Das Alter genießen
Bild: Lady-Photo, iStock.com

Von Sara Zinnecker

Wir Frauen planen ganz gern im Voraus. Und wir fühlen uns wohler, wenn wir alle Unwägbarkeiten der Zukunft einmal durchdacht haben. Dazu gehört zwangsläufig auch die Überlegung: „Auf die gesetzliche Rente kann ich mich nicht verlassen, darum sollte ich schleunigst anfangen, privat fürs Alter vorzusorgen.“ Durch unsere Arbeit bei Finanztip begegnen wir öfter anderen Frauen, die bereits eine Weile im Berufsleben stehen und plötzlich nervös werden: Sie fürchten, zu spät dran zu sein mit der Vorsorge.

„Irgendwie habe ich nie mit der Vorsorge angefangen.“

Bleiben Sie erstmal ruhig. Zwar ist es grundsätzlich besser, möglichst lange anzusparen – aber wer sich mit Mitte 30 das erste Mal Gedanken über die Vorsorge macht, liegt noch immer gut in der Zeit. Erst in diesem Lebensabschnitt haben Sie ja häufig das Geld übrig, um monatlich einen ordentlichen Betrag zur Seite legen zu können. Wie viel Geld Sie für die Vorsorge in die Hand nehmen wollen, hängt von zwei Dingen ab: Welchen Berufsweg haben Sie eingeschlagen? Und wie viel Geld möchten Sie im Alter zur Verfügung haben? Es ist also an der Zeit für eine Bestandsaufnahme Ihrer Finanzen!

„Ein Mann ist keine Altersvorsorge.“

So lautet der Titel des Bestsellers von Finanzberaterin Helma Sick. Sie hat sich in den Nachkriegsjahren hochgearbeitet und schließlich vom Ehemann – persönlich und finanziell – emanzipiert. Ja, es gibt den Versorgungsausgleich, sollten Sie sich vom Partner scheiden lassen. Und ja, es gibt die Witwenrente, falls Ihr Ehemann vor Ihnen verstirbt.

Aber: Lassen Sie sich doch auch ein wenig vom Helma Sick inspirieren, nehmen Sie den Ordner aus dem Regal und schauen Sie in die Verträge, die auf Ihren Namen laufen. Bekommen Sie ein Gefühl für die Summe, die später einmal nur Ihnen zusteht.

Frage eins: Wie viel Rente können Sie eigentlich erwarten? Sind Sie Angestellte, dann schauen Sie in die jährliche Übersicht der gesetzlichen Rentenversicherung. Als Freiberuflerin werfen Sie einen Blick in die Aufstellung Ihres berufsständischen Versorgungswerks. Sind Sie Beamtin? Dann fragen Sie mal nach Ihrem Pensionsanspruch.

Frage zwei: Haben Sie sonst noch Verträge, eine Lebensversicherung vielleicht? Eine betriebliche Altersvorsorge? Zahlen Sie eine Immobilie ab, in der Sie später mietfrei wohnen?

„Es ist doch alles zu unübersichtlich, das kann ich später noch machen.“

Das Vorsorgesystem in Deutschland ist tatsächlich unübersichtlich. Bleiben Sie trotzdem dran und überschlagen Sie Ihre Ansprüche. Ziehen Sie (über den Daumen gepeilt) einmal 20 Prozent ab, denn wahrscheinlich fallen auf Ihre Rente aus den verschiedenen Töpfen noch Steuern und möglicherweise Sozialabgaben an. Nur so wissen Sie, wie viel im Zweifel fehlt und können rechtzeitig gegensteuern.

Eine Daumenregel haben wir für alle, die nur gesetzlich abgesichert sind: Wahrscheinlich reichen Ihnen im Alter um die 80 Prozent von dem, was Sie heute (netto) verdienen. Um das Niveau zu erreichen, müssten Sie etwa über 30 Jahre pro 100 Euro Nettogehalt 15 Euro zusätzlich zurücklegen.

Wenn Sie also 2.000 Euro netto verdienen, sollten Sie 300 Euro im Monat zur Seite legen. Noch genauer erklärt das unser Kollege Saidi im Video. Weitere Beispielrechnungen finden Sie auch in unserem Ratgeber zur privaten Altersvorsorge.

Wenn Sie sich bei den Rentenansprüchen unsicher sind: Vereinbaren Sie einen Termin bei der Deutschen Rentenversicherung und lassen sich kostenlos beraten. Vielleicht können Sie sogar weitere Rentenpunkte bekommen, weil Sie zum Beispiel Kinder betreut oder Verwandte gepflegt haben.

„Dann schließe ich eine Lebensversicherung ab.“

Viele Jahre lang war die Lebensversicherung die Vorsorgeform Nummer eins in Deutschland. Doch wegen der anhaltend niedrigen Zinsen und oft hohen Kosten lohnt sich die Versicherung nicht mehr. Ein günstiger Riester-Vertrag mit extra Zulagen für jedes Kind könnte besser passen. Oder eine flexible Vorsorge mit einem günstigen ETF-Sparplan. Lang genug angespart, kommt da einiges an Geld zusammen. Was zu Ihnen passt, stellen wir übersichtlich als Entscheidungsbäume im Ratgeber Altersvorsorge dar.

„Aber ich brauche doch einen Berater!“

Tatsächlich kann sich eine Beratung lohnen. Wenn Sie zum Beispiel schon ein paar Verträge in den vergangenen Jahren abgeschlossen haben, wollen Sie sich vielleicht versichern, dass die gut sind. Die Verbraucherzentralen bieten eine gute Überprüfung gegen eine geringe Gebühr an. Wenn Sie sich ausführlicher beraten lassen wollen, eignet sich ein Honorarberater.

Es gibt aber auch Dinge, die können Sie gut mit Ihrem Partner ausmachen – ohne externe Hilfe. Wenn Sie zum Beispiel den Verlust bei der Altersvorsorge zum Teil wettmachen wollen, den einer von Ihnen hat, weil er oder sie die Kinder betreut. Sie können dann ausrechnen, wie viel Gehalt und damit Einzahlung in die Rentenkasse oder andere Verträge verloren geht.

Mit dieser Folge endet die Frauen-Serie. Wir hoffen, sie hat Ihnen gefallen. Wenn ja, empfehlen Sie sie doch Ihren Freundinnen weiter!

Serie Frauen und Finanzen

Haben Sie Ihr Gehalt hart verhandelt? Mit Aktien schon mal Rendite gemacht? Steckt Ihr Partner beruflich für Sie zurück?

Wenn Sie diese Fragen eher mit nein beantworten, sind Sie hier richtig: in unserer Serie über Finanzen – aus weiblichem Blickwinkel. Geschrieben von den Frauen aus der Finanztip-Redaktion. Falls wir mal im Klischee landen, nehmen Sie uns das bitte nicht krumm. Wir wissen, dass nicht alle Frauen gleich sind. Aber am Ende kann wohl jede was aus dieser Serie ziehen. Und vielleicht auch der eine oder andere Mann.

1. Gehalt, Versicherungen und Konto
2. Rendite und Risiko mit Aktien
3. Warum es sich ohne Trauschein riskanter lebt
4. Hauskauf ohne falsche Kompromisse
5. Kind oder Karriere – oder was?
6. Trennung ohne Rosenkrieg
7. Wir brauchen kein Testament, oder?
8. Wissen, was Ihnen im Alter zusteht!

Sara Zinnecker
Autor

Stand:

Sara Zinnecker war bis Juni 2020 Finanztip-Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.

1 Kommentar

  1. Guter Beitrag. Ich finde Frauen sollten selbst mehr die Zügel in die Hand nehmen. Habe selbst viele Personen beraten, die sich zu sehr auf den Partner verlassen. Dann kann man im Alter zwar noch zum Augenarzt gehen oder sich ein Hörgerät besorgen, aber wenn der Partner nicht mehr da ist, fehlt dann der Überblick über alles Finanzielle…

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