Umlage bis Anfang der 2020er Jahre weiter ansteigen soll.

Die durchschnittlichen Preise beziehen sich bei Gas auf einen Jahresverbrauch von 5.556 bis 55.556 Kilowattstunden und bei Nachtstrom von 7.500 Kilowattstunden. Die Preisangaben für Gas stammen stets aus der zweiten Hälfte eines Jahres, die für Nachtstrom aus dem Gesamtjahr.

Quelle: Eurostat, Bundesnetzagentur/Bundeskartellamt (Stand: 26. April 2017)

So finden Sie günstige Tarife für Stromheizungen

Um die Kosten für den Bezug von Heizstrom möglichst gering zu halten, empfiehlt sich ein Vergleich von Stromtarifen. Sie können den Versorger genauso wechseln wie bei Haushaltsstrom. Wir empfehlen dazu die beiden Vergleichsportale Verivox und Check24 gleichermaßen. Finanztip hat die jeweiligen Rechner für Nachtstrom und für Wärmepumpen im April 2017 getestet. Details zu den Auswahlkriterien und zu unserem Vorgehen lesen Sie am Ende dieses Textes.

Die Rechner von Verivox und Check24 zeigen sowohl überregionale als auch regionale Tarife an. Manche regionalen Angebote listen sie nicht. Es empfiehlt sich daher, zusätzlich beim lokalen Stadtwerk die Wärmestromtarife abzurufen, wenn das Unternehmen in den Portalen nicht vertreten ist.

Verivox
Mit Check24 bester Vergleichsrechner für Stromtarife

  • Finanztip-Empfehlung für den Wärmestromtarifvergleich
  • listet regionale und bundesweite Angebote
  • übersichtliche Darstellung
  • Neukundenbonus als Voreinstellung kann Ergebnisse verzerren
  • Werbeanzeige oberhalb der Ergebnisliste, die normalen Ergebnissen ähnlich sieht
Verivox

Check24
Mit Verivox bester Vergleichsrechner für Wärmestromtarife

  • Finanztip-Empfehlung für den Wärmestromtarifvergleich
  • listet regionale und bundesweite Tarife
  • übersichtliche Darstellung
  • Neukundenbonus als Voreinstellung kann Ergebnisse verzerren
Check24

Gegebenenfalls vermitteln die Portale gleich per Mausklick einen Vertrag. Wenn nicht, können Sie direkt auf die Internetseite des angezeigten Anbieters gehen und ihn dort abschließen.

Sollten Sie für den Wechsel die Dienste eines Portals in Anspruch nehmen wollen, beachten Sie beim Auswählen des Tarifs, dass sich in der Ergebnisliste auch Anzeigen befinden können. Diese sind nicht immer auf den ersten Blick als solche zu erkennen und können teurer als die günstigsten Angebote sein. Das Wort „Anzeige“ ist mit diesen Angeboten verknüpft. Die günstigsten Tarife sind dagegen durchnummeriert – die Ordnungszahl 1 markiert dabei das Angebot mit den geringsten Kosten.

Nur wenige Kunden wechseln bislang

Rund 900 Unternehmen bieten mittlerweile Tarife an. Viele sind regional begrenzt. Da die Netzbetreiber keinen Energieversorger diskriminieren dürfen, gelten die reduzierten Netzentgelte für die Unterbrechung der Stromversorgung von Stromheizanlagen unabhängig davon, welcher Versorger den Strom liefert.

Die Wechselraten von Kunden für Wärmestrom sind bislang gering, aber sie steigen von Jahr zu Jahr. Rund 58.000 Kunden schlossen nach Angaben der Bundesnetzagentur 2015 einen neuen Vertrag ab. Das entspricht einem Anteil von 2,8 Prozent.

Kündigungsfrist bei maximal drei Monaten

Jeden Versorgungsvertrag für Wärmestrom stuft das Bundeskartellamt als Sondervertrag ein – wer bereits einen solchen Vertrag abgeschlossen hat, kann sich nicht mehr in der Grundversorgung befinden. Die Kündigungsfrist für einen Wärmestromvertrag ist damit individuell im Vertrag geregelt. Maximal darf sie drei Monate betragen. Die Kündigung beim alten Anbieter übernimmt in der Regel der neu gewählte Lieferant.

Erhöht der Versorger irgendwann den Preis, steht jedem Kunden ein Sonderkündigungsrecht zu. Dabei ist keine Frist einzuhalten. Die Kündigung aussprechen müssen Sie als Kunde dann aber selbst.

Wer noch keinen Wärmestromvertrag abgeschlossen hat, betreibt seine Nachtspeicherheizung oder Wärmepumpe mit Haushaltsstrom. Das ist grundsätzlich teurer als über einen Wärmestromtarif. Befindet sich ein Verbraucher sogar noch in der Grundversorgung, zahlt er wahrscheinlich mehr als 30 Cent pro Kilowattstunde. In einem solchen Fall ist dringend angeraten, den Vertrag zu wechseln. In der Grundversorgung beträgt die Kündigungsfrist zwei Wochen.

Zweiter Zähler häufig Bedingung für Wärmestromtarife

Aus der Grundversorgung heraus kommen Sie auf jeden Fall. Der Abschluss mancher Wärmestromverträge ist jedoch an technische Bedingungen geknüpft. Um reduzierte Netzentgelte in Anspruch zu nehmen, muss beispielsweise ein zweiter Zähler den Stromverbrauch der Wärmepumpe oder der Stromspeicherheizung messen. Für die Stromzähler müssen Sie zwei getrennte Lieferverträge schließen. Diese kann natürlich ein und derselbe Versorger übernehmen, aber es können auch zwei verschiedene Unternehmen sein.

Ist kein zweiter Zähler installiert, kann ein Energieversorger nur einen Wärmestromtarif anbieten, der aufgrund des günstigen Nachttarifs niedriger ist als Haushaltsstrom. Die Tarife bei gemeinsamer Messung von Haushaltsstrom mit Wärmestrom sind daher in der Regel teurer als jene mit getrennter Messung.

Den Einbau eines zweiten Zählers sowie die Kosten für Betrieb, Wartung und das Ablesen sind im Strompreis enthalten. Durch das Messstellenbetriebsgesetz kommen auf die Verbraucher aber höhere Kosten für jeden Zähler zu. Das Gesetz sieht vor, dass bis 2032 die meisten herkömmlichen Stromzähler gegen moderne Messgeräte getauscht werden. Sind in einem Haushalt zwei Zähler installiert, bedeutet das automatisch, dass die höheren Entgelte für zwei Zähler zu Buche schlagen. Beim Betrieb einer Wärmepumpe oder Stromspeicherheizung, deren Stromversorgung der Netzbetreiber unterbrechen darf, ist zudem der Einbau eines intelligenten Messsystems vorgesehen. Damit einhergehen jährliche Kosten von maximal 100 Euro.

Anderen Zähler verlangen oder neuen Messstellenbetreiber suchen

Verbraucher sind aber nicht sklavisch an einen Haushaltstarif gebunden, nur weil bislang kein Stromzähler installiert ist, wie ihn die technischen Bedingungen des Netzbetreibers vorschreiben. Wenn Sie einen Heizstromtarif möchten und dazu einen bestimmten Zähler benötigen, kann beim Messstellenbetreiber ein entsprechendes Gerät bestellen. Den Einbau übernimmt dann ein Elektroinstallateur.

Der Messstellenbetreiber ist in den meisten Fällen der Netzbetreiber. Als Kunde sind Sie dabei frei, sich einen anderen Anbieter zu suchen, der geringere Entgelte nimmt oder einen besseren Service bietet.

Ebenso ist es möglich, einen zweiten Zähler wieder zurückzugeben und den Wärmestromverbrauch über den Haushaltszähler zu messen. Den Messstellenvertrag müssen Sie dann kündigen. Ein Elektroinstallateur baut das Gerät aus und sendet es an den Messstellenbetreiber zurück. Reduzierte Netzentgelte können Sie dann allerdings nicht mehr in Anspruch nehmen.

Doppeltarifzähler für niedrige Nachttarife

Unterscheidet ein Versorger Nieder- und Hochtarife, setzt er voraus, dass der Strombezug bei Nacht und bei Tag getrennt voneinander gemessen wird. Verbraucher benötigen dann einen Zwei- oder Doppeltarifzähler. Wer einen Eintarifzähler installiert hat, dem berechnet der Versorger entweder einen einheitlichen Strompreis für den gesamten Tag oder er hat keinen Wärmetarif im Angebot. Eine einheitliche, branchenweite Regelung gibt es nicht.

Die größere Ersparnis ergibt sich bei Wärmestromtarifen heute aber nicht mehr aus günstigen Nachttarifen, sondern aus reduzierten Netzentgelten. Ob es sich lohnt, einen Eintarifzähler gegen einen Zweitarifzähler zu tauschen, sollten Sie daher abwägen. Bei den Stadtwerken Lindau beispielsweise zahlen Verbraucher von Wärmestrom mit Eintarifzähler deutlich weniger als mit Doppeltarifzähler. Bei Hamburg Energie unterscheiden sich die Preise nicht.

Ausblick

Ob eine Unterscheidung in Tag- und Nachttarife zeitgemäß bleibt, wird die Zukunft zeigen. Seit 2011 hat sich die Erzeugung von Atomstrom halbiert. Bis 2022 sollen die verbliebenen Kernkraftwerke in Deutschland vom Netz gehen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft erwartet, dass die Strompreise über den gesamten Tag verteilt stärker schwanken werden, weil der Anteil von Sonnen- und Windstrom steigt. Da sich Stromspeicherheizungen und Wärmepumpen in ihrem Verbrauch steuern lassen, können sie dann Energie aufnehmen, wenn die Strompreise niedrig sind. Dazu müssen die Versorger aber die schwankenden Strompreise beim Einkauf auch stärker an die Verbraucher weiterreichen.

Attraktive Preise sind zumindest nötig, wenn Wärmepumpen mehr und mehr Häuser beheizen sollen. Dies strebt die Bundesregierung an, damit die Energiewende auch im Wärmemarkt greift. Dabei sollen die wachsenden Stromerträge von Windrädern und Solaranlagen immer stärker auch zum Heizen dienen. Gibt es Sonnen- und Windstrom im Überfluss, spricht nichts dagegen, damit Wasser und Gebäude zu erwärmen.

So haben wir getestest

Auf dem Strommarkt gibt es besondere Tarife zum Heizen: einmal für Wärmepumpen, einmal für Stromspeicherheizungen. Diese können gleich hoch sein, sie können aber auch unterschiedlich hoch sein. Für beide Technologien haben wir verschiedene Profile für Haushalte definiert und jeweils separat für Wärmepumpen und für Speicherheizungen auf Vergleichsportalen abgefragt, um zu ermitteln, wo Verbraucher die besten Angebote bekommen.

Unsere Muster-Haushalte befinden sich in fünf unterschiedlich großen Kommunen: von der Kleinstadt mit 3.000 Einwohnern bis zur Millionenstadt. Die Profile unterscheiden sich hinsichtlich des Stromverbrauchs und der Frage, wie der Heizstromverbrauch gemessen wird.

Die Einstellungen in den Vergleichsportalen waren für alle Muster-Haushalte – sowohl bei der Abfrage von Nachtspeicherstrom als auch bei Wärmepumpenstrom – gleich:

  • mindestens zwölf Monate Preisgarantie,
  • Mindestlaufzeit maximal zwölf Monate,
  • Kündigungsfrist maximal vier Wochen,
  • monatlich Abschlagszahlung
  • Folgelaufzeit von maximal einem Monat.

Darüber hinaus wurden folgende Einstellungen gewählt:

  • beliebig viele Tarife pro Anbieter,
  • nur Tarife ohne Vorauskasse,
  • keine Paket-Tarife,
  • Bonuszahlungen nicht einrechnen oder keinen Tarif mit Bonus anzeigen,
  • alle Anbieter anzeigen unabhängig von irgendeiner Empfehlung und Wechselmöglichkeit,
  • nicht nur Tarife mit Ökostrom,
  • private und keine gewerbliche Nutzung der Energie.

Diese Finanztip-Kriterien für verbraucherfreundliche Ergebnisse haben wir zur Bedingung bei der Auswahl der anschließend geprüften Portale gemacht. Über eine anonyme Google-Suche nach den Begriffen „Wärmestrom“, Wärmepumpenstrom“, „Nachtstrom“, „Heizstrom“, „Stromheizung“ und „Heizen mit Strom“ fanden wir 20 Vergleichsportale. Zwei davon erfüllten unsere Kriterien: Verivox und Check24. Alle weiteren bekannten Vergleichsportale basieren auf den Datenbanken dieser beiden und schieden daher für den Test aus.

Die Trefferliste war mit diesen Einstellungen klein– zwischen 0 und 3 Angeboten wurden pro Musterhaushalt gezeigt. Daher haben wir einen Parameter verändert und die Folgelaufzeit auf maximal zwölf Monate erhöht. Anschließend haben wir die Daten für alle Musterhaushalte mit Zweitarifzähler sowie für alle Musterhaushalte mit Wärmepumpe und Eintarifzähler noch einmal abgefragt. Es zeigten sich daraufhin mehr Treffer – zwischen 9 und 15 bei vier Musterhaushalten. Im fünften Musterhaushalt erhöhte sich die Trefferzahl von 0 auf 2.

Details zu den beiden Untersuchungen lesen Sie in unseren Test-Artikeln zu günstigem Strom für Wärmepumpen und günstigem Nachtstrom.

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Artikel verfasst von

Ines Rutschmann

Finanztip-Expertin für Energie

Als Expertin für Energie widmet sich Ines Rutschmann allen Fragen, die sich Verbrauchern rund um Strom und Heizen stellen. Über den Strommarkt berichtete sie erstmals 2005 für die Leipziger Volkszeitung, wo sie auch ihre journalistische Grundausbildung absolvierte. Danach war sie unter anderem für den Deutschlandfunk und das Solarstrom-Magazin Photon tätig. Ines Rutschmann ist Diplom-Ingenieurin (FH) und hat einen Abschluss als Master of Science in Energiemanagement.