Hausnebenkostenabrechnung
Bild: IMAGO / Steinach

Wie teuer ist die Müllabfuhr für das Mietshaus? Was kosten Hauswart und Versicherungen? Alle gemeinsamen Kosten eines Mietshauses schlüsselt die Nebenkostenabrechnung auf. Jeder Mieter, jede Mieterin zahlt ihren Anteil. Einmal im Jahr gibt es die Abrechnung, aber kaum jemand schaut sich die genau an. Zu kompliziert. Zu schwer nachzuvollziehen. Doch es kann sich lohnen: Im Schnitt, so berichtet der Rechtsdienstleister Mineko, wurden den Mietern, die er vertritt, rund 200 Euro zu viel berechnet.

Das musste auch eine Finanztip-Mitarbeiterin feststellen. Ihr Vermieter hatte in einem Jahr rund 4.000 Euro fürs ganze Haus zu viel berechnet, gut ein Zehntel hatte die Kollegin zu tragen. Statt 244 Euro nachzuzahlen, erhielt sie rund 150 Euro zurück. Denn sie hat ihre Abrechnung überprüft.

 

Ein Jahr Zeit für einen Widerspruch

Vermieter haben ein Jahr Zeit, die Betriebs- oder Nebenkosten abzurechnen. Dasselbe gilt für die Heizkosten. Die Abrechnung für 2019 sollte also bis Ende Dezember 2020 bei Dir eingetroffen sein. Ist sie das nicht, hat so eine Verspätung etwas Gutes: Du musst nichts mehr nachzahlen. Ein mögliches Guthaben steht Dir trotzdem zu. Auf die Abrechnung solltest Du in jedem Fall bestehen, denn Du kannst Kosten daraus von der Steuer absetzen: zum Beispiel Hausputz und Winterdienst. Zur Not kannst Du sie einklagen.

Kommt die Abrechnung fristgerecht, hast Du ein Jahr lang Zeit für einen Widerspruch (hier unser Musterschreiben). Erscheinen Dir Kosten nicht plausibel, dann widersprich am besten sofort und verlange Belegeinsicht – am besten per Einschreiben. Der Vorteil: Solange Du keine Unterlagen siehst, musst Du nichts nachzahlen.

 

Mietervereine und Dienstleister helfen

Wie erkennst Du, ob einzelne Posten zu hoch sein könnten? Vergleiche dazu die Kosten eines Jahres mit den Vorjahren. Bei unserer Kollegin etwa waren Hausreinigung und Hausmeister deutlich teurer geworden: Ein neuer Dienstleister hatte beide Aufgaben übernommen und sie gemeinsam in Rechnung gestellt. Die Hausverwaltung berechnete diese Kosten aber doppelt – jeweils für Reinigung und Hauswart.

Grundsätzlich sinnvoll ist es, einmal die Höhe aller Kostenpunkte beurteilen zu lassen. Mietervereine beraten dazu ihre Mitglieder. Sie erkennen auffällig teure Posten. Und auch solche, die gar nicht abgerechnet gehören – Verwaltungskosten etwa. Gegen Entgelt prüfen auch Dienstleister wie Mineko oder Anwälte Deine Abrechnung. Einen Anwalt findest Du über Yourxpert*. Und für Heizkosten gibt es den kostenlosen Heizcheck von CO2online.

 

Wenn die Gegenseite nicht reagiert

Weigert sich die Hausverwaltung, Dir die Belege zu zeigen, dann kannst Du sie einklagen. Das musste auch unsere Finanztip-Kollegin für 2018 tun. Ihre Hausverwaltung hatte erklärt, aufgrund der Corona-Pandemie sei die Belegeinsicht 2020 nicht möglich. Das ist aber keine ausreichende Begründung, urteilte die Richterin. Übrigens: Mietervereine bieten oft für solche Fälle Rechtsschutz an.

 

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Ines Rutschmann
Autor

Stand:

Ines Rutschmann ist unsere Energie-Expertin und widmet sich allen Fragen, die sich Verbraucher rund um Strom und Heizen stellen. Über den Strommarkt berichtete sie erstmals 2005 für die Leipziger Volkszeitung. Danach war sie für den Deutschlandfunk und das Solarstrom-Magazin Photon tätig. Ines ist Diplom-Ingenieurin (FH) und hat einen Masterabschluss in Energiemanagement.

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