Seit Mai verlangt der Broker Flatex Gebühren für das Wertpapierdepot: ein Zehntel Prozent zahlen Kunden pro Jahr auf ihr angelegtes Vermögen. Bei 10.000 Euro Guthaben sind das immerhin 10 Euro. Viele von Ihnen wollten daher wechseln – auf ein kostenloses Wertpapierdepot bei einem anderen Anbieter.

Doch bei manchen wollte der Depotübertrag nicht so recht klappen – er zog sich zum Teil einige Wochen lang hin. In Ihren Mails an Finanztip schilderten Sie uns insbesondere, dass der Flatex-Kundenservice sich häufig sehr lange nicht zurückmeldete. Wir haben uns daher noch einmal auf „Fehlersuche“ begeben.

Fehler-Checkliste durchgehen

Prüfen Sie einmal, ob einer der folgenden Punkte bei Ihnen zutrifft.

1. Sie haben nicht den Depotwechsel beantragt, sondern direkt eine Kündigung geschickt. Dort haben Sie nicht angegeben, auf welches neue Depot Ihre Aktien und Fonds übertragen werden sollen.

2. Sie haben eine bestimmte Kauf- oder Verkaufsorder an eine Wertentwicklung geknüpft, etwa: Wenn der ETF um 20 Prozent fällt, sollen Anteile verkauft werden. Vor der Kündigung haben Sie diese Einstellung nicht gelöscht.

3. Sie haben in einen ETF im Rahmen eines Sparplans angespart und daher sogenannte Bruchstücke von ETFs oder Fonds – also keine ganzen Fondsanteile – im Depot.

4. Sie haben ausländische Einzelaktien im Depot, deren Übertrag auf ein neues Depot einiges an Bürokratie bedarf.

In diesen Fällen kann es sein, dass der Wechsel nicht automatisch geht, sondern Flatex Ihre Anfrage manuell bearbeitet. Und das dauert länger.

Wie können Sie weiter vorgehen?

Achten Sie darauf, dass Sie auf Rückfragen des Kundendienstes zügig zu antworten. Falls Sie direkt gekündigt haben, versuchen Sie nachzureichen, auf welches Depot welche Aktien und Fonds übertragen werden sollen. Flatex hat dazu auch ein Formular, das Sie möglichst nutzen sollten (sog. Push-Übertrag).

Dort können Sie auch ankreuzen, dass nach dem vollständigen Depotübertrag das Depot gekündigt werden soll. Vergessen Sie in dem Fall nicht, rechtzeitig alle Dokumente und die Bestätigung des Depotübertrags auf Ihrem Rechner abzuspeichern.

Klar ist: Für einen Depotübertrag muss Ihr neues Depot einsatzbereit sein. Sie können auch beim neuen Depotanbieter ein Formular nutzen, damit dieser den Depotübertrag bei Flatex anschiebt (Pull-Übertrag). Das ist bequem, kann aber den Übertrag erneut verzögern.

Wie lang darf ein Depotübertrag dauern?

Vorab: Es gibt keine (gesetzliche) maximale Dauer, innerhalb derer ein Anbieter Ihr Depotguthaben übertragen muss. In „normalen“ – also nicht-Krisenzeiten – hängt es davon ab, welche Wertpapiere im Depot stecken. Bei gängigen ETFs, die Sie gegen Einmalbetrag gekauft haben, geht so ein Übertrag auch mal in unter einer Woche.

Wenn Sie dagegen Bruchstücke im Depot haben oder Aktien, die Sie an ausländischen Börsen gekauft haben, kann es auch länger dauern. Flatex spricht auf seinem (Push-)Formular von drei Wochen Übertragdauer. Wie Sie Bruchstücke verkaufen, lesen Sie hier.

In der Corona-Krise dagegen warten Kunden für Depotüberträge – bei Flatex und anderen Depotanbietern – auch mal länger. Mitarbeiter des Kundenservice arbeiten aus dem Home-Office. Neben Depotwechseln bearbeiten Depotanbieter zuletzt auch deutlich mehr Anträge von Neukunden als sonst – nach der Krise wollen viele einsteigen. So müssen Sie derzeit auch bei der Depoteröffnung vielerorts Geduld haben.

19 KOMMENTARE

  1. Mein Depotübertrag von flatex zur Comdirect zog sich sogar über Monate hin, genauer von Mitte Februar bis heute (15. Mai). Erkennbare Grund: keiner. Auf Anfragen wochenlangen Schweigen von flatex. Erst nach der x-ten Erinnerung mit schlussendlich Fristsetzung Anfang Mai zu heute (15.5.) tat sich dann was. Es gab also kein Grund (fehlende Daten, o.ä.) für die Verzögerung.

    • Hallo Herr Müller,
      danke für das Feedback. Wir wollen der Sache wirklich auf den Grund gehen, daher wäre es nett, wenn Sie Ihren Fall etwas genauer beschreiben: Haben Sie den Depotübertrag per Formular angefragt? Haben Sie das Formular der Comdirect benutzt oder das von Flatex? Welche Titel hatten Sie im Depot?
      Besten Dank für eine Rückmeldung!

  2. Leider die gleiche Erfahrung gemacht wie Peter Müller. Anfang März den Depotwechsel beantragt, fast einen Monat später eine Nachricht, dass ich das Depot angeben soll ohne Möglichkeit, direkt zu antworten. Auf den Hinweis, dass ich die Depotnummer notiert habe kam die Bestätigung des Depotübertrages. Aber auch das ist schon wieder mehrere Wochen her. Auch vorher hat der Kundendienst von Flatex nicht einmal zufriedenstellend auf Anfragen reagiert. Würde diesen Broker niemals jemandem empfehlen. Nur Ärger.

    • Liebe Frau Bartsch,
      darf ich auch Sie bitten, Ihren Fall näher zu beschreiben: Haben Sie das Formular der neuen Depotbank benutzt, das Formular von Flatex, einen Brief oder eine Mail geschrieben?
      Besten Dank!

  3. Ich kann mich dem Kommentar von Peter Müller voll ümfänglich anschliessen. Depotübertrag auf onvista per pull Übertrag am 20.02.20 an flatex. Nach mehreren Anfragen an den sog. „Kundenservice“ wurde mir endlich Anfang April der Eingang bestätigt, mit Hinweis auf Corona bedingte Verzögerungen. Bis heute, 15.05.20 ist jedoch nichts geschehen. Folge: nach über 15 Jahren Kunde bei flatex sage ich: Nie Wieder!!

  4. Kann mich den bisherigen Kommentaren nur anschließen. DepotÜbertrag zu Smartbroker mit dem Smartbroker-Formular beantragt (vorher schon Bruchstücke verkauft, nur ETF im Depot, keine ausländischen Aktien). Am 5. März Bestätigung von Flatex, das ausgefüllte Smartbroker-Formular ist im Flatex-Postfach hinterlegt. Danach keinerlei Reaktion trotz mehrfacher Anfragen über verschiedene Kommunikationswege. Am 05.05. habe ich meinen Fall bei Test.de gepostet, knapp vier Stunden später dann eine Nachricht von Flatex mit Eingangsbestätigung des Antrags und Hinweis auf Verzögerung der Abwicklung wegen Corona und gestiegenen Kundenaufträgen. Dann am 11.05. die große Überraschung: Depotübertrag erfolgt, allerdings nicht wie beauftragt zu Smartbroker, sondern auf ein anderes Depot von mir, auf das vorher von einem Firmen-Mitarbeiter-Depot bei Flatex Mitarbeiter-Aktien übertragen worden sind. Auf meine Intervention hin wieder Funkstille und keine Rückmeldung seitens Flatex. So ein Chaos habe ich wirklich noch nicht erlebt. Mit Kundenfokus und Kundenbetreuung hat das Flatex-Vorgehen absolut nichts zu tun.

  5. Kündigung des Depots mit Einschreiben und Rückschein am 14.2.20. Keinerlei Reaktion, Sparverträge beendet, trotz schriftlichem Widerruf meiner Einzugsermächtigung wurde erenut Sparrate abgebucht, die ließ ich zurückgehen – nachdem ich vor der angekündigten Abbuchung per Email das Abbuchen untersagt hatte und auf dann erfolgende Rücklastschrift hinwies. Stattdesssen bisher vier Mahnungen mit Fristsetzung zur Bezahlung der von Flatex offenkundig schon im Februar gekauften Anteile! Kein Depotübertrag zur Onvista bisher, Fristverstreichung trotz Anschreibens durch die Verbraucherzentrale des Saarlandes. Ganz offenkundig soll ich genötigt werden, die im Vorfeld von Flatex gekauften Anteile noch abzunehmen. Ich werde Strafantrag den gesamten Vorgang der BafIn übergeben sowie die Verbraucherzentrale um weitere Maßnahmen bitten.Absolut unterirdisch. Den gesamten Vorgang habe ich nebst Schriftverkehr Finanztip zugemailt.

  6. Ich kann mich den Kommentaren anschliessen. Depotübertrag auf onvista per onvisra-Formular Übertrag am 28.02.2020 an flatex. Nach mehreren Anfragen an den „Kundenservice“ wurde mir Mitte April der Eingang bestätigt, mit Hinweis auf Corona bedingte Verzögerungen. Bis heute, 15.05.20 ist jedoch nichts geschehen.

  7. Kündigung des Depots mit Einschreiben und Rückschein am 14.2.20. Keinerlei Reaktion, Sparverträge beendet, trotz schriftlichem Widerruf meiner Einzugsermächtigung wurde erenut Sparrate abgebucht, die ließ ich zurückgehen – nachdem ich vor der angekündigten Abbuchung per Email das Abbuchen untersagt hatte und auf dann erfolgende Rücklastschrift hinwies. Stattdesssen bisher vier Mahnungen mit Fristsetzung zur Bezahlung der von Flatex offenkundig schon im Februar gekauften Anteile! Kein Depotübertrag zur Onvista bisher, Fristverstreichung trotz Anschreibens durch die Verbraucherzentrale des Saarlandes. Ganz offenkundig soll ich genötigt werden, die im Vorfeld von Flatex gekauften Anteile noch abzunehmen. Ich werde den gesamten Vorgang der BafIn übergeben sowie die Verbraucherzentrale um weitere Maßnahmen bitten.Absolut unterirdisch. Den gesamten Vorgang habe ich nebst Schriftverkehr Finanztip zugemailt.

  8. Habe meinen Depotübertrag zweimal eingereicht: einmal durch die neue Bank im Jan, ist angeblich nicht angekommen, dann nochmal selbst abgeschickt Ende Feb.
    Telefonisch nicht erreichbar, schriftliche Anfragen werden nicht – oder erst nach Wochen- beantwortet.
    Am 20.Apr Beschwerde an die Bafin geschickt – Anfang Mai war es dann soweit.
    Jetzt warte ich noch auf eine angeforderte Bescheinigung- mal schaun wie lange.

  9. Leider teile auch ich diese Erfahrung. In der 8. Kalenderwoche habe ich zwei Aufträge zum Depotübertrag an Flatex übermittelt, die dort am 24. Februar vorgelegen haben müssen (Onvista-/Comdirect-Formular, ganzzahlige Posten gängiger europäischer ETFs).
    Es passierte nichts. Am 13. März habe ich per Kontaktformular nachgefragt. Es passierte nichts. Am 18. April kam per Kontaktformular eine Antwort (Eingangsbestätigung Aufträge, ’schnellstmögliche Bearbeitung‘). Es ist bis heute nichts passiert.
    Am 22. Mai geht der Vorgang zum BAFIN. Ein ‚Geldinstitut‘, dass einen Standardauftrag binnen 3 Monaten nicht abschließend bearbeiten kann, sollte in Deutschland 2020 keine Banklizenz haben.
    Auch Corona ist keine Entschuldigung, denn als die erheblichen Einschränkungen begannen, schmorte der Auftrag schon einige Wochen bei Flatex.

  10. Bei mir hat der Depotübertrag ca. 1,5 Monate gedauert:
    Am 22.2. habe ich das Pull-Formular an meine neue Depotbank geschickt. Bis zu meiner Anfrage bei Flatex Ende März ist ist nichts passiert. Dann, am 1.4., wurden meine Bruchstücke durch Flatex verkauft, und die verbleibenden Wertpapiere am 7.4. an meine neue Depotbank übergeben.
    Allerdings schreibt mir meine Depotbank, dass Flatex auch Informationen zu den Kaufwerten der Wertpapiere übermitteln könnte/sollte, das ist aber bisher (> 1 Monat später) nicht geschehen. Bei den steuerlichen Verlusttöpfen bin ich mir nicht sicher ob der Übertrag geklappt hat. Ich wende mich nochmals an beide Banken um das noch besser zu verstehen.

    Alles in allem ist der Prozess doch aufwendiger als ich gehofft hatte.

  11. In Kürze: Verlustverrechnungstopf wurde nicht übertragen.

    Ende Januar Auftrag zur vollständigen Depotübertragung per Brief an flatex gesandt.
    Angekreuzt waren „vollständiger Übertrag“ nach Verkauf von Bruchstücken und danach „Auflösung des Depots“. Ausdrücklich angekreuzt war „Übertrag des Verlustverrechnungstopf“, was möglich ist, wenn kein Gläubigerwechsel stattfindet.

    Übertrag erfolgte zum 14.04.20 an die DKB. Auf Nachfrage per Kontaktformular dort, ist kein Verlustverrechnungstopf eingegangen. Stand heute noch keine Reaktion seitens Flatex auf meine Aufforderung vom 05.05.20 dies nachzuholen. Nächste Woche werde ich erneut nachfragen müssen.

    Ich bin enttäuscht, dass standardisierte Vorgänge nicht funktionieren. Es kann nicht sein, dass man als Kunde solche Dinge überwachen muss.

  12. Ich habe am 01.03.20 einen Pull-Auftrag zum Einzug meines Flatex-Kontos und -Depots an die DAB Bank (Smartbroker) erteilt, der nach Angaben der DAB Bank unverzüglich weitergeleitet wurde. Heute, nach inzwischen 2,5 Monaten, habe ich mittels Flatex Push-Formular nochmals den Auftrag zum unverzüglichen Depot-Übertrag unter Beifügung des Pull-Auftrags vom 01.03.20 an die DAB Bank erteilt, begleitet von einem Schreiben m.d.B. um Stellungnahme, warum der Übertrag nach 2,5 Monaten noch nicht vollzogen ist sowie des Hinweises, dass ich (zugunsten von Flatex) nicht davon ausgehe, dass die inakzeptable Bearbeitungsdauer der Erzielung der kürzlich eingeführten Zinsen auf den Depotwert geschuldet ist. Alle Unterlagen sind gespeichert, mein Vortrag ist nachweisbar.

  13. Ich habe die gleichen Erfahrungen gemacht. Mitte Februar Antrag zum Depotübertrag per Post an flatex gesendet, Anfang April erfolgte immerhin eine Eingangsbestätigung. Seitdem ist nichts passiert. Es waren nur ganzzahlige ETFs im Depot. Das ist einfach nur unterirdisch. Könnt ihr da noch mal im Namen aller Finanztip-Leser Druck machen und nachhaken?

    • Hallo Christoph,
      ich schreibe Ihnen stellvertretend für Ihre „Mitstreiter“ hier im Blog und sage erstmal danke, dass Sie Ihre Erfahrungen teilen. Ihrer aller Ärger können wir gut verstehen! Neben Flatex haben auch andere Broker deutlich länger als normal gebraucht, Anträge auf Depot-Neueröffnung/Depotüberträge abzuwickeln. Auch die Bafin ist informiert und stand mit Flatex im Austausch. Verzögerungen sind die eine Sache, Fehler beim Übertrag allerdings die andere. Wir werden Flatex in Kenntnis setzen und nochmals appellieren, die Probleme nun zügig zu lösen.
      Wir hoffen, dass sich bald etwas tut.
      Viele Grüße,
      Sara Zinnecker

      • Guten Tag Frau Zinnecker,

        ich kann ihre Einschätzung, dass auch bei anderen Banken die Einrichtung von Depots und Depotüberträge länger dauern nicht teilen. Habe in den letzten 2 Monaten folgende Erfahrungen gemacht:
        Smartbroker Depoteröffnung 3 Wochen, in Corona Zeiten vollkommen okay.
        Depotübertrag ING zu Flatex = 2 Tage
        Depotübertrag Targo zu Smartbroker= 3 Tage
        Depotübertrag Flatex zu Smartbroker am 8.5. eingereicht, bis jetzt noch nichts passiert
        Ähnliche Erfahrung habe ich im Mai 2019 (kein Corona, keine Kündigungswelle bei Flatex) gemacht mit einem Depotübertrag zu Targo.
        Es scheint also ein struktuelles oder gewolltes Problem/Thema bei Flatex zu sein. Das schlimmste finde ich ist, dass die Bafin nichts unternimmt, zumindest nichts Nachhaltiges, zumal die Foren voll sind mit Beispielen. Schlimm auch, dass es keine gesetzliche Frist gibt für einen Depotübertrag.
        Man kommt sich auch von Flatex verhöhnt vor, wenn sie in ihrem Textbaustein Mails schreiben, man könnte ja weiter bei ihnen handeln. Warum mache ich denn einen Depotübertrag, weil ich dort nicht mehr handeln will und meinen Verlusttopf bei einer anderen Bank benutzen will.

        • Anzumerken ist, dass gefühlt die ganze Branche weiß, dass von flatex der Depotübertrag „ewig“ dauert.
          Anruf bei der DAB in München Anfang März wie lange es von flatex dauert. Antwort: aktuell min. 6 Wochen.

          Den postalisch eingereichten Push-Antrag von der flatex-Seite haben Sie dann kommentarlos irgendwann nach 2,5 Monaten bearbeitet (Anfang März eingereicht -> Mitte Mai bearbeitet).

          Die genannten Zeiten von finanztip sind daher für flatex etwas sehr sehr optimistisch 🙂

  14. Gleiche Erfahrung auch bei mir. Depotübertrag per Flatex-Formular ca. Anfang März (Ende Februar?) angestoßen.
    Am 31. März kam immerhin ein email, dass die Transaktion Corona-bedingt länger dauern wird und dass „… selbstverständlich […] ab sofort und bis zur vollständigen Ausführung Ihres Depotübertrags keine Depotgebühr in Rechnung gestellt wird.“
    Seitdem hat sich aber nichts mehr getan. Die o.a. Nachricht ist mit dem Status „geschlossen“ markiert.
    Ich habe lediglich einen deutschen Standardtitel (SDAX-Aktie) im Depot.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT