Krank im Urlaub

Den Urlaubsanspruch per Attest sichern

Dr. Britta Beate Schön Stand: 28. Juni 2016
Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Sie im Urlaub krank werden, können Sie Ihre Urlaubstage retten. Sie müssen Ihrem Arbeitgeber ein ärztliches Attest vorlegen.
  • Außerdem müssen Sie Ihren Arbeitgeber umgehend informieren und direkt am ersten Tag zum Arzt gehen – auch wenn laut Arbeitsvertrag der dritte Tag genügt.
  • Werden Sie im Ausland krank, müssen Sie auch Ihre Krankenkasse sofort informieren.
  • Eine Auslandskrankenversicherung ist sinnvoll, da die gesetzliche Krankenkasse die Behandlungskosten nur eingeschränkt und Rücktransporte gar nicht übernimmt.

Endlich Urlaub. Der Stress lässt nach, Sie beginnen die ersten freien Tage zu genießen – und prompt werden Sie krank. Von Erholung keine Spur. Das Phänomen heißt „leisure sickness“, zu Deutsch: Freizeitkrankheit, und tritt immer häufiger auf. Mit dem Urlaub ist es dann zwar vorbei, aber Sie sollten nicht auch noch Ihre Urlaubstage verschenken. Denn wenn Sie krankgeschrieben sind, bleibt Ihr Urlaubsanspruch erhalten.

Den Urlaubsanspruch retten

Viele Arbeitnehmer wissen das nicht oder es ist ihnen zu mühsam, im Urlaub zum Arzt zu gehen. Aber nur wer dem Arbeitgeber ein ärztliches Attest vorlegt, kann seine Urlaubstage retten. Die Tage, in denen der Arbeitnehmer nachweislich arbeitsunfähig war, werden nicht als Urlaubstage auf seinen Jahresurlaub angerechnet (§ 9 BurlG). Der Urlaub soll schließlich Ihrer Gesundheit und dem Erhalt Ihrer Arbeitsfähigkeit dienen. Wenn Sie krank sind, tut er das natürlich nicht, und Sie sollen ihn nachholen können.

Sie müssen während Ihres Urlaubs allerdings schon für den ersten Tag der Krankheit ein Attest vorlegen, auch wenn Sie ansonsten laut Vertrag erst am dritten Krankheitstag Ihrem Arbeitgeber den Nachweis vorlegen müssten. Auch wer vor Beginn des Urlaubs krank wird und diesen nicht antreten kann, kann den Urlaub mit seinem Arbeitgeber neu festlegen. Der Urlaub gilt als nicht verbraucht.

Wann Sie keine Urlaubstage behalten können

Es gibt zwei Ausnahmen von dieser Krankheitsregel im Urlaub: falls Sie nämlich während eines Freizeitausgleichs krank werden oder falls Ihre Kinder krank sind.

Freizeitausgleich - Wenn Sie Überstunden abbummeln und krank werden, entfällt Ihr Anspruch, auch wenn Sie dem Arbeitgeber ein Attest vorlegen. Sie können für die Zeit der Erkrankung keinen zusätzlichen Freizeitausgleich verlangen (BAG, Urteil vom 31. Mai 1989, Az. 5 AZR 344/88).

Erkrankung des Kindes - Sie können Ihren Urlaubsanspruch auch nicht retten, falls Ihr Kind krank wird. Zwar gibt es an normalen Arbeitstagen für Eltern die Möglichkeit, bezahlt freie Tage zu bekommen, falls sie sich um ihr krankes Kind kümmern müssen. Entweder zahlt der Arbeitgeber den Lohn weiter oder es besteht Anspruch auf Kinderkrankengeld. Wird das Kind allerdings im Urlaub krank und muss gepflegt werden, verfällt der Urlaubsanspruch – auch wenn Sie sich nicht erholen konnten und ein Attest vorlegen (ArbG Berlin, Urteil vom 17. Juni 2010, Az. 2 Ca 1648/10).

Den Arbeitgeber schnell informieren

Wer im Urlaub krank wird, muss handeln und seinen Arbeitgeber schnellstmöglich informieren. Das ist wichtig, um die Fortzahlung des Lohns zu sichern (§ 5 Abs. 1 Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG)). Sie sollten beim Arbeitgeber entweder anrufen oder eine Mail schicken. Die Personalabteilung oder der disziplinarische Vorgesetzte ist der richtige Ansprechpartner für die Krankmeldung. Es reicht nicht, den Arbeitskollegen von der Erkrankung zu informieren.

Verbringen Sie Ihren Urlaub im Ausland und werden krank, müssen Sie außerdem Ihre Kontaktdaten hinterlassen, wo Sie am Urlaubsort oder im Krankenhaus erreichbar sind (§ 5 Abs. 2 EntGFG). Mitarbeiter können auch eine Person damit beauftragen, das zu erledigen. Falls Sie Ihrem Arbeitgeber Ihre Krankheit und die Kontaktdaten nicht mitteilen, kann er Ihnen unter Umständen die Entgeltfortzahlung verweigern (§ 7 EntgFG).

Die Krankheit richtig nachweisen

Konnten Sie Ihren Urlaub gar nicht erst antreten, weil Sie krank geworden sind, lassen Sie sich von Ihrem behandelnden Arzt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen. Diese leiten Sie dann an Ihren Arbeitgeber weiter, und Ihre Urlaubstage werden wieder gutgeschrieben.

Befinden Sie sich allerdings im Ausland, müssen Sie sich dort vom behandelnden Arzt ein Attest schreiben lassen. Der ausländische Arzt muss zwischen einer bloßen Erkrankung und einer mit Arbeitsunfähigkeit verbundenen Krankheit unterscheiden – und damit eine den Begriffen des deutschen Arbeits- und Sozialversicherungsrechts entsprechende Beurteilung vornehmen, so das Bundesarbeitsgericht (Urteil vom 1. Oktober 1997, 5 Az. AZR 499/96). Er muss Ihnen also konkret bescheinigen, dass Sie nicht arbeiten können.

Die Krankenkasse benachrichtigen

Als Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse sollten Sie sich auch mit ihr in Verbindung setzen. Denn Sie sind dann verpflichtet, auch dieser die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich anzuzeigen (§ 5 EntgFG). Sonst bleiben Sie womöglich auf den Behandlungskosten sitzen. 

Häufig sind die Kosten nämlich viel höher als in Deutschland. Die Kasse erstattet nur die einfachen Sätze, die sie bei einer Behandlung in Deutschland auch zahlen würde. Die werden aber auch nur dann ersetzt, wenn man in einem EU-Land unterwegs ist oder in einem Land, das mit Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen hat. Krankenrücktransporte oder Zahnbehandlungen werden in der Regel gar nicht bezahlt.

Sie brauchen eine Auslandsreisekrankenversicherung

Grundsätzlich ist eine Auslandsreisekrankenversicherung ratsam – auch wenn Sie Ihren Urlaub nur innerhalb von Europa verbringen. Die Mehrkosten, die die gesetzliche Krankenkasse für notwendige Behandlungen im Ausland nicht übernimmt, deckt diese Versicherung ab.

Wesentlicher Vorteil bei guten Tarifen: Auch einen medizinisch sinnvollen Rücktransport nach Deutschland zahlt die Versicherung. Wie Sie eine gute Police finden, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Auslandsreisekrankenversicherung.

Mehr dazu im Ratgeber Auslandsreise-Krankenversicherung

Zum Ratgeber

Autor
Dr. Britta Beate Schön

Stand: 28. Juni 2016


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