Studenten-WG
Lena, Jana, Sofie und Linus diskutieren am Küchentisch. Bild: Piero Chiussi

Was bisher geschah: Lena, Jana, Sofie und Linus (im Bild von links) prüfen Ihre Verträge. Aber wie kann man das gesparte Geld anlegen?

 

„Mein Opa hat 5.000 Euro für mich in Aktien angelegt. Nach 15 Jahren musste meine Oma die Hälfte drauflegen, damit es wieder 5.000 waren.“ Janas Meinung zu Aktien steht fest. „Wenn ich schon das Wort ‚Aktien‘ höre, ist bei mir Schicht im Schacht.“

Wir sitzen abends zusammen mit Sara Zinnecker in der Küche der Spar-WG. Sara ist die Anlageexpertin von Finanztip und beschreibt, wie man am besten in Aktien anlegt. Aber nicht nur Jana ist skeptisch. „Die Eltern einer Freundin haben ihr Geld komplett verloren am Aktienmarkt“, erzählt Lena, „mit Cargolifter“.

Cargolifter war ein frühes deutsches Start-up, das um die Jahrtausendwende Luftschiffe für große Frachten bauen wollte. 2002 war es pleite, die Aktie wertlos. Noch mehr aus der Elterngeneration der vier dürften mit der „T-Aktie“ der Telekom und mit Nokia empfindliche Verluste gemacht haben.

Nicht nur auf eine Aktie setzen

Sara empfiehlt daher, nicht auf eine einzelne Aktie oder nur eine Handvoll davon zu setzen. Auch nicht auf die 30 Aktien im Dax – sondern besser seine Anlage weltweit zu streuen. Das geht ganz leicht mit Indexfonds, ETFs genannt, auf den Weltaktienindex MSCI World. Der fasst 1.600 Aktien zusammen aus 23 Ländern.

 

 

 

 

 

 

 

Besonders einfach geht das mit einem Sparplan. Wer jeden Monat eine kleinere Summe – sagen wir 50 Euro – zur Seite legt, muss sich nicht mal Gedanken machen, wann die richtige Zeit für den Einstieg ist. Wer zum Beispiel 2002 angefangen hat, so mit einem ETF auf den MSCI World zu sparen, hatte 2017 rund 17.900 Euro zusammen. Der Gewinn lag bei 8.900 Euro, obwohl zwischendrin die Weltwirtschaft eine heftige Finanzkrise durchmachte.

Ein bisschen mehr Rendite aufs Ersparte wäre schon schön. Auf Janas Postsparbuch gab es zuletzt nur 2 Cent im Jahr. Doch an den Aktien stören Jana und Lena nicht nur die Verlustrisiken. Sie wollen nicht an Unternehmen beteiligt sein – und damit für deren Verhalten mitverantwortlich. „Ich frage mich, was ich damit unterstütze“, erklärt Jana. „Es geht nicht unbedingt darum, die Welt zu verbessern. Ich will mich halt nicht mit Unternehmen auseinandersetzen.“ Das geht auch Lena so.

1. Aufschlag: Wie viel kann eine WG sparen?
2. „Nur 7,99 Euro für einen Handytarif?“
3. „Was ist, wenn die Waschmaschine ausläuft?“
4. „Dürfen wir etwa nicht untervermieten?“
5. „Was bitte ist ein Freistellungsauftrag?“
6. Stromvertrag: „Unbedingt den Bonus retten“
7. „Meine Mutter hatte den Vertrag ganz vergessen“
8. Etwas mehr gejobbt – prompt sind Steuer und Abgaben fällig
9. Netflix stottert – wenn vom schnellen Internet nichts ankommt
10. „Wenn ich schon ‚Aktien‘ höre, ist bei mir Schicht im Schacht“
11. Kassensturz zum Monatsende: „Ich war überrascht“

 

Lieber in 400 nachhaltige Firmen investieren

Es gibt tatsächlich auch ETFs auf den ein oder anderen Index, der nur Unternehmen berücksichtigt, die nachhaltig wirtschaften. Der MSCI World Socially Responsible Index zum Beispiel, schließt Branchen wie Tabak, Waffen, Atomkraft oder Gentechnik von vornherein aus, erzählt Finanztip-Expertin Sara Zinnecker. Nur in die 400 nachhaltigsten der ursprünglich 1.600 Unternehmen des MSCI World wird mit diesem Index investiert.

So oder so: Wer in Aktien investiert, sollte auf das Geld zehn bis fünfzehn Jahre verzichten können. Um zwischenzeitliche Verluste auszusitzen. Eine Aussicht, die Jana nicht behagt: „Ich würde dann immer nachgucken und mir doch Gedanken machen.“

Einfach mal einen Sparplan machen

Sara schlägt vor, es einfach mal auszuprobieren, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Doch nur Linus ist nach diesem Abend interessiert. Vor der Uni hatte er in Bremen bei Daimler am Fließband gearbeitet – und 4.500 Euro auf die Seite gelegt. Einen Teil davon will er nun langfristig anlegen.

Linus hat sich im Anschluss die Finanztip-Ratgeber zu Aktienanlage und nachhaltigen Fonds angeschaut und sich angesehen, was da für Firmen dabei sind und was die so machen. Aber obwohl er der Sache sehr aufgeschlossen gegenübersteht, schreckt er noch etwas davor zurück.

„Bei einem Sparplan wäre es keine große Sache“, sagt er. Bei einer Einmalanlage kommt schon die Frage auf, wann der richtige Zeitpunkt ist. „Es fällt mir einfach schwer, 2.000 Euro in die Hand zu nehmen und jetzt anzulegen.“

 

Nächste Woche: Wir machen Kassensturz

438 Euro Ersparnis im Jahr bisher

2 KOMMENTARE

  1. Wenn ich sowas schon höre, dann ist bei mir „Schicht im Schacht“ …
    Selbstverständlich kann man, wenn man alleine auf die Aktien des DAX, des SDAX und des MDAX setzt einen sehr guten Gewinn einfahren. Und man hat als Micro-Investor die wir alle sind auch keine Verantwortung für das was die Firma macht! Man hat nur für sich selbst die Verantwortung was sinnvolles mit seinem Geld anzufangen. Wer vor 3 Monaten für unter 100 bis 110 € Aktien von Wirecard gekauft hätte, hätte bis heute 30 bis 40 % Gewinn einfahren können – ohne ernsthaftes Risiko. Aber besser stehen lassen, denn in absehbarer Zeit stehen die wieder auf 200 €. Oder die Volatilität ausnützen – aber dann hat man das Risiko den ICE zu verpassen! Vielleicht 2/3 stehen lassen und mit 1/3 traden.

  2. Wenn man in den DAX, SDAX oder MDAX investiert, kann man natürlich „sehr gute Gewinne einfahren“, aber auch empfindliche Verluste. Wenn Sie für Ihr Beispiel die Deutsche Bank genommen hätten (um bei Zahlungsdienstleistern zu bleiben), dann wäre Sie jetzt nach drei Monaten bei 12 Prozent Verlust.

    Oder um bei Wirecard zu bleiben: Bei einem Einstieg um den 28. Januar herum hätten Sie die Aktie auf einem (bisherigen) Jahreshöchsstand erwischt und wären jetzt bei 16 Prozent Verlust.

    Bei einem Invest von 100 Euro müssen Sie auch noch Kauf- und Verkaufkosten berücksichtigen, aber das nur am Rande. Wirecard ist genauso keine sichere Sache wie jede andere Einzelaktie. Das ist Spekulation.

    Mehr dazu in unserem Aktien-Ratgeber: https://www.finanztip.de/aktien/

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