Intensivmedizin
Bild: Waltraud Grubitzsch / dpa-Zentralbild

Wer nicht geimpft oder genesen ist, wird schon bald kaum noch am öffentlichen Leben teilhaben können. Ungeimpfte dürfen künftig weder Kinos, Theater noch andere Freizeitveranstaltungen besuchen. Auch Gaststätten und der Einzelhandel stehen dann nur noch Besuchern offen, die geimpft oder genesen sind (2G-Regel). Und zwar bundesweit und unabhängig von Inzidenzwerten. Ausgenommen sind nur Geschäfte des täglichen Bedarfs.

Darauf verständigten sich gestern die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder zusammen mit der scheidenden Kanzlerin Angela Merkel und dem wohl künftigen Kanzler Olaf Scholz. (Hier die Beschlüsse als PDF.) Die Maßnahmen seien jetzt nötig, um die vierte Corona-Welle zu brechen. Merkel sprach angesichts der sich füllenden Intensivstationen im Land von einem „Akt der nationalen Solidarität“. Teilweise werden schwerkranke Corona-Patienten schon in andere Bundesländer ausgeflogen.

Ungeimpfte sollen weniger Kontakte haben

Außerdem soll es Kontaktbeschränkungen für private Treffen geben, sobald Ungeimpfte oder Nicht-Genesene dabei sind: Dann darf sich ein Haushalt nur noch mit zwei weiteren Personen aus einem weiteren Haushalt treffen. Alle genannten Einschränkungen gelten nicht für Menschen, die nicht geimpft werden können. Auch für Kinder und Jugendliche wird es Ausnahmen geben. In Schulen gilt künftig für alle Altersstufen wieder die Maskenpflicht.

All diese Maßnahmen sollen bundesweit einheitlich sein. Teilweise gelten sie in einzelnen Bundesländer schon, manches kann schnell umgesetzt werden, anderes noch etwas dauern. Spätestens in zwei Wochen sollten alle neuen Regeln umgesetzt sein. Die Länder können und sollen bei besonders schlimmer Corona-Lage schärfere Maßnahmen ergreifen. Dazu wird auch das Infektionsschutzgesetz der Ampel-Parteien in der kommenden Woche ergänzt. Um wirtschaftliche Schäden zu begrenzen, werden praktisch alle Corona-Hilfsmaßnahmen ins Frühjahr verlängert.

Keine vollen Stadien mehr

Auch Fußballspiele und Großveranstaltungen sollen bundeseinheitlich und unabhängig von der Inzidenz beschränkt werden: Es dürfen drinnen wie draußen nur noch 30 bis 50 Prozent der Plätze besetzt werden – je nach den Örtlichkeiten. In Hallen dürfen nicht mehr als 5.000 Leute zusammen sein, im Freien nicht mehr als 15.000. Masken sind zu tragen. 2G ist Pflicht – und kann auf 2G Plus ausgeweitet werden, also plus Testen. In einigen Bundesländern wie Sachsen und Bayern gibt es bereits nur noch Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga.

Klubs müssen oftmals wieder schließen

Spätestens ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 350 werden Klubs und Discos dann für alle geschlossen. Auch Geimpfte und Genesene dürfen bei dieser Inzidenz im Freien nur noch mit maximal 200 Leuten feiern, drinnen höchstens mit 50. Derzeit liegt die deutschlandweite Inzidenz bei 442.

Impfpflicht für alle geplant

Der Bundestag wird bald über eine Impfpflicht für Beschäftigte in Krankenhäusern und Altenheimen beschließen. Außerdem soll eine Impfpflicht für alle zur Abstimmung gestellt werden. Diese könnte schon im Februar in Kraft treten, denn bis dahin – so die Einschätzung – könnte es für alle ein Impfangebot geben (neben dem Boostern).

Boostern nach spätestens neun Monaten

Auch soll ohne Auffrischung der Impfstatus nur für eine begrenzte Zeit als „vollständig“ gelten. Dafür sind neun Monate im Gespräch. Nach dieser Frist müsste eine dritte Impfung vorliegen, um weiter 2G zu erfüllen. Um möglichst viele Impfungen anbieten zu können, sollen künftig auch Apothekerinnen, Zahnärzte, Pflegefachkräfte und andere geeignete Personen impfen dürfen.

Keine Böller zu Silvester

Bis wann die Maßnahmen greifen, ist bislang schwer abzuschätzen. Und damit auch, ob sie ausreichen, die vierte Welle schnell zu brechen. Vermutlich werden die Intensivstationen zu Weihnachten noch sehr stark belastet sein. Deshalb wurden bereits Einschränkungen auch für Silvester beschlossen: Es dürfen keine Feuerwerkskörper verkauft werden, und es werden wieder Versammlungsverbote verhängt.

Matthias Urbach
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Stand:

Als stellvertretender Chefredakteur ist Matthias Urbach für den Newsletter, Kooperationen und die redaktionellen Sonderprojekte von Finanztip verantwortlich. Als Diplomphysiker und Absolvent der Henri-Nannen-Schule kombiniert er analytisches und redaktionelles Know-how. Zuvor war er unter anderem als Verlagsdirektor beim SpringerNature-Wissenschaftsverlag und als Leiter von taz.de tätig.

2 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    es ist sehr interessant Finanztip zu lesen.

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    mir auf 20 Jahre empfehlen.

    Auf eine Rückmeldung bedanke ich recht herzlich.

    Freundliche Grüße
    Hilla Meißner-Hand

    1. Hi Hilla,

      nimm einen breitgestreuten ETF, den MSCI World z.B., der Klassiker,….und Deine Enkel haben in 20 Jahren ein hübsches Sümmchen zur Verfügung…😌

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