Verträge (z.B. Darlehensvertrag) zwischen Angehörigen

  • Tipp: Sollen wir Sie zu wichtigen Steuerfragen sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

    Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

    Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

    Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

    Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
    Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

Insbesondere Darlehensverträge zwischen Angehörigen werden von Finanzbeamten gern kritisch beäugt. Derartige Darlehensverträge sind nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern erlauben bei richtiger Vorbereitung und Durchführung eine steueroptimale Gestaltung. So kann man manchmal mit Darlehensverträgen zwischen Angehörigen auch etwas Einkommensteuer sparen. Damit ein derartiger Vertrag steuerrechtlich anerkannt wird, muss er jedoch einige Voraussetzungen erfüllen. Für die steuerliche Anerkennung eines Vertrages ist es wichtig, dass dieser Vertrag auch zivilrechtlich wirksam ist und dass der Inhalt des Vertrages auch einem Fremdvergleich standhalten würde.

Das Steuerrecht definiert im § 15 AO, wer als Angehöriger anzusehen ist. Sofern ein Einzelsteuergesetz nichts anderes bestimmt, gilt somit die Definition aus der Abgabenordnung. Verträge unter Angehörigen sind grundsätzlich auch steuerlich anzuerkennen. Das Steuerrecht verlangt für die Anerkennung, dass die Vertragsbedingungen einem Fremdvergleich entsprechen, klar und ernstlich gewollt sind, die zivilrechtlichen Wirksamkeitsvoraussetzungen vorliegen und die tatsächliche Durchführung auch den vertraglichen Vereinbarungen entspricht.

Im Gegensatz zu fremden Personen als Vertragspartner werden privatgeschäftliche Vereinbarungen zwischen (nahen) Angehörigen häufig (auch oder nur) von familiären Erwägungen bestimmt. Verträge unter nahen Angehörigen sind daher daraufhin zu untersuchen, ob sie durch die Einkünfteerzielung oder den steuerrechtlich unbeachtlichen privaten Bereich veranlasst sind (BFH-Urteil vom 28.6.2002, IX R 68/99. So kann bei der Prüfung von Mietverträgen unter Angehörigen am Maßstab des Fremdvergleichs für die Auslegung ursprünglich unklarer Vereinbarungen auch die spätere tatsächliche Übung der Parteien herangezogen werden.

Vorausetzungen für Verträge unter Angehörigen

Wie dargelegt, sind Verträge unter Angehörigen grundsätzlich auch steuerlich anzuerkennen, wenn sie die von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterien erfüllen:

    • Beachtung zivilrechtlicher Wirksamkeitsvoraussetzungen:
      • Verträge unterliegen nicht schon deshalb einem Formzwang, weil sie unter Angehörigen abgeschlossen werden. So reicht auch bei Angehörigen grundsätzlich eine mündliche Vereinbarung. Die Schriftform ist allerdings aus Beweisgründen sehr zu empfehlen, denn der Steuerpflichtige hat gegenüber dem Finanzamt die Beweislast (Feststellungslast).
      • Werden Verträge zwischen einem Elternteil und dem minderjährigen Kind geschlossen, so ist grundsätzlicher ein Ergänzungspfleger (§ 1909 BGB) zu bestellen. Dies gilt nur nicht für Arbeits- und Ausbildungsverträge. Der Ergänzungspfleger gibt die erforderlichen Vertragserklärungen im Namen des Kindes ab
      • Für manche Verträge ist eine notarielle Beurkundung erforderlich. Das gilt vor allem für Verträge, durch die sich jemand verpflichtet, Eigentum an einem Grundstück zu übertragen oder zu erwerben (§ 311b BGB) sowie für Schenkungsversprechen (§ 518 BGB).
  • Tatsächlicher Vollzug der Verträge: Der Vertrag darf nicht nur zum Schein geschlossen sein, sondern er muss klar und ernstlich gewollt und vollzogen werden. Für die steuerrechtliche Anerkennung eines Vertrags unter nahen Angehörigen ist auch Voraussetzung, dass die tatsächliche Handhabung des Vertrags mit dem Vertragsinhalt übereinstimmt.
  • Fremdvergleich: Eine wichtige Voraussetzung für die steuerrechtliche Anerkennung eines Vertrages unter nahen Angehörigen ist der Fremdvergleich. Der Vertrag wäre mit dem vereinbarten Inhalt auch unter fremden Dritten abgeschlossen worden. Der Vertrag muss also einem "Fremdvergleich" standhalten.


Sofern die vorgenannten Grundsätze beachtet werden, ist die vertragliche Beziehung auch für Zwecke der Einkommensteuer zu beachten. Verträge unter Angehörigen sollten daher vom Steuerzahler sehr genau unter diesem Aspekt geprüft worden, damit der Vertrag bei der Steuererklärung auch gegenüber dem Finanzamt Bestand hat. Denn nach Ansicht der Rechtsprechung ist bei Verträgen zwischen nahen Angehörigen zu unterstellen, dass es an einem natürlichen Interessengegensatz wie zwischen Fremden fehlt. Dies rechtfertigt es, Verträge zwischen nahen Angehörigen nur anzuerkennen, soweit sie wie unter fremden Dritten üblich ausgestaltet und abgewickelt werden. Der große Teil der Vertragsbeziehungen unter Angehörigen erstreckt sich auf die folgenden Verträge:

  • Arbeitsverträge: Übliche Kriterien sind: Erbringung der Arbeitsleistung, angemessenes Engelt (Lohn, Gehalt), Verfügungsgewalt über das Entgelt sowie tatsächliche Abführung der Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge
  • Darlehensverträge: Übliche Kriterien sind: Getroffene Vereinbarung über Laufzeit sowie Art und Zeitpunkt der Rückzahlung, ausreichende Sicherung des Anspruchs auf Rückzahlung und tatsächliche Zahlung der Zinsen zu den Fälligkeitszeitpunkten sowie Verfügungsgewalt über die gezahlten Zinsen.
  • Mietverträge und Pachtverträge: Tatsächliche Durchführung der Überlassung einer konkret bestimmten Sache. Art der Nutzung und Höhe der Miete müssen klar und eindeutig bestimmt sein und entsprechend durchgeführt werden. Für die Beurteilung eines Mietvertrages unter nahen Angehörigen kommt es entscheidend darauf an, ob die Vertragsparteien ihre Hauptpflichten aus dem Mietvertrag (Überlassung der konkret bestimmten Sache und Zahlung der Miete) klar und eindeutig vereinbart und durchgeführt haben.

Sonderfall der Schenkung und anschließender Darlehensgewährung

Wenn zwischen der Schenkung und einer anschließenden Darlehensgewährung ein offensichtlicher Zusammenhang besteht, dann sind die Zinsen in der Regel bei der Ermittlung der Einkünfte nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abziehbar. Dies ist zumindest dann der Fall, wenn die Schenkung mit der Auflage einer Darlehensgewährung verbunden ist. Derartigen Schenkungen mit anschließenden Rechtsgeschäften wie Darlehensgewährung liegt zumeist ein Gesamtplan zur Schaffung von Werbungskosten oder Betriebsausgaben im familiären Bereich zugrunde. Beispiel: Ein Elternteil schenkt dem minderjährigen Kind ein Geldbetrag und das Kind stellt davon einen erheblichen Betrag dem anderen Elternteil als Darlehen zur Verfügung.

Zur Anerkennung von Darlehensverhältnissen zwischen Eltern und Kindern bei vorangehender Schenkung des Darlehensbetrages hat der BFH mit Urteil vom 19.02.2002 - IX R 32/98 in einem besonderen Fall Stellung bezogen. Zitat: "Schenkt eine Mutter ihren minderjährigen Kindern einen Geldbetrag, der zeitnah dem Vater zur Finanzierung der Anschaffung eines Grundstücksanteils als Darlehn gewährt wird, überträgt der Vater alsdann die Hälfte des Grundstücks auf die Mutter und investiert diese einen Betrag in die Renovierung des Gebäudes, der dem Wert ihres Anteils entspricht, dann ist die Darlehnsgewährung nicht rechtsmissbräuchlich".

  • Tipp: Sollen wir Sie zu wichtigen Steuerfragen sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

    Bitte bestätigen Sie jetzt Ihre Anmeldung!

    Wir haben Ihnen eine E-Mail an Ihre Adresse gesendet.

    Schauen Sie gleich in Ihr E-Mail-Programm.

    Sie haben keine E-Mail erhalten? Kann es sein, dass die Nachricht im SPAM-Ordner Ihres E-Mail-Anbieters gelandet ist?
    Bitte schauen Sie auch dort einmal nach und fügen die Mail-Adresse von Finanztip.de Ihrem Adressbuch hinzu.

Einkommensteuer sparen mit Abgeltungssteuer

Die erhaltenen Zinsen sind grundsätzlich der Einkommensteuer zu unterwerfen. Es stellt sich aber die Frage, ob der persönliche Einkommensteuersatz oder aber der Abgeltungsteuersatz Anwendung findet. Der Kreditnehmer kann bei einem echten Darlehensvertrag die Zinsen auch als Werbungskosten oder Betriebsausgaben in der Steuererklärung absetzen, wenn das Darlehen für berufliche oder betriebliche Zwecke aufgenommen wurde. Bei einer geschickten Gestaltung kann sogar der Kreditgeber die Zinserträge weitgehend steuergünstig vereinnahmen, während der Darlehensnehmer die Zinsaufwendungen als Betriebsausgaben oder Werbungskosten in voller Höhe absetzt.

Zu beachten ist aber, dass - wenn der Kreditnehmer die Zinsen als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzt - der Kreditgeber die Zinsen grundsätzlich mit seinem persönlichen Steuersatz zu versteuern hat. Der Abgeltungsteuersatz greift in diesen Fällen nicht. Diese Einschränkung gilt jedoch nicht, wenn mit dem Kredit keine Einkünfte erzielt werden. Beispiel: Zahlung von Krankheitkosten, die im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungen, d. h. oberhalb der zumutbaren Eigenbelastung, abzugsfähig sind. In diesem Fall unterliegen die Zinserträge dem Abgeltungsteuersatz.
Es sind derzeit noch mehrere Klagen vor Finanzgerichten zur Anwendung der Abgeltungsteuer anhängig. Hierzu gehört ein Verfahren vor dem FG Niedersachsen - 15 K 417/10 zur Frage "Abgeltungsteuer bei Darlehen an nahe Angehörige". Dieses Musterverfahren wird vom Bund der Steuerzahler unterstützt. Sachverhalt: Die Kläger hatten ihrem Sohn und den Enkelkindern ein Darlehen für die Anschaffung einer fremdvermieteten Immobilie gewährt. Der Darlehensvertrag war schriftlich abgeschlossen worden und beinhaltete eine fremdübliche Verzinsung. Die Kläger wollten die Zinseinnahmen mit dem pauschalen Abgeltungsteuersatz versteuern. Das Finanzamt wandte stattdessen den (höheren) persönlichen Steuersatz der Kläger an.

Der Bund der Steuerzahler möchte klären, ob die steuerliche Behandlung der Darlehenszinsen davon abhängen darf, wie der Darlehensempfänger das Geld nutzt. Beispiel: Wird einem nahen Angehörigen ein Darlehen gewährt wird und nutzt dieser das Darlehen für Zwecke der Einkunftserzielung, so wird für die Darlehenszinsen nicht der Abgeltungsteuersatz angewendet. Würde der Darlehensempfänger das Geld für private Zwecke wie zum Beispiel eine Urlaubsreise verwenden, so unterfielen die Zinseinnahmen hingegen der Abgeltungsteuer. Weitere anhängige Verfahren betreffen "Darlehen an die eigene GmbH bzw. an die eigene GbR".

Sollen wir Sie
zu wichtigen Steuerfragen
sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten?

Einmal pro Woche die wichtigsten Verbraucher-Tipps - kostenlos und werbefrei direkt in Ihr Postfach.

  • Wertvolle Spartipps für Ihr Geld
  • Urteile, die Sie kennen sollten
  • Updates zu unseren beliebten Rechnern und Musterschreiben
  • Unverbindlich und jederzeit kündbar


Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

Vielen Dank für Ihre Anmeldung

Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse

  1. Schauen Sie gleich in Ihrem Postfach nach.
  2. Öffnen Sie die Mail von Finanztip Newsletter.
  3. Klicken Sie auf den Bestätigungslink.

Schauen Sie bitte auch im Spam-Ordner nach.

Finanztip Newsletter

  • Jede Woche die besten Tipps
  • Absolut kostenlos
  • 100% werbefrei

Artikel verfasst von

Finanztip-Redaktion

Die Experten für Verbraucherfinanzen

Die Finanztip-Redaktion besteht aus einem Team von Experten, die völlig unabhängig für Sie recherchieren, damit Sie die beste Entscheidung treffen können. Die Experten arbeiten in den Teams Bank & Geldanlage, Versicherung & Vorsorge, Recht & Steuern sowie Energie/Reise/ Mobilität & Medien. Bei der Wahl der Zeitschrift „Wirtschaftsjournalist“ zur Wirtschaftsredaktion des Jahres belegte die Redaktion 2015 den zweiten Platz.