Verbraucher-Ärger
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Vor genau 58 Jahren forderte John F. Kennedy mehr Rechte und Schutz für Verbraucher, mit dem simplen Argument, dass das „im Interesse von uns allen“ sei – „da alle von uns Verbraucher sind“. Diese Rede des US-Präsidenten war der Auslöser für den heutigen Weltverbrauchertag.

Doch noch heute kommt es vor, dass der Verbraucher die Zeche zahlt, wo er eigentlich nichts bestellt hat. Hier die sechs ärgsten Beispiele:

1. Der Käufer zahlt den Makler

Wer eine Mietwohnung sucht, muss seit 2015 keinen Makler mehr bezahlen. Es sei denn, er hat einen beauftragt. Doch beim Wohnungskauf gilt die alte seltsame Regel noch immer: Der Verkäufer bestellt den Makler – und der Käufer zahlt (mindestens die Hälfte). Die Konsequenz: Die Makler bleiben unnötig teuer, der Kunde zahlt ja. Und der Makler vertritt noch nicht mal Ihre Interessen: Er sucht Ihnen ja keine Wohnung, er bietet nur diese eine an. Derzeit versucht Justizministerin Katarina Barley (SPD), die Koalition dazu zu bringen, das zu ändern. Wie es aussieht, vergeblich.

2. Der Dieselfahrer zahlt den Wertverlust

12 Milliarden Euro Gewinn nach Steuern wies der VW-Konzern diese Woche aus. Damit könnte Volkswagen die Hardware aller Betrugsdiesel locker nachrüsten (auf die versprochenen Abgaswerte). Stadtbewohner, die unter der dreckigen Luft leiden, könnten endlich aufatmen. Dieselbesitzer könnten wie bisher überall fahren – und ihr Auto ohne Diesel-Abschlag weiterverkaufen. Doch Volkswagen weigert sich, Verantwortung zu übernehmen. Auch die Politik ist keine große Hilfe. Wenigstens gibt es die Musterfeststellungsklage.

3. Der Technikkäufer zahlt mit seiner Sicherheit

Besitzen Sie ein Android-Handy? Bei vielen Herstellern gibt es nach eineinhalb Jahren kaum noch Updates. Auch kommen die Aktualisierungen oft erst spät, sodass lange Zeit Sicherheitslücken in den Handys klaffen. Selbst bei Samsung bekommen nur die teuren Flaggschiffe regelmäßig Updates, wie die Stiftung Warentest ermittelte.

Vielleicht haben Sie zu Hause auch andere „smarte“ Geräte: Eine Kamera vielleicht oder einen Fernseher. Diese Geräte sind oft unsicher voreingestellt – und manchmal auch richtig eingestellt nicht sicher. Gerade ist die EU dabei, ein Gütesiegel für sichere Geräte auf den Weg zu bringen. Immerhin. Verpflichtend werden die Vorschriften aber nicht sein. Als Verbraucher wollten Sie eigentlich ein Gerät kaufen, doch Sie kriegen eine Sicherheitslücke dazu, für die Sie irgendwann die Zeche zahlen.

4. Der Fluggast bezahlt die Insolvenz

Schlimm genug, dass wir Flüge im Voraus bezahlen müssen. Aber dann ist unser Geld noch nicht mal abgesichert. Drei große Pleiten mussten wir zuletzt erleben: Air Berlin, Niki und nun auch noch Germania.

Über eine Millionen Fluggäste sind von den Airline-Pleiten betroffen. Nur wer alle Hebel in Bewegung setzt und Glück hat, kann sein Geld per Kreditkarten-Rückbuchung (Chargeback) oder Käuferschutz retten. Manche Flugvermittler drohen ihren Kunden danach mit Inkasso. Höchste Zeit für die Politik zu handeln! Wir halten eine verpflichtende Ausfallversicherung wie bei der Pauschalreise für die einfachste Lösung.

5. Grundversorger-Kunden zahlen mehr, damit andere sparen

Wer in eine neue Wohnung zieht und den Lichtschalter anknipst oder den Gashahn öffnet, hat automatisch einen Vertrag mit dem Grundversorger. Der schickt Ihnen dann einen Vertrag in die Wohnung und fertig. Das ist praktisch, aber teurer. Kurios: Nicht nur der Versorger verlangt mehr. Auch die Konzessionsabgaben der Gemeinden für die Nutzung der Netze ist höher – bis zu zwanzigmal. So subventionieren die Unerfahrenen die Infrastruktur für alle anderen Kunden. Ganz fair ist das nicht. Dagegen hilft nur: Die Verträge für Strom und Gas wechseln!

6. Der Kreditnehmer zahlt für die Sicherheit der Bank

Wer nicht so zahlungskräftig ist, zahlt für einen Kredit etwas mehr Zinsen – fürs Ausfallrisiko. Das hindert Banken nicht daran, einem noch eine Restschuldversicherung aufzuschwatzen. Dabei ist deren Schutz löchrig. Die Bank aber streicht eine satte Provision ein. Da kommen schnell ein paar tausend Euro auf den Kredit obendrauf, wie dieses Beispiel zeigt. Das macht den Kredit teurer – und riskanter. Weil ja höhere Kosten die Wahrscheinlichkeit vergrößern, dass man sich übernimmt. Unser Tipp: sofort kündigen!

Seien Sie gewiss: Bei Finanztip ist jeder Tag Verbrauchertag. Wir kümmern uns weiter um Ihre Interessen, um Ihnen mehr finanzielle Freiheit zu ermöglichen.

5 KOMMENTARE

  1. Zu Punkt 1: Ich sehe nicht warum die Maklerkosten nicht halbe-halbe geteilt werden sollten. Denn der Makler erbringt ja, anders als Sie behaupten, eine Leistung auch für den Käufer. Tatsächlich bekäme übrigens der Makler in diesem Falle von jedem nur 40%. Rund ein Fünftel kassiert der Staat – als Mehrwertsteuer.
    Im übrigen habe ich mich seinerzeit mit dem Verkäufer meines Hauses nach Aushandlung des Verkaufspreises darauf geeinigt, die volle Maklergebühr zu übernehmen und den Preis entsprechend zu reduzieren. Damit senkte ich meine Grunderwerbssteuer! Wenn wir die Vertragsfreiheit weiter wegregulieren profitiert am Ende immer nur einer: „Vater“ Staat.

  2. Ich würde als 7. Punkt gern noch aufführen, dass die Sparer von der Europäischen Zentralbank um ihre Ersparnisse gebracht werden.

  3. Dies hier ist doch wohl ein Gejammer, das wirklich nicht zu rechtfertigen ist und das ich nicht länger ohne Reaktion ertragen will: Dass von den Billig-Airlines ab und zu eine Pleite macht, ist doch klar absehbar und muss so sein. Mein Wunsch wäre, dass es einmal ein paar in so schneller Folge hinwegrafft, dass unsere ach so umweltfreundliche Bevölkerung endlich aufwacht und der eine oder andere einmal über seine Handlungsweise nachdenkt. Weshalb ich hier den Umweltaspekt anspreche? Die Billig-Airlines sind doch deswegen da, weil es viele Verbraucher so wollen! Und der Erfolg ist der, dass immer mehr klimaschädliche Abgase ausgestoßen werden, durch die niedrige Besteuerung des Flugbenzins auch noch staatlich subventioniert. Fliegen ist doch die umweltfeindlichste Art, von A nach B zu kommen, weil dabei nicht nur das CO2 klimaschädlich wirkt, sondern zusätzlich noch der Wasserdampf, der beim Verbrennen von Kohlenwasserstoffen immer entsteht. Wie bei den Billig-Kreuzfahrten basieren doch die niedrigen Preise immer auf Mängeln in der Bezahlung von Mitarbeitern und/oder auf „Kompromissen“ in Umweltfreundlichkeit und/oder Sicherheit. Ich finde, Finanztip.de sollte sich hier nicht zum Sprecher derjenigen machen, die jahrzehntelang de facto Auftraggeber dieser verfehlten Geschäftspraktiken sind – nämlich die Nutzer der Billig-Airlines.

  4. Ich möchte mich einmal zum Kommentar „Schneidewind“ äußern! Auch ich bin betroffen mit 400 Euro Einbuße von der Insolvenz Germania. Allerdings buchte ich meinen Flug im Reisebüro und meine Unterkunft privat auf den Kanaren, da ich als Rentner mit 78 Jahren doch rechnen muss. Ich glaubte allerdings, und das war ein Trugschluß meinerseits, dass, wenn ich im Reisebüro buche, ich auch von solchen Pannen abgesichert bin. Jetzt bin ich schlauer, was mir allerdings nichts nützt!
    Ich habe auch bei der Buchung nicht nach Billig-Airlines gefragt, mir wurde ein Flug für meinen Termin ausgesucht. Natürlich wissen alle von den Umweltpraktiken die Sie angeben, aber soll ich mich deshalb nur in der Wohnung aufhalten? Das ist eine Sache der Politiker, und auch „Finanztip“ schildert nur die Miseren, die sich im Moment abspielen und versucht, die Betroffenen etwas aufzuklären. Dass sie sich als Sprecher derjenigen machen, die solche Billig-Airlines nutzen, finde ich als eine Unterstellung. Ich bin immer froh über diesen Newsletter und möchte mich auch hier noch einmal für die vielen guten Hinweise dafür bedanken, machen Sie weiter so!

  5. Dazu gehören doch auch die Fernseh-Gebühren! Kein Fernsehen bestellt und dennoch zahlen müssen! Ganz abgesehen von den vielen Gebührenzahlern im ländlichen Raum, die aufgrund fehlender oder miserabeler technischer Infrastruktur die umfangreichen und viel beworbenen Online-Angebote der Sendeanstalten von ARD und ZDF gar nicht nutzen können und dennoch bezahlen dürfen. Oder ganz aktuell: wohin gehen die vielen Millarden Staatseinnahmen wohl hin nach der Versteigerung der neuen G5-Netzfrequenzen? Eher ganz und gar nicht nicht in den Netzausbau der Provinz! Deren Bevölkerung bleibt in den zahllosen Funk- und DSL-Löchern verloren und vergessen, wie ehedem die vielen Ex-DDR-Bewohner in ihren tiefen „Tälern der Ahnungslosen“. – Wie wäre es mal mit diesem Thema, lieber FINANZTIPler:innen? Da gehen stolze eingetriebene 8 Milliarden über den Tisch, von denen immerhin noch die Hälfte übrig bleibt für’s (schlechte) Programm nach Bezahlung der festen Rundfunk-Anstalts-Mitarbeiter-Administration.

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