Wohnungsvermittlung

Diese Start-ups wollen Maklern Konkurrenz machen

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit Einführung des Bestellerprinzips versuchen viele junge Unternehmen, Alternativen zur Wohnungsvermietung über den Makler zu etablieren.
  • Einige bieten online Maklerdienstleistungen nach dem Baukastenprinzip an.
  • Andere erproben neue Geschäftsmodelle, zum Beispiel ein Auktionsverfahren für Mietwohnungen.
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Das Bestellerprinzip hat die Immobilienbranche in Aufruhr versetzt. Denn seit 1. Juni 2015 zahlt den Immobilienmakler, wer ihn beauftragt hat. Meist sind das die Vermieter, die einen neuen Mieter für ihre Wohnung oder ihr Haus suchen. Und vielen von ihnen erscheinen zwei Monatskaltmieten als Maklerprovision sehr viel, für die vor der Gesetzesänderung in der Regel der neue Mieter aufgekommen ist.

Diese neue Situation versuchen zahlreiche Start-ups für sich zu nutzen. Sie bieten im Internet Maklerdienstleistungen zu deutlich niedrigeren Preisen an als bisher oder suchen neue Wege der Vermittlung zwischen Wohnungsbesitzer und Mieter. So machen die jungen Online-Portale nicht nur Maklern, sondern auch etablierten Immobilienplattformen wie Immobilienscout24 oder Immonet Konkurrenz. Wir stellen sechs der Start-ups vor.

Bei diesen Angeboten zahlt der Vermieter

Moovin - Das Start-up aus Hamburg veröffentlicht für Vermieter Anzeigen auf 35 Immobilienportalen. Aus den Wohnungsbewerbern filtert das Unternehmen dann auf Basis einfacher Kriterien wie Personenzahl im Haushalt oder Einkommen diejenigen heraus, die den Wünschen des Vermieters entsprechen. Dieser Service kostet rund 200 Euro. Zusätzliche Dienstleistungen wie ein Besichtigungsservice oder die Wohnungsübergabe kosten extra. Ein vergleichbares Geschäftsmodell verfolgen auch Devepo, Domiando, Immomio, Rentkit und Wunderagent. Andere Start-ups wie McMakler bieten statt des Baukastenprinzips einen Rundum-Service zu einem Festpreis, der deutlich niedriger ist als herkömmliche Maklerprovisionen.

Nesthub - Ein ähnliches Konzept verfolgt Nesthub. Im Gegensatz zu Moovin, das die Inserate nur auf andere Plattformen stellt, können Wohnungsinteressenten bei Nesthub auch direkt nach Angeboten suchen. Wer sich auf eine Wohnung bewerben will, muss zunächst ein Profil von sich anlegen. Dieses kann er dann für jede Wohnungsbewerbung nutzen. Nesthub verwendet die im Profil angegebenen Informationen, um Bewerber für den Vermieter vorzusortieren. Für das Veröffentlichen ihrer Anzeige auf Nesthub und weiteren Immobilienportalen sowie die digitale Verwaltung des Bewerbungsprozesses zahlen Wohnungseigentümer 49 Euro. Wünscht der Vermieter einen umfassenderen Service, vermittelt das Unternehmen einen Makler.

Noch konnte Nesthub allerdings nicht allzu viele Vermieter überzeugen. In Berlin zeigte das Portal am 11. März 2016 immerhin 27 Wohnungen an, in Hamburg ist es nur 1 Wohnung und für München gibt es derzeit gar keine Angebote.

Smmove - Eine Auktionsplattform für Mietwohnungen – das ist die Idee von Smmove. Vermieter stellen ihre Wohnung auf der Webseite ein und legen die Höhe ihrer Wunschmiete fest. Anschließend können Interessenten in einer Art Bieterverfahren angeben, wie viel sie bereit wären, für die Wohnung zu bezahlen. Die vom Wohnungsbesitzer angegebene Wunschmiete kann sowohl unter- als auch überboten werden.

Mitbieten oder die Wohnung besichtigen darf nur, wer vorher ein ausführliches Profil ausgefüllt hat und den Kriterien des Vermieters entspricht. Mit den dort angegebenen Daten holt Smmove zudem Bonitätsinformationen von Auskunfteien ein und stellt sie Vermietern zur Verfügung.

Einen Mietvertrag garantiert das Höchstgebot auf Smmove allerdings nicht. Zwar werden die fünf Höchstbietenden dem Vermieter besonders hervorgehoben angezeigt, er kann aber frei entscheiden, wer die Wohnung bekommt. Bei erfolgreicher Vermietung erhält Smmove 25 Prozent einer Kaltmiete vom Eigentümer.

Bisher ist das Angebot auf Smmove noch recht begrenzt. Am 8. März 2016 fanden sich für Berlin 63 Anzeigen auf dem Portal, in Hamburg waren es 25 und in München sogar nur 7. Fast alle sind spärlich bebildert und gehören der Vonovia. Das bundesweit größte Wohnungsunternehmen ist derzeit der wichtigste Kooperationspartner von Smmove.

Bei diesen Angeboten zahlt der Mieter

Faceyourbase - Das Immobilienportal Faceyourbase wirbt mit einem „Mietermatching“ ähnlich wie beim Online-Dating. Vermieter können kostenlos ihre Wohnung inserieren, potenzielle Mieter bewerben sich mit einem Profil. Das Basis-Profil mit spärlichen Informationen wie Name, Beruf und Alter ist kostenlos. Wer den Vermieter mit weiteren Details wie Foto, Gehaltsangabe oder einem Link zum eigenen Social-Media-Profil beeindrucken möchte, muss 1 Euro pro Bewerbung zahlen.

Von allen Bewerbern kann der Wohnungsbesitzer maximal zehn zu einem Besichtigungstermin einladen. Erhält ein Interessent eine Einladung, werden weitere 10 Euro Gebühr fällig – auch wenn er die Wohnung letztendlich nicht mietet. Wer den Zuschlag bekommt, zahlt schließlich nochmal 29 Euro.

So ist Faceyourbase zwar günstiger als die klassische Maklerprovision, allerdings zahlt der Verbraucher schon, bevor er den Zuschlag vom Vermieter hat. Wer zu mehreren Besichtigungen geht, wird so schnell einiges an Geld los – und steht im ungünstigsten Fall immer noch ohne Wohnung da.

Die Gebühren sind angesichts des Bestellerprinzips durchaus problematisch, sofern die Tätigkeit des Portals als die eines Maklers einzuordnen ist. Laut Impressum verfügt das Unternehmen zumindest über eine Maklererlaubnis auch für die Vermittlung von Wohnungen (§ 34 c GewO). Bedenken bei diesen Gebühren hat auch der Deutsche Mieterbund, der sie für verkappte Provisionen hält.

Auch bei Faceyourbase ist das Wohnungsangebot fast zwei Jahre nach der Gründung noch sehr klein. Eine Suche am 8. März 2016 nach Wohnungen in München zeigt 8 Ergebnisse, in Berlin 9 Angebote und in Hamburg nur 6 Wohnungen. Vermieter können nicht nur das Internetangebot kostenlos nutzen, Faceyourbase bietet ihnen auch an, Besichtigungen zu organisieren oder Exposés zu erstellen.

Salz & Brot - Beim Start-up Salz & Brot aus Düsseldorf zahlen Vermieter nichts für das Einstellen einer Wohnung. Wohnungssuchende können die nach Angaben des Unternehmens etwa 10.000 Angebote auf der Website ebenfalls kostenlos ansehen. Zahlen muss nur, wer zusätzliche Dienste wie eine sofortige E-Mail-Benachrichtigung bei neuen Wohnungsinseraten in Anspruch nehmen möchte. Dann werden 15 Euro im Monat fällig.

Mietercasting - Auch das bayerische Unternehmen Mietercasting nutzt ein vom Online-Dating inspiriertes Geschäftsmodell. Dabei soll Mietern die Suche erspart bleiben, stattdessen müssen Vermieter aktiv werden. Konkret funktioniert das so: Wohnungsinteressenten geben ein Gesuch mit Kriterien auf, die ihnen an ihrer Wunschimmobilie wichtig sind. Vermieter bekommen Kandidaten angezeigt, die gut zu ihrer Wohnung passen und können dann Kontakt aufnehmen. Dabei sehen sie die persönlichen Daten der Interessenten erst, wenn diese es erlauben. Um ihr Profil attraktiver für Vermieter zu machen, können Nutzer Dokumente hochladen und eine kostenlose Bonitätsauskunft der Auskunftei Creditreform anfordern. Dafür brauchen sie allerdings einen Premium-Account, der für drei Monate 6 Prozent der angegebenen Wunschmiete kostet.

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Offen ist, ob sich die neuen Anbieter halten können

Welche der jungen Unternehmen sich im Wettbewerb um die Gunst von Mietern und Vermietern durchsetzen werden, ist noch nicht absehbar. Noch befinden sich die Plattformen im Aufbau; die Zahl der angebotenen Wohnungen ist klein und die Konkurrenz groß. Mit Vendomo hat bereits das erste Makler-Start-up aufgegeben.

Komplett revolutionieren werden die jungen Unternehmen die Wohnungssuche sicher nicht. Viele von ihnen bieten günstige Maklerdienstleistungen nach dem Baukastenprinzip an und kooperieren dafür auch mit lokalen Maklern. Einen Haken haben die neuen Immobilienplattformen jedoch: Bei vielen von ihnen müssen Interessenten umfangreiche Daten über sich preisgeben, noch bevor sie die Wohnung überhaupt gesehen haben. Auch, ob bei den angebotenen Wohnungen die Mietpreisbremse eingehalten wird, kontrollieren die meisten der Start-ups nach eigenen Angaben nicht. Davon mal abgesehen: Etwas mehr Konkurrenz auf dem Wohnungsvermittlermarkt schadet sicher nicht.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.