PC-Bastler
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Ist Ihr Computer über die Jahre immer langsamer geworden? Bevor Sie Ihren betagten Rechenknecht in die Tonne treten, geben Sie ihm doch eine zweite Chance. Wenn es nicht mehr reicht, das Betriebssystem neu aufzusetzen, dann sollen Sie sich an die Hardware machen.

Auch wir in der Redaktion haben das schon ausprobiert und in unseren Rechnern Festplatten, Speicher und Prozessoren getauscht. Diese vier Maßnahmen bringen den meisten Tempozuwachs pro eingesetzten Euro:

Weg mit der Festplatte – her mit der SSD!

Als erstes sollten Sie eine klassische Festplatte (HDD), in der Magnetscheiben rotieren und rascheln, gegen ein modernes Festspeicher-Laufwerk (SSD) austauschen. In der Regel ist das die wirksamste Methode, einen alten Rechner auf Trab zu bringen. Ordentliche SSDs gibt es zum Beispiel von Samsung, Sandisk und Crucial. Für rund 70 Euro bekommen Sie gut 250 GB Speicher. Das klingt erstmal wenig, aber Ihre alte Festplatte können Sie als Datenlager im Rechner lassen. Betriebssystem und Programme gehören auf die neue SSD. Alternativ greifen Sie zur 500-GB-Variante für etwa 120 Euro und schmeißen die alte Platte raus.

Arbeitsspeicher: aus 4 mach 8

Als nächstes sollten Sie überprüfen, wie viel Arbeitsspeicher (Ram) im Computer steckt: Windows-Taste drücken, „Systeminformationen“ eintippen. Sind es 4 GB oder weniger, rüsten Sie auf 8 GB auf. Das kostet um die 80 Euro und bringt einen Temposchub, wenn Sie im Browser viele Tabs gleichzeitig geöffnet haben oder mit mehreren Programmen gleichzeitig arbeiten.

Für Könner: schnellerer Mikroprozessor

Nicht so einfach ist es, den Mikroprozessor (CPU) gegen ein schnelleres Modell zu tauschen. Falls Sie es sich zutrauen, sollten Sie dabei sehr behutsam vorgehen.

Es gibt unzählige CPU-Modelle und diverse Arten von Sockel, auf die der Prozessor aufgesetzt wird. Prüfen Sie, was die schnellsten zwei, drei Prozessoren sind, die Ihre Hauptplatine („Motherboard“) offiziell unterstützt. Sollten Sie bereits einen der schnelleren Prozessoren für Ihre Platine besitzen, müssten Sie auch das Motherboard austauschen, auf dem die CPU sitzt. Das lohnt sich meist nicht.

Für Spieler und Streamer: neue Grafikkarte

Für die Gamer unter Ihnen lohnt sich wahrscheinlich eine neue Grafikkarte. Denn diese muss beim „Zocken“ am Computer die meiste Arbeit verrichten und wird dadurch leicht zum Flaschenhals – bei alten Computern auch beim Filmeschauen.

Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben meiner Meinung nach die Karten Geforce GTX 1050Ti und GTX 1060 (ab rund 180 Euro). Die deutlich günstigere GT 1030 (ab 80 Euro) reicht zum Filmeschauen, lohnt sich aber nur für Gelegenheitsspieler.

Der Austausch der Grafikkarte ist kinderleicht: Gehäuse auf, alte Karte raus (eine Schraube), neue Karte rein, eventuell noch ein Extra-Kabel für den Strom, fertig.

Achtung: Es kann passieren, dass das Netzteil zu schwach ist, dass bestimmte Anschlüsse fehlen oder Bauteile nicht zueinander passen. Im Zweifel lassen Sie sich im Computerhandel beraten und kaufen dort direkt die passenden Teile. Fachhändler übernehmen auch die komplette Aufrüstung, falls Sie das nicht selbst wollen.

Und so gehen Sie vor, wenn Sie selbst aufrüsten:

Einbau einer schnellen SSD

Der Austausch einer Festplatte ist relativ einfach – zumindest beim klassischen Desktop-PC. Öffnen Sie dazu das Computer-Gehäuse (meist reicht dafür ein normaler Schraubenzieher) und suchen die Festplatte. Sie sitzt in der Regel über oder unter dem DVD-Laufwerk. Dort sollte es einen weiteren, freien Schacht geben, der deutlich schmaler ist. Da hinein gehört die SSD. Befestigen Sie sie mit vier Schrauben an den Seiten. Ist nur ein großer Schacht frei, benötigen Sie einen Einbaurahmen: 2,5 Zoll auf 3,5 Zoll. Der kostet weniger als 10 Euro, zum Beispiel bei Amazon oder im Computerhandel. Schließlich stecken Sie die passenden Stecker in die SSD ein. Wie die Stecker aussehen, können Sie an der alten Festplatte oder am DVD-Laufwerk abgucken. Über den schmalen Stecker fließen die Daten, über den breiteren der Strom.

Achtung: Das hier beschriebene Vorgehen trifft auf den seit vielen Jahren etablierten „Sata“-Standard zu. Haben Sie einen Computer mit dem uralten IDE-Standard, lohnt sich die Aufrüstung mit einer SSD nicht mehr.

Sonderfall Apple: Bei den meisten neueren Apple-Computern lässt sich die Festplatte deutlich schwerer tauschen, wenn es nicht sogar unmöglich ist für Laien. Einen hervorragenden Artikel zum Thema haben wir auf heise.de gefunden. Am besten schätzen Sie damit selbst ab, ob Sie sich das zutrauen.

Unser stellvertretender Chefredakteur hat jüngst seinen nervtötend langsam gewordenen Mac Mini (Ende 2014) mit einer SSD wieder flottgekriegt. Mein noch älterer Mac Mini (Mitte 2010) hat dank einer SSD ebenfalls einen zweiten Frühling erlebt.

Software neu aufsetzen: Hat Ihre neue SSD ungefähr dieselbe Größe wie die alte Festplatte, können Sie den Inhalt Ihrer alten Platte mit einer Software auf die SSD „klonen“. Das geht zum Beispiel mit dem kostenlosen „Minitool Partition Wizard“.

Meist sind SSDs aber kleiner als herkömmliche Festplatten. In dem Fall müssen Sie das Betriebssystem neu aufsetzen. Das dauert, hat aber auch den Charme, dass ein frisch installiertes System den Rechner zusätzlich beschleunigen kann. Wie eine saubere Neuinstallation von Windows 10 funktioniert, hat die „PC Welt“ beschrieben.

Einbau von mehr Arbeitsspeicher

Schauen Sie im Handbuch oder auf der Support-Webseite Ihrer Hauptplatine (Motherboard, Mainboard) nach, wo die Steckplätze für den Arbeitsspeicher (Ram) sitzen und welchen Typ Ram Sie einbauen können. An Arbeitsspeicher-Typen gibt es Double Data Rate (DDR), DDR2, DDR3 und DDR4 – je höher die Zahl, desto besser. Welcher Ram-Typ in Ihrem Rechner steckt, finden Sie mit einem Analysetool wie CPU-Z heraus. Klicken Sie dazu auf die Registerkarte „Memory“.

Achtung: In Laptops und kleinen Computern sitzen oft physisch kleinere Arbeitsspeicher-Bausteine (SO-DIMM) als in großen Schreibtisch-Rechnern (DIMM).

Da es Probleme geben kann, wenn Sie Ram-Bausteine verschiedener Hersteller mischen, sollten Sie Ihren alten Arbeitsspeicher besser entfernen und zwei neue, identische 4-GB-Riegel einsetzen. Ein einziger 8-GB-Riegel funktioniert zwar auch, aber viele Hauptplatinen sprechen zwei gleich große Bausteine deutlich schneller an als einen einzelnen. Diese Beschleunigungstechnik nennt sich Dual Channel.

Ihren alten Arbeitsspeicher können Sie eventuell noch für ein paar Euro bei Ebay Kleinanzeigen oder Quoka losschlagen.

Meine Rechner habe ich alle auf 8 GB aufgerüstet. Mit weniger gebe ich mich nicht mehr zufrieden.

Apple: Was für die Festplatte gilt, trifft ebenso für den Arbeitsspeicher zu: Bei neueren Apple-Rechnern können Sie den Ram kaum selbst erweitern, bei älteren Computern durchaus.

Einbau der CPU

Am besten nehmen Sie eine „boxed“ CPU, bei der der passende Lüfter bereits dabei ist. Andernfalls müssen Sie CPU und Lüfter aufeinander abstimmen und sorgfältig montieren. Setzen Sie zuerst die CPU auf die Hauptplatine und schließen die Verriegelung. Der Prozessor ist zwar quadratisch, passt aber nicht beliebig auf den Sockel. Achten Sie auf die Einkerbungen (Intel) oder Pfeile (AMD). Wenden Sie keine Gewalt an – wenn etwas hakt, nehmen Sie die CPU wieder hoch und prüfen den korrekten Sitz. Geben Sie einen winzigen Tropfen Wärmeleitpaste auf die Mitte der CPU und setzen danach den Lüfter auf. Das verbessert die Wärmeabfuhr und gleicht kleine Unebenheiten im Metall aus. Die Paste wird mitgeliefert bei Kauf von Neuware. Bei gebrauchter Ware müssen Sie sie extra besorgen.

Ich habe beispielsweise meinen alten Core2Duo von Intel gegen einen Core2Quad getauscht. Den habe ich gebraucht vom Händler für rund 50 Euro auf Ebay gekauft. Der Temposchub war deutlich spürbar.

(Mir ist klar, dass auch der Core2Quad kein Mikrocode-Update mehr gegen die kürzlich bekannt gewordenen CPU-Sicherheitslücken erhält. Betriebssystem, Browser, Virenscanner und Router sind aber auf dem neuesten Stand. Und da ich auch sonst vorsichtig bin, halte ich das Risiko insgesamt für vertretbar.)

Apple: Bei den meisten aktuellen Apple-Computern ist es leider nahezu unmöglich, die CPU auszutauschen.

Beispiel Grafikkarte

Seit kurzem verrichtet die Geforce GT 1030 in meinem Wohnzimmer-PC ihre Arbeit deutlich schneller als meine alte GT 730. Zum Filmeschauen ist die Karte perfekt und auch für das ein oder andere Spiel reicht es. Ältere Titel lassen sich damit sogar in Full-HD und mittleren bis hohen Details spielen. Echte Gamer greifen aber zu einer Geforce ab GTX 1050Ti, besser noch ab 1060. Und wer in 4K-Auflösung spielen will, muss für eine leistungstarke Grafikkarte noch deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Daniel Pöhler
Autor

Stand:

Daniel Pöhler ist Co-Pilot im Newsletter-Team und gelegentlich als Mobilitäts-Experte von Finanztip unterwegs. Daniel hat Betriebswirtschaft studiert und bei einem Fachmagazin für Telekommunikation volontiert. Seine ausgeprägte Leidenschaft für gute Sprache hat ihm einen weiteren Job bei Finanztip eingebracht: den des stellvertretenden Textchefs.

5 Kommentare

  1. Guter Beitrag. Nicht immer muss neu gekauft werden. Gerade bei Firmen mit vielen Rechnern kann sowas durchaus auch bei einer IT Strategie erarbeitet werden. Da es bei vielen Rechnern schnell man in die Tausende geht, besteht da durchaus Sparpotenzial. Und der Einzelne freut sich natürlich auch! 🙂

  2. Guten Tag,
    Aufrüstung wäre mir zu kompliziert und zu teuer – alten PC mit neuem, schnellen Tablet verbinden:

    ich habe einen Toshiba 17 Zoll, mit Win XP, der nicht mehr internettauglich ist, daneben gibt es noch ein Tablet, 9,5 Zoll mit Win 10 , aber keine normale Tastatur. So möchte ich den Toshiba PC als E/A Gerät offline nutzen.

    Die Datenausgabe soll auf dem externen Toshiba-PC-Monitor (A) erfolgen, der auch eine normale Tastatur hat. Die Dateneingabe sollte von (A) auf das Odys-Tablet (B) gelenkt werden (Kabel, WLan?) wo Win 10 läuft und die Daten verarbeitet werden. (A) dient nur zur Daten Ein- und Ausgabe, für die Verarbeitung=CPU ist (B) zuständig, weil ich mit (A) Win XP nicht mehr ins Internet komme.

    Welches Kabel benötige ich zum Datentransfer von A nach B, LAN, WLAN oder USB ?
    USB-Link-Kabel von Amazon für ca. 15 € ?
    Gruß

    1. Installieren Sie auf dem Toshiba ein schlankes Linux Betriebssystem. Zum Beispiel Xubuntu.

      Das würde ich generell jedem empfehlen, der noch einen Rechner mit XP rumstehen hat und eigentlich gerne weiterbenutzen würde.

  3. Grundsätzlich richtig, aber Sie vereinfachen zu sehr und gehen, befürchte ich, über Ihrem Kompetenzbereich hinaus. Je älter die PCs werden, desto mehr muss man auf die kompatibilität der Teile, die Anschlüsse, die Taktrate des RAMs, (sowie die Menge RAM, die das Motherboard überhaupt unterstützt), der CPU-Sockels… und viel mehr achten. Da muss man sich grundlich informieren (oder seine Erfahrung machen). Und das wichtigste überhaupt: Backup! Backup! Backup! Wie der Mensch stirbt JEDE Festplatte. Nur die Festplatte nimmt alles mit. Wiederherstellungsdienste fangen bei 1000.- an…

    1. Ja, wir sind kein Computer-Fachmedium, weshalb wir das so einfach wie möglich aufgeschrieben haben. Mit den hier beschriebenen Verfahren haben wir persönlich gute Erfahrungen gemacht und konnten viel Geld sparen. Wenn es zu kompliziert wird, raten wir dazu, einen Fachhändler aufzusuchen. Mir macht es Spaß, selbst rumzubasteln. 😉

      Guter Hinweis auf das Backup! Wenn die Daten in der „Cloud“ liegen, gehen sie selbst durch einen Festplatten-Crash nicht verloren. Muss man aber mögen – Stichwort Datenschutz.

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