| Ratgeber Baufinanzierung / Immobiliendarlehen / Hypothekenzinsen bei Finanztip.de |
Die Hannoversche Leben hat zum Beispiel eine solche Baufinanzierung in ihr Baufinanzierungsangebot aufgenommen. Die so genannte Festzinshypothek mit Kündigungsoption bietet dem Darlehensnehmer einerseits Zinssicherheit über beispielsweise zehn Jahre. Andererseits kann das Darlehen vorzeitig und ohne Angabe von Gründen gekündigt werden. So viel Großzügigkeit gibt es natürlich nicht umsonst. So sind die zu zahlenden Hypothekenzinsen deutlich höher als bei Festzinshypotheken ohne vorzeitige Kündigungsmöglichkeit.
Mit der Festzinshypothek mit Kündigungsoption bietet die Hannoversche Leben Baufinanzierungsangebote, die es in Ländern wie Belgien oder Frankreich schon länger gibt. In diesen Ländern ist es problemlos möglich, frühzeitig aus Hypothekenkrediten auszusteigen. Die seit Jahren enorme Nachfrage nach vorzeitigen Umschuldungen belegt das hohe Interesse von Bauherren und Hauskäufern an einer derart flexiblen Baufinanzierung. Nach Angaben der Hannoverschen Leben müssen Darlehensnehmer bei ihr für diese Form der Hausfinanzierung einen Zinsaufschlag bezahlen, der zum Beispiel für ein Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung 0,65 Prozent beträgt.
Mit der Festzinshypothek mit Kündigungsoption will sich die Hannoversche Leben schon auf Änderungen einstellen, die von der EU-Kommission für die Zukunft empfohlen werden. So soll das bestehende deutsche System der Vorfälligkeitsentschädigung zugunsten der Verbraucher eingeschränkt werden.
Für den Bauherren oder Immobilienkäufer kann insbesondere in Zeiten höher Hypothekenzinsen eine derartige Hausfinanzierung eine interessante Baufinanzierung darstellen. Der höhere Hypothekenzins enthält faktisch eine Art Versicherungsprämie dafür, dass die Immobilienfinanzierung jederzeit gekündigt werden kann. Eine solche Festzinshypothek mit Kündigungsoption macht - abgesehen vom richtigen Timing im Hinblick auf das Zinsniveau - insbesondere Sinn für Bauherren und Immobilienkäufer, die - aus welchen Gründen auch immer - besonderen Wert auf Flexibilität bei der Hausfinanzierung legen.
Soweit der Bauherr die Kündigungsoption nicht aus persönlichen Gründen benötigt, ist diese Form der Hausfinanzierung auch eine Art Spekulation. Der Bauherr spekuliert auf sinkende Hypothekenzinsen. Da die Vorfälligkeitsentschädigung vom Zeitpunkt der Kreditablösung und der dann geltenden Bauzinsen abhängt, kann die zu zahlende Versicherungsprämie bei der Festzinshypothek mit Kündigungswahlrecht auch deutlich höher liegen als die Zahlung der Strafgebühr bei Kündigung und Zustimmung durch die Bank.
Von besonderer Bedeutung ist das Timing. Die Nachfrage nach einer Umschuldung ist bei Hausbesitzern natürlich dann besonders ausgeprägt, wenn die Hypothekenzinsen sinken und ein neuer Hypothekenkredit günstiger wäre. Bei der derzeitigen Zinssituation (Stand August 2006) gilt jedoch eher das Gegenteil. Die Bauzinsen werden nach den Fundamentaldaten eher in den nächsten Jahren steigen als fallen. Bei steigenden Zinsen sinkt entsprechend auch die Höhe einer Vorfälligkeitsentschädigung.
Gerade bei erwarteten steigenden Bauzinsen bietet sich die Alternative Forward-Darlehen an. Mit einem Forward-Darlehen kann der Immobilienbesitzer sich bereits heute die Bauzinsen für die Anschlussfinanzierung bis zu drei Jahre im voraus sichern. Das "alte" Baudarlehen läuft normal weiter. Dafür nimmt die Bank Bereitstellungsgebühren, die in der Regel zwischen 0,02 bis 0,035 Prozent der Kreditsumme pro Monat betragen.
Wegen der Refinanzierung von Banken bleibt es fraglich, ob zunehmend Festzinshypotheken mit Kündigungsoption angeboten werden. Ein unkündbarer Festzinskredit wird von den Banken über die Ausgabe von Bonds oder Pfandbriefen mit festen Laufzeiten refinanziert. Jederzeit kündbare Festzinskredite können so von den Banken nicht refinanziert werden.
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