Frau liest in ihrer Wohnung eine Illustrierte
Es führt ein harter Weg ins gemütliche Zuhause. Bild: George Marks / iStock.com

Mehr Platz, schön gelegen, ein kleiner Garten – viele Frauen träumen von den eigenen vier Wänden.

„Ein Haus im Grünen wäre gut für uns.“

In unserer Fantasie entspannen wir uns allabendlich im Garten unseres Traumhauses vom Tag im Büro; am Wochenende bauen wir etwas Gemüse an und schauen den Kindern beim Toben auf dem Rasen zu. Träumen ist etwas Schönes, doch wenn Sie wirklich ein Haus kaufen, führt am Realitäts-Check kein Weg vorbei: Was ist Ihnen wirklich wichtig?

Wenn Sie raus ins Grüne ziehen wollen, müssen Sie längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen: Ins Büro, zur Schule, ins Theater. Wie viel der Entspannung im schönen Zuhause geht dabei wieder verloren? Wenn Sie wiederum ins angesagte Szeneviertel ziehen wollen, sind die guten Ausgehmöglichkeiten wirklich den Preisaufschlag wert? Alles Fragen, die Sie in Ruhe klären sollten.

„Ich kümmere mich um die Einrichtung, er um die Finanzen.“

Realitäts-Check bestanden? Dann dürfen Sie jetzt natürlich schon mal auf Pinterest das imaginäre Wohnzimmer einrichten. Viel wichtiger aber ist: Überlegen Sie, wie teuer die Immobilie sein darf! Und überlassen Sie das bitte nicht allein Ihrem Partner. Selbst wenn der sich vielleicht besser mit Zahlen auskennt – oder das auch nur denkt.

Denn die Frage, wieviel Sie sich leisten können und wollen, werden Sie sich während dieser größten Anschaffung Ihres Lebens immer wieder stellen. Und das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Wir haben zu diesem Zweck einen Rechner entworfen, mit dem Sie herausfinden, welche Kreditsumme Sie sich noch leisten können.

Und wenn Sie ohne Partner eine Immobilie kaufen, müssen Sie das sowieso alles selber machen.

Es ist nämlich so: Bis Sie Ihr Haus gefunden haben, werden Sie Kompromisse machen müssen. Ihre Lieblingsimmobilie werden Sie sich wahrscheinlich nicht leisten können. Vermutlich wird das Haus dann doch etwas weiter weg von der S-Bahn liegen. Möglicherweise nicht genau in Ihrem Lieblingsviertel. Während der Suche merken Sie erst, was Ihnen wirklich wichtig ist. Vielleicht muss der Garten gar nicht 1.000 Quadratmeter haben, wenn Sie dafür näher an Familie und Freunden leben. Vielleicht muss es kein ganzes Haus sein, sondern es reicht auch eine Doppelhaushälfte. Oder eine Wohnung. Bei der Suche hilft übrigens unsere Checkliste.

„Vielleicht können wir das doch stemmen.“

Machen Sie also Kompromisse, aber bitte nicht beim Preis! Lassen Sie sich nicht verleiten, mal 10.000 Euro hier draufzupacken, mal 10.000 Euro dort. Halten Sie sich ans gesetzte Limit. Das ist harte Arbeit: Die ersten Besichtigungen machen noch Spaß. Doch wenn Sie kein Glück haben, stellen Sie nach wochenlangem Suchen auf Immobilienportalen womöglich fest: Die für Sie bezahlbaren Häuser mit „Sanierungscharme“ sind wahre Bruchbuden.

Was helfen kann: Suchen Sie alternative Wege. Verteilen Sie schön gestaltete Zettel in Ihrer Wunschregion. Sprechen Sie die Leute in ihren Vorgärten an. Vielleicht kommen Sie so sogar um die Maklerkosten herum.

Apropos Makler. Denken Sie daran, dass Sie neben dem Kaufpreis noch jede Menge Nebenkosten haben. Fünf bis fast 15 Prozent des Kaufpreises zahlen Sie nochmal für die Grunderwerbsteuer, den Notar und womöglich auch für den Makler. Und dann wollen Sie es ja auch noch einrichten.

„Wir teilen alles!“

Den Darlehensvertrag werden Sie in der Regel zu zweit abschließen müssen. Klären Sie von Anfang an, wie hoch die monatliche Rate sein darf – und wer wieviel davon zahlt.

Kaufen Sie zu zweit, dann sollten Sie unbedingt klären, wer zu welchen Teilen im Grundbuch steht. Dass Ihr Name dort vermerkt ist, ist für die Eigentumsfrage entscheidend: Denn das Haus gehört dem, der im Grundbuch steht und nicht dem, der am meisten dafür bezahlt hat.

Die Grundbuch-Anteile lassen sich beliebig aufteilen: Es muss also nicht 50/50 sein, vielleicht ist 70/30 fairer. Das mag jetzt noch keine Rolle spielen, doch auch die schönste Beziehung kann in die Brüche gehen und dann ist die Frage, ob man noch so fair miteinander umgeht, wie es mal versprochen war.

Wenn zum Beispiel Ihre Eltern Startkapital für Sie zur Immobilie dazuschießen, ist das zunächst einmal Ihr Geld. Und gerade wenn Sie vielleicht etwas weniger verdienen als Ihr Partner: Dann kann es für Ihre Altervorsorge einen großen Unterschied machen, wenn im Grundbuch festgehalten ist, dass Sie mehr zur Immobilie beigetragen haben.

Um den Kaufvertrag zu unterschreiben und sich ins Grundbuch eintragen zu lassen, müssen Sie zum Notar. Falls Sie unverheiratet mit Ihrem Partner zusammenleben, klären Sie mit dem Notar, ob es Sinn macht, zusätzlich einen Partnerschaftsvertrag abzuschließen.

Darin können Sie festhalten, wer wie viel zu der Immobilie beiträgt. Also wer zum Beispiel welchen Beitrag zur Kreditrate zahlt, wer Sondertilgungen leistet und so weiter.

„Bis dass der Tod uns scheidet.“

Man weiß nie, wie das Leben so spielt. Sie sollten daher mit einer Risikolebensversicherung sicherstellen, dass Sie auch alleine den laufenden Kredit bedienen könnten. Verheiratete können sparen, indem sie eine gemeinsame Versicherung abschließen, Unverheiratete sollten getrennte „Über-Kreuz“-Verträge abschließen, das mindert im Fall der Fälle die Erbschaftsteuer.

Verstirbt Ihr Partner, so bewahrt die Versicherung Sie unter Umständen davor, das Haus an die Bank zu verlieren. Wichtig: Gibt es kein Testament und Sie sind nicht verheiratet, erben nur die Angehörigen Ihres Partners: Je nach Situation seine Kinder, Eltern oder Geschwister – und nicht automatisch Sie. Ein Testament schafft da Klarheit, allerdings können für Unverheiratete hohe Erbschaftsteuern anfallen.

 

Serie Frauen und Finanzen

Haben Sie Ihr Gehalt hart verhandelt? Mit Aktien schon mal Rendite gemacht? Steckt Ihr Partner beruflich für Sie zurück? Wenn Sie diese Fragen eher mit nein beantworten, sind Sie hier richtig: in unserer Serie über Finanzen – aus weiblichem Blickwinkel. Geschrieben von den Frauen aus der Finanztip-Redaktion. Falls wir mal im Klischee landen, nehmen Sie uns das bitte nicht krumm. Wir wissen, dass nicht alle Frauen gleich sind. Aber am Ende kann wohl jede was aus dieser Serie ziehen. Und vielleicht auch der eine oder andere Mann.

1. Gehalt, Versicherungen und Konto
2. Rendite und Risiko mit Aktien
3. Warum es sich ohne Trauschein riskanter lebt
4. Hauskauf ohne falsche Kompromisse
5. Kind oder Karriere – oder was?
6. Trennung ohne Rosenkrieg
7. Wir brauchen kein Testament, oder?
8. Wissen, was Ihnen im Alter zusteht!

1 KOMMENTAR

  1. Zum Haus mit „Sanierungscharme“: wir haben uns auch ein altes Haus gekauft, in der Wunschgegend und haben es komplett renoviert/saniert. So habe ich nun ein Haus wie es mir gefällt. Zudem haben wir auch noch Zuschüsse bekommen, die Grundsteuer ist auch nicht so hoch wie bei einem neuwertigen Haus. Das sollte man schon auch bedenken. Letztendlich waren wir immer noch günstiger als mit einem neueren Haus und doch ist alles ganz neu ! Der Wert des „Sanierungshauses“ ist nun ebenfalls gestiegen und wie gesagt, war es doch günstiger als ein neuwertiges Haus, indem ich ja auch nicht alles so übernehmen möchte. Für mich, z.b. war ein neues Badezimmer sehr wichtig, egal wie neuwertig das in einem neueren Haus gewesen wäre.

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