Bis zu 1,7% Zinsen zahlen Banken inzwischen wieder aufs Festgeld – fast wie früher. Das Angebot stammt von Younited Credit (über Weltsparen)* und gilt für dreijähriges Festgeld. Also jetzt die Rücklagen und sogar ETFs wieder ins Festgeld umschichten? Das wäre keine gute Idee.

Die Zinsen sind zurück – mit einem Problem

Warum? 1,7% Zinsen machen aus 10.000 Euro in einem Jahr 10.170 Euro. Wegen des Zinseszinseffekts werden im zweiten Jahr 10.343 Euro daraus, nach drei Jahren sogar 10.519 Euro.

Doch kaufen könntest Du Dir dafür weniger als vorher – wegen der hohen Inflation – im Juni lag sie bei 7,6% verglichen mit dem Vorjahr. Was Du damals für 10.000 Euro kaufen konntest, kostet heute 10.760 Euro – oder anders gesagt, Deine 10.000 Euro aus dem vergangenen Jahr haben heute nur noch eine Kaufkraft wie damals 9.294 Euro.

So viel kostet Dich das Festgeld über die Zeit

Geht das so weiter, müsstest Du Dir trotz 1,7% Sparzinsen pro Jahr etwa 5% Wertverlust ansehen. Wir haben mal ausgerechnet, was eine solche Festgeldanlage mit Deinem Geld über einen längeren Zeitraum macht. Dabei haben wir angenommen, dass die Inflation von 7% immerhin auf 4% und dann auf 2% fällt:

Die Grafik zeigt: Legst Du 10.000 Euro über drei Jahre zu 1,7% Zinsen jährlich an, hast Du am Ende gut 700 Euro weniger Kaufkraft als zu Beginn. Einziger Trost: Lässt Du das Geld über die drei Jahre unverzinst auf Deinem Girokonto rumliegen, liegt der Inflationsverlust sogar bei über 1.000 Euro.

Also bringen die neuen Zinsen gar nichts?

Doch, Du kannst sie Dir zu Nutze machen: Wenn Du Geld fest anlegst, das Du kurz- und mittelfristig brauchst. Willst Du zum Beispiel in vier Jahren ein neues Auto kaufen, solltest Du Erspartes dafür 100% sicher anlegen – Festgeld ist in der EU bis 100.000 Euro pro Bank und Kunde gesetzlich abgesichert. Die Zinsen sind hier nur ein nettes Extra.

Bist Du Dir noch nicht sicher, wann Du das Geld brauchst, kannst Du solche Festgelder auch flexibel nutzen. Du kannst die 10.000 Euro zum Beispiel aufteilen und 4.000 Euro auf ein Jahr, 3.000 Euro auf zwei und nochmal 3.000 Euro auf drei Jahre anlegen.

Festgeld am besten als Zinstreppe

Wenn die 4.000 Euro auslaufen, legst Du das Geld + Zinsen anschließend wieder für drei Jahre an. So wird jedes Jahr Geld frei. Dich macht es flexibel und Du bekommst trotzdem Zinsen. Und wenn die Zinsen in Zukunft weiter steigen, bekommst Du sogar noch mehr Zinsen. Mehr Infos dazu findest Du in unserem Festgeld-Ratgeber unter dem Stichwort Zinstreppe.

Festgeld ist aber keine Strategie und auch kein Ersatz für langfristigen Vermögensaufbau und Altersvorsorge: Das Geld dafür brauchst Du erst in vielen Jahren oder Jahrzehnten. Hier warst Du in der Vergangenheit mit ETFs, also weltweiten Aktienindexfonds, eindeutig besser bedient. Über 15 Jahre haben die ETFs im Schnitt über 7% Rendite pro Jahr gebracht. Sogar bei der aktuellen Inflation hättest Du also kein Geld verloren. Und ohne so hohe Inflation hast Du ein richtig schönes Ergebnis.

Hier lohnt sich der Zinseszins so richtig

Auch bei ETFs kannst Du die Zinsen gleich wieder mit anlegen. Verwendest Du einen thesaurierenden (wiederanlegenden) ETF, werden aus 10.000 Euro nach 15 Jahren und angenommenen 7% Rendite jährlich knapp 27.600 Euro vor Steuern. Legst Du jeden Monat per Sparplan noch einen Hunderter drauf, besitzt Du am Ende ein kleines Vermögen von 58.900 Euro vor Steuern.

Du siehst: Geld vermehrt sich am besten mit Plan, mit einem Finanztip-Plan. Geld, das Du schon in ein paar Jahren brauchst, kannst Du als Festgeld anlegen. Der Rest sollte in einen weltweiten Aktien-ETF fließen. Konkret empfehlen wir dazu die entsprechenden ETFs von iShares (ISIN: IE00B4L5Y983), Invesco (IE00B60SX394), Xtrackers (IE00BJ0KDQ92)* und Vanguard (IE00BK5BQV03).

Markus Grimm
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