Stell Dir vor, Du bekommst eine Steuerrückerstattung von 1.000 Euro vom Finanzamt. Wenn das Finanzamt trödelt und mehr als 15 Monate für Deine Steuererklärung braucht, bekommst Du für jeden Monat 0,15% Zinsen. Das sind 1,8% Zinsen im Jahr.

Das jedenfalls sieht der aktuelle Gesetzesentwurf vor, der Ende Juli 2022 verabschiedet werden soll, nachdem das Bundesverfassungsgericht am 8. Juli 2021 die 6% pro Jahr, die es früher einmal gab, für verfassungswidrig erklärt hatte.

So funktioniert der Steuertrick

Wenn Du nicht zu einer Steuererklärung verpflichtet bist, sie also nur freiwillig abgibst, hast Du ganze vier Jahre dafür Zeit. Um möglichst viele Zinsen rauszuschlagen, kannst Du sie also auch erst auf den letzten Drücker abgeben.

Beispiel: Du gibst Deine Steuererklärung für das Jahr 2021 erst im Dezember 2025 ab. Angenommen, Du erhältst Mitte April 2026 dann eine Steuererstattung von 1.000 Euro, also 51 volle Monate nach Ende des Steuerjahres 2021. Die ersten 15 Monate davon sind zinsfrei (= Karenzzeit). Für die übrigen 36 Monate bekommst Du je 0,15% Zinsen, insgesamt also 54 Euro.

Achtung: Für die Jahre 2019 und 2020 ist die zinsfreie Zeit um sechs Monate verlängert worden. Das heißt, Du bekommst erst nach Ablauf von 21 Monaten Zinsen auf eine Steuerrückerstattung.

Wo ist der Haken?

Der Trick klappt nur, wenn Du mit einer Steuerrückerstattung rechnen kannst. Allerdings funktioniert er nicht jedes Jahr, denn: In dem Jahr, in dem Du die Zinsen bekommst, bist Du zu einer Steuererklärung verpflichtet. Damit hast Du nicht mehr vier Jahre Zeit, sondern musst sie schon bis zum 31. Juli des Folgejahres abgeben.

Weil Zinsen vom Finanzamt als Kapitaleinkünfte zählen, kann außerdem Abgeltungssteuer inklusive Solidaritätszuschlag von 26,375% anfallen (zzgl. ggf. Kirchensteuer), wenn Du Deinen Freibetrag von 801 Euro (bzw. 1.602 Euro für Paare) schon anderweitig ausgeschöpft hast, z. B. durch die Ausschüttungen aus Deinem Aktien-ETF.

Janna Wörner
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