Unnötige Versicherungen
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Was ist, wenn Ihr Handy runterfällt und das Display splittert? Oder wenn Sie sich auf Ihre Brille setzen? Vor ein Auto laufen? Oder krank werden vor dem lang geplanten Sommerurlaub? Wer nur lange genug über solche Fragen nachdenkt, schließt lieber schnell eine Versicherung ab. Vertreter und Verkäufer wissen das.

Deshalb gibt es unter jeder Flugbuchung ein Häkchen für die Reiseversicherung, deshalb fragt der Verkäufer im Elektromarkt jeden Kunden nach der Garantieverlängerung. Denken Sie dann ganz fest an uns: Und schließen Sie nicht ab! Solche Versicherungen lohnen sich nicht.

Und so misten Sie aus:

1. Die Grundregel

Sinnvoll sind nur solche Versicherungen, die Sie bei außergewöhnlichen und großen Schäden schützen. Solche, die Sie finanziell überfordern (Berufsunfähigkeit, Krankheit, Haftung nach Unfällen). Deshalb muss jeder eine Auto- und eine Krankenversicherung haben. Eine Haftpflicht sollte auch jeder haben (15 Prozent haben keine).

Den Verlust eines Handys oder einer Reisebuchung können Sie hingegen verkraften. Überschlagen Sie einfach mal, was es kostet, dauerhaft diese Versicherung zu zahlen. Und überschätzen Sie nicht, was Sie im Fall der Fälle bekommen. Beim Handy ist es häufig nur der Gebrauchtwert. In vielen Situationen gibt es außerdem Streit mit der Versicherung (Diebstahl des Handys, Reiserücktritt in Zusammenhang mit Krankheiten wie Diabetes oder Herzproblemen).

2. Was niemand braucht

Es gibt eine Hochzeitsrücktrittskosten-Versicherung. Es gibt eine für häusliche Notfälle, falls Sie sich ohne Schlüssel aussperren. Das ist Quatsch. Häufig versucht man Ihnen auch, eine Sterbegeldversicherung anzudrehen („Sie wollen Ihren Kindern doch nicht zur Last fallen?!“). Bei dieser verkappten Lebensversicherung haben Sie viel Kosten und wenig Ertrag. Sparen Sie lieber direkt, zum Beispiel auf einem Konto mit Sperrvermerk. Direkt sparen ist auch besser als eine Ausbildungsversicherung für Kinder oder Enkel.

Bei Krediten für Konsum oder das neue Auto wird gerne eine Kreditversicherung mit angeboten. Sie soll zahlen, falls Sie es nicht können, springt aber zu selten ein und ist in der Regel immens überteuert. 

Handyversicherungen sind oft teuer und schließen viele Schäden aus. Handy-Reparaturen sind auch gar nicht so teuer: Oft genügt ein Displaytausch – das kostet selten mehr als 100 Euro (Ausnahme: gebogene Displays). Ähnliches gilt für Brillenversicherungen.

3. Auf Reisen brauchen Sie nur eine Sache

Fast jeder sorgt sich auf Reisen um sein Gepäck. Besonders im Flugzeug und im Zug. Also eine Reisegepäckversicherung abschließen? Bloß nicht! Denn erstens beruft sich der Versicherer bei Diebstahl oft auf grobe Fahrlässigkeit und zahlt nur bei Einbruch oder Raub. Und zweitens versichert gegen letzteres auch eine gute Hausratversicherung.

Auch eine Reiserücktrittsversicherung lohnt nur in seltenen Fällen, etwa wenn die Reise sehr teuer ist. Nehmen Sie aber auf keinen Fall die, für die Sie am Ende der Buchung nur einen Haken setzen müssen. Mit unserer Anleitung finden Sie die richtige.

Wichtig auf Reisen ist vor allem die Auslandsreisekrankenversicherung. Denn die schützt für wenig Geld vor großen Risiken (siehe Punkt 1).

4. Die Sache mit den Unfällen

Bei der Unfallversicherung fließen nur 60 Prozent der Beiträge wieder zurück an die Versicherten, die Schäden hatten. Viele, die sie abschließen, haben eine falsche Vorstellung, wann die Versicherung einspringt. Sie deckt nur schwere Unfälle ab, denn der Anbieter zahlt nur bei (bleibenden) Behinderungen. Allerdings entsteht nur jede 50. schwere Behinderung durch einen Unfall, viel häufiger ist eine Krankheit die Ursache. Sie brauchen daher viel eher eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Richtig überflüssig ist die Insassenunfallversicherung, weil bei Autounfällen entweder Ihre Autohaftpflicht greift oder die des Unfallgegners.

Zum Ratgeber

 

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11 KOMMENTARE

  1. Sie schreiben:
    „Richtig überflüssig ist die Insassenunfallversicherung, weil bei Autounfällen entweder Ihre Autohaftpflicht greift oder die des Unfallgegners.“

    Welche Haftpflicht-Versicherung zahlt, wenn ich als Fahrer eines Autos einen Unfall verursache? Ist mir neu, dass dann meine Haftpflichtversicherung einspringt.

  2. Falls Sie einen Unfall bauen sollten und sich Ihre Begleitperson verletzen, wären Sie rechtlich haftbar. Und folglich muss Ihre Haftpflicht einspringen. Das gilt natürlich nicht für Verletzungen, die Sie sich möglicherweise selbst zuziehen.

  3. Auf das Scheinargument mit der angeblich sinnlosen Insassenunfallvers. habe ich schon gewartet. Es ist ja bereits obligatorisch in diesem Zusammenhang. Wissen die Ratgeber es nicht besser, oder woran liegt es?
    Der Zuschrift von „Martin“ ist wenig hinzuzufügen.

    Außerdem: In meiner Wohnngegend unweit der tschechischen Grenze sind extrem viele LKw und auch etliche Pkw aus osteuropäischen Ländern unterwegs, wo eben nicht solche Zahlungen erfolgen wie bei uns. Manche sogar ganz ohne jegliche HP-Versicherung, wie die Polizei immer mal wieder ermittelt.

    Was passiert im Fall von Unfallflucht? Klar, die Verkehrsopferhilfe tritt ein. In welchem Ausmaß aber, und ob das mit der eigenen Vers. zu vergleichen ist, darauf verlasse ich mich lieber nicht.

    Meine Höchstabsicherung bei Cosmos kostet mich 100€ p.a. und lässt meine Frau und mich deutlich ruhiger schlafen. Übrigens bin ich zu 90% allein im Auto unterwegs.

    • Richtig ist: Die Versicherung ist nicht sinnlos. Es gibt Fälle, in denen sie nützt.
      Richtig ist auch: Das sind sehr wenige, theoretische Fälle, die eher als Verkaufsargument dienen, als als eine sinnvolle Absicherung. Dann lieber eine etwas teurere, normale Unfallversicherung abschließen, die auch die 95% ihrer Lebenszeit abdeckt, die Sie nicht im Auto sitzen.

      Und Ihre Privathaftpflicht ist hoffentlich einschließlich Forderungsausfall …

  4. Zur Sterbegeldversicherung:
    Ja, man kann für seine eigenen Beerdigungskosten selbst ansparen. Eine Sterbegeldversicherung, ist aber eben zunächst einmal eine Versicherung. Sie deckt die Gefahr ab, dass ich sterbe, bevor ich genug angespart habe. Sie ist kein Sparvertrag und deshalb auch nicht einfach so mit einem solchen vergleichbar.

    Darüber hinaus ist eine Sterbegeldversicherung bis zu gewissen Grenzen auch dem Zugriff des Sozialamtes entzogen, sollte man mal auf staatliche Unterstützungsleistungen angewiesen sein. Ein normales Sparguthaben ist das nicht.

    Auch fällt eine solche Versicherung nicht zwingend in den eigenen Nachlass. So werden Sterbegeldversicherungen oft an Bestatter abgetreten, die im Gegenzug die Bestattung nach den eigenen Wünschen versprechen. Die ausgezahlte Summe gehört dann nicht zum Nachlass und ist dem Zugriff der Erben entzogen.

    Also ja, man kann selbst ansparen. Dies bringt eine meist höhere Rendite, dafür entfällt der Versicherungsschutz. Sterbe ich, bevor ich genügend gespart habe, ist meine Bestattung nicht gesichert.

    • Auch bei einer Sterbegeldversicherung zugunsten eines Bestatters ist nur eine feste Summe versichert. Da die Auswahl eines anderen Bestatters nicht mehr möglich ist und die Kosten sich in der Zwischenzeit deutlich verändert haben werden, zahlen die Erben i.d.R. noch hohe Summen nach. Ich habe diese Erfahrung selbst gemacht. Und die Summe der bezahlten Beiträge war deutlich höher, als die Versicherungssumme.

  5. Zur Insassenunfallversicherung:
    Dies ist eine Versicherung, die ich zugunsten Dritter abschließe, ich selbst habe nichts davon. Im Falle eines Unfalls haftet der Unfallgegener (bzw. seine Haftpflicht) oder ich als Fahrer über meine Haftpflicht.

    Sollte der schuldige Unfallgegener keine Haftpflicht besitzen, gehen die Opfer zunächst leer aus. Hier würde die Insassenunfallversicherung einspringen und eine Lücke decken. Sie deckt also die Lücke, dass sich jemand nicht gesetzeskonform verhält (denn Haftpflichtversicherungen sind für Autofahrer vorgeschrieben).

    Also noch mal: Ich sichere meine Mitfahrer mit meinem Geld gegen Straftaten ab, die andere begehen. In allen anderen Fällen ist es rausgeworfenes Geld.

  6. Mich auch hat Finanztip diesmal mit den Pauschalaussagen enttäuscht.
    1. Sterbegeldversicherung. Wenn man ein Todesurteil vom Arzt schon bekommen hat und nur nicht weiss, ob das Ende in einem Monat oder in einem Jahr kommt, ist Sterbegeldversicherung sehr empfehlenswert. Ausserdem gehört die nicht zum Nachlass und auch nicht zu der Berechnung des Pflichtteils. Ein sehr gutes Tipp für die, die einen gesetzlichen Erben enterben möchten.
    2. Reiserücktrittversicherung ist in mehreren Fällen sinnvoll, ich habe die schon zweimal genutzt. Beispiele: man ist arbeitlos, sucht aktiv die Arbeit, bucht man mit dem Partner den Sommerurlaub und wird eingestellt, mit Probezeit selbstverständlich, das ist ein Versicherungsfall. Man plant ein Kind und setzt die Pille ab, man weiss aber nicht, wann es klappt und plant den Urlaub. Und dritter Beispiel ist leider wieder mit dem Todesurteil für einen nächsten Verwandten verbunden. Tod von der Mama ist mal ein Grund für Reiserücktritt und Reiseabbruch Klar ist die Reiserücktrittversicherung bei einem Wochenendetrip nach Berlin mit Flixbus sinnlos. Wenn man aber einen teuren Urlaub plant und obengenannte Fälle hat, sollte man sich schon absichern. Verkraften kann man das, das Geld ist eh schon bezahlt. Es ist aber schöner, das zurück zu bekommen, wenn man Urlaub nicht eintreten kann.

  7. Beklemmend fine ich, dass es für den Großteil aller Versicherten keine Elementarversicherung gibt, weil sie in der willkürlich gezogene Zone 4 leben. 2Klassengesellschaft. Hier sollte es eine einheitliche, am besten beim Bund angesiedelte Versicherung geben.

    • Versicherungen verweigern Verträge nicht, weil ihnen ein Darmwind quer sitzt. Versicherungen wollen und müssen einen Gewinn erwirtschaften. Das können sie nur, wenn die Schadensquote einer Sparte positiv bleibt, also mehr eingenommen als ausgezahlt wird. Bis zu einem gewissen Grad kann auch quersubventioniert werden (manchmal bei der Kfz-Versicherung der Fall).

      Somit werden auch Zonen in der Elemntarversicherung nicht willkürlich gezogen, würden sich dadurch Versicherungen ja ins eigene Fleisch schneiden.

      Warum soll ich als Bürger, den günstigen Bauplatz von Herrn Müller mitfinanzieren, weil er in hochwassergefährdeten Bereichen baut, weil da ja das Bauland so schön günstig ist? Der Preis für Bauland hat bereIts das Elemntarschadensrisiko eingepreist. Durch das Ausnutzen des Steuerzahlers würde das bauen in hochwassergefährdeten Bereichen zusätzlich gefördert und die etwaigen Schadenssummen exorbitant erhöht.

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