Verträge optimieren
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Was ist, wenn Ihr Handy auf den Boden fällt und zersplittert? Oder wenn Sie sich auf Ihre Brille setzen? Vor ein Auto laufen? Oder krank werden vor dem lang geplanten Sommerurlaub? Wer lange genug über solche Fragen nachdenkt, schließt lieber eine Versicherung ab. Vertreter und Verkäufer wissen das.

Deshalb gibt es unter jeder Flugbuchung ein Häkchen für die Reiseversicherung, deshalb fragt der Verkäufer im Elektromarkt stets nach der Garantieverlängerung. Doch solche Versicherungen lohnen sich nicht.

Diese Woche starten wir eine zehnteilige Serie darüber, wie Sie am besten Ihre Verträge optimieren. Und viel Geld sparen. Fangen wir mit den Verträgen an, die Sie gar nicht brauchen! Und so misten Sie aus:

1. Die Grundregel

Sinnvoll sind nur solche Versicherungen, die Sie bei außergewöhnlichen und großen Schäden schützen. Schäden, die Sie finanziell überfordern würden (Berufsunfähigkeit, Krankheit, Haftung nach Unfällen). Deshalb muss jeder eine Auto- und eine Krankenversicherung haben. Eine Haftpflicht sollte auch jeder haben – jeder siebte hat keine.

Den Verlust eines Handys oder einer Reisebuchung können Sie hingegen verkraften. Überschlagen Sie einfach mal, was es kostet, dauerhaft diese Versicherung zu zahlen. Und überschätzen Sie nicht, was Sie im Fall der Fälle bekommen. Beim Handy ist es häufig nur der Gebrauchtwert. In vielen Situationen gibt es außerdem Streit mit der Versicherung (Diebstahl des Handys, Reiserücktritt in Zusammenhang mit Krankheiten wie Diabetes oder Herzproblemen).

2. Was niemand braucht

Es gibt eine Hochzeitsrücktrittskosten-Versicherung. Oder eine für häusliche Notfälle, falls Sie sich ohne Schlüssel aussperren. Das ist Quatsch. Häufig versucht man Ihnen auch, eine Sterbegeldversicherung anzudrehen („Sie wollen Ihren Kindern doch nicht zur Last fallen?!“). Bei dieser verkappten Lebensversicherung haben Sie viel Kosten und wenig Ertrag. Sparen Sie lieber direkt, zum Beispiel auf einem Konto mit Sperrvermerk. Direkt sparen ist auch besser als eine Ausbildungsversicherung für Kinder oder Enkel.

Bei Krediten für Konsum oder das neue Auto wird gerne eine Kreditversicherung mit angeboten. Die soll zahlen, falls Sie es nicht können, springt aber zu selten ein und ist in der Regel immens überteuert. 

Handy-Versicherungen sind oft teuer und schließen viele Schäden aus. Handy-Reparaturen kosten auch gar nicht so viel: Oft genügt ein Display-Tausch – das kostet bei einfachen Handys selten mehr als 100 Euro. Ähnliches gilt für Brillenversicherungen.

3. Auf Reisen brauchen Sie nur eine Sache

Fast jeder sorgt sich auf Reisen um sein Gepäck. Besonders im Flugzeug und im Zug. Also eine Reisegepäckversicherung abschließen? Bloß nicht! Denn erstens beruft sich der Versicherer bei Diebstahl oft auf grobe Fahrlässigkeit und zahlt nur bei Einbruch oder Raub. Und zweitens versichert gegen Raub auch eine gute Hausratversicherung.

Auch eine Reiserücktrittsversicherung lohnt nur in seltenen Fällen, etwa wenn die Reise sehr teuer ist. Nehmen Sie aber auf keinen Fall die, für die Sie am Ende der Buchung nur einen Haken setzen müssen. Mit unserer Anleitung finden Sie die richtige.

Wichtig auf Reisen ist vor allem die Auslandsreisekrankenversicherung. Denn die schützt für wenig Geld vor großen Risiken (siehe Punkt 1).

4. Die Sache mit den Unfällen

Bei der Unfallversicherung fließen nur 60 Prozent der Beiträge wieder zurück an die Versicherten, die Schäden hatten. Viele, die sie abschließen, haben eine falsche Vorstellung davon, wann die Versicherung einspringt. Sie deckt nur schwere Unfälle ab, denn der Anbieter zahlt nur bei (bleibenden) Behinderungen. Allerdings entsteht nur jede 50. schwere Behinderung durch einen Unfall, viel häufiger ist eine Krankheit die Ursache. Sie brauchen daher viel eher eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Ziemlich überflüssig ist die Insassenunfallversicherung, weil bei Autounfällen entweder Ihre Autohaftpflicht greift oder die des Unfallgegners – außer Sie verletzen sich als Fahrer und sind selbst schuld.

 

Finanztip-Serie „Verträge optimieren“:

1.   Abspecken: Diese Versicherungen braucht kein Mensch
2.   Die Grundlage: Ein praktisches und günstiges Girokonto
3.   Strom: Raus aus der teuren Grundversorgung
4.   Internet: Günstiger – und auch schneller
5.   Handy: Tarif prüfen – und Smartphone getrennt kaufen
6.   Gas: Billig wie selten – jetzt wechseln
7.   Haftpflicht: Neue Verträge sind besser
8.   Hausrat: Füttern Sie nicht den Versicherer
9.   Autoversicherung: Mit diesen fünf Tricks kräftig sparen
10. Naturgewalten: So sichern Sie sich gegen Schäden

 

2 KOMMENTARE

  1. Liebes Finanztip Team,
    mit Interesse lese ich Eure Tips zum Thema Versicherungen und auch regelmäßig Euren Newsletter.
    Mich würde interessieren, was Ihr von einer Pflegezusatzversicherung haltet und was die ggf. Eurer Meinung nach im Monat kosten darf?
    Ich bin 50 Jahre alt und sehe bei meinem dementen Schwiegervater, das ein gutes Pflegeheim eine sehr teure Angelegenheit sein kann. Macht es da nicht Sinn, eine Pflegezusatzversicherung abzuschließne, zumal wir Menschen ja auch immer älter werden und die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden mit zunehmendem Alter steigt.

    Ich bin sehr gespannt auf Eure Antwort.

    Stephan

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