Mädchen mit Sparschwein
Bild: Ramstock / GettyImages

Als Reaktion auf die hohe Inflation von 8,5 Prozent in den USA hat die US-Notenbank Fed am Mittwoch den Leitzins so deutlich angehoben wie seit 22 Jahren nicht mehr: um 0,5 Prozentpunkte auf jetzt 0,75 bis 1 Prozent. Zinsen für Kredite und Sparkonten werden entsprechend steigen. Geld leihen wird teurer, Geld verleihen lukrativer – und das auch bei uns.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zwar noch keinen konkreten Zinsschritt verkündet, ließ aber am Mittwoch durchblicken, dass auch sie handeln will – möglicherweise schon im Juli. Denn die Inflation ist mit 7,5 Prozent auch in der Eurozone deutlich zu hoch. Das Problem will die EZB wie ihr US-Pendant mit einer strengeren Geldpolitik in den Griff bekommen.

Wieder mehr als 1 Prozent auf Festgeld

Aktuell liegt der Leitzins der EZB noch bei 0 Prozent. Wenn Banken viel Geld bei der EZB parken wollen, müssen sie sogar einen Negativzins von 0,5 Prozent zahlen. Doch die Zinsschritte in Übersee wirken bereits in Europa, wie ein Blick auf die steigenden Festgeld-Zinsen zeigt.

Die schwedische Bank Klarna etwa zahlt für einjähriges Festgeld, das Du über ihre App anlegst, inzwischen 1,05 Prozent Zinsen. Das ist mehr als doppelt so viel wie das beste Angebot aus unseren Empfehlungen Mitte Januar. Die Renault Bank direkt* mit französischer Einlagensicherung verzinst zweijähriges Festgeld mit 0,75 Prozent pro Jahr, ebenfalls mehr als noch zu Jahresbeginn. Die niederländische NIBC direct zahlt für drei Jahre 0,8 Prozent jährlich.

Weitere Banken könnten bald folgen

Auch größere Banken kündigen Änderungen an. Die ING sagt klar: Wenn die EZB aus der Minuszins-Politik aussteigt, sollen die Negativzinsen für ING-Kunden wegfallen. Ähnlich äußern sich Commerzbank und Deutsche Bank. Die Oldenburgische Landesbank, mit einigen Filialen in Nordwestdeutschland vertreten, hat kürzlich die Freibeträge für Negativzinsen deutlich angehoben. Kunden mit einem (eher teuren) Girokonto können dort bis 1 Million Euro strafzinsfrei parken.

Schließe kein langes Festgeld mehr ab

Der Zins-Aufschwung kommt langsam, viele Banken warten noch. Das bedeutet für Dich aber jetzt schon: Wähle kein lang laufendes Festgeld. Du ärgerst Dich sonst vielleicht schon in ein paar Monaten, weil es dann bessere Konditionen für neue Verträge gibt. Sechs bis zwölf Monate sind sicherlich in Ordnung. Manche Banken bieten aber Festgelder für fünf bis zehn Jahre an – das ist definitiv zu lang.

Vermeide Konflikte wegen Negativzinsen

Streite Dich auch auf den letzten Metern nicht mehr mit Deiner Bank um Negativzinsen. Wer dem sogenannten Verwahrentgelt bisher nicht zustimmte, riskierte die Kündigung. Vielleicht werden Banken angesichts der Zinswende kulanter. Den Ärger kannst Du trotzdem vermeiden – und Guthaben oberhalb des Freibetrags auf ein anderes Konto verlagern.

Investiere einen Teil Deines Ersparten in Aktienfonds

Auch wenn höhere Sparzinsen erfreulich sind: Die Inflation schlägst Du damit nicht – wie in kaum einem Jahr seit 2004. Daher solltest Du zumindest für einen Teil Deines Ersparten darüber nachdenken, an der Börse in ETFs anzulegen. Die Erhöhung der Leitzinsen wird zwar indirekt auch die Aktienkurse dämpfen, aber langfristig dürften die Aktienrenditen deutlich höher als die Sparzinsen bleiben.

Zum Festgeld-Ratgeber

Hendrik Buhrs
Autor

Stand:

Redakteur im Team Bank und Versicherung. Vor seiner Zeit bei Finanztip berichtete er für die Radioprogramme des Hessischen, später des Westdeutschen Rundfunks über Wirtschafts- und Verbraucherthemen. Hendrik hat in Münster und Exeter VWL studiert. Erste berufliche Erfahrungen sammelte er bei Radio Q und im Lokalfunk Recklinghausen. Gespartes Geld investiert er gern in Reisen.

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