Homeoffice und Arbeitsrecht

So klappt es mit dem Homeoffice

Dr. Britta Beate Schön
Expertin für Recht
01. Juli 2021
Das Wichtigste in Kürze
  • Arbeitnehmer haben keinen Anspruch auf Homeoffice. Wer zumindest teilweise von zuhause arbeiten will, muss das gesondert mit seinem Arbeitgeber aushandeln.
  • Während der Corona-Pandemie mussten Unternehmen ihre Mitarbeiter, wenn möglich, ins Homeoffice schicken. Da die Infektionszahlen sinken, gilt seit 1. Juli 2021 keine Homeoffice-Pflicht mehr.
So gehst Du vor
  • Stell Dich darauf ein, langsam wieder ins Büro zu müssen oder zu dürfen, wenn Du wegen der Pandemie im Homeoffice gearbeitet hast.
  • Besprich mit Deinem Arbeitgeber, ob und an wie vielen Tagen für Dich auch nach dem 1. Juli Homeoffice möglich ist.
  • Lass Dir im Arbeitsvertrag oder als Zusatzvereinbarung zusichern, unter welchen Bedingungen Du im Homeoffice arbeiten darfst.

Etwa jeder dritte Beschäftigte arbeitete im Frühjahr 2020 in Deutschland im Homeoffice – mehr als doppelt so viele wie vor der Corona-Pandemie. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Gehörst Du auch dazu? Dann hat es Dir womöglich gefallen, dass Du Dir den täglichen Arbeitsweg gespart hast und Du Dich zuhause besser konzentrieren konntest. Wenn Du auch in Zukunft ein, zwei Tage zuhause arbeiten willst, solltest Du mit Deinem Chef die Bedingungen dafür besprechen. Was Du dabei beachten musst und welche Kosten Du von der Steuer absetzen kannst, erfährst Du in diesem Ratgeber.

Wer hat Anspruch auf Homeoffice?

Arbeiten im Homeoffice ist nur möglich, wenn Du Dich mit dem Arbeitgeber darauf verständigst. Gesetzlich verpflichtet ist er nicht, Dir die Arbeit von zuhause zu erlauben.

Dies wird sich wahrscheinlich auch erst einmal nicht ändern: Eine Gesetzesinitiative von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), wonach jeder Arbeitnehmer 24 Tage pro Jahr im Homeoffice arbeiten darf, lehnte die CDU ab. Ende November 2020 kam der überarbeitete Entwurf für das Mobile-Arbeit-Gesetz – jedoch ohne Rechtsanspruch auf Homeoffice.

Demnach sollst Du als Arbeitnehmer zumindest ein Recht auf Erörterung bekommen. Ohne Begründung darf der Arbeitgeber einen Antrag auf Homeoffice nicht ablehnen. Da Kabinett, Bundestag und Bundesrat den Entwurf noch beraten müssen, können sich noch Änderungen ergeben. Ebenfalls unklar ist, ob er noch vor der Bundestagswahl im September 2021 verabschiedet wird.

Recht auf Homeoffice wegen der Corona-Pandemie

Viele Arbeitnehmer machten während der Pandemie Erfahrungen mit dem Homeoffice. Bis zum 30. Juni 2021 waren Arbeitgeber verpflichtet, Mitarbeitern anzubieten, statt im Büro in deren Wohnung zu arbeiten, wenn keine zwingenden betrieblichen Gründe dagegensprachen (§ 28b Abs. 7 IfSG). Aufgrund von aktuell niedrigen Infektionszahlen wurde die besondere Regelung im Infektionsschutzgesetz nicht verlängert.

Ab 1. Juli solltest Du Dich darauf einstellen, langsam wieder ins Büro zurückzukommen. Kommt die Anweisung zur Rückkehr ins Büro, musst Du dem auch nachkommen. Sonst riskierst Du eine Abmahnung. Die Angst vor einer größeren Ansteckungsgefahr im Büro ist kein Grund zuhause zu bleiben, auch dann nicht, wenn zum Beispiel ein Risikopatient die Urlaubsreise seiner Familie nicht gefährden will. Das hat das Arbeitsgericht Kiel so entschieden (Urteil vom 11. März 2021, Az. 6 Ca 1912 c/20). Auch das Arbeitsgericht Augsburg stellte fest, dass ein 63-jähriger Angestellter trotz eines Attests vom Arzt keinen Anspruch auf Homeoffice hat (ArbG Augsburg, Urteil vom 7. Mai 2020, Az. 3 Ga 9/20).

So sicherst Du Dir Dein Recht auf Homeoffice

Wenn Du gerne auch weiterhin zumindest an einigen Tagen zuhause arbeiten willst, solltest Du das mit Deinem Arbeitgeber vereinbaren – bestenfalls als Zusatz zu Deinem Arbeitsvertrag. Zwar können auch Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge entsprechende Regelungen zum mobilen Arbeiten enthalten, diese geben aber meist nur den Rahmen vor. Versuch daher immer, eine individuelle Absprache zu treffen. So schließt Du möglichst viele Zweifelsfälle und Missverständnisse aus.

Was sind die Vor- und Nachteile des Homeoffice?

Ob es gut oder schlecht ist, von zuhause zu arbeiten, hängt von Deiner individuellen Situation ab. Im Folgenden haben wir für Dich die Vor- und Nachteile zusammengefasst:

Zeit und Geld - Wer von zuhause arbeitet, spart sich den Weg zur Arbeit und die Kosten für das Monatsticket oder die Tankfüllung. Das bringt mehr Zeit für die Familie oder persönliche Projekte. Und mehr Geld für andere Dinge, denn auch das Mittagessen in der Firmenkantine oder beim Imbiss sparen sich viele, die im Homeoffice arbeiten.

Trennung von Arbeit und Privatleben - Wer mehr Zeit in der eigenen Wohnung verbringt, steht vor der Herausforderung, Arbeit und Privatleben miteinander zu vereinbaren – gerade, wenn Kinder ebenfalls Aufmerksamkeit fordern. Einigen Menschen fehlt auch die räumliche Trennung von Arbeit und Privatleben oder die Fahrt mit U-Bahn, Fahrrad oder Auto und das Gefühl, nach Hause zu kommen – kurz der Feierabend.

Mehr Ruhe und weniger Austausch - Ohne die Geräuschkulisse des Großraumbüros können wahrscheinlich die meisten konzentrierter arbeiten. Dafür gibt es allerdings weniger Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen. Wer Anregungen haben will, muss sich verabreden. Und auch Feedback zu Deiner Arbeit musst Du vielleicht aktiver einholen.

Arbeitszeiten - Wer im Homeoffice arbeitet, geht zwischendurch eher mal kurz zum Supermarkt, um noch etwas einzukaufen oder zum Arzt, der nach Feierabend immer schon geschlossen hat. Denn die Arbeitszeiten lassen sich flexibler einteilen als im Büro. Das birgt aber auch die Gefahr, dass Du zu viel arbeitest. Einige beantworten nach dem Abendessen noch E-Mails oder schließen eine dringende Aufgabe ab.

Gesundheit - Während der Corona-Pandemie, aber auch in normalen Grippe- und Erkältungszeiten ist es wahrscheinlicher, sich im Büro oder auf dem Weg dorthin anzustecken, gerade wenn Du öffentliche Verkehrsmittel nutzt. Im Homeoffice ist die Ansteckungsgefahr meist geringer.

Unser Podcast zum Thema

Was solltest Du im Arbeitsvertrag regeln?

Im Arbeitsvertrag oder einer Zusatzvereinbarung solltest Du mit Deinem Arbeitgeber möglichst genau festlegen, unter welchen Bedingungen und in welchem Umfang Du zuhause arbeiten darfst. Folgende Punkte sind dabei wichtig:

1. Wann Du im Homeoffice arbeiten darfst

Die Abmachung sollte klar bestimmen, an wie vielen Tagen pro Woche Du Deine Arbeit im Homeoffice erledigen darfst. Du kannst mit Deinem Chef eine flexible Gestaltung vereinbaren oder Ihr einigt Euch auf feste Tage. Außerdem könntet Ihr festhalten, wann Du auf jeden Fall im Büro sein musst – etwa bei Kundenterminen oder zu bestimmten regelmäßigen Besprechungen.

2. Welche Arbeitszeiten für Dich im Homeoffice gelten

Sprich ebenfalls genau ab, welche Arbeitszeiten für Dich im Homeoffice gelten. Du kannst beispielsweise eine Kernarbeitszeit vereinbaren, in der Du immer erreichbar bist. Gleichzeitig solltest Du mit Deinem Arbeitgeber regeln, wie die Dokumentation Deiner Arbeitszeit abläuft – etwa, ob Du die Zeiten selbst aufschreibst oder Dein Chef sie elektronisch erfasst.

3. Mit welcher Ausstattung Du im Homeoffice arbeitest

Kläre, ob Dein Arbeitgeber Dir zuhause einen vollständig ausgestatteten, festen Arbeitsplatz einrichtet oder ob Du nur Arbeitsmittel wie einen Laptop zum mobilen Arbeiten bekommst. Mehr dazu liest Du weiter unten.

4. Wer die höheren Fixkosten zahlt

Versuche auch, Dich mit Deinem Chef über einen Kostenausgleich zu verständigen. Dies bietet sich an, wenn Du höhere Fixkosten hast, weil Du den ganzen Tag zuhause bist und Dein Arbeitgeber dabei Kosten spart – zum Beispiel, wenn Du mehr Strom verbrauchst und Dein Arbeitgeber weniger Bürofläche benötigt.

5. Wer für Schäden an Arbeitsgeräten haftet

Als Arbeitnehmer hast Du ein Haftungsprivileg, das heißt, Du musst in der Regel nicht für Schäden aufkommen, die Du Deinem Arbeitgeber leicht fahrlässig zufügst. Beispiel: Wenn Du während der Arbeit am Laptop ein Glas Apfelsaft umstößt und dieser dadurch nicht mehr funktioniert, musst Du den Schaden wahrscheinlich nicht zahlen. Lebst Du mit anderen Personen zusammen, solltest Du mit Deinem Chef vereinbaren, dass diese auch nur begrenzt haften. Damit ersparst Du Dir im Zweifel rechtliche Streitigkeiten.

Wie läuft die Arbeitszeiterfassung im Homeoffice?

Es gibt einige Dinge, die Du bei der Zeiterfassung im Homeoffice beachten musst.

Auch im Homeoffice gilt das Arbeitszeitgesetz

Du darfst als Arbeitnehmer grundsätzlich nicht mehr als acht Stunden pro Werktag arbeiten. Pro Woche sind höchstens 48 Stunden erlaubt, denn auch der Samstag gilt als Werktag. Was alles als Arbeitszeit gilt und ob auch der Bereitschaftsdienst dazu gehört, erfährst Du in unserem Ratgeber zum Arbeitszeitgesetz.

In besonderen Ausnahmefällen darf der Arbeitgeber Deine Arbeitszeit vorübergehend auf bis zu zehn Stunden pro Tag und maximal 60 Stunden pro Woche verlängern. Die längere Arbeitszeit muss der Arbeitgeber ausgleichen, sodass Du innerhalb von sechs Monaten oder 24 Wochen wieder auf einen Schnitt von acht Stunden pro Tag kommst.

Arbeitest Du länger als erlaubt, muss der Arbeitgeber dies dokumentieren, damit die Behörden nachvollziehen können, ob Du Deine Arbeitszeit auch ausgeglichen hast.

Im Homeoffice die gesamte Arbeitszeit erfassen

Im Mai 2019 hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass Arbeitgeber künftig die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch erfassen müssen. Diese Aufgabe können Arbeitgeber auch an den Arbeitnehmer delegieren. Aktuell gilt die Verpflichtung noch nicht, da die Bundesregierung das Arbeitsrecht erst anpassen muss. Die Erfassung der Arbeitszeit ist deswegen derzeit noch freiwillig, solange Du nicht mehr als acht Stunden pro Werktag arbeitest. Welche Folgen das Urteil für flexibles Arbeiten hat, liest Du im Ratgeber Arbeitszeitmodelle.

Im Homeoffice empfiehlt es sich, die gesamte Arbeitszeit zu erfassen. Damit hast Du immer im Blick, wie viele Stunden Du arbeitest und kannst dies auch im Zweifel belegen. Damit vermeidest Du Streitigkeiten und weißt auch genau, wann Du für Ausgleich sorgen musst.

Am besten regelst Du in der Homeoffice-Vereinbarung, wie Du Deine Arbeitszeit erfasst. Kläre dazu, ob Du auf ein elektronisches Zeiterfassungssystem Deines Unternehmens zugreifen kannst oder die Arbeitszeit selbst aufzeichnen musst. Für die persönlichen Aufzeichnungen eignen sich Zettel und Stift, eine Excel-Tabelle oder spezielle Apps.

Feiertage und Homeoffice

Liegen Dein Homeoffice und der Sitz Deines Arbeitgebers in unterschiedlichen Bundesländern, gilt bei Feiertagen das Recht des Arbeitsortes – in diesem Fall ist das Dein Wohnort. Fällt also Dein Homeoffice-Tag auf einen Feiertag, der nur in Deinem Bundesland gilt, nicht aber am Firmensitz, dann musst Du nicht arbeiten.

Beispiel: Du wohnst in Brandenburg, das Büro Deines Arbeitgebers ist in Berlin. Dann hast Du am Reformationstag frei, auch wenn die Kollegen in Berlin arbeiten müssen. Umgekehrt musst Du am 8. März im Homeoffice arbeiten, während die Berliner Kollegen den internationalen Frauentag feiern.

Wer kümmert sich um die Büroausstattung?

Wie viel Ausstattung Dir Dein Chef zur Verfügung stellt, hängt davon ab, was Du mit ihm vereinbarst. Im besten Fall bekommst Du von Deinem Arbeitgeber alles, was Du für die Arbeit von zuhause brauchst: Computer, Bildschirm, Maus und Tastatur sowie bei Bedarf auch Bürostuhl, Schreibtisch und Lampe.

Bietet Dein Arbeitgeber Dir nur einzelne Arbeitsmittel wie einen Laptop an, erkundige Dich, ob er sich an den Kosten für weitere Ausstattung beteiligt. Falls nicht, solltest Du selbst auf einen Arbeitsplatz achten, der nicht gesundheitsgefährdend ist. Denn auch beim Arbeiten zuhause ist das Wichtigste Deine Gesundheit. Arbeitest Du ständig über den Laptop gebeugt am Küchentisch, hast Du wahrscheinlich schon nach wenigen Monaten Rückenschmerzen.

Wie sehr Du selbst auf einen guten Arbeitsplatz achten musst oder sich Dein Chef darum kümmert, hängt davon ab, ob Du Telearbeit machst oder mobil arbeitest. Bei Telearbeit, also wenn Dein Arbeitgeber Dir einen festen Arbeitsplatz einrichtet, muss er prüfen, welche Gesundheitsrisiken es an Deinem Heimarbeitsplatz gibt – und dass dieser die Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) erfüllt. Arbeitest Du mit einem Laptop mobil, liegt der Arbeitsschutz in Deiner Verantwortung, weil die Arbeitsstättenverordnung für mobiles Arbeiten nicht gilt.

Der Unterschied zwischen Telearbeit und mobilem Arbeiten

Was kannst Du von der Steuer absetzen?

Kaufst Du Dir einen neuen Schreibtisch, den Du auch für die Arbeit von zuhause nutzt, kannst Du einen Teil der Ausgaben als Werbungskosten von der Steuer absetzen – und damit Dein zu versteuerndes Einkommen senken. Typische Arbeitsmittel sind Computer, Smartphone und Drucker.

Von der Steuer absetzen kannst Du Gegenstände, die Du mindestens zu 10 Prozent beruflich nutzt. Verwendest Du das Arbeitsmittel zu mehr als 90 Prozent beruflich, kannst Du die Kosten vollständig absetzen – sonst nur anteilig. Was Du außerdem beachten solltest, liest Du im Ratgeber Arbeitsmittel.

Was Du ohne Arbeitszimmer absetzen kannst

Hast Du 2020 an einem Arbeitsplatz im Homeoffice gearbeitet, der die strengen steuerrechtlichen Anforderungen an ein Arbeitszimmer nicht erfüllt, kannst Du stattdessen die neue Homeoffice-Pauschale nutzen. Diese hat der Gesetzgeber Ende 2020 eingeführt. Sie gilt bis einschließlich 2021.

Damit kannst Du für jeden Arbeitstag 5 Euro absetzen, den Du ausschließlich im Homeoffice arbeitest. Das Finanzamt gewährt Dir den Betrag für maximal 120 Tage im Jahr, also höchstens 600 Euro. Die Pauschale wird auf die Wer­bungs­kos­ten­pau­scha­le angerechnet. Du profitierst somit erst, wenn Deine Werbungskosten höher sind als 1.000 Euro.

Wann Du die Kosten für ein Arbeitszimmer absetzen kannst

Kosten für ein Arbeitszimmer kannst Du nur ausnahmsweise und unter strengen Voraussetzungen von der Steuer absetzen. Das Arbeitszimmer muss ein separater, büromäßig eingerichteter Raum in Deiner Wohnung oder Deinem Haus sein, den Du nahezu ausschließlich beruflich nutzt. Hast Du in dem Raum außer Deinem Schreibtisch beispielsweise noch ein Gästesofa, einen Fernseher und ein Regal mit privaten Unterlagen, verwehrt Dir das Finanzamt wahrscheinlich den Abzug. Eine private Mitbenutzung ist nämlich nur zu höchstens 10 Prozent erlaubt. Nutzt Du den Raum mehr als 10 Prozent privat, kannst Du überhaupt nichts absetzen – nicht einmal anteilig.

Pro Jahr kannst Du maximal 1.250 Euro für Dein häusliches Arbeitszimmer absetzen, wenn es für Dich keinen zumutbaren Arbeitsplatz in Deinem Unternehmen gibt. Typische Berufsgruppen, die keinen anderen Arbeitsplatz haben, sind etwa Lehrer oder Außendienstmitarbeiter.

Wenn Du nur ein oder zwei von fünf Arbeitstagen die Woche im Homeoffice arbeitest und Du im Büro weiterhin einen Arbeitsplatz hast, kannst Du die Kosten für Dein Arbeitszimmer nicht geltend machen.

Anders könnte es sein, wenn Du drei Tage oder mehr pro Woche von zuhause arbeitest. In diesem Fall liegt unter Umständen der Mittelpunkt Deiner beruflichen Tätigkeit im heimischen Arbeitszimmer. Dann wäre sogar ein unbeschränkter Abzug der Kosten möglich. Allerdings besteht noch Rechtsunsicherheit darüber, ab wann der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit von Angestellten zuhause liegt.

Da immer mehr Menschen im Homeoffice arbeiten, könnten Steuergerichte in den nächsten Jahren Klarheit schaffen. Vielleicht reagiert auch der Gesetzgeber. Wenn Du überwiegend von zuhause arbeitest, solltest Du in jedem Fall versuchen, die Kosten für Dein Arbeitszimmer abzusetzen. Was außerdem wichtig ist, erfährst Du in unserem Ratgeber zum häuslichen Arbeitszimmer.

Hat Dein Arbeitgeber während der Corona-Pandemie Homeoffice angeordnet, hast Du gute Chancen, die Kosten für Dein Arbeitszimmer für diese Zeit von der Steuer abzusetzen. Wichtig ist, dass Du Dir von Deinem Chef bescheinigen lässt, für welchen Zeitraum und wie viele Tage pro Woche Du von zuhause arbeiten musstest. Außerdem solltest Du Fotos Deines Arbeitszimmers haben, falls das Finanzamt zusätzliche Nachweise dafür verlangt, dass der Raum alle Voraussetzungen erfüllt.

Hast Du wegen Corona freiwillig im Homeoffice gearbeitet, kannst Du Dein Arbeitszimmer wahrscheinlich nicht von der Steuer absetzen. Nutze stattdessen die neue Homeoffice-Pauschale.

In jedem Fall geltend machen kannst Du außerdem Ausgaben für Arbeitsmittel wie einen für berufliche Zwecke gekauften Computer, Druckpapier oder Patronen. Daher solltest Du alle entsprechenden Belege aufbewahren.

Wie bist Du im Homeoffice versichert?

Wenn Du als Arbeitnehmer am Arbeitsplatz oder auf dem Weg dorthin einen Unfall hast, zahlt die gesetzliche Unfallversicherung. Das Gleiche gilt, wenn Du von zuhause arbeitest. Maßgeblich für den Schutz ist, dass der Unfall in engem Zusammenhang mit Deiner beruflichen Tätigkeit steht. Ob es einen solchen Zusammenhang gibt, ist bei Unfällen auf dem Weg zur Arbeit oder von dort nach Hause aber oft umstritten. Regelmäßig entscheiden dann Gerichte.

Machst Du beispielsweise auf dem Weg ins Firmenbüro einen Umweg, um Dein Kind in der Kindertagesstätte abzusetzen, bist Du versichert (§ 8 SGB VII). Fährst Du danach allerdings wieder nach Hause, um im Homeoffice zu arbeiten, hast Du auf dem Weg nach Ansicht des Bundessozialgerichts keinen Ver­si­che­rungs­schutz (BSG, Az. B 2 U 19/18 R).

Ähnlich ist es, wenn Du zum Beispiel auf dem Weg in die Küche stürzt, weil Du Dir eine Wasserflasche holen willst, während Du von zuhause arbeitest. Im Firmenbüro bist Du auf diesen Wegen versichert. Passiert ein solcher Unfall im eigenen Haus, leistet die gesetzliche Unfallversicherung nicht (BSG, Az. B 2 U 5/15 R).

Der Entwurf des Mobile-Arbeit-Gesetzes von Arbeitsminister Hubertus Heil sieht vor, dass Arbeitnehmer, die von zuhause arbeiten, zukünftig genauso versichert sind wie ihre Kollegen im Firmenbüro.

Was müssen Freiberufler beachten?

Als Journalist, Künstler oder Existenzgründer darfst Du Deine Wohnung auch nutzen, um dort Deinem Beruf nachzugehen – genauso wie Angestellte, die von zuhause arbeiten. Wenn Du aber beispielsweise als Immobilienmakler oder Rechtsanwalt daheim arbeitest, musst Du unter Umständen Deinen Vermieter um Erlaubnis bitten.

Trittst Du nämlich mit Deiner Tätigkeit nach außen in Erscheinung, etwa durch Nutzung Deiner Wohnadresse als Geschäftsadresse, fällt Deine berufliche Tätigkeit nach Auffassung des Bundesgerichtshofs (BGH) nicht mehr unter den Begriff des Wohnens. Du musst dann gegebenenfalls Deinen Vermieter um Erlaubnis für eine teilgewerbliche Nutzung bitten. Dieser könnte dem BGH zufolge verpflichtet sein, Dir diese auch zu erteilen, sofern Du keine Mitarbeiter und kaum Kundenverkehr hast (BGH, Urteil vom 14. Juli 2009, Az. VIII ZR 165/08). Im konkreten Fall ging es um einen Immobilienmakler, der in seiner Wohnung arbeitete.

Anders argumentierte das Landgericht Berlin im Fall eines Versicherungsmaklers, der seine Wohnadresse nur für die Gewerbeanmeldung und Eintragung in einige Online-Register nutzte: Seine Tätigkeit fiel nach Ansicht des Gerichts noch unter den Begriff des Wohnens (LG Berlin, Urteil vom 6. März 2015, Az. 65 S 366/14). Dieser Fall landete nicht vor dem Bundesgerichtshof, die Beispiele zeigen allerdings, wie schmal der Grat zur teilgewerblichen Nutzung ist. Sprich daher vorsichtshalber mit Deinem Vermieter, wenn Du Deine Wohnung für eine Tätigkeit nutzen willst, die möglicherweise seiner Erlaubnis bedarf.

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