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Eine Kundin geht zu ihrer Bank, weil ihr Dispo nicht mehr ausreicht und sie gleichzeitig einen Ratenkredit hat. Kein Problem, sagt der Bankberater. Wir nehmen einfach einen neuen Kredit auf. Mit dem neuen Kredit können Sie den Dispo ausgleichen und die Raten des alten Kredits begleichen. „Umschulden“ heißt das im Bankenjargon.

Dieses Prinzip nutzen manche Banken, um Kunden mit Kettenkrediten von ihnen abhängig zu machen. Das Landgericht Hamburg hat gerade den Fall einer 74-jährigen Rentnerin verhandelt, die 2002 bei der Targobank (damals noch Citibank) in so einen Kettenkredit getrieben wurde (Az. 307 O 142/16). In sieben Jahren wurde ihr Kredit viermal umgeschuldet. Bei jeder Umschuldung kassierte die Bank hohe Kreditgebühren (damals noch erlaubt) und erhöhte die Monatsrate. Teure und unnötige Restschuldversicherungen haben die Bank-„Berater“ der alten Dame auch noch angedreht.

Bei der letzten Umschuldung 2009 ging es um rund 24.500 Euro Neukredit: Dafür nahm die Bank 480 Euro Kreditgebühr und fast 6.400 Euro für die Versicherung. 2011 kann die Frau endgültig nicht mehr zahlen, die Bank kündigte den Kredit.

Der Anwalt der Rentnerin, Achim Tiffe, hat Erfahrung mit solchen Fällen. Die Banken kommen immer wieder damit durch, weil sich die hochverschuldeten Kunden oft nicht wehren. Auch in diesem Fall zog erst eine aufmerksame Betreuerin den Anwalt hinzu. Das Landgericht Hamburg hat die Forderung der Targobank über 22.300 Euro plus Zinsen abgeschmettert. Die Bank hatte wichtige Fristen versäumt. Noch überlegt die Targobank, in Berufung zu gehen.

Das „Bündnis gegen Wucher“ will solche Fälle von Kettenkrediten sammeln. Die Verbraucherschützer halten die Masche in vielen Fällen für sittenwidrig und haben vor allem die Targobank und die Santander Consumer Bank im Visier.

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