Versorgungswerke

Pflichtversicherung für die meisten freien Berufe

Das Wichtigste in Kürze

  • Versorgungswerke zahlen die Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenrente für Freiberufler.
  • In ein Versorgungswerk eintreten müssen alle Ärzte (auch Zahn- und Tierärzte), Apotheker, Architekten, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer, Ingenieure und Psychotherapeuten, die Mitglied in der entsprechenden Kammer sind. Mietglieder eines Versorgungswerks können sich von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien lassen.
  • Die Versorgungswerke haben mitunter unterschiedliche Beitragshöhen. Die zugesagten Renten sind oft höher als in der gesetzlichen Rente.
  • Die Leistungen werden aus den Rücklagen der Versorgungswerke gezahlt, nicht wie die gesetzliche Rente im Umlageverfahren aus den Einzahlungen der aktuell Berufstätigen.

So gehen Sie vor

  • Klären Sie, ob Sie Mitglied in einem Versorgungswerk werden müssen.
  • Prüfen Sie, ob es sinnvoll ist, sich dafür von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht befreien zu lassen.
  • Beachten Sie dabei auch, welche Beiträge Sie gegebenenfalls für die gesetzliche Krankenversicherung im Rentenalter zahlen müssen.
  • Sind Sie von der Pflichtversicherung befreit, müssen Sie den Antrag auf Befreiung bei jedem Wechsel des Arbeitsplatzes erneut stellen.
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In eine Rentenkasse einzahlen – das muss fast jeder in Deutschland. In welchem Topf das Geld genau landet, hängt allerdings davon ab, welchen Beruf derjenige ausübt. Neben der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es die berufsständischen Versorgungswerke. Insgesamt 89 Gesellschaften kümmern sich um die Pflichtversorgung bezüglich der Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebenenrente ihrer Mitglieder. Sie sind auch dafür zuständig, Reha-Maßnahmen zu finanzieren.

Versorgungswerke sind Pflicht für bestimme Berufe

Versorgungswerke sind keine freiwillige Alternative zur gesetzlichen Rentenversicherung, sondern in den meisten Fällen eine Pflichtversicherung für viele Berufe. Sie sichern Freiberufler ab, die Mitglied in ihrer entsprechenden Berufskammer sind. Dazu gehören Ärzte (auch Tier- und Zahnärzte), Apotheker, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, vereidigte Buchprüfer, Ingenieure, Architekten und Psychotherapeuten.

Mit der Aufnahme in die jeweilige Kammer ist der Eintritt in das Versorgungswerk automatisch Pflicht. Das gilt auch für Mitglieder dieser Berufsgruppen, die angestellt sind. Gleichzeitig sind diese als Angestellte aber in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Damit angestellte Zahnärzte oder Rechtsanwälte keine doppelten Beiträge zahlen, können sie sich von der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung befreien lassen. Dies gilt jeweils nur für die aktuelle Anstellung. Wechselt zum Beispiel ein Steuerberater seinen Arbeitgeber, muss er erneut einen Antrag auf Befreiung stellen. Die Organisation der einzelnen Versorgungswerke ist Ländersache, teilweise sind kleinere Bundesländer aber auch zusammengefasst. Wer Mitglied werden will oder muss, sollte sich daher genau erkundigen, welches Versorgungswerk für ihn zuständig ist. Eine gute Anlaufstelle ist die Website der „Arbeitsgemeinschaft berufsständiger Versorgungseinrichtungen“. Dort lässt sich gezielt nach einem Bundesland oder einem Beruf suchen.

Höhe der Beiträge hängt von der Tätigkeit ab

Die Höhe der Beiträge gestaltet jedes Versorgungswerk anders. Einige nehmen zum Beispiel einen Prozentsatz des erzielten Einkommens (der teilweise dem Satz der gesetzlichen Rentenversicherung entspricht), andere fordern einen gewissen Anteil des Höchstbeitrags der gesetzlichen Rentenversicherung. Verdient ein Mitglied wenig, lässt sich der Beitrag häufig auch einkommensabhängig reduzieren. So zahlt ein erfahrener Facharzt mit einer gut laufenden, eigenen Praxis mehr als ein Berufsanfänger.

Bei angestellten Mitgliedern entspricht der Beitrag meist dem der gesetzlichen Rentenversicherung von 18,7 Prozent. Darüber hinaus haben sie Anspruch auf einen Arbeitgeberzuschuss zum Versorgungswerk (§ 172a SGB  VI), der dem Zuschuss zur gesetzlichen Rentenversicherung entspricht. 2017 beläuft sich der Höchstzuschuss in den alten Bundesländern auf etwa 594 Euro, in den neuen Bundesländern auf rund 533 Euro.

Die Mindest- und Höchstbeiträge weichen durch die verschiedenen Regelungen voneinander ab, je nachdem welchem Versorgungswerk jemand angehört. Oft lassen die Versorgungswerke auch freiwillige Mehrzahlungen zu, um die Rente zu erhöhen. Die Einzahlungen werden mit einem Garantiezins verzinst, darüber hinaus sollen weitere Gewinne erwirtschaftet werden.

Die zugesagten Renten sind derzeit höher als in der gesetzlichen Rentenversicherung. 2015 betrugen sie durchschnittlich knapp 2.080 Euro im Monat. Vorgezogene Altersrenten ab 60 oder 62 Jahren mit versicherungsmathematischen Abschlägen sind genauso möglich wie der Aufschub der Rente mit rentensteigender Wirkung.

Kein extra Zuschuss zur Krankenversicherung

Achtung

Kein Riester

Eine Riester-Förderung gibt es für Mitglieder in den Versorgungswerken nicht.

Wer nach einem Leben als Angestellter eine gesetzliche Rente bezieht, muss als gesetzlich Krankenversicherter nur den halben Beitrag zur Krankenversicherung selbst tragen – egal ob er im Alter pflichtversichert oder freiwillig versichert ist. Die gesetzliche Rentenversicherung trägt den Arbeitgeberanteil des Krankenversicherungsbeitrags als Zuschuss. 2017 beträgt dieser 7,3 Prozent, den individuellen Zusatzbeitrag der Kasse trägt allein der Versicherte. Auch Privatversicherte erhalten diesen Zuschuss, maximal aber die Hälfte des monatlichen Beitrags. Gleiches gilt für die gesetzliche Pflegeversicherung.

Wer dagegen im Alter Rente aus einem Versorgungswerk bezieht, muss den vollen Beitragssatz alleine zahlen. Das Versorgungswerk zahlt keinen separaten Zuschuss, sondern rechnet diesen bereits in die monatliche Rente mit ein – die Rente ist dann entsprechend höher. Auf welche Einkommen der Beitrag der gesetzlichen Krankenkasse anfällt, hängt davon ab, ob der Versicherte freiwillig versichert oder pflichtversichert in der Krankenversicherung der Rentner ist. Denn bei freiwillig Versicherten zählt zum Beispiel auch das Zinseinkommen mit.

Erhalten Rentner Geld sowohl von der gesetzlichen Rentenversicherung als auch aus einem Versorgungswerk, fallen bis zur Beitragsbemessungsgrenze auf beide Renten Beiträge an.

Für pflichtversicherte Rentner führt das Versorgungswerk den Beitrag in der Regel direkt an die Krankenversicherung ab. Freiwillig Versicherte müssen dagegen selbst den Beitrag überweisen.

Das für Medienberufe zuständige Presseversorgungswerk gehört übrigens nicht zu den berufsständischen Versorgungswerken. Es ersetzt nicht die gesetzliche Rentenkasse, sondern ist lediglich eine zusätzliche Möglichkeit zur privaten Altersvorsorge.

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So finanzieren sich Versorgungswerke

Im Gegensatz zur gesetzlichen Rentenversicherung organisieren die Versorgungswerke die Altersversorgung ihrer Mitglieder kapitalbildend. Das bedeutet, dass sie für kommende Rentner die gezahlten Beiträge zurücklegen und verzinsen, um diese später auszuzahlen. Um der anhaltenden Niedrigzinsphase entgegenzuwirken und die Renten zu sichern, verfolgen die einzelnen Versorgungswerke unterschiedliche Strategien. Einige investieren stärker in Aktienfonds, andere bauen ihre Immobilienbestände aus.

Zusätzlich haben sie das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre angehoben und den Rechnungszins gesenkt, mit dem sie intern die Verzinsung der Beiträge berechnen. Außerdem bauen die Versorgungswerke Rücklagen auf, um länger anhaltenden Niedrigzinsen zu begegnen. Dennoch könnte es passieren, dass zum Beispiel die Renten in Zukunft niedriger ausfallen, sollten die Zinsen weiterhin auf dem niedrigen Stand bleiben.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.

Anika Schulz

ehemalige freie Finanztip-Mitarbeiterin

Anika Schulz ist ausgebildete Journalistin. Sie arbeitete bereits beim Peoplemagazin InTouch und bei verschiedenen Publikationen aus der BILD-Gruppe. Ihr Volontariat schloss sie erfolgreich beim Berliner Kurier ab. Für Finanztip schrieb sie bis zum 1. Juli 2016 im Bereich Versicherungen.